So kommen Sie um die doofen Templates herum

13.05.2013, Autor: Michael Gerharz

Ob diese Dame die Herren besser überzeugt, wenn auf dem Flipchart das Firmenlogo steht? Machen Sie’s ihr gleich und pfeifen Sie auf überflüssige Templates.

Die Mitarbeiter wissen es. Die Chefs eigentlich auch. Die Marketingabteilung hat keine Ahnung und die Agentur, die es gemacht hat, denkt nur daran, was hübsch aussieht, aber nicht daran, was funktioniert. Die Rede ist von PowerPoint-Templates: Die meisten taugen nichts.

Ausbaden müssen es immer die Mitarbeiter, die viel zu oft von ihren Chefs oder der zentralen Marketingabteilung dazu gezwungen werden, für PowerPoint-Präsentationen die untauglichen Templates zu verwenden.

Hier sind fünf Tipps, wie Sie um die doofen Templates herum kommen:

  • Reden Sie frei. Wenn Sie’s ein paar mal üben und die Arbeit statt in langweilige Folien lieber in einen sinnvollen roten Faden stecken, ist das am Ende ohnehin überzeugender.
  • Verwenden Sie ein Flip-Chart oder bringen Sie ein anfassbares Modell mit. Mit Sicherheit wird Ihr Chef nicht von Ihnen verlangen, dass Sie auf jede Seite erst einmal das Logo malen.
  • Deklarieren Sie alles als vollflächige Fotos. Die sind in vielen Templates erlaubt. Und reichen meist völlig aus, um ihren Sprechtext verständlich zu machen. Text auf Folien ist völlig überbewertet.
  • Pfeifen Sie auf die Templates. Machen Sie’s einfach besser und entschuldigen sich im Zweifel im Nachhinein. Meistens sagt sowieso keiner was, manch einer merkt es gar nicht und ihr Publikum wird sich freuen. Allerdings: auf Corporate Design und Wiedererkennbarkeit sollten Sie natürlich trotzdem achten.
  • Überreden Sie Ihren Chef, dass Sie ein Template brauchen, das nicht pedantisch auf Logos und vorgefertigte Diagramme achtet, sondern Ihnen erlaubt, eine spannende Story zu erzählen.

Mit anderen Worten: machen Sie’s besser.

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Tags:Chef Corporate Design Design Logo Marketingabteilung PowerPoint Templates Vorlagen


Glückliche Kühlschränke

06.05.2013, Autor: Anne Knauer

Anleitung für glückliche Kühlschränke

Seit letztem Dienstag haben wir ein neues Familienmitglied. Wir haben uns sehr auf ihn gefreut und sind überglücklich, dass er endlich da ist. Bisher verstehen wir uns sehr gut. Er hält unsere Lebensmittel kühl und frisch, summt manchmal glücklich vor sich hin und ist ansonsten ganz zufrieden bei uns.

Woher wir das wissen? Weil unser neuer Mitbewohner mitsamt bebilderter Anleitung bei uns abgeliefert wurde. So wissen wir, was zu tun ist, wenn er seltsame Rasselgeräusche macht und was nicht stimmt, wenn er brummt wie ein Bär. Ob wir uns das alles mit einer 15-Seiten-Anleitung genauso gut gemerkt hätte? Fraglich, denn sie wäre wohl ungelesen in dem verstaubten Kasten bei all den anderen Bedienungsanleitungen gelandet.

Jetzt werd’ aber nicht albern...

Eine Botschaft in gut gemachten Comicbildern ist eindeutig - sie ist klar, einfach und verständlich, egal in welcher Sprache. Ja sicher, sagen Sie jetzt bestimmt, das funktioniert bei Kühlschränken oder Ikea-Möbelanleitungen. Aber meine Botschaft ist sehr ernsthaft und seriös, die kann ich nicht in einen Comic oder eine Animation packen.

Wirklich nicht? Der Bestseller-Autor Daniel H. Pink zeigt, dass das eben doch geht. Sein großartiger Karriereratgeber „Die Abenteuer von Johnny Bunko“ ist ein 160-Seiten Comic. Die durchaus ernsthafte und seriöse Botschaft: „Tu das, was dich bewegt. Darin wirst du großartig sein.“ Es ist über ein Jahr her, dass ich das Buch gelesen habe. Die Botschaft ist mir so präsent, als hätte ich das Buch gerade erst aus der Hand gelegt. Ob das in reiner Prosa ebenso gelungen wäre?

Comics müssen eben nicht immer nur spaßig oder albern sein. Ganz im Gegenteil, sie können auch sehr ernste Themen wirksam vermitteln. Die Entwicklungsinitiative Economics of Land Degradation beispielsweise hat den animierten Clip „The Value of Soil“ zum Thema Landverödung veröffentlicht - eines der größten Probleme für Ernährungssicherung in Entwicklungsländern. Würde ein seitenlanger Bericht die Inhalte genauso eingängig und anschaulich vermitteln wie dieser Film?

Die Botschaft ist wichtiger als das Medium

Über das richtige Medium für eine Botschaft oder eine Zielgruppe lässt sich sicher diskutieren. Fest steht aber: Die Botschaft ist wichtiger als das Medium. Denn Sie wollen erreichen, dass Ihr Publikum sich Ihre Botschaft nach Ihrem Vortrag nicht nur merkt, sondern sie auch noch nach einigen Tage, Wochen oder Monaten präsent hat - egal mit welchem Medium. Wenn Sie Ihre Idee am allerbesten in einer Animation oder einem Comic erklären können, warum sollten Sie sich mit dem zweitbesten Medium zufrieden geben?

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Tags:Animation Botschaft Comic Garr Reynolds Storytelling


Spannend wird’s erst, wenn ich’s verstehe

29.04.2013, Autor: Anne Knauer

Werden Sie anschaulich – und die Spannung steigt. Wie starten Sie das Kopfkino bei Ihrem Publikum?

Die Lage ist ernst. Vor sechzehn Stunden wurde ein Kristall aus einer Testumgebung entwendet. Er befindet sich in diesem Moment in direkter Nähe zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Durch ein akustisches Signal wird er explodieren. „Wieviel Sprengkraft?“ will Agent Morgan wissen. „Ein Kristall auf ein Fußballfeld,“ sagt Agent Grant. Wie gesagt, die Lage ist ernst.

Das ist eine Szene aus einem amerikanischen Actionfilm. Spannend, oder? Jetzt wollen Sie bestimmt wissen, wie es weitergeht. Würden Sie das auch wollen, wenn Agent Grant gesagt hatte: „Der Sprengkörper hat eine Sprengkraft von 2000 mbar.“? Für mich könnte er dann genauso gut sagen: Er hat eine Sprengkraft von 2000 bunten Gummimäusen. Denn die Zahl sagt mir überhaupt nichts. Und was wir uns nicht vorstellen können, fesselt uns nicht. Das ist einer der Gründe, warum wir Actionfilme im Allgemeinen auch spannender als die letzte Präsentation zu den Quartalszahlen.

Erwecken Sie Zahlen und Fakten zum Leben

Klar, nicht immer werden Sie in Ihren Präsentationen über spektakuläre Themen wie Bombenanschläge auf den amerikanischen Präsidenten reden. Das müssen Sie aber gar nicht, um Ihre Zuhörer zu fesseln. Denn auch bei alltäglichen Themen können Sie dafür sorgen, dass bei Ihren Zuhörern ein Kopfkino startet: Indem Sie nüchterne Zahlen und unpersönliche Fakten im wahrsten Sinne des Wortes vor dem inneren Auge Ihres Zuhörers „anschaulich“ machen.

Wenn Sie sagen: In unserem Projekt haben wir so und so viele tausend Bücher für einen wohltätigen Zweck verkauft, wird sich kaum ein Zuhörer am Ende des Vortrags an die genaue Zahl erinnern. Sagen Sie aber: Wir haben soviele Bücher verkauft, dass sie aufeinandergestapelt doppelt so hoch sind wie der Kölner Dom, wird das in vielen Köpfen hängenbleiben.

Wenn Sie sagen: In China lernen immer mehr Menschen Englisch, aktuell sind es so und so viele, reißt das niemanden vom Hocker. Sagen Sie aber: Es gibt mehr Chinesen in China, die Englisch sprechen, als Einwohner in den Vereinigten Staaten, kann sich jeder Zuhörer die Dimensionen der genannten Zahl vorstellen.

Und welches Kopfkino wollen Sie bei Ihren Zuschauern starten?

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