Lampenfieber

Vortragsangst ist ein Lotse

Vortragsangst ist ein Lotse

Vortragsangst in Form von Lampenfieber ist normal, selbst für erfahrene Redner, die top vorbereitet sind. Sie ist Teil des Spiels.

Wer keine Angst hat, der hat auch nichts zu verlieren. Wenn Sie aber immer bloß das sagen, wozu sowieso alle nicken, würden alle viel Zeit sparen, wenn der Vortrag erst gar nicht stattfände.

Das Ziel ist gar nicht, keine Angst zu haben, sondern der Angst etwas entgegenzusetzen. Nämlich den Willen, mit der Präsentation etwas zu erreichen: Mitarbeiter zu inspirieren. Investoren zu überzeugen. Ihr Publikum zu begeistern …

Der Punkt ist: Erst wenn es etwas zu verlieren gibt, gibt es auch etwas zu gewinnen. Erst wenn es die Möglichkeit des Scheiterns gibt, lohnt sich der Aufwand. Es ist per Voraussetzung schwierig.

Was also wollen Sie erreichen? Lohnt es sich?

Wenn es sich lohnt, dann lohnt es auch, gegen das Lampenfieber zu bestehen.

Insofern ist Vortragsangst ein Lotse. Erst wenn Sie Angst spüren, wissen Sie, dass Sie etwas sagen, dass nicht selbstverständlich ist. Erst dann gibt es etwas zu gewinnen, doch stets auch die Möglichkeit, dass es den Zuhörern nicht gefällt.

Lampenfieber ist notwendig, wenn Ihre Präsentation notwendig ist.

Wie wird man souverän beim Vortragen? -> Prepare. Present. Repeat!

Wie wird man souverän beim Vortragen?

Wie wird man souverän beim Vortragen? Indem man vorträgt. Immer wieder.

Mitreißende Präsentationen hält derjenige, der es oft tut und der versucht, jedes Mal ein bisschen besser zu werden. Top-Speaker sind deswegen so gut, weil sie den gleichen Vortrag hunderte Male halten. Sie kennen ihren Vortrag in und auswendig und sie haben die meisten Situationen bereits ähnlich erlebt. Deswegen können sie so souverän auf unvorhergesehenes reagieren und so spontan auf Kommentare aus dem Publikum antworten.

Präsentieren gehört zu den Fähigkeiten, die man nicht alleine mit einem Lehrbuch lernen kann. Man muss vor Menschen treten und präsentieren. Wenn man das oft genug tut, passiert u.a. folgendes:

Sie werden souveräner, denn Sie bekommen mit jedem Vortrag mehr Routine, werden gelassener, wissen, was kommt. Sie finden die Stellen, die noch nicht rund sind und verändern sie solange, bis sie passen. Sie lernen, wie Sie auf Fragen reagieren, deren Antwort Sie noch nicht kennen, nehmen Besserwissern schlagfertig den Wind aus den Segeln und finden den roten Faden schnell wieder, wenn sie ihn doch einmal aus den Augen verlieren sollten.

Sie werden spontaner, denn je öfter Sie etwas tun, desto mehr Situationen erleben Sie. Eine unerwartete Frage bringt Sie nicht aus der Ruhe. Die Anekdote, die Sie in der Kaffeepause vor Ihrem Vortrag bei Small Talk aufgeschnappt haben, fügen Sie mühelos in Ihre Story ein.

Und Sie werden authentischer, denn Sie zeigen sich von Ihrer „echten“ Seite, nicht der angestrengten Hoffentlich-mach-ich-nichts-falsch-Seite.

Kurz: Sie zeigen sich von Ihrer besten Seite, weil Sie sich wohl fühlen.

Nutzen Sie jede Gelegenheit, zu präsentieren und laut zu üben. Und holen Sie sich ehrliches Feedback von Menschen, denen Sie vertrauen.

12 Fragen: 11. Hab ich alles?

Es kann losgehen. Sie haben sich sorgfältig vorbereitet, einen fesselnde Story und tolle Folien. Beamer an! Nur: leider passt der Adapter nicht. Erst Hektik, dann Panik, gefolgt von verzweifelten „Ähs“ und „Öhs“. Vermeiden Sie diesen Last-Minute-Stress, indem Sie sich eine sorgfältige Checkliste machen, auf der Sie alles abhaken, was Sie für Ihren Vortrag brauchen.

Let’s Talk – Folge 22: Liebe statt Lampenfieber

Heute zu Gast: Claudia Dalchow, Schauspielerin, Sängerin und Sprecherin aus Köln.

Wir haben uns unterhalten über Schauspieler und Versteckspieler, über den Moment, wenn man auf eine Bühne geht, atemberaubende Spannung und pure Freude, über Adrenalin und Spiegelneuronen, über das Glück, unglaublich nette Kollegen zu haben, über die perfekte Vorbereitung, die richtige Einstellung und den ersten Schritt und über das, was man einfach aushalten muss.

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Wie es zu einer Präsentation kommt – oder auch nicht

Bitte ankreuzen:

☐ Ich habe etwas zu sagen, will es sagen und darf es auch.

☐ Ich habe etwas zu sagen, will es sagen, darf aber nicht.

☐ Ich habe etwas zu sagen, will es zwar nicht, muss aber.

☐ Ich habe etwas zu sagen, tue es aber nicht.

☐ Ich habe nichts zu sagen, will aber und darf.

☐ Ich habe nichts zu sagen, will aber und darf nicht.

☐ Ich habe nichts zu sagen, will es auch nicht, muss aber.

☐ Ich habe nichts zu sagen und tue es auch nicht.

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Neulich im Weltall

Sie schweben durch’s All. Mit nichts als einer dünnen Sicherheitsleine, die Sie in an Ihrer Raumstation hält. Sie bewundern die Schönheit der Erde von oben, die dünne blaue Schicht, die unseren Planeten von unendlichem Schwarz trennt. Und auf einmal können Sie nichts mehr sehen.

Panik! Sie rudern umher, wissen nicht mehr, wo oben und unten ist, geschweige denn wie Sie zur Einstiegsluke zurückfinden. Das ist der Stoff, aus dem die wirklich fiesen Alpträume gemacht sind, oder? Denkste. Ist im echten Leben passiert. Nämlich dem kanadischen Astronauten Chris Hadfield auf einem seiner Allspaziergänge außerhalb der Internationalen Raumstation.

Ja, das Leben eines Astronauten ist gefährlich.

Quasi in jeder Sekunde seines Einsatzes riskiert er sein Leben. Es könnte soviel passieren. Der Shuttle könnte beim Start explodieren, an Bord könnte Feuer ausbrechen, ein Stück Weltraumschrott könnte die Station treffen, die mit 8 km die Sekunde um die Welt rast (das kann tatsächlich nicht nur im im Film Gravity passieren, der Schrott ist nämlich überall), der Fallschirm der Wiedereintrittskapsel könnte nicht aufgehen oder, tja, man könnte beim Weltraumgang auf einmal nichts mehr sehen.

Wie schafft es ein Astronaut wie Chris Hadfield, nicht in jeder Sekunde von jedem Tag in der Schwerelosigkeit völlig wahnsinnig vor Angst zu werden? Wie hat er es geschafft, blind im Weltall nicht einer rasenden Panik nachzugeben?

Keine Panik!

Zugegeben, Hadfield ist schon eine ziemlich coole Socke. Aber extreme Situationen meistert er, wie alle Astronauten, mit einer Technik: Routine. Astronauten üben in ihrer Ausbildung, sich auf jede Eventualität vorzubereiten. Sie gehen Szenarien und Notfälle durch, immer und immer und immer wieder. Bis sich die Abläufe so eingeprägt haben, dass in in Extremfällen nicht die Angst die Kontrolle übernimmt, sondern die Routine.

Orientierungslos im All werden Sie sich wahrscheinlich (hoffentlich) nie wiederfinden. Aber jeder Vortragende hat Angst vor diesem Moment, in dem etwas aus dem Ruder läuft und er völlig aus dem Konzept kommt. Wenn er die Orientierung verliert und nicht mehr weiß, wo es weitergeht. Kann passieren, wir sind ja alle nur Menschen. Wir können Lampenfieber bekommen, der Beamer kann ausfallen, Sie könnten Ihre Redekärtchen zuhause vergessen.

Aber Sie können etwas dagegen tun, dass sie in Folge dessen blind umherrudern. Schauen Sie es sich bei den Astronauten ab und üben Sie, bis Sie Ihren Vortrag im Schlaf halten könnten. Bis Sie ihn sozusagen auch blind im Weltall halten könnten.

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Was ist Lampenfieber und was kann man dagegen tun?

Es gibt viele Tipps & Tricks gegen Lampenfieber. Manche wirken, manchmal, manche manchmal nicht und manche gar nicht. Aber die Frage ist doch: Was ist eigentlich Lampenfieber und woher kommt es? Wer das verstanden hat, der kann wirkungsvoll etwas dagegen tun. 

TED-Ed hat ein hervorragendes Video veröffentlicht, das genau diese beiden Fragen beantwortet. Was ist Lampenfieber und wie kann man sich dagegen wehren:

Ausführlichere Informationen finden Sie in dem zugehörigen Artikel „What happens to our brains when we have stage fright: The science of public speaking“.

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Vor dem Vortrag

Nervöser Geschäftsmann kauft auf den Fingernägeln

Es ist kurz vor der Präsentation und die ersten Teilnehmer kommen schon herein. Sie klicken noch einmal die Folien durch und trinken einen Schluck Wasser. Die Hände sind ein bisschen feucht, denn Sie kennen keinen einzigen der Teilnehmer. Hoffentlich stellen die keine fiesen Fragen; einige von denen gucken schon so grimmig. Sie warten ungeduldig die Vorstellung durch den Gastgeber ab, treten dann hinter Ihr Pult und begrüßen Ihr Publikum.

Oder lieber so:

Drei Geschäftsleute unterhalten sich locker

Es ist kurz vor der Präsentation und die ersten Teilnehmer kommen schon herein. Sie gehen auf sie zu, stellen sich vor und sagen: „Schön, dass Sie da sind. Ich wusste gar nicht dass…“ Das wiederholen Sie auch mit anderen Teilnehmern, die nach und nach den Raum betreten. Während der Vorstellung durch den Gastgeber lächeln Sie und blicken in die jetzt bekannten Gesichter. Dann gehen Sie auf das Publikum zu und begrüßen es.

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Ich mache es nicht

Eine Hochzeitstorte dekoriert mit zwei Schwänen

Vergangenen Samstag war ich auf einer Hochzeit eingeladen. Irgendwann nahm eine Freundin der Braut das Mikrofon in die Hand. Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, dem Brautpaar ein Lied zu singen, obwohl sie so etwas noch nie getan hatte und keinerlei Gesangserfahrung hat. Sie war so nervös, dass sie uns folgende Geschichte erzählte:

„Ich tue jetzt etwas, was ich noch nie getan habe. Als ich vor einigen Wochen meinen Eltern davon erzählte, wollten die mich gleich für ihr Jubiläum engagieren. Da sagte ich mir: Nein, das mache ich nicht; die erwarten viel zu viel von mir. Als der Kirchenchor dann am Nachmitag ausgerechnet mein Lied anstimmte, sagte ich mir: Nein, das mache ich nicht; da kann ich eh nicht mithalten. Als heute abend das Essen serviert wurde, sagte ich mir: Nein, das mache ich nicht; ich blamier’ mich doch bloß und die anderen finden’s peinlich. Vor einer Minute dachte ich mir: Nein, das mache ich nicht.“

Dann begann sie zu singen und es war toll, mit ihrem Geschenk traf sie genau ins Schwarze.

Wenn Sie schon einmal ein Präsentationsseminar besucht haben, haben Sie mit großer Wahrscheinlichkeit den Ratschlag gehört, sich nicht zu entschuldigen. Eine Entschuldigung mache das Publikum möglicherweise erst auf Fehler aufmerksam, die es selbst gar nicht bemerken würde und lasse sie selbst unprofessionell wirken. Etwas ganz ähnliches habe auch ich schon einmal hier geschrieben.

Aber: wichtiger als jede Regel ist, dass Sie als Person authentisch sind. Mit ihrer Geschichte hat die Freundin alles richtig gemacht. Sie hat eine Verbindung zum Publikum aufgebaut, sie war authentisch und jeder fühlte mit ihr. Regeln sind wichtig, aber urteilen Sie immer nach Ihrem Gefühl. Wenn es zu Ihnen passt, dann ist alles erlaubt. 

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Entschuldigen Sie meine Unsicherheit

Entschuldigung - Frau entschuldigt sich für ihre Unsicherheit

“Entschuldigen Sie das etwas wirre Layout, aber ich bin leider kein Profi in PowerPoint.” Diese und ähnliche Rechtfertigungen hört man immer wieder von Vortragenden, die sich nicht so richtig wohl fühlen in ihrer Rolle vor Publikum, oder die das Gefühl haben, ihre Präsentation sei nicht so gut gelungen, wie sie es sich gewünscht hätten.

Überhaupt wird sich viel entschuldigt in Präsentationen:

  • weil die Technik nicht so funktioniert wie erwartet.
  • weil man vergessen hat, etwas zu erwähnen.
  • weil man nervös ist.

Sind aber Entschuldigungen an diesen Stellen überhaupt angebracht? Oft genug werden die Zuhörer den Grund einer Entschuldigung gar nicht bemerken, solange sie nicht darauf gestoßen werden. Woher sollten sie denn auch wissen, was alles nicht gesagt wurde. Und wer kennt Sie als Vortragenden schon so gut, dass er Ihre Nervosität bemerken würde?

Warum entschuldigen sich Vortragende trotzdem so häufig? Es ist wohl in aller Regel ein Ausdruck der eigenen Unsicherheit. Man hofft, die Zuhörer durch eine Entschuldigung wohlwollender zu stimmen. Tatsächlich wird das aber in den seltensten Fällen gelingen, denn durch die Entschuldigung werden Fehler und Unsicherheiten erst offenbart.

Verkneifen Sie sich doch lieber die Entschuldigung und halten Sie Ihren Vortrag einfach so gut wie möglich. Bereiten Sie sich ordentlich vor, üben Sie und versuchen Sie, ihre Zuhörer zu überzeugen, indem Sie ihr Bestes geben. Das wird nicht immer perfekt sein, Sie werden gelegentlich Fehler machen, aber bedenken Sie, dass Sie selbst wahrscheinlich Ihr größter Kritiker sind. Das ist auch gut so, denn so sorgen Sie dafür, dass Sie stetig weiter an sich arbeiten. Bedenken Sie aber:

Wenn Sie ihr Bestes geben, sollten Sie sich dafür nicht entschuldigen müssen.

Nicht immer aber ist Unsicherheit der Grund einer Entschuldigung; nicht selten wird nämlich mit solchen Entschuldigungen versucht, eine mangelhafte Vorbereitung zu überspielen.

Entschuldigung - Mann entschuldigt sich scheinheilig mit einem Blumenstrauß

Gleich zum Einstieg erst mal die Schuld auf andere schieben: “Entschuldigen Sie die winzige Schrift, aber – Sie kennen das ja – mein PowerPoint hat mal wieder verrückt gespielt.” Später dann noch einmal betonen, wie beschäftigt man ist: “Eigentlich wollte ich hierzu noch eine Grafik erstellen, aber wegen einer kurzfristig einberufenen Sitzung bin ich leider nicht mehr dazu gekommen.”

Hätte Sie das als Zuhörer geglaubt? Wahrscheinlich nicht. Hätte es Sie interessiert? Wahrscheinlich auch nicht. Der Vortragende sollte sich lieber dafür entschuldigen, Ihre Zeit verschwendet zu haben, denn er hat in diesem Fall offenbar nicht sein Bestes gegeben.

Übrigens: Weitere Tipps zum Umgang mit Situationen, in denen man den Drang zu einer Entschuldigung spürt, finden Sie auch hier