Wer hat Lord Smithe ermordet?
(Es lohnt sich, das Video gesehen zu
haben, bevor Sie weiterlesen).
Wenn Sie die Veränderungen nicht bemerkt haben, dann sind Sie in
bester Gesellschaft, denn der Großteil Ihrer Mitmenschen kann das
ebensowenig. Die
Werbung von London-Transport nutzt eine menschliche Eigenschaft
aus, die man in der Wissenschaft Veränderungsblindheit
nennt: Wenn wir unsere Aufmerksamkeit gezielt auf einen bestimmten
Aspekt lenken, dann nehmen wir alle anderen Aspekte einer Szene nur
noch äußerst eingeschränkt war – und bemerken daher auch deren
Veränderung nicht.
Hintergrund: Die Sache mit der Tür
Einen eindrucksvollen wissenschaftlichen Nachweis für dieses Phänomen haben die beiden Forscher Daniel Simons und Daniel Levin von der University of Illionois erbracht. Sie testeten die Aufmerksamkeit von Passanten auf der Straße, indem sie einen Schauspieler baten, mit einer Karte in der Hand ahnungslose Passanten nach dem Weg zu fragen. Noch während der Erklärung kreuzten zwei Arbeiter, die eine Tür trugen, den Weg – genau zwischen Passant und Schauspieler. Der Clou: während die Tür dem Passanten die Sicht versperrte, wurde die erste Person nicht sichtbar für den Passanten ausgetauscht.Das interessante Ergebnis: Etwa 50% der
Teilnehmer bemerkten den Wechsel nicht; und zwar unabhängig davon,
ob die zweite Person anders gekleidet war. Selbst einen Wechsel des
Geschlechts bemerkten viele Teilnehmer nicht.
Wir sehen immer aktiv
Was wir wahrnehmen, hängt offenbar wesentlich davon ab, wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Obwohl wir vielleicht subjektiv den Eindruck haben, stets ein vollständiges Bild der Realität um uns herum passiv aufzunehmen, können wir in Wahrheit nur einen winzigen Ausschnitt bewusst wahrnehmen, eben denjenigen, auf den wir gerade aktiv unsere Aufmerksamkeit lenken.Übrigens nutzen das auch Magier immer wieder aus, um uns hereinzulegen. Sie lenken unsere Aufmerksamkeit z.B. mit Handbewegungen gezielt ab, so dass eine bestimmte Veränderung, die den eigentlichen Trick ausmacht, unserer Aufmerksamkeit verborgen bleibt.
Eine Präsentation ist keine Zauberei
Für Ihre Präsentation sollten Sie aber gerade den umgekehrten Schluss ziehen. Denn Ihre Aufgabe ist es in aller Regel nicht, die Aufmerksamkeit der Zuhörer abzulenken, sondern gezielt so zu lenken, dass Sie Ihre Ideen optimal verstehen. Überprüfen Sie vor Ihrer nächsten Präsentation vielleicht noch einmal, ob Ihre Folien (oder auch Ihre Ausführungen) Bestandteile enthalten, die Ihre Zuhörer ablenken. Unnötig komplizierte Diagramme, überflüssig lange Texte oder viel zu ausführliche Tabellen gehören auf den Prüfstand. Erwarten Sie auch nicht unbedingt, dass Ihre Zuhörer jede kleinste Detailinformation aktiv verinnerlicht haben, nur weil Sie sie in einem Nebensatz erwähnt oder in der Ecke einer Folie versteckt gezeigt haben.Eine Präsentation ist weder Zauberei noch Detektivarbeit. Sie hat nicht das Ziel zu verschleiern, sondern eine Idee so klar wie möglich in die Köpfe der Zuhörer zu bringen.
Schwerpunkt Vorher-Nachher: Reduktion auf das Wesentliche

Wie Patrick Peschlow den in der skeptischen Wissenschaftswelt mutigen Schritt zu klareren Präsentationen getan hat und welche Reaktionen er dabei erfahren hat, schildert er in seinem Artikel.
Weniger Ist Mehr
von Patrick PeschlowWir schreiben November 2000, mein drittes Semester an der Uni Bonn. Eine Woche noch bis zu meinem Vortrag beim Proseminar "Internetprotokolle". Meine erste Präsentation mit Powerpoint. Doch bislang lächelt mich nur eine leere Folie an. Ein Einstieg muss her, und zwar bald.
Ich wähle schließlich einen Ansatz, den Sie vielleicht kennen: Orientiere Dich an dem, was Du kennst und was Dir gefällt. Denn bereits in meinem ersten Semester hatte ich in einer Vorlesung ein Foliendesign kennengelernt, das mir gut gefiel; mit bunten Elementen, einer übersichtlichen Anordnung und einer detaillierten Darstellung der Inhalte. Tatsächlich gefielen mir die Vorlesungsfolien sogar so gut, dass ich oft auf den Besuch der Vorlesung verzichtet und stattdessen lieber zu Hause die Folien studiert habe. Keine Frage: Die Folien meiner ersten Powerpoint-Präsentation sollten sich an diesen tollen Vorlesungsfolien orientieren.
Der Vortrag lief gut und ich war zufrieden – so zufrieden sogar, dass ich bei meinem nächsten Vortrag dasselbe Design erneut verwendete. Beim übernächsten Vortrag auch. Und dann erneut, und so weiter. Ob Seminar-, Praktikums-, Diplomarbeits- oder Promotionsvortrag, ob Projekt- oder Konferenzpräsentation, meine Vortragsvorbereitung war stets die gleiche: Die Folien vom letzten Vortrag nehmen, sie von den alten Inhalten befreien und mit neuen Inhalten füllen. Trotz der Vielzahl an Präsentationsgelegenheiten hielt ich also genau genommen jedes Mal den gleichen Vortrag, nur eben mit anderen Inhalten. Ob das Design der Vorlesungsfolien für meine Vorträge überhaupt geeignet war, darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht. Aber sehen Sie selbst. Hier ist eine kleine aber repräsentative Auswahl von Folien aus meinen Präsentationen der Jahre 2000 bis 2007:
Als Leser dieses Blogs werden Sie
vermutlich direkt bemerken: Auf den Folien ist zu viel Text! Und zu
viel Text auf Folien bringt eine Reihe von Nachteilen mit sich. Vor
allem zwei dieser Nachteile habe ich während meinen Präsentationen
regelmäßig erfahren.
- Ich habe mich gewissermaßen zum "Sklaven" meiner Folien gemacht, d.h. ich fühlte mich genötigt, alle auf den Folien erwähnten Punkte auch tatsächlich zu erläutern. Einfach zur nächsten Folie zu wechseln würde ja bedeuten, dass ich etwas ausgelassen hätte. Und wer möchte schon etwas Wichtiges in seinem Vortrag auslassen? Da es auf der Folie steht, muss es ja wichtig sein. Oder?
- Ich habe ein ums andere Mal erlebt, dass die Zuhörer versuchen, gleichzeitig den Text auf meinen Folien zu lesen und mir zuzuhören. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich gut, dass man dabei aber in der Regel leider weder das eine noch das andere schafft.
Erst Anfang 2008 habe ich – in erster Linie dank diesem Blog, den Michael gerade gestartet hatte – zum ersten Mal bewusst über den Sinn und Zweck von Präsentationen nachgedacht. Schnell setzte sich eine wichtige Erkenntnis durch: Bei einer Präsentation besteht mein oberstes Ziel darin, den Zuhörern meine Botschaft erfolgreich zu vermitteln. Mein Vortrag soll es den Zuhörern so leicht wie möglich machen, diese Botschaft zu verstehen. Die Folien sind dabei nur ein Hilfsmittel, um den Vortrag zu unterstützen.
Diese Erkenntnis war für mich der Auslöser, mein Foliendesign zu ändern. Und zwar so, dass die Folien mich bei meinem Vortrag nicht mehr einschränken, geschweige denn mit mir um die Aufmerksamkeit meines Publikums konkurrieren würden. Ich entschied mich für eine Verschlankung meiner Folien anhand des Mottos "Weniger ist mehr". Es sollte nur noch auf Folie kommen, was ich für meinen Vortrag auch tatsächlich benötige. Der Vortrag selbst sollte wieder im Mittelpunkt stehen. Sehen Sie hier eine Auswahl von Folien aus Präsentationen, die ich seit 2008 gehalten habe:
Bei einer Konferenzpräsentation im
April 2008 ergab sich für mich die erste Gelegenheit zum
Praxistest. Zusätzlich zu den schlankeren Folien wendete ich noch
eine kleine Technik an, mit der ich mein Publikum vom ersten Moment
an auf mein Thema fixieren wollte. Ich brachte einfach die
Kernbotschaft meines Vortrags direkt auf die erste Folie:

Begonnen habe ich meine Präsentation
mit den Worten: "Wenn Sie auch nur eine Sache aus meinem Vortrag
mitnehmen, dann soll es diese hier sein." Danach habe ich die
Botschaft auf der Folie kurz erläutert. Erst anschließend begann
ich meinen eigentlichen Vortrag über die konkreten Inhalte des
Konferenzpapers. Auf der letzten Folie habe ich dann die
Kernbotschaft erneut gezeigt.
Im Anschluss an die Präsentation erhielt ich unerwartetes Feedback.
Einer der Zuhörer kam zu mir und lobte mich für die Klarheit der
Darstellung, ein anderer wiederum bezeichnete meine erste Folie als
"extrem effektiv". Später erklärte mir ein weiterer Zuhörer sogar,
dies sei eine der besten Präsentationen gewesen, die er in den
letzten Jahren auf einer Konferenz gesehen hätte. Allein diese drei
Reaktionen zeigten mir schon: Die Änderungen hatten sich gelohnt.
Und dabei waren sie so einfach gewesen.
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Um solch kleine Strukturen sichtbar zu machen, helfen Mikroskope. Durch die immer weitere Perfektionierung dieser Technik ist uns heutzutage die Gestalt vieler mikroskopisch kleiner Strukturen vertraut. Die meisten von uns haben selbst einmal im Biologieunterricht Pantoffeltierchen und andere Einzeller untersucht. Aus den Medien sind uns Strukturen bis hin zu Atomgröße vertraut. Wie klein aber sind solche kleine Sturkturen?

Eine sehr schöne Antwort auf diese Frage hat das Genetic Science Learning Center der Universität von Utah gefunden. Mit dieser interaktiven Animation kann man sich in die Welt der Mikroorganismen hineinzoomen. Beginnend bei einer Kaffeebohne taucht man durch einfaches Bewegen eines Schieberegler immer tiefer ein in die Welt der Mikroorganismen, über eine Salzkorn, Amöben, Hautzellen, Viren bis hin zu einzelnen DNA-Bestandteilen.
Die Animation ist nicht nur
anschaulich, sie macht auch Spaß. Klicken Sie sich unbedingt selber
durch. Und warum funktioniert das so gut? Warum sind wir fasziniert
von Darstellungen wie diesen? Weil es eben keine dröge Aufzählung
von Fakten ist, sondern eine kleine Abenteuerreise. Jeder, der den
Schieberegler bedient, taucht auf seine eigene Weise in die Welt
der Mikroorganismen ein, erkennt Dinge wieder, vergleicht, schiebt
vor und zurück, wundert sich und findet Erklärungen. So stecken in
dieser Animationen viele kleine Geschichten. Und genau darum ist
eine Visualisierung besonders gut gelungen: wenn sie nicht nur die
Fakten präsentiert, sondern wenn sie die Fakten zu einer spannenden
Geschichte verknüpft, an die man sich auch erinnert.
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Buchempfehlung: Gehirn & Erfolg von John Medina
1. Auf den Boden der Tatsachen
Das Buch hält sich strikt an die Erkenntnisse der Hirnforschung. Mit Halbwissen der Art "90% unseres Gehirns sind ungenutzt" oder Mythen über die linke und rechte Hirnhälfte hält sich das Buch nicht auf. Stattdessen erklärt es auf solidem wissenschaftlichem Fundament, was wir über das Gehirn einigermaßen fundiert wissen (oder vermuten) und setzt es in Bezug zu unserem Alltagsleben. Dabei verschweigt Medina nicht die Grenzen der Wissenschaft:Patentrezepte liefert er also nicht. Stattdessen leitet er aus dem (wenigen), was wir wissen, Handlungsempfehlungen ab, die dem Potential unseres Gehirns aus heutiger Sicht besser gerecht werden. Das ist gelegentlich nahe am gesunden Menschenverstand, z.B. dass Bewegung gut tut oder dass uns langweilige Dinge (wie z.B. viele PowerPoint-Präsentationen) nicht interessieren, aber solide begründet und von Halbwissen befreit.Man kann mit Fug und Recht skeptisch gegenüber der Behauptung sein, die Hirnforschung könne uns eindeutig Auskunft daüber geben, wie wir bessere Lehrer, Eltern, Geschäftsführer oder Studenten werden.
2. In die Sphären der Wissenschaft

Dennoch fehlen die harten wissenschaftlichen Fakten nicht. Auf der begleitenden Webseite Brain Rules liefert Medina tiefergehende Erklärungen und sehr ausführliche Quellenangaben nach, eine Methode, die ich selbst oft schon zur Trennung von Vortrag und Handout empfohlen habe.
3. Praktische Präsentationstipps
Nicht zuletzt enthält das Buch einige handfeste Tipps zum Thema Präsentation, die natürlich ebenso sorgfältig begründet werden. Die vielleicht wichtigste Botschaft lautet dabei: Das Sehen übertrifft alle anderen Sinne. Als unmittelbare Schlussfolgerung folgt daraus, dass Textwüsten auf Folien fast immer eine schlechte Idee sind. Weitere Präsentationstipps aus dem Buch fassen diese Folien von Garr Reynolds sehr schön zusammen:Gehirn & Erfolg ist sehr gut übersetzt, Freunde des englischen Originals erhalten aber bei der gebundenen Auflage eine Begleit-DVD (ohne die man das Buch aber genausogut versteht).
Links zu dem Buch
Gehirn & Erfolg oder die Originalausgabe Brain Rules bei Amazon.de bestellen
John Medina@Google stellt sein Buch in einem Vortrag bei Google vor
Die begleitende Webseite Brain Rules mit vielen ergänzenden Informationen
Der Blog zum Buch
John Medinas Homepage
Die 1-7-7-Regel für PowerPoint-Folien (mit Medina-Zitat)
Vorher-Nachher: One Minute Madness
Vor kurzem erhielt ich einen Hilferuf für eine solche Veranstaltung, bei der es nur eine einzige Regel für die One Minute Madness gab:
Grund des Hilferufs war diese offensichtlich ungeeignete Folie:Jede Präsentation dauert exakt 45 Sekunden und enthält genau eine Folie, die danach automatisch wechselt.

Die Folie wirkt ein bisschen, als
versuche man, einen Film im Schnelldurchlauf zu schauen; alles
Wichtige aus dem 30-minütigen Vortrag soll in die 45 Sekunden
gepackt werden. Das ist hier jedoch schon alleine deswegen zum
Scheitern verurteilt, weil man nicht den Hauch einer Chance hat,
diese Inhalte in so kurzer Zeit überhaupt zu erfassen, geschweige
denn zu verstehen (ganz abgesehen davon, dass man selbst bei
starker Vergrößerung nicht einmal alle Inhalte entziffern
kann).
Die gute Nachricht ist dabei: Wenn es möglich wäre, den Inhalt
eines 30-minütigen Vortrags komprimiert in 45 Sekunden zu erzählen,
dann wäre der Vortrag ja überflüssig. Daher gilt: in der One Minute
Madness geht es einzig und alleine darum, Appetit zu machen auf den
eigentlichen Vortrag und nicht darum, alles vorwegzunehmen.
Genau drei Fragen sind also für die Zuhörer zu beantworten:
Interessiert mich das Thema? Wenn ja: Wo und wann findet der
Vortrag statt?
Klar ist damit: die Folie muss Ort und Zeit enthalten. Außerdem
wird ein Aufhänger benötigt, der Spannung für den eigentlichen
Vortrag weckt. Mehr nicht. Also reduziert sich die Aufgabe darauf,
eine spannende Frage zu finden, die die Zuhörer neugierig auf mehr
macht – und eben nicht darauf, sämtliche Inhalte möglichst
komprimiert zu verpacken.
In dem gegebenen Fall war eine Analogie recht schnell gefunden:
„stille Post“ (engl. chinese whisper). Wenn man das in eine kleine
Geschichte verpackt, sind die 45 Sekunden schnell gefüllt. Nämlich
so:
1. Ausgangslage: Laut Programmheft sind heute
Teilnehmer aus mindestens 18 verschiedenen Ländern anwesend.
2. Problem: Ich habe mich gefragt: Wie würde man
in diesem Rahmen wohl „stille Post“ spielen?
3. Lösung: Irgendwie müsste man sicher eine
gemeinsame Sprache finden, wahrscheinlich wäre das Englisch.
4. Übertragung: Wir haben ein ähnliches Problem,
wenn wir eine Netzwerkverbindung zwischen zwei Rechnern über viele
verschiedene Netze hinweg reservieren möchten. Leider gibt es hier
keine Weltsprache „Englisch“. Deswegen haben wir das System
„Harmony“ entwickelt, das eine Vielzahl existierender
Netzwerkreservierungssysteme nahtlos miteinander verbindet.
5. Einladung Wenn Sie diese Sprache lernen
möchten, lade ich Sie zu meinem Vortrag um 16:45 Uhr im Raum „Ford“
ein.
Visualisieren kann man das auf verschiedene Weise, z.B. rein
typografisch:

Zu den größten Sorgen eines
Wissenschaftlers zählt der Vorwurf, etwas nicht vollständig
beschrieben zu haben. Bei der One Minute Madness geht es jedoch
ganz bewusst um Unvollständigkeit und darum, bei den Zuhörern das
Verlangen nach der vollständigen Informationen zu wecken. Und ja:
das darf man ruhig „Werbung“ nennen.
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Vorher-Nachher: Emotionen

Die Folie ist emotional, keine Frage,
und die Zahlen klingen dramatisch. Aber es gibt ein gravierendes
Problem: sie haben nämlich nichts mit Megastädten zu tun. Wie wir
später in der Präsentation erfahren, leben derzeit überhaupt „nur“
knapp 600 Mio. Menschen in Megastädten, also insgesamt deutlich
weniger als die auf der Folie genannten Zahlen von 1 Mrd. und 2,6
Mrd Menschen, die sich demnach auf die weltweite Gesamtbevölkerung
beziehen.
Gerade in einem wissenschaftlichen Umfeld ist Glaubwürdigkeit
extrem wichtig. Die Folie könnte daher sogar kontraproduktiv
wirken. Denn wenn der Verdacht aufkeimt, dass durch „Verbiegen“ von
Statistiken Emotionen provoziert werden, dann ist die
Glaubwürdigkeit schnell verspielt. Es ist also ein wenig Vorsicht
geboten: Emotionen ja, (Über-)Dramatisierung nein.

Dieses Bild ist damit ein guter Aufhänger für eine kleine Geschichte, die anhand des konkreten Beispiels „Bangkok“ in die Wasserproblematik der Megastädte einführt. Das Beispiel erfüllt gleich mehrere Zwecke. Neben einem emotionalen Zugang zu dem Thema können nämlich schon einmal die wesentlichen Probleme, die im Verlauf der Präsentation erläutert werden sollen, vorab konkret veranschaulicht werden. So haben die Zuhörer später eher ein Bild vor Augen, wenn sie die abstrakten Zahlen und Fakten hören.
Eine Bildsuche auf flickr liefert noch eine Reihe von Fotos, die für diese Einführung geeignet sind. Die folgenden drei Folien zeigen eine mögliche Umsetzung in PowerPoint, die erst Bangkok als Megastadt vorstellt und anschließend die Wasserprobleme der Stadt anhand der Abwassereinspeisung benennt.



Als Anregung für den Einsatz von
Geschichten zum Einstieg in Themen wie diese mögen auch die beiden
folgenden TED-Präsentationen dienen. In der ersten Präsentation
spricht Willie
Smits über die Probleme bei der Wiederaufforstung in Indonesien
und erzählt zu Beginn von einer einschneidenden Begegnung mit einem
Orang-Utan-Baby.
In der zweiten Präsentation berichtet
Majora Carter über ihre Mission, die Ghettos in der New Yorker
Bronx (einer anderen Megastadt) zu einem lebenswerteren Ort zu
machen und erzählt, wie ihr Hund ihr dafür die Augen geöffnet hat.
Die Folien können sicher in beiden Vorträgen noch verbessert
werden, aber beide Redner zeigen spürbare Leidenschaft für ihr
Thema und erzielen gerade durch den Einsatz vieler Bilder (ganz
ohne Text) einen sehr emotionalen Zugang zu ihrem Thema.
Links zu dem
Artikel
Wikipedia-Artikel über Bangkok
Die durstige
Megastadt – Berliner Zeitung über Wasserprobleme in
Mexiko-City
Mehr TED-Präsentationen zum Schwerpunkt The Power of
Cities
Mehr TED-Präsentationen zum Thema A
Greener Future?
Zahlen oder
Bilder? – Zahlen emotional visualisieren
Weitere Vorher-Nachher-Vergleiche
[Fotos: Woman with Child Collecting Water
von hdptcar@flickr.com unter CC-BY lizenziert,
Hot Raw Sewage von
Stuck
In Customs@flickr.com unter CC-BY-NC-SA lizenziert,
Assumption University Bangkok von 3dom@flickr.com unter CC-BY-NC lizenziert,
Baiyoke Bangkok von GAry.Photography@flickr.com unter CC-BY-NC-ND lizenziert]
Tückische Wissenschaft: Stimme und Körpersprache
Die Regel geht zurück auf Experimente des Psychologen Dr. Albert Mehrabian aus dem Jahr 1971. Was aber wurde in diesen Experimenten genau gemessen?
Mehrabian wollte herausfinden, inwieweit es möglich ist, anhand der Stimme und der Körpersprache zu erkennen, ob der Sprecher etwas "mag" oder "nicht mag". Besonders interessierte ihn, ob man anhand der Stimme oder Körpersprache erkennen kann, dass der Sprecher in dieser Hinsicht "lügt", also etwas "mag", obwohl er sagt, er möge es nicht, und umgekehrt.
Tatsächlich fand er heraus, dass wir uns gerade in solch "inkongruenten" Situationen mehr auf stimmliche und körpersprachliche Signale verlassen, als auf den Inhalt des gesprochenen Wortes. Wir merken offenbar instinktiv, wenn jemand nicht ganz ehrlich in seiner Meinungsäußerung ist.
Was bedeutet das nun für Ihre Präsentationen? Solange Sie nicht über Ihre Gefühle oder Ihre Meinung zu einem Thema sprechen, ist die 7-38-55-Regel schlicht nicht anwendbar. Sie bezieht sich nur auf Gefühls- und Meinungsäußerungen. Umgekehrt bedeutet das aber, dass Sie durch Ihre Stimme und Ihre Körpersprache indirekt "verraten", wie Sie selbst zu Ihren Worten stehen, ob Sie dahinterstehen oder selbst nicht von Ihren Worten überzeugt sind. Letztlich sind also Stimme und Körpersprache sehr wohl wichtig für Ihren Vortrag, halten Sie aber Ihr Publikum nicht für "dumm", indem Sie versuchen, es mit ausgeprägter Körpersprache von einem mageren Inhalt zu überzeugen.
Links zu diesem Artikel
Sprechen Sie flüssig oder, äh, verständlich?
Wikipedia-Artikel zur 7-38-55-Regel (engl.)
Homepage von Dr. Albert Mehrabian (engl.)
Empfehlenswertes Buch zu Körpersprache: The Definitive Book of Body Language von Allan und Barbara Pease (Amazon.de)
Guter Vortrag, schlechte Folien
Der Vortrag ist ein gutes Beispiel
dafür, dass selbst ein normalerweise als äußerst trocken
empfundenes Thema anschaulich wird, wenn verblüffende Beispiele und
Geschichten die Auswirkungen auf das tägliche Leben erklären.
Donnelly gelingt es auch gut, gleich zu Beginn einen Draht zum
Publikum herzustellen, indem er sich selbst ein bisschen auf die
Schippe nimmt.
Stark verbesserungsfähig sind allerdings seine (wenigen) Folien,
die irgendwie fehl am Platz und (trotz der geringen Zahl)
weitgehend überflüssig wirken. Vieles, was er da auf die Folien
schreibt, wird nicht wirklich benötigt, spricht er doch selbst sehr
anschaulich und hält sich nicht an den Text auf seinen Folien. Ich
greife einmal zwei Folien heraus:


Auf der ersten Folie hätte er sich
völlig auf das Beispiel in der Mitte beschränken können. Keinen
Satz hätte man vermisst, wäre er nur gesprochen, nicht aber
aufgeschrieben worden. Auf der zweiten Folie steht gleicht sechs
mal „the average number of tosses until“ voll ausgeschrieben. Das
alles zu lesen dauert viel zu lange. Im Wesentlichen kann man die
zweite Folie wohl auch so zusammenfassen: „On average, do you wait
longer for HTH, longer for HTT, or do you wait equally long for
both?“
Wenn man das einmal umsetzt, könnten Folien wie diese herauskommen,
die die Zuhörer deutlich weniger ablenken:
Die 1-7-7-Regel für PowerPoint-Folien
Die 1-7-7-Regel für PowerPoint-Folien ist auch so eine sinnentstellte Regel. Was vielleicht einmal gedacht war, um das allerschlimmste zu verhindern, nämlich von oben bis unten mit ganzen Sätzen voll geschrieben Folien, hat sich mittlerweile verselbständigt und findet sich in unzähligen Präsentationsratgebern als sinnvolles Maß für die Textmenge auf Folien. Aus einer Maximalempfehlung ist auf diese Weise eine sinnentstellte Minimalregel geworden:

Das Problem: diese Regel ist schlicht
unbrauchbar und in den meisten Fällen ein schlechter Rat. Der
Präsentationsexperte Andrew Abela
bezeichnet in seinem Buch
Folien mit sieben Zeilen à sieben Wörtern gar als „die
schlimmstmöglichen Folien“. Aber wo kommt diese Regel eigentlich
her? Vermutlich geht sie zurück auf die Fehlinterpretation einer
wissenschaftlichen Veröffentlichung des Psychologen George Miller
aus dem Jahr 1956:
The Magical Number Seven, Plus or Minus Two: Some Limits on Our
Capacity for Processing Information. In dieser Studie zeigte
Miller, dass es anscheinend eine Grenze von ca. 7 (±2) Elementen
gibt, die unser Arbeitsgedächtnis aufnehmen kann, z.B.
sieben Ziffern, Wörter usw. (mittlerweile gibt es hierzu
detailliertere Untersuchungen).
Wie auch bei
Mehrabians Körpersprache-Studie beruht jedoch auch hier die
Übertragung der Studienergebnisse auf Präsentationen auf einem
grandiosen Missverständnis. Millers Regel sagt – wie der Autor
selbst schreibt – nichts, wirklich gar nichts aus „über
die Fähigkeit einer Person, gedruckte Texte zu verstehen.“ Der
bekannte amerikanische Informationsforscher Edward Tufte bringt das so auf den
Punkt:
So weit so gut. Aber dass Millers Erkenntnisse nicht auf Präsentationen übertragbar sind, bedeutet ja noch nicht, dass die 1-7-7-Regel nicht vielleicht doch sinnvoll sein könnte.Millers Regel sagt nichts über die Menge an Informationen aus, die in einer Präsentation gezeigt werden sollen (solange die Folien nicht aus nonsense-Silben bestehen, die das Publikum sich merken und einem Psychologen aufsagen soll).
Ist sie aber nicht, und zwar aus einem einfachen Grund: Der Mensch ist nicht besonders gut im Multitasking. Zwar können wir unterschiedliche Tätigkeiten gut parallel ausführen, z.B. können wir uns unterhalten, während wir spazieren gehen. Wir können auch Bilder betrachten und gleichzeitig einem Text zuhören, z.B. wenn wir einen Film ansehen. Diese Tätigkeiten benutzen aber jeweils unterschiedliche Kanäle in unserem Gehirn. Wir können aber nicht zwei Tätigkeiten in demselben Kanal gleichzeitig durchführen. Und genau das ist gefordert, wenn auf Folien viel Text steht. Das Publikum muss dann dem Vortragenden zuhören und gleichzeitig die Texte lesen, also zwei Tätigkeiten durchführen, die denselben Kanal verwenden.

Das wichtigste Argument, das häufig für die 1-7-7-Regel genannt wird, nämlich dass die Stichpunkte eine prägnante Betonung der wichtigsten Inhalte einer Präsentation darstellen, ist damit völlig wertlos, weil das Publikum sie gar nicht angemessen verarbeiten kann. Das bedeutet dann wohl im Umkehrschluss, dass die einzige Möglichkeit, 1-7-7-Folien überhaupt sinnvoll einzusetzen, darin besteht, sie vorzulesen. Wer aber so etwas schon einmal erlebt hat, der wird sich mit ziemlicher Sicherheit an dieses Gefühl erinnern:Um es ganz offen zu sagen: Die Wissenschaft zeigt, dass wir nicht multitaskingfähig sind. Wir sind biologisch unfähig, mehrere aufmerksamkeits-intensive Einflüsse gleichzeitig zu bearbeiten.























