Emotionen

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Mensch ärgere dich nicht

Das Spiel heißt nicht umsonst »Mensch ärgere dich nicht«. Es ärgert mich auch heute noch, wenn meine Figur direkt vor dem Ziel rausgeworfen wird – obwohl ich natürlich sehr genau weiß, dass es ja nur ein Spiel ist, zudem eines, bei dem sehr viel von Glück abhängt.

In Strategiespielen ist das anders. Die Mitspieler haben erheblich mehr Möglichkeiten, das Spielgeschehen – und damit ihre Siegchancen – zu beeinflussen. Dementsprechend stecken sie erheblich mehr Leidenschaft in Spiele wie »Die Siedler von Catan« und Konsorten.

Normalerweise spielt man solche Spiele mit Freunden. Doch davon ist im Spiel manchmal nicht viel zu spüren. Menschen verändern sich im Spiel. Und: obwohl sie sich nicht ärgern sollen, tun sie es manchmal doch. Ganz explosiv sogar. So dolle, dass den Mitspielern der Atem stockt. Jay Cheel hat daraus einen wunderbaren Film gemacht:

Es ist eine harmlose Szene. Eigentlich »viel zu banal für eine ernsthafte Doku«, wie Cheel selber sagt. Und doch macht gerade das den Reiz aus. Der Trick: es gibt einen Helden (Gerry) und wir tauchen ein in seine »heile Welt«, das Spiel mit seinen Freunden, so wie es immer ist. Dazu gehören auch die kleineren Reibereien, die es eigentlich in jedem Spiel gibt. Doch die Wucht von Gerrys Ausfall erleben wir erst im Kontrast dazu.

Das Video ist ein wunderbares Beispiel, wie alltägliche Situationen spannend erzählt werden können, wenn der Erzähler uns nur einen Grund gibt, mitzufühlen. Zugegeben: die tolle Kameraführung und die hervorragende Musik unterstützen die Wirkung des Films, wären aber wertlos ohne die Geschichte.

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Ist mit Ihren Gefühlen alles in Ordnung?

Eine sehr clevere Werbung von IKEA aus dem Jahr 2002:

Menschen sind in der Lage, Dinge zu personalisieren. Auf diese Weise können sie sich in Dinge hineinversetzen, die man vielleicht spontan als abwegig bezeichnen würde. Oder hätten Sie gedacht, dass Sie Mitgefühl mit einer alten Lampe haben könnten?

Sie sollten sich wirklich davor hüten zu behaupten, Ihr Thema könne man nicht emotional präsentieren.

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Als ich einmal die Welt rettete

Als ich einmal die Welt rettete, saß ich auf dem Sofa und trug die Sonnenbrille meiner Mutter als Visier.

Thorsten schrie: “Pass auf! Von hinten kommt ein Tie-Fighter.” Schnell riss ich das Lenkrad, einen Teller, herum und konnte gerade noch der Laser-Salve entkommen.

Wir waren auf dem Weg, den Todesstern zu zerstören, um so die Welt zu retten.

Zwei Kinder spielen „Superhelden“

Alle spannenden Geschichten haben Helden

Alle spannenden Geschichten haben Helden, mit denen sich das Publikum identifiziert. Und auch wenn Erwachsene sich nicht mehr als Luke Skywalker verkleiden, mitfühlen tun auch sie mit den Helden ihrer Geschichten.

Das gilt natürlich nicht nur für Hollywood-Filme, sondern genau so für die Geschichten aus dem Alltag. Wenn Ihr bester Freund von seinem Ski-Unfall erzählt, fühlen Sie ebenso mit wie bei Ihrem Partner, der mit seiner Präsentation dem viel größeren Konkurrenten ein aufregendes Projekt weggeschnappt hat. Wie er das geschafft hat?

Er gab seinen Kunden einen Helden, mit dem sie sich identifizieren konnten. Statt einfach die Fakten aneinander zu reihen, hat er seine Idee zu einer Geschichte gemacht, in die sich jeder hinein versetzen konnte.

Wann retten Sie einmal die Welt?

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Wasser

Wasser kommt für uns selbstverständlich aus der Leitung, für viele allerdings nicht. Schlimmer noch: Eine Milliarde Menschen haben nicht einmal Zugang zu sauberem Wasser.

Hier sind drei eindrucksvolle Videos zum Thema Wasser. Die ersten beiden Videos zeigen auf sehr unterschiedliche Weise die Folgen von verunreinigtem Wasser. Gerade weil es uns nicht unmittelbar betrifft, andererseits aber auch so schwer vorstellbar ist – man sieht die Verunreinigung ja nicht – ist es so wichtig, das Bewusstsein dafür zu schärfen. Das dritte beschäftigt sich mit einem erstaunlichen Phänomen unserer Gesellschaft: der Wasserflasche.

Wasserfarbe

Die Hilfsorganisation Solidarite International hat zum Weltwassertag am 22. März eine Kampagne gegen verunrienigtes Wasser gestartet und dazu dieses Video produziert:

Wasser verändert alles

Die noch junge Organisation charity:water möchte mit diesem Video dazu motivieren, 20$ zu spenden, um damit einem Menschen Zugang zu reinem Wasser zu ermöglichen. (Das besondere daran: Der Betrieb wird durch einige große private Sponsoren aufrecht erhalten, so dass die übrigen Spenden zu 100% in Projekte gesteckt werden.)

Statistiken ergeben sich fließend aus der GeschichteSehenswert ist, wie virtuos hier mit einfachsten Mitteln das gesprochene Wort visuell unterstützt wird. Achten Sie darauf, wie Wasser – ganz dem Text entsprechend – die Basis für alles ist. Wie aus Wasser Leben, Bildung und vieles mehr wird. Achten Sie darauf, wie die klare Farbwahl das Verständnis unterstützt: braun für verunreinigtes Wasser, Blau für die Menschen, grün für Hoffnung. Und achten Sie auch darauf, wie hier nicht Fakten einfach heruntergebetet werden, sondern wie sie ineinanderfließen, z.B. als aus dem beschwerlichen Marsch zum Wasser eine Statistik über den Zeitbedarf afrikanischer Frauen entsteht. Das ist insgesamt wirklich gut gemacht.

Die Geschichte der Wasserflasche

Annie Leonards faszinierende Präsentationsmethode hatte ich schon vor einiger Zeit hiervorgestellt. Damals erklärte sie die Verarbeitungskette unseres Konsumsystems und wollte mit einigen verstörenden Fakten wachrütteln. Seitdem sucht sie für viele Spezialfälle nach Lösungen aus dem Konsum-Dialemma. Vor kurzem veröffentlichte sie dieses Video über die Geschichte der Wasserflasche. Genau so verstörend wie damals – auch weil es für viele von uns so selbstverständlich ist.

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Zitrone des Monats: Nokias Kapitulation

Rich Green bei seiner Keynote auf dem Nokia Developer Day

Rich Green, Chefentwickler bei Nokia, hat sich vor zwei Wochen beim Nokia Developer Day eine saftige Zitrone des Monats verdient, weil er leidenschaftslos die Chancen eines Systems predigte, an das er selbst nicht glaubt. Dazu ein wenig Vorgeschichte:

Nokia war unangefochtener Marktführer auf dem Handymarkt, technologisch führend und gleichzeitig hip (ich hatte selbst mal eins), trotzdem bodenständig, manche sagen fast schon finnisch kühl. Da lässt man sich nicht so schnell beeindrucken von einem arroganten amerikanischen Computerhersteller, der mit einem Riesen-Brim-Bam-Borium einen Medienwirbel um so ein vermeintlich revolutionäres Telefon macht und glaubt, damit irgend jemanden im gestandenen Handy-Business beeindrucken zu können.

Eine Folie aus Rich Greens Keynote

Das war 2007. Heute, vier Jahre später, sieht die Welt anders aus. Apple ist der Star am Smartphone-Himmel. Nokia verkauft zwar immer noch viel mehr Handys als Apple, aber wer heute an schicke Smartphones denkt, der denkt an das iPhone, vielleicht noch an Googles Android.

Vor zwei Wochen kam Nokias großer Befreiungsschlag. Nokia setzt in Zukunft voll auf das Handy-Betriebssystem von Microsoft. Microsoft gehörte übrigens auch zu den gestandenen Firmen, die damals, 2007, den Smartphone-Markt mitbestimmten und das iPhone müde belächelten. Microsofts damaliges Handysystem ist heute in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Das Nachfolgesystem, Windows Phone 7, das selbst noch in den Kinderschuhen steckt, soll jetzt Nokia retten.

Das kommt einer totalen Kapitulation gleich. Der vermeintliche Technologieführer gibt seine Plattform auf und begibt sich in den Schoß von Microsoft. Entsprechend aufgebracht waren die Reaktionen der Mitarbeiter und Entwickler, die bisher voll auf Nokias eigene Plattformen Qt, Symbian und MeeGo gesetzt hatten.

Rich Green bei seiner Keynote

Kurz nachdem sein Chef diese totale Kapitulation vor dem iPhone bekanntgegeben hatte, hielt Nokias CTO Rich Green eine wirre Keynote, auf der er vor sich hin palaverte ohne Ziel, mit mehr oder weniger sinnvoll aneinander gereihten Durchhalteparolen, die die noch verbliebenen Nokia-Entwickler bei Laune halten sollten. Tenor: Bitte, bitte hört nich auf, für die alten Plattformen zu entwickeln, bis Nokia genügend Windows-Handys liefern kann. Das hinderte Green aber nicht daran zu erzählen, wie er, auch nachdem er vor 9 Monaten bei Nokia anfing, erst sein iPhone und jetzt das neue Microsoft-Handy den Nokia-Handys bevorzugt. Kann man deutlicher zum Ausdruck bringen, dass man an seine eigenen Worte nicht glaubt?

Vielleicht ist das auch der Grund, warum man so gar keinen Enthusiasmus bei ihm entdecken kann. Er glaubt anscheinend selbst nicht an die großen Chancen der alten Plattformen, von denen er den Entwicklern immer wieder sagt: Ergreift sie. Und so gerät seine Keynote zu einem Abhaken von Bullets auf seinen Folien.

Im Ernst? Die Takeawaye-Message lautet: „Our MeeGo device represents the continuation of the innovation expressed by our Linux based smartphones“

Die sind übrigens schlimm. So voll gestopft mit Technik und Zahlen, dass auf jeder Folie noch einmal eigens die „Takeaway-Message“ genannt werden muss. Die ist dann bisweilen so einprägsam wie dieser Satz: „Our MeeGo device represents the continuation of the innovation expressed by our Linux based smartphones.“ Aha. Bei Apple lesen sich Takeaway-Messages so: „The world’s thinnest notebook.“ oder: „A thousand songs in your pocket.“ Konkret statt abstrakt.

Wer aber seine Zuhörer ernsthaft begeistern möchte mit schieren Zahlen – immer wieder spricht Rich Green von hunderten Millionen Symbian-Handys – und seinen Entwicklern „some great tools“ verspricht, anstatt auch nur einen handfesten Vorteil konkret zu benennen, der diese Tools so großartig macht, der hat nicht verstanden, wie emotionale Ansprache und Begeisterung funktioniert.

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Man muss es gesehen haben, um es zu glauben

Was für ein überwältigendes Gefühl. Nach so vielen durchgearbeiteten Nächten, etlichen Rückschlägen und gegen die Überzeugung all’ Ihrer Kollegen haben Sie die Lösung gefunden. Jetzt endlich würden alle klar sehen, denn der Beweis liegt auf der Hand: der alte Produktionsprozess ist Schuld am hohen Ausschuss. Ihre – zugegeben radikalen – Ideen würden das beweisbar ändern.

Also bereiten Sie sich akribisch auf die Präsentation vor. Denn Sie wissen genau, dass eine solch radikale Veränderung nicht gerade auf Begeisterung stoßen wird. Und genau deswegen verzichten Sie auf PowerPoint und fertigen stattdessen ein Modell der Produktionsstraße an. So würde jeder mit eigenen Augen sehen können, dass gleich an zwei Stellen entscheidende Schwachstellen existieren.

„Wie Sie zweifellos wissen, sind wir seit einiger Zeit mit unserer Produktion in große Schwierigkeiten gekommen. Wir benutzen dafür ein sehr altes System, das uns zwar in der Vergangenheit gute Dienste geleistet hat, aber bei genauer Betrachtung leider nicht ganz so zu funktionieren scheint, wie wir das immer gedacht haben. Gewiss, unser Gründer selbst hat es erfunden und seit 30 Jahren setzen wir es beinahe unverändert ein, aber neue Materialien und höhere Durchsätze bringen das System über seine Grenzen. Wenn Sie möchten, dann zeige ich Ihnen das Problem an diesem Modell.“

„Vielen Dank. Ich fürchte, das alles ist nicht ganz so einfach. Bevor wir das Modell betrachten, möchten wir doch noch eine Diskussion anregen. Können solche Probleme überhaupt theoretisch auftreten?“

„Nun, ich dachte mir, Sie schauen es sich einfach an und überzeugen sich selbst.“

„Gewiss, gewiss. Aber es ist Ihnen natürlich bekannt, dass nach der Ansicht unseres Gründers eine Überlastung des Systems nicht möglich ist.“

„Ja.“

„Und viele Jahre hat es uns hervorragende Dienste geleistet. Es ist ein System von solcher Perfektion und Schönheit, dass wir wohl zögern sollten, diese Harmonie zu stören.“

„Warum schauen Sie sich nicht einfach das Modell an.“

„Nun, man könnte versucht sein zu antworten, dass Ihr Modell, etwas zeigend, was nicht sein kann, ein nicht sehr verlässliches Modell sein müsste, nicht?“

„Was meinen Sie damit?“

„Es wäre doch viel förderlicher, wenn Sie uns die Gründe nennen würden, die Sie zu der Annahme bewegen, dass unser bewährtes System an seine Grenzen gestoßen sein könnte.“

„Die Gründe? Wenn ein Blick auf das Modell und meine Proben das Phänomen eindeutig zeigen?”

„Wenn man sicher wäre, dass Sie sich nicht noch mehr erregten, könnte man sagen, dass, was in Ihrem Modell ist und was in unserem System ist, zweierlei sein kann.“

[Frei nach „Leben des Galilei“, Bertolt Brecht, wo Galilei in Szene 4 vergeblich versucht, die Gelehrten in Florenz dazu zu bewegen, durch sein Fernrohr zu blicken, um die neue Wahrheit des kopernikanischen Weltbilds mit eigenen Augen zu erkennen.]

Eine groteske Überspitzung, gewiss, aber dafür umso deutlicher. Das Problem: Rationalisten, die mit Logik zu begründen versuchen, was ihr Gefühl ihnen sagt, dabei aber von falschen Annahmen ausgehen und die Fakten ignorieren. Nicht Fakten, sondern Emotionen wären hier gefragt, um diese „Rationalisten“ zu überzeugen, dass ihre Annahmen falsch sind. An einem Weltbild rüttelt man nicht mit Fakten, erst recht nicht, wenn die Veränderungen vor allen Dingen erst einmal unbequem sind.

Das ist die Kunst einer überzeugenden Präsentation. Die richtige Ansprache für die Zielgruppe finden, nicht die naheliegendste. Und dazu muss man vor allen Dingen tief bohren, um herauszufinden, wie die Zielgruppe eigentlich tickt und wo der Schuh drückt.

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Das beste Produkt

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, eine Story für ihre Präsentation zu finden, könnte das daran liegen, dass Ihre Kernaussage noch zu allgemein ist, vielleicht so etwas wie “Unser Produkt ist das beste seiner Klasse.” Das Problem: Aussagen wie “Der beste E-Book-Reader der Welt” oder “Das beste Auto der Welt” sind unkonkret, so dass es schwierig ist, sie in einer prägnanten Geschichte auf den Punkt zu bringen. “Das beste” in welcher Beziehung? Im Vergleich wozu?

Einprägsame Werbung setzt daher häufig auf ausgewählte Produkteigenschaften. Zum Beispiel diese Werbung von Amazon für den Kindle:

Kein Wort über die enorm lange Akkulaufzeit des Kindle von über einer Woche oder über die drahtlosen Buchdownloads aus der großen E-Book-Bibliothek, auf die Amazon zurückgreifen kann. Amazon verzichtet auf viele Produktaussagen zugunsten der einen Kernaussage: Der Kindle funktioniert auch in gleißendem Sonnenlicht, im Gegensatz zum viel teureren iPad.

  • Wie zeigt man das? Natürlich in gleißendem Sonnenlicht. Wo gibt es das? Zum Beispiel im Urlaub am Strand oder eben am Pool – Bingo, schon ergibt sich eine Szene, in der das Kindle gezeigt werden kann. Man kann ganz konkret in diese Richtung Ideen entwickeln. Wie würde man zeigen, dass das Kindle der beste E-Book-Reader überhaupt ist? Hm…

Je konkreter Ihre Kernaussage ist, desto eher finden Sie Geschichten oder Ideen für Visualisierungen. Und das kann man sich dann auch merken. Sprechen Sie nicht vom “besten MP3-Player”, sondern vom kleinsten (“1000 Songs in your pocket”). Seien Sie nicht “der beste Bewerber”, sondern “Spezialist für zeitkritische Projekte”, was Sie an entsprechenden Beispielen belegen.

In der Werbung gibt es zahlreiche Beispiele für dieses Vorgehen. Ein paar interessante, denen ganz konkrete Produkteigenschaften zugrunden liegen:

Der berühmte “Ich hatte eine Panne”-Spot von Mercedes:

Leica D-Lux 4 mit Anti-Shake. Shake? Woran denkt man da?

Hermes Paketshops – näher als man denkt.

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Diesmal kannst du mir wirklich glauben

Lucy zieht Charlie Brown den Football weg

Und wieder reingelegt. Armer Charlie Brown. Dabei klang es diesmal so glaubwürdig. Dieses Mal würde Lucy den Ball bestimmt nicht wegziehen…

Die Moral von der Geschichte? “So oft du auch hinfällst, steh’ wieder auf und verliere den Glauben in die Menschen nicht.” Oder doch eher anders herum? “So oft du jemanden schon auf’s Kreuz gelegt hast, versuch’s wieder und streng dich beim nächsten Mal noch mehr an, damit er dir auch diesmal glaubt.”

Irgendwie muss ich bei der Werbeflut der Ergo-Versicherung, die im Augenblick Deutschland überrollt, an diese ständig wiederkehrende Szene der Peanuts denken.

Eines der Ergo-Werbeplakate

Die Werbung trifft genau auf den Punkt, was viele Menschen an ihren Versicherungen stört. Die eindeutige Botschaft lautet: “Wir haben verstanden.” Auch die Menschen wirken sympathisch. Keine Frage, die Werbung ist wirklich gut gemacht (sieht man einmal davon ab, dass mindestens einer der Werbespots zumindest, wie soll ich sagen, stark inspiriert von dem Film “High Fidelity” ist). Doch irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass der nächste Termin mit einem Ergo-Versicherungsvertreter sich nicht wesentlich unterscheidet von fast allen anderen Versicherungsterminen.

Je besser Werbung ist, desto gefährlicher ist sie

Nicht, dass ich die selbstgesteckten Ziele der Ergo-Versicherung nicht für erstrebenswert hielte. Wie sagt man so schön: Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. Allein der Glaube fehlt. Und das ist das Dilemma gut gemachter Werbung, die auf Verkauf statt auf Information setzt: Je besser sie ist, desto gefährlicher ist sie. Denn jedes Mal, bei dem wir am Ende vielleicht doch enttäuscht sind, fühlen wir uns ein bisschen mehr wie Charlie Brown und empfinden wir den Werbenden ein bisschen mehr als Lucy.

Gut gemachte Präsentationen sind da keine Ausnahme. Es gibt zahlreiche Tricks, mit denen Sie einen “Wow-Effekt” erzeugen, und Methoden, mit denen Sie an die Emotionen und Bedürfnisse ihrer Zuhörer appelieren können. Natürlich können Sie das Bild, dass andere von Ihnen haben, beliebig weit von der Wirklichkeit abtrennen. Doch letztlich stellt sich immer die Frage: Wollen Sie einfangen oder überzeugen?

Letzteres setzt immer Ehrlichkeit voraus. Versprechen sollte ich nur, was ich auch halten kann, denn nur so kann langfristig Vertrauen entstehen. Wäre schön, wenn Ergo hier ehrlich ist, und wenn Versicherungen, die ja in den Ergo-Spots auch allgemein angesprochen werden, sich davon inspirieren lassen.

Übrigens: Dass es wirklich möglich ist, juristische Texte und Anträge verständlich zu schreiben und Klartext zu reden, belegt Alan Siegel in seinem Vortrag auf der diesjährigen TED-Konferenz eindrucksvoll an Beispielen.

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Im Einsatz geht es heiß her

Wenn der Alarm geht, muss alles ganz schnell gehen. Acht Minuten haben Sie im Schnitt, um am Einsatzort zu sein. Da bleibt wenig Zeit zum Nachdenken, jeder Handgriff muss sitzen. In Windeseile haben Sie Helm und Ausrüstung angelegt und dann sitzen Sie auch schon im Fahrzeug. Noch unterwegs bekommen Sie erste Informationen zum Schadensausmaß: Eine Fabrikhalle brennt. Vermutlich sind alle Arbeiter schon draußen, doch das ist nicht sicher, jemand muss also rein in die brennende Halle …

Natürlich wissen Sie, dass Sie auf Ihrem anstehenden Vortrag diese angespannte Atmosphäre mit Bildern gut transportieren können. Sie suchen also Einsatzbilder, vielleicht haben Sie sogar selbst ein paar von einer Übung auf Ihrer Festplatte. Also basteln Sie Ihre Folie …

Zu viele zu kleine Bilder, ablenkende Texte

… und wundern sich, warum die Atmosphäre nicht so rübergekommen ist, wie Sie es sich erhofft hatten.

Zu viel des Guten

Sie wollten ganz auf Nummer sicher gehen, haben also gleich fünf Bilder ausgewählt, die Ihre Aussage unterstützen sollen. Und um Ihre Aussagen wirklich klar zu machen, haben Sie auch noch Ihre wichtigsten Punkte auf die Folie geschrieben.

Problem 1: Jedes einzelne Bild wird in seiner Wirkung geschwächt. Die Zuhörer müssen fünf Bilder verarbeiten, allesamt so klein, dass man erst einmal genauer hinschauen muss (und dabei nicht zuhören kann). Die viel zu kleinen Bilder werden durch den schrillen gelben Kasten in den Hintergrund gedrängt und keines kann seine Atmosphäre wirklich entfalten.

Problem 2: Die Erzählung rückt in den Hintergrund, weil die Zuhörer durch die vielen Stichpunkte und die vielen Bilder abgelenkt werden, die Sie erst einmal betrachten und verstehen müssen.

Problem 3: Die Folie ist nüchtern rational anstatt emotional, weil sie faktenbasiert ist. Sie spricht von dem “durchschnittlichen Ereignis” und zählt auf anstatt von einem konkreten Erlebnis zu erzählen.

Weniger ist mehr

Warum trauen Sie Ihrer eigenen Begeisterung so wenig über den Weg? Lassen Sie die Bilder richtig wirken, indem Sie Ihnen den nötigen Raum dazu geben und alles überflüssige von der Folie entfernen.

Bilder brauchen Raum zum Wirken

Fesseln Sie dann die Zuhörer durch Ihre Erzählung, genau so, wie Sie sie Ihrem besten Freund erzählen würden. Wenn Sie dann die Zuhörer erreicht haben, können Sie Ihre Fakten in angemessener Kürze immer noch loswerden.

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Schwerpunkt Vorher-Nachher: Mit Bildern Emotionen wecken

Matthias Schwenk ist Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt Social Media. Darüber schreibt er auch in seinem Blog bwlzweinull, wo er sich durchaus kritisch mit den neuen Techniken aus dem Internet auseinandersetzt. Zudem erscheinen immer mehr Texte von ihm im Grimme-Preis-prämierten Online-Magazin Carta, wo sie regelmäßig für Diskussionen in den Kommentaren sorgen.

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In seinen Vorträgen und Präsentationen ist Matthias Schwenk bemüht, die Möglichkeiten und Potenziale von Social Software so anschaulich wie möglich zu vermitteln. Er hat deshalb in neuerer Zeit den Stil seiner Folien auf eine sehr bildbetonte Darstellung umgestellt. Dabei hat er festgestellt, dass mit den richtigen Bildern und Bildmetaphern eine emotionalere Ansprache des Publikums möglich wird, die das Verständnis und die Aufnahme der wesentlichen Botschaften verbessern. In seinem heutigen Gastbeitrag schildert der Berater und Blogautor, welche Erfahrungen er beim Umstieg auf diese bildhafte Präsentationsweise gemacht hat.

Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte: Präsentationen mit Fotomotiven gestalten

von Matthias Schwenk

Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich mich traute, den Stil meiner Präsentationen grundlegend umzustellen. Obwohl ich SlideShare schon seit 2007 kenne und dort (bzw. in Blogs eingebettet) immer wieder sehr gut gemachte Präsentationen bewunderte; für mich selbst schien mir immer der Aufwand zu groß.

Das änderte sich erst 2009, als ich wieder mal am Thema “Wikis” saß und mir überlegte, wie ich deren Nutzen einem Publikum aus wenig internet- und computeraffinen Menschen vermitteln könnte. Da kam mir die Idee der bildlichen Analogie: Ein Wiki kann man im Grunde mit einem klassischen Aktenordner vergleichen. Wenn ich dafür gute Fotos finden könnte, ließe sich daraus eine Präsentation im neuen Stil machen.

Auf Flickr fand ich schnell eine Fülle sehr guter Bildmotive, die mit einer Creative Commons Lizenz zur freien Verwendung (Weitergabe unter gleichen Bedingungen) versehen waren. Die Basis für meine erste, wirklich überzeugende Präsentation war gelegt.

Beispielfolie aus Matthias Schwenks Wiki-Präsentation

Lässt man sich darauf ein, wird das Erstellen einer Präsentation zum kreativen Prozess. Natürlich ist damit mehr Aufwand verbunden, als wenn man nur Text vor den immer gleichen Bildhintergrund einsetzt. Der Aufwand kann sogar ganz erheblich höher sein, je nachdem, was man für Anforderungen an Ästhetik und sprachliche Wirkung stellt. Ungleich höher ist aber auch die Wirkung beim Publikum: Die Teilnehmer sind ganz anders bei der Sache, wenn gute Bildmotive und kurze, prägnante Schlagzeilen einen Vortrag begleiten.

Ein paar Empfehlungen will ich an dieser Stelle geben:

  1. Bei der Auswahl der Bildmotive ist darauf zu achten, dass ein Foto nicht zu viel Kontrast (hell-dunkel) enthält und dass es eine möglichst ruhige Flächenpartie aufweist, vor die man dann den Text stellen kann.
  2. Idealerweise bilden Bildmotiv und Text eine Einheit, in der beide Partien etwas erzählen. Der Text stützt das Bildmotiv und umgekehrt.
  3. Zur Visualiserung einer Botschaft passen sehr gut auch Bildmetaphern. Wo ein erklärender Text unumgänglich und schwer zu visualisieren ist, eignen sich abstrakte Bildmotive, die nur mit einer Farbstimmung eine Botschaft dezent stützen.
  4. Der Unterhaltungswert (und damit die Akzeptanz des eigentlichen Themas) steigt, wenn eine Präsentation bewusst auch ein paar emotionale Bildmotive enthält (Kinder, Natur, …).

Ein wichtiger Punkt zum Schluss: Wie mit vielen Dingen im Leben macht auch hier die Übung den Meister. Was bei der ersten oder zweiten Präsentation dieser Art noch sehr viel Arbeit macht, geht mit der Zeit dann routinierter. Man gewinnt regelrecht einen Blick etwa für gute Bildmotive oder bedient sich dann aus einem Fundus von Motiven, was die Arbeit wesentlich beschleunigt.

Zudem ist der Erfolg der beste Lohn der Mühe: So wurde meine Wiki-Präsentation auf SlideShare inzwischen über 2800 mal abgerufen. Was will man mehr?

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