Studium

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Was Hänschen nicht lernt…

So sieht es oft bei Schulreferaten aus. Weil die Lehrer selbst wenig von Präsentationen verstehen, lernen es die Schüler falsch.

Man sollte meinen, dass es in der Wissensgesellschaft zu unseren wichtigsten Fähigkeiten zählt, Ideen verständlich zu erklären und andere für seine Ideen zu begeistern. Ist aber offenbar nicht so, denn es sieht immer noch düster aus in der Ausbildung zum sog. Knowledge Worker. Dort, wo Kommunikation auf dem Lehrplan steht, werden die kommunikativen Fähigkeiten eher verdorben als verbessert. Das ist sogar eher schlimmer geworden, seit in den Schulen Referate mit PowerPoint gehalten werden.

Wer nicht selber denkt, wird verdorben

Schon zu unserer Zeit hatten Referate nichts mit guter Kommunikation zu tun. Im Gegenteil: es war immer eher eine Prüfungssituation und ging selten – eigentlich nie – darum, neue spannende Ideen in die Köpfe der Mitschüler zu pflanzen. Für die Lehrer waren die exakten Jahreszahlen und Fakten wichtiger, als den Schülern beizubringen, wie man die Klasse für ein Thema begeistert. Klar, Fakten kann man ja auch viel leichter prüfen.

An Uni und im Job wird es nicht besser. Weil es falsch vorgelebt wird, wird der Nachwuchs letztlich verdorben.

An der Uni ist es nicht besser. Zwar haben die Professoren und Betreuer wenigstens selbst recht viel Erfahrung im Schreiben und Präsentieren, aber die falsche. Sie machen es selbst nicht gut und sollen es dann anderen beibringen. Dabei kommt dann so etwas heraus wie die 1-7-7-Regel oder, dass man die wichtigsten Punkte auf einer Folie hervorheben soll (anstatt z.B. überhaupt nur das Wichtige drauf zu schreiben).

Wer danach noch nicht verdorben ist, wird spätestens im Unternehmen verdorben, wo man lernt, dass das schon immer so gemacht wurde, dass das so erwartet wird und dass ja schließlich die Präsentation auch Dokumentation und Handout sein soll.

Taugen die Lösungsansätze?

Erkannt ist das Problem schon lange. Die Lösungen überzeugen aber meist nicht. An den Schulen werden heute Präsentationen mit PowerPoint geübt – von Lehrern, die nicht wissen, worauf es dabei ankommt. Stattdessen bekommen die Schüler die ewig falschen Regeln eingebläut.

An den Unis gibt es, teils verpflichtende, Kurse zu Soft Skills – von denselben Professoren oder Assistenten, die auf Konferenzen und in Vorlesungen langweilige und unverständliche Vorträge halten.

Wir brauchen eine flächendeckende Grundausbildung in guter Kommunikation

Was wir brauchen, ist eine Ausbildung, die den Schülern, Studenten und Berufsanfängern beibringt, wie sie ihre Ideen klar kommunizieren und ein Publikum für ihr Thema begeistern; wie sie mit klarer Gestaltung Gedanken sichtbar machen und wie sie auch komplizierte Ideen in Klardeutsch erklären.

Wir brauchen eine flächendeckende Grundausbildung in guter Kommunikation. Nicht nur für die Schüler und Studenten, sondern auch für die Ausbilder.

Das geht nur mit echten Profis. Die HAWK Hildesheim ist da z.B. mit Anke Tröder seit Jahren Vorreiter. Auch an der Uni Osnabrück hat man das erkannt und in diesem Semester solch ein Programm gestartet, für das ich einen Lehrauftrag habe.

Das kann jedoch nur ein Anfang sein. Was wir brauchen, ist eine systematische Ausbildung. Und zwar nicht nur für die Schüler und Studenten, sondern auch – und gerade – für diejenigen, die sie ausbilden. Diese würden übrigens ganz unmittelbar auch persönlich in ihrem Job davon profitieren.

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Buchempfehlung: Geile Show!

Als ich zu Uni-Zeiten meine ersten Präsentationen hielt, brachte man mir bei:
1. Alles, was du sagst, soll sich auch auf den Folien wiederfinden
2. Keine so großen Bilder, das wirke unseriös
3. Schriftgröße 18pt sei optimal

Natürlich ist all das ein ziemlicher Blödsinn. Ich würde fast sagen, eher das Gegenteil dessen ist richtig. Das Problem dabei ist: So wie mir ist es Tausenden von Studenten gegangen – und es geht Ihnen heute noch nicht besser. Mit anderen Worten: Wenn man aus der Uni – oder einer anderen Ausbildung – kommt, dann ist man in Sachen Präsentation erst einmal gründlich verdorben.

Ursache des Übels ist, dass eigentlich niemand in der Uni wirklich in der Lage war, mir die Prinzipien sinnvoller Präsentationen zu erklären, weil er sie nämlich selbst nicht kannte. Ja, ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, viele der „Lehrer“ in Sachen Präsentation (Seminarleiter etc.), waren eigentlich eher besonders ungeeignet dafür, denn die meisten dieser „Lehrer“ tappen ja selbst in all die Präsentationsfallen und nutzen Bullet-Point-Salven, bei denen man einschlummert (ihnen hat ja auch niemand gezeigt, wie es besser geht). Kein Wunder also, dass es so viele schlechte Präsenationen gibt; man lernt es falsch und – einmal im Job angekommen – machen es alle anderen genau so.

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Gerade deswegen habe ich mich sehr gefreut, als mir vor Kurzem ein interessantes, neues Buch ins Haus geflattert ist: Geile Show! von Oliver Reuther. Geile Show! – man hört es schon am Titel – richtet sich an ein junges Publikum, nämlich Schüler, Studierende und Job-Einsteiger, und möchte ihnen erklären, wie man eine gute Präsentation hält; oder eben in den Worten des Autors: eine geile Show.

In einer frischen und jugendtauglichen Sprache streift Oliver Reuther fast alle Aspekte der Präsentation. Vom Finden der Kernaussage zur sinnvollen Struktur über die anschauliche Visualisierung bis hin zum gelungenen Auftritt führt er in alle Themen kurz ein und hat dabei sicher auch den ein oder anderen Tipp für erfahrenere Vortragende auf Lager. Dabei strebt er nicht nach Perfektion, sondern empfiehlt einen pragmatischen Umgang mit dem Thema Präsentation. Das Wichtigste ist eben, dass die Botschaft ankommt. Und für den Autor ist das Wichtigste, dass mehr Menschen schon in ihrer Ausbildung lernen, wie das geht.

Ich bin mir nicht sicher, wie viele Jugendliche sich tatsächlich durch das mit 290 Seiten nicht gerade kurze Buch wälzen. Gerade die Vielfalt der Themen und Details, die behandelt werden, könnten den ein oder anderen abschrecken. Für diejenigen gibt es aber andererseits eine kostenlose Kurzfassung als eBook.

Auch, wenn man es vielleicht noch etwas jugendtauglicher hätte machen können (man denke z.B. an Dan Pinks Karriereratgeber), freue ich mich, dass es – endlich – auch ernstzunehmende Hilfestellung für bessere Präsentationen gibt, die sich explizit an ein jüngeres Publikum bis hin zum Job-Einsteiger richtet. Wir brauchen mehr davon.

[Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]

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