Wissenschaftler

27.10.2014, Autor: Michael Gerharz

Wenn Wissenschaftler eine Theorie bestätigen oder widerlegen wollen, versuchen sie die Aussagen der Theorie in einer möglichst kontrollierten Umgebung zu überprüfen, z.B. in einem Experiment oder in einer Simulation.

Wenn z.B. ein Informatiker überprüfen möchte, ob ein neues Verfahren zur Datenübertragung im Vergleich zu älteren Verfahren mehr oder weniger Daten pro Sekunde übertragen kann, dann wird er ein Modell der Realität erstellen, das er z.B. in einer Simulationsumgebung so genau wie möglich nachstellt. Dabei legt er z.B. fest, wie viele Computer in dem Netz existieren, wie diese untereinander verbunden sind, welcher Computer wann wie viele Daten sendet usw.

Wenn er die Simulation reproduzierbar macht, d.h. bis auf das veränderte Datenübertragungsverfahren bleiben sämtliche Parameter in allen Versuchsläufen unverändert, dann kann man Aussagen darüber treffen, ob ein Verfahren dem anderen in dieser Situation überlegen ist.

Das Ergebnis der Simulation ist umso aussagekräftiger, je näher das Modell, das der Simulation zugrunde liegt, der Realität kommt. Natürlich bildet kein Modell die Realität exakt ab. Also muss man bewerten, wie gut die Ergebnisse auf die Realität übertragbar sind.

Und das ist der Punkt, an dem die Wissenschaftler zu Menschen werden. Wo auf einmal Bauchgefühle eine Rolle spielen und – ja – Wünsche und Ziele. Denn natürlich wird die Wahl der Modelle und die Interpretation der Ergebnisse dadurch geprägt, welche Antwort der Wissenschaftler herbeisehnt*. Dann spielen eben nicht nur Fakten eine Rolle.

Wenn selbst diejenigen, deren Beruf die Objektivität ist, von solchen Überlegungen nicht frei sind, dann glauben Sie doch nicht, dass ihr Publikum rein faktengetrieben ist, oder? Natürlich sitzen auch in ihrem Publikum Menschen, die Bauchgefühle, Wünsche und Ziele haben und Fakten entsprechend dieser Gefühle interpretieren.

Berücksichtigen Sie das, wenn Sie das nächste Mal Fakten in Ihrer Präsentation präsentieren. Glauben Sie nicht an die rationalen Entscheider, die nur die reinen Fakten wissen wollen, wenn noch nicht einmal klar ist, welche Fakten die Realität exakt wiedergeben.

* Der ordentliche Wissenschaftler wird natürlich stets sorgfältig formulieren, dass die Ergebnisse lediglich im Rahmen des Versuchsszenarios gelten. Jedoch ist das spätestens dann, wenn Forschungsergebnisse in Produkte übertragen werden, also in der sog. angewandten Forschung, nicht mehr ausreichend.


Tags:Emotionen Wissenschaft


Von ehrlichen Saftläden und sexy Früchten - CreativeMornings mit Nic Lecloux

20.10.2014, Autor: Anne Pustina

Ach, schöne heile Werbewelt. Alles ist so frisch und sauber, so knusprig und knackig. Die Realität, zum Beispiel in der Burgerverpackung, ist dann meist, naja, sagen wir ernüchternd. So ist das eben. Die Werbung lügt und sonntags regnet’s immer. Wir haben uns irgendwie damit abgefunden. Nic Lecloux von TrueFruits findet, das geht auch anders. Denn bei seinen Smoothies gilt: “What you see is what you get”. Auf dem CreativeMornings Septemberevent in Köln hat er erklärt, was er damit genau meint.

No Tricks

Nics “Saftladen” TrueFruits ist ein junges Bonner Unternehmen, das sich ziemlich wacker neben großen Playern wie Coca-Colas Innocent und Chiquita Smoothies schlägt. Während eines Auslandssemesters hatte der damalige BWL-Student die Früchte in Flaschen entdeckt und konnte gar nicht glauben, dass es sie auf dem deutschen Markt noch gar nicht gab. Geboren war die Geschäftsidee.

Der Anspruch dabei: No Tricks. “Wir wollten von Anfang an ehrliche Produkte machen,” sagt Nic. Deshalb gibt es TrueFruits auch nur in Glasflaschen mit Aufdruck statt Etikett, die schonungslos freien Blick auf den Inhalt geben. Außerdem ist in den bunten TrueFruits tatsächlich eben nur das: echte Früchte. Und ein paar andere natürliche Zutaten, wenn das Rezept es verlangt. Aber keine Konservierungsstoffe, keine Farbstoffe und keine Konzentrate.

Mit diesem Anspruch ist TrueFruits so etwas wie das schwarze Schaf der Saftindustrie. “Den Unterschied zwischen Konzentrat und echtem Saft schmeckt doch eh keiner, wurde uns gesagt. Und dass Plastikflaschen doch viel billiger seien als Glas. Aber wir machen unsere Smoothies in erster Linie für uns selbst. Deshalb gehen wir die Sache auch ganz anders an, als das eine große Firma tun würde”.

Smoothiewerbung auf dem Klo

Das gilt auch für’s Marketing. Als junges Unternehmen mit kleinem Budget müssen sich Nic und sein Team allerhand einfallen lassen. Zum Beispiel Plakatwerbung auf dem Klo. Klingt erst mal komisch, leuchtet aber irgendwie ein. Denn: “Wann sonst kriegt ein Werbeplakat 15 Sekunden ungeteilte Aufmerksamkeit?” Und was liegt näher als einen gläsernen Werbeträger, der ein paar Millionen Mal im Jahr verkauft wird, auch als solchen zu benutzen? Die witzigen Texte im Kleingedruckten mit Hashtags wie #Einhornkotze oder #Ohnemett haben in den sozialen Medien schon Kultstatus erreicht.

Nic will mit seinen Smoothies nicht nur die Welt erobern. Er will auch missionieren. “Wir wollten immer schon gesunde Produkte sexy machen. Wir haben nicht verstanden, warum gesunde Produkte so bieder rüberkommen. Wir wollen, dass es cool für junge Leute ist, einen Smoothie zu trinken!”

Tüte über’m Kopf

So ganz “No Tricks” ist bei TrueFruits aber dann doch nicht alles. Als ein Zulieferer statt frischgrünem Minzpüree ein gelbbraunes Produkt aus einer anderen Minzsorte lieferte, zog das Team den Flaschen kurzerhand eine charmante Tüte über den Kopf. “Das ist Natur, die sieht halt so aus.” sagt Nic. “Aber für Impulskäufe ist die Farbe natürlich unbrauchbar. Über 50.000 Flaschen haben wir mit der Hand mit den Tüten bestückt. Die Aktion hat dann sogar dazu geführt, dass das Produkt wieder einen richtigen Anschub bekommen hat.”

Vortrag verpasst?

Hier können Sie Nics Vortrag noch mal in voller Länge ansehen.

Diese Woche geht es schon weiter mit dem “Crossover”-Vortrag von Matthias Frey und Alex Ginter zum Thema Kommunikationsdesign im studio dumont in Köln. Tickets gibt es ab heute, 20. Oktober 2014, 9:00 h hier.

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Tags:Kreativität Mut Show don’t tell Vorbereitung


Gegen das Vergessen

13.10.2014, Autor: Michael Gerharz

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, der Bekanntes ausblendet. Wie den Fleck auf der Tapete, der uns ein paar Tage lang auffällt und danach verschwindet. Oder die Laberbacke Langmüller. In der ersten Kaffeepause haben Sie sich noch mit ihm unterhalten, nach einer Woche hat nur noch er sich unterhalten, Sie dagegen haben abgeschaltet und wussten schon drei Minuten später nicht mehr, worüber er eigentlich geredet hat.

Unser Gehirn ist unheimlich gut darin, Alltägliches auszublenden. Es wird einfach nicht abgespeichert. Nix neues? Unwichtig, weg damit. Das ist auch gut so, denn würde das Gehirn ständig alles jederzeit abrufbar speichern, würden wir permanent von Assoziationen überschüttet. Stattdessen blenden wir Bekanntes aus.

Das gilt auch für Präsentationen. Sieht eine Power-Point-Präsentation aus wie eine PowerPoint-Präsentation, schaltet das Publikum – gewohnheitsmäßig – eben in den Modus PowerPoint-Präsentation. Und das bedeutet für viele Zuhörer: langweilig wie immer. Abgespeichert wird dann nichts mehr.

Unerwartetes setzt sich dagegen viel leichter fest. Z.B. wenn der Beamer am Anfang einfach mal aus bleibt. Oder wenn Ihre PowerPoint eben nicht so aussieht wie eine PowerPoint (deswegen war Prezi, bevor es angefangen hat zu nerven, auch so hip). Oder indem Sie dem Publikum eine aktive Rolle geben.


Tags:Überraschung Einprägsamkeit langweilig


Was wir von großen Künstlern lernen können

06.10.2014, Autor: Anne Pustina

Das Faszinierende an großer Kunst ist, dass sie meist dann am größten ist, wenn sie mühelos aussieht. Wie eine Balletttänzerin, die über die Bühne schwebt. Oder ein Konzertpianist, der die schwierigsten Passagen einfach aus dem Kopf spielt. Oder ein Satz in einem Roman, der so simpel wie genial ist.

Die Wahrheit ist, dass nichts davon mühelos ist. Selbst die größten Talente müssen hart daran arbeiten, großartige Werke zu schaffen. Der französische Schriftsteller Gustave Flaubert beispielsweise ist bekannt für den Perfektionismus, zu dem er sich selbst verdonnerte. Manchmal hat er Wochen für eine einzige Seite gebraucht und seine Texte immer und immer wieder verändert und verbessert, verworfen und neu geschrieben.

Im Alltag geht es natürlich nicht immer darum, ein Kunstwerk zu schaffen. Trotzdem gibt es einiges, das man sich von den ganz Großen für seine eigene Arbeitsweise abschauen kann - zum Beispiel bei der Vorbereitung der nächsten Präsentation.

1. Von anderen zu lernen, macht uns besser

Sich von anderen etwas abzusehen ist kein Eingeständnis, dass man es alleine nicht schafft. Im Gegenteil, es ist ein extrem kreativer Lernprozess. Indem man beobachtet, wie andere etwas machen, erweitert man seinen Horizont für neue Ideen und Ansätze, die man dann auf die eigene Situation übertragen kann. So hat es auch Picasso gemacht. Wer das Picasso-Museum in Barcelona besucht, sieht zu Anfang der Ausstellung erst einmal Skizzen über Skizzen mit den verschiedensten Stilrichtungen aus seinen jungen Jahren. Picasso hat also nicht von Anfang an “Picassos” gemalt. Durch das Imitieren von anderen Künstlern lernte er von den Besten und entwickelte seinen eigenen Stil.

2. Es muss nicht auf Anhieb perfekt sein

Oder anders gesagt: Ausprobieren gibt uns die Freiheit, das beste Ergebnis zu erzielen. Mit einer “So habe ich das doch schon immer gemacht”-Einstellung bekommt man bestenfalls ein 0815-Ergebnis. Wer hingegen ausprobiert und auch mal damit scheitert, kommt dadurch auf ganz neue Lösungen. Selbst ein Meister seiner Zeit wie Paul Peter Rubens malte nicht einfach drauflos. Er benutzte Skizzen, um erst einmal im Kleinen auszuprobieren, wie etwas im Großen wirken oder funktionieren könnte. Das zeigt zum Beispiel das Ölbild “Heinrich IV. in der Schlacht bei Ivry” im Rubenshaus in Antwerpen. Es wurde nie fertiggestellt, deshalb sieht man, dass Rubens erst einmal vormalte, was er später mit Öl ausführte und wie er mit den Motiven experimentierte. So hat ein Soldat noch drei Arme und zwei Waffen, weil Rubens noch nicht entschieden hatte, was am besten wirkte.

3. Man muss nicht alles selbst machen

Manchmal erzielt man das beste Ergebnis, wenn man delegiert oder sich Hilfe von anderen holt, anstatt alles selbst zu machen. Entweder, weil man es zeitlich nicht schafft oder weil es jemand anderes einfach besser kann. Aufgrund der hohen Nachfrage nach seinen Werken überließ Rubens die Ausführung seiner Skizzen oft seinen Lehrlingen. Er übernahm dann am Schluss nur noch den Feinschliff. Diese Arbeitsweise hatte er sich von Renaissancekünstlern wie Raffael oder Michelangelo abgeschaut. Für wichtige Aufträge arbeitete Rubens außerdem mit Kollegen zusammen, die auf einem bestimmten Gebiet einfach besser waren als er. Bei dem gerade genannten Gemälde zum Beispiel arbeitete er mit einem Spezialisten für Schlachtengemälde zusammen, der für ihn das Schlachtgetümmel im Hintergrund des Bildes malte.

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Tags:Anfänger Aufwand Kreativität Qualität Vorbereitung


Geht das auch kürzer?

21.09.2014, Autor: Michael Gerharz

(ohne Worte)


Tags:Auf den Punkt kommen Wesentliches


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