Wie Geschichten das Gehirn beeinflussen

14.04.2014, Autor: Michael Gerharz

Geschichten regen unsere Fantasie an.  Im Kopf entsteht  mehr als ein Bild. Wir bilden eine Simulation der Geschichte.

„Das habe ich mir aber ganz anders vorgestellt.“ So oder so ähnlich lautet der Todesstoß für die meisten Kinoverfilmungen. Das Buch sei ja viel besser; der Hauptdarsteller zu jung, die Stadt zu modern, das Haus gelb statt rot.

Tatsächlich machen wir uns beim Lesen einer Geschichte ein sehr genaues Bild dessen, was wir gerade lesen. Und zwar nicht nicht nur ein „lebloses“ Gemälde. Offenbar konstruieren wir gedanklich eine umfassende Simulation der Geschichte. Die Situationen, die in einer Geschichte erzählt werden, erwachen gewissermaßen in unseren Gedanken zum Leben. Zumindest deuten darauf zahlreiche psychologische Experimente hin.

In einem dieser Experimente sollten zwei Gruppen von Studenten einen Text lesen. Die Texte waren bis auf eine Ausnahme identisch. Der Unterschied: Im Text der ersten Gruppe zog sich ein Mann ein Sweatshirt an und verließ anschließend das Haus; im Text der zweiten Gruppe zog er sich das Sweatshirt aus, bevor er das Haus verließ. Drei Sätze später nahm der Text wieder Bezug auf das Sweatshirt. Die Forscher haben dabei gemessen, wie lange die Studenten zum Lesen dieser Passage brauchten (Studie von Glenberg, Meyer, Lindem: „Mental models contribute to foregrounding during text comprehension“, PDF).

Das Ergebnis: Die Gruppe, bei der das Sweatshirt zu Hause geblieben war, brauchte länger, um den Satz zu lesen. Daraus folgern die Wissenschaftler, dass wir uns beim Lesen einer Geschichte eine sehr genaue Karte im Kopf anlegen, die beispielsweise auch räumliche Dimensionen einbezieht. Weil die zweite Gruppe also gedanklich diese Distanz „überwinden“ musste, brauchte sie länger, um den Text zu lesen.

Wie eine bildhafte Sprache das Gehirn aktiviert

Doch gedankliche Simulationen können noch viel mehr. Mithilfe von Magnetresonanztomographen konnten Forscher feststellen, dass das Lesen einer Textpassage, in der es um körperliche Arbeit geht, dieselben Hirnregionen aktiviert, wie das tatsächliche Ausführen dieser Arbeiten. Lesen wir das Wort „Parfüm“, wird der olfaktorische Kortex aktiviert, die Region in unserem Gehirn, die für die Verarbeitung von Gerüchen zuständig ist. Metaphern wie „Er hat eine rauhe Stimme“ aktivieren den sensorischen Kortex, der für den Tastsinn zuständig ist .

Mit anderen Worten: wenn wir eine bildhafte Sprache verwenden oder eine Geschichte erzählen, nehmen wir den Leser – oder das Publikum – mit auf eine Reise. Er visualisiert unsere Worte nicht nur, er baut eine gedankliche Simulation.

Doch was nützen diese gedanklichen Simulationen? Möglicherweise eine ganze Menge. Sportler, Musiker und viele andere Gruppen erzielen durch mentales Training deutlich messbare Leistungssteigerungen, indem sie gedanklich die Bewegungsabläufe durchgehen, die z.B. beim Schwimmen oder beim Spielen einer schwierigen Sonate notwendig sind. Auf diese Weise programmieren sie gewissermaßen ihr Gehirn für diese Situationen. Möglicherweise war das gar einer der Erfolgsfaktoren für den Rekordschwimmer Michael Phelps. Gewissermaßen programmieren wir – sagen wir besser trainieren wir – also unser Gehirn durch eine mentale Simulation.

Anders ausgedrückt: Indem wir unserem Publikum Geschichten erzählen, entsteht in ihren Köpfen eine mentale Simulation dieser Geschichten. Geschichten verändern also etwas in den Köpfen des Publikums.

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Tags:Geschichten mental Psychologie Wissenschaft


Ist das nicht der Hammer?

07.04.2014, Autor: Anne Knauer

Der T-Bone TBII ist der beste Hammer der Welt.  Aber wenn man einen Schraubenzieher braucht, ist er leider nutzlos.

Er ist der Hammer. Er ist einfach DER Hammer. Elegant, leichtgewichtig und präzise. Durch seine Titankonstruktion in Verbindung mit einem wechselbaren aufgerauhten Stahlkopfaufsatz ist er erheblich leichter als ein vergleichbar schlagkräftiger Stahlhammer. Mit seiner magnetischen Spitze erlaubt er den Einhandbetrieb, z.B. um sich mit der anderen Hand festzuhalten, während man auf einer Leiter steht. Sein ergonomischer Griff liegt in der Hand, als hätte man nie etwas anderes gehalten. Er ist der Stiletto TiBone. Und Sie merken schon: Er ist der Rockstar unter den Hammern. Deshalb kostet er auch 263 US Dollar.

Nur blöd…

… wenn man gar nichts hämmern, sondern etwas schrauben will. Dann ist der TiBone in all seiner Perfektion leider vollkommen nutzlos. Denn er ist vieles. Aber er ist eben kein Schraubenzieher.

Und was hat das mit Präsentieren zu tun?

Wenn man so will, ist Powerpoint auch so ein perfekter Hammer. Powerpoint kann ein ideales Werkzeug für viele Situationen sein. Zum Beispiel, für einen klassischen Einer-zu-Vielen Vortrag, der mit Bildern, Text oder Zahlen veranschaulicht wird. (Unter der Voraussetzung natürlich, dass ich es richtig mache. Denn nur weil ich einen super Hammer haben, kann ich ja auch noch lange kein Haus bauen.)

Ein perfektes Werkzeug ist aber nichts wert, wenn man es für die falsche Aufgabe verwendet. Zum Beispiel ist Powerpoint in Meetings oder Verkaufsgesprächen, in denen es darum geht, sich auszutauschen und zu diskutieren, Angesicht zu Angesicht, in den allermeisten Fällen fehl am Platz. Während Powerpoint-Folien in einem klassischen Vortrag Ihre Botschaft einprägsamer machen können, bewirken sie in gewünschten Dialogsituationen oft das Gegenteil. Denn dann starren alle auf die Projektionsfläche, anstatt einander in die Augen. Ihr Publikum wird automatisch eher konsumieren als interagieren.

Fest steht:

Ein Vortrag muss immer mit den Werkzeugen umgesetzt werden, die Sie als Vortragenden und Ihre Ziele unterstützen. Und manchmal muss man dafür eben hämmern und manchmal muss man schrauben.

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Kenn ich nich’, find ich doof!

31.03.2014, Autor: Anne Knauer

Live-Übertragung einer Krönung?  Wenn die Queen sich auf etwas Neues einlassen kann, können Sie das doch auch.

Als Königin Elizabeth am 2. Juni 1953 in der Westminster Abbey gekrönt wurde, waren zum ersten Mal in der Geschichte britischer Krönungen TV-Kameras dabei, um die Zeremonie live in die Wohnzimmer der Untertanen zu übertragen.

Elizabeth war absolut not amused darüber. Vulgär fanden sie und die anderen Mitglieder des Königshauses dieses neue Medium für die Massen. Das hat doch nichts bei einem solch royalen Anlass zu suchen. Doch sie musste sich schließlich dem öffentlichen Druck beugen und die Übertragung zulassen.

Süß, oder?

Man muss einfach über diese Geschichte schmunzeln. Süße altmodische fünfziger Jahre. Heute sind die TV-Übertragungen der königlichen Highlights in der Westminster Abbey ja nicht mehr wegzudenken. Der Trauung von Prinz William und Kate konnte man sogar live auf Youtube folgen.

Naja, damals wussten sie es ja noch nicht besser.

Aber packen wir uns doch mal an die eigene Nase!

Wie oft lehnen Sie etwas reflexartig ab, weil es neu und anders ist? Wie oft fallen Sie lieber in alte Muster zurück, anstatt etwas zu wagen? Wie oft würden Sie gerne etwas Neues ausprobieren, aber machen dann doch einen Rückzieher, weil es anders ist und möglicherweise von den Kollegen nicht ernst genommen werden könnte? Oder weil es einfach bequemer ist, wieder die alte Vorlage zu verwenden. Weil wir sie in und auswendig kennen, weil sie als quasi-Standard anerkannt ist und weil man das so schließlich macht. Und schon immer so gemacht hat.

Nichts ist gut, weil es schon immer so gemacht wurde. Nicht immer ist es sinnvoll, alles Alte umzustoßen und gegen etwas Neues zu ersetzen. Aber es ist immer sinnvoll, zu hinterfragen, ob man etwas nur deshalb ablehnt, weil einem das Neue Unbehagen bereitet.

[Foto: CC-BY Library and Archives Canada, K-0000045]

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