Schwerpunkt Kreativität: Kreativ ANDERS

Für den Schwerpunkt Kreativität habe ich Hannes gebeten, uns mit Hilfe einiger markanter Beispiele ein paar Denkanstöße für neue Wege zu liefern. Herausgekommen ist ein schöner Ansporn, selbst auch einmal neue Wege zu gehen – und wir lernen, dass häufig „anders denken“ viel nahe liegender und (insbesondere im Nachhinein) gar nicht so abwegig ist, wie man vielleicht vorher gedacht hat.
Kreativ ANDERS
von Hannes TreichlIch verbrachte früher (viel zu viel) Zeit in Business & Executive Lounges auf Flughäfen in aller Welt. Eines gleicht aber bei allen: die vielen Menschen in den selben dunklen Anzügen, die geschäftig telefonieren, Updates an Angestellte durchgeben und sich kaum um den Erfahrungsaustausch mit anderen kümmern. Mein meist gebuchter Zubringerflug war die Strecke Innsbruck–Frankfurt. Montag morgens saßen in der Tyrolean-Maschine kaum Menschen, sondern vor allem Zeitungen - und auch diese waren die selben.

Meistens hilft schon eine (gut strukturierte) Kreativ-Session weiter.
Das hat sich auch das 2007 mit dem Innovationspreis des Landes Salzburg ausgezeichnete Unternehmen Skidata gedacht. "Warum müssen Menschen an Skiliften immer vor geschlossenen Schranken stehen, obwohl sie gültige Karten haben?" So dürfte die Frage gelautet haben, auf die das Unternehmen mit einer revolutionären Idee antwortete: Dem Freemotion-Open-Gate-System.
Anstatt Snowboarder und Skifahrer mit verschlossenen Drehkreuzen vom Zugang zu Skiliften auszusperren, lädt ein ständig offenes Drehkreuz auf freundliche Art zum Durchfahren ein. Wer keine gültige Karte besitzt bleibt draussen - in dem Fall schließt sich ein Dreharm und verwehrt den Zutritt. Angenehmer “Nebeneffekt”: Da es wesentlich mehr Gäste mit berechtigten Karten gibt als welche mit gar keinen oder ungültigen, ermöglicht das Freemotion-Open-Gate-System ein höheres Tempo bei der Abfertigung von Wintersportlern.
Hilfe beim Nachdenken über mögliche Innovationspotenziale (und denken Sie beim Wort Innovation bitte nicht immer nur an Technologien!) bietet die Osborn Checkliste. Sie eignet sich dank einiger weniger einfacher Fragen, um Denkblockaden zu überwinden, und kann auch für "einsame" Kreativsessions mit sich selbst eingesetzt werden. Ein Beispiel dafür lesen Sie am besten selbst im Blog des Unternehmensberater Kai-Jürgen Lietz nach.

Auch die Zuschauer liebten den waghalsigen Sprungstil des Schweden. Schon bald war er der unumstrittene Show-Star des gesamten Springerfeldes. Trotz (oder vor allem wegen?) seines Erfolges blies ihm allerdings ein eisiger Wind entgegen. Hochrangige FIS-Funktionäre sahen gar die Ästhetik des Skispringens gefährdet. Und trotzdem: Seine "Erfindung" setzte sich durch und ist heute aus dem Sport nicht mehr wegzudenken.
Auch die österreichische Wirtin Barbara Schreiner stieß auf Widerstand, als sie sich vor einigen Jahren entschied, ihre Gäste selbst den Preis des Essens festsetzen zu lassen. Von Kollegen und Freunden, mit denen sie die Idee teilte, wurde sie belächelt; heute lacht sie, denn ihre Idee des "Überraschungsmenüs" hat ihr nicht nur neue Gäste beschert, sondern vor allem auch viel Aufmerksamkeit von Presse und der Internetwelt. Ihr "
Kreativ war auch Traude Daniel aus Klagenfurt. Weil in wirtschaftlich harten Zeiten niemand jenen Preis zahlen wollte, den sie sich erhoffte, entschloss sie sich kurzerhand, ihr Haus zu verlosen. Die Folge: Ein Aufschrei von Juristen und Immobilienmaklern, die die Spielregeln einer gesamten Branche gefährdet sahen. Gleichzeitig gab es aber auch tausende Menschen, die sich begeistert von der Idee und den Möglichkeiten an der Verlosung beteiligten. Traude Daniel übertraf innerhalb kürzester Zeit ihre geheimsten Erwartungen und erzielte einen weit höheren Erlös, als ihr das ein "gewöhnlicher" Verkauf (oder gar eine Versteigerung) ermöglicht hätten.
Was zeigen uns diese Beispiele? Wer die Bausteine Kreativität, Mut sich über Branchenregeln hinwegzusetzen und Perfektion in der Umsetzung in seine Strategie integriert (oder noch besser: zu seiner Philosophie macht), wird sehr viel mehr Erfolg und Freude im Leben haben - und darf in wirtschaftlich schweren Zeiten mit einem Lächeln durch die Welt gehen.
Interview: Frank Kretschmann über Kreativität

In jahrelanger Arbeit fotografierte er mit drei Kollegen und einer alten Kamera die Städte Nürnberg und Fürth aus völlig ungewohnten bis unmöglichen Blickwinkeln, und nannte das Ergebnis Randzonen. Mit seiner Band Ludwag geht er Wege fernab vom Mainstream und erforscht Klangwelten irgendwo zwischen elektronischer und akustischer Musik. Und als Freeclimber reist er um die ganze Welt, um reine Natur zu erleben, wenn er alleine oder mit Kollegen in viel zu steilen Felswänden hängt.
Ich habe Frank Kretschmann gefragt, was für ihn Kreativität bedeutet und wie er neue Ideen findet.
1. Was ist für Sie "Kreativität"?

2. Wie finden Sie "neue" Ideen?
Ich bin viel und gern unterwegs, auch viel in der Natur. Dabei treffe ich ständig neue Menschen und neue Orte, von denen jeder einzelne mir neue Anregungen gibt. Ich versuche immer, meine Umgebung mit offenen Augen und Ohren aufzunehmen, mir dabei immer auch einen spielerischen Zugang zu meiner Umwelt zu bewahren.Wichtig scheint mir auch, neue Ideen nicht krampfhaft zu suchen, nicht ständig darüber nachzudenken, sondern sie entstehen zu lassen, also in meinem Kopf und in meiner Umwelt das richtige Umfeld zu schaffen, in dem Ideen den Weg zu mir finden können.
3. Was tun Sie, wenn Ihnen einmal einfach nichts einfallen möchte?

Wenn ich auf der Suche nach Ideen bin, für meine Fotografie, meine Musik oder für meinen Sport, ist es in jedem Fall einen gute Idee zu den Anfängen zurückzugehen, sich an seine Basics zu erinnern. Ich versuche also zurück zum Wesentlichen zu kommen und mich auf das Einfache zu konzentrieren und dieses mit höchster Sorgfalt und Präzision auszuführen.
[Fotos: Frank Kretschmann, funst.de]
Interview: Juli Gudehus über Kreativität

Bekannt geworden ist Juli Gudehus durch ihre graphische Umsetzung der Genesis, die sie noch während ihres Studiums zum Shootingstar machte. Das Buch erzählt die Schöpfungsgeschichte mit Hilfe von Piktogrammen auf humorvolle und bisweilen tiefgründige Weise. Im März erscheint eine Neuauflage des Werks im Carlsen Verlag.
Ich habe Juli Gudehus gefragt, was für sie Kreativität bedeutet und wie sie neue Ideen findet.
1. Was ist für Sie "Kreativität"?
Eine ganze Reihe von Tätigkeiten werden untrennbar mit Kreativität assoziiert: singen, malen, basteln, stricken, tanzen, Makramee.Stimmt das wirklich? einfach so? Unserem Berufszweig, und auch noch ein paar anderen, wird schon von vorneherein die Kreativität zuerkannt. Wir sind die »Kreativen«. Aber sind wir es wirklich? Wir sind kreativ, ein Biochemiker, Bestattungsunternehmer oder Bäcker dagegen nicht. Dieses Vorurteil ärgert mich, vor allem, weil wir es auch noch selber glauben. Und es stimmt einfach nicht. Es gibt verdammt viele »Kreative«, die völlig unkreativ sind. Unkreativ, meine ich, weil ich es nicht für kreativ halte, Bewährtes nachzubeten, und dabei noch nicht einmal zu erkennen, daß man sich damit nicht einen Hauch aus dem breiten Mainstream entfernt. Das ist nicht besser als Kreativität à la Brigitte-Kreativteil. Ein Taxifahrer dagegen, der auf die Idee kommt, während der Fahrt Snacks oder Musik zu verkaufen, ist meiner Meinung nach kreativ. Er selbst wird das vermutlich gar nicht finden. Kommt nicht im Traum darauf.

2. Wie finden Sie "neue" Ideen?
Sie finden mich.3. Was tun Sie, wenn Ihnen einmal einfach nichts einfallen möchte?
Ich kenne drei Wege, die helfen können, den Knoten zu lösen.Der eine Weg ist, am Ball zu bleiben. Ich finde überaus hilfreich, alles, was mit dem Vorgang zu tun hat, zu studieren und zu sortieren. Durch diese Arbeit wird die Gehirntätigkeit bei mir oft schon ausreichend angeregt. Wenn das nicht der Fall ist: nochmal studieren und auf andere Weise sortieren, das kann schon helfen. Wenn der Ideenfluß schlimm ins Stocken gerät oder ein Problem unlösbar scheint, halte ich mich an den Rat meines Professors, der mir das Atommodell aufmalte und dazu sagte: "immer in Bewegung bleiben! umkreisen Sie Ihr Problem wie ein Elektron den Atomkern, wechseln Sie die Perspektive, schauen Sie von oben, von unten, von hinten und von der Seite. Aber bleiben Sie immer in Bewegung."
Der zweite Weg ist, den Vorgang beiseite zu legen und sich mit etwas ganz anderem zu beschäftigen. Egal, was das ist – das Hintergrundprogramm in meinem Kopf läuft weiter und durch die Befruchtung mit Gedanken über Anderes kommt es in der Regel ebenfalls zu interessanten neuen Überlegungen.
Es hat auch – zum Glück selten – Fälle gegeben, wo ich entnervt das Handtuch geworfen habe. Das liegt dann irgendwo rum und ich werde mich zu einem späteren (oder auch zu einem viel späteren) Zeitpunkt wieder damit befassen. Das ist der dritte Weg: Dingen ihre Zeit und ihr Tempo lassen. Manchmal hilft es nicht, eine Lösung erzwingen zu wollen.
Am schwierigsten ist, zu entscheiden, welchen Weg ich in einer mißlichen Lage einschlage.
Wie kommt man auf Ideen?
Das ist eine der mir am häufigsten gestellten Fragen. Neben den üblichen Ratschlägen: gute Vorbereitung, mit offenen Augen durch’s Leben gehen, mit anderen über das Thema sprechen, gibt es ein paar handfeste Tipps, die Sie darin unterstützen schneller und zielgerichteter auf Ideen zu kommen.
In den kommenden drei Wochen finden Sie hier solche Tipps von Kreativen aus unterschiedlichsten Bereichen in Form von Gastbeiträgen und Interviews. Morgen geht es los mit dem Schwerpunkt Kreativität.
Schwerpunkt Kreativität: Hereinspaziert, liebe Ideen!

Falsch gedacht, Sie kennen wohl Timo Off noch nicht. Timo ist Ideenfänger, Querdenker, hat Mathematik und Philosophie studiert und als Lehrer gearbeitet. Und wenn Sie Timos Ideen kennen lernen, dann werden Sie verstehen, warum das so gut zu ihm passt: jeder ist kreativ, wenn er sich nur traut, ein guter Ideengastgeber zu sein. Diese Botschaft ist es, die Timo in seinem Blog Geistesblitz seit Jahren erfrischend präsentiert und in seinen Workshops anschaulich vermittelt.
Vor kurzem ist sein neues Hörbuch Reise ins Land der Ideen erschienen, ein toller Ratgeber für alle, die noch immer glauben, Kreativität wäre nur etwas für Genies. Die wichtigsten Inhalte bringt er für uns in dem folgenden Artikel auf den Punkt. Viel Spaß und
Hereinspaziert, liebe Ideen!
von Timo Off
Ideen sind kleine freche Biester, die mal vorlaut, aber sehr oft schüchtern sind. Sie fliegen vorbei, sie berühren uns und oft genug lassen wir sie ungenutzt weiterziehen. Damit Ideen zu Ihnen kommen und bleiben, können Sie
A. Ihren Ideen ein guter Gastgeber sein
oder
B. Ihre Ideen zielgerichtet einladen.
A. Seien Sie Ideengastgeber!
Ich stelle Ihnen vier Eigenschaften von Ideen vor, die Sie zugleich nutzen können, um noch mehr Ideen einzuladen.
1. Ideen lieben die Gesellschaft ungewöhnlicher Themen. Schaffen Sie sich überraschende und erfrischende Einblicke: Fahren Sie auch einmal auf anderem Weg zur Arbeit und beobachten Sie wieder, was es zu sehen gibt! Lesen Sie Magazine aus „fremden“ Themen am Kiosk. Sprechen Sie mit Experten aus einem Unternehmen, dass so gar nichts mit Ihrer Profession zu tun hat. Probieren Sie täglich etwas kleines Neues aus. So kurbeln Sie Ihre Ideenproduktion an.

3. Ideen lieben Leidenschaft. Weder das flaue „ganz gut“ noch das müde „wird schon schief gehen“ kann Ideen anlocken. Nur mit breiter Brust, heißem Herzen und klaren Gedanken können Sie Ideen stärken. Entweder die Idee ist es wert, dass Sie für sie eintreten, für sie kämpfen und sie pushen oder eben nicht. Vertrauen Sie Ihren Ideen und es werden sich noch mehr Ideen in Ihre Nähe trauen.
4. Ideen lieben das Spiel. Das Spiel ist das Ein und Alles und doch ist nichts wirklich ernst. Wenn Sie spielen, d.h. wenn Sie Dinge ausprobieren, wenn Sie etwas wagen (sei es privat oder im Beruf!), dann seien Sie ein echter Spieler: Sie können gewinnen, verlieren oder einfach: immer wieder etwas dazulernen. Sich verlieren im Spiel und doch zu wissen, dass es nur ein Spiel ist.
Das Schöne ist, dass Sie sich mit Ihren kreativen Gedanken selbst anstecken werden. Je öfter Sie auf Ihre Ideen achten, umso öfter werden Ihnen Ideen zufliegen. Kleiner Tipp: Achten Sie darauf, dass Sie stets etwas zu schreiben dabei haben, um Ihre spontanen Ideen festhalten zu können.
B. Laden Sie Ideen zielgerichtet ein.

Natürlich gibt es spontane Geistesblitze. Und auch wenn ich Ihnen im Folgenden ein Modell vorstelle, wie sie zielgerichtet Ideen finden können, so bleibt immer genug Impulsivität, Ungeplantes übrig. Doch mit Peter Zadeks Bild gesprochen: nur wenn Sie planvoll und zielgerichtet ein Saatkorn aussäen, kann ein Baum wachsen.
Ideen zu finden und umzusetzen ist für mich ein vollständiger Prozess. Wenn Sie noch nicht wissen, wie eine Lösung aussehen kann, dann haben Sie noch keine Vorstellung, d.h. kein Bild von der Lösung. Mein Modell eines kreativen Prozesses hat vier Phasen, die jede einzeln notwendig ist, um bewusst gesteuert zum Ziel, das heißt zu neuen Ideen zu gelangen.
Erste Phase: B wie Beschreibung! Zu Beginn geht es darum, zu beschreiben, was eigentlich das Problem ist. Denn wenn Sie nicht genau wissen, was Sie suchen, dann können Sie das, was Sie finden, auch nicht angemessen beurteilen, ob es Ihnen nützt! Je komplexer die Aufgabe, desto wichtiger ist es, das Problem genau zu beschreiben. Was sind die Hindernisse, die verhindern, dass Sie sofort Ihr Ziel erreichen?
In dieser ersten Phase wird das Problem von einem irgendwie vor uns liegenden Gefühl in eine sprachliche Form gebracht: Das Problem wird zur Sprache gebracht!
Zweite Phase: I wie Informationssammlung und Informationsanordnung! In der ersten Phase haben Sie das unklare Problemgefühl zu einer schriftlich fixierten Problemfrage gemacht, Sie haben sich damit das Problem angeeignet, d.h. es zu Ihrem Problem gemacht. Jetzt geht’s ans Faktensammeln: welche Informationen gibt es bereits? Was wissen Sie alles über das Thema? Was fällt Ihnen alles schon jetzt ein? Alle Informationen werden anschließend geordnet.
In diese Phase gehören auch verschiedene andere Arbeitstechniken, mit denen Sie auf neue Ideen gebracht werden können, so genannte Kreativitätstechniken. Durch diese kreativen Arbeitsmethoden helfen Sie sich, die gesammelten Informationen neu anzuordnen.
Dritte Phase: L wie Licht oder Lösung! Das ist der kreative Sprung. Das ist endlich das, wonach Sie gesucht haben! Eine neue gedankliche Verbindung tritt an die Oberfläche Ihres Bewusstseins. Sie haben sie gefördert durch gute Vorbereitung.
Diese Phase lässt sich noch auf andere Weise befördern: Und zwar, indem wir auf einen angemessenen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung achten! Sowohl intensive Arbeitsphasen am Problem als auch entspannte Phasen abseits des Problems sind wichtig, damit Ihr Gehirn sortieren und zuverlässig arbeiten kann. Das warme Licht der Lösung kann manchmal auch dann aufscheinen, wenn Sie nicht damit rechnen. Seien Sie gewappnet! Das Schöne an der Lösung: Sie wirkt einfach und einleuchtend. So als hätte es nie eine andere Lösung sein können.

Alles das muss konkret, also anfassbar gemacht und - na klar! schriftlich festgehalten werden. Anschließend geht es dann darum, andere Menschen von dieser Idee zu überzeugen. Sie müssen die Idee überzeugend präsentieren und durchsetzen. Und das ist manchmal gar nicht so leicht. Denn für andere Menschen ist diese Idee neu und damit erst einmal ungewohnt, vielleicht nicht offensichtlich.
Zusammengefasst kommen Sie durch die vier Phasen
- Beschreibung
- Informationssammlung
- Lösung / Licht
- Darstellung & Durchsetzung
Gutes Gelingen!
PowerPoint ist nur ein Werkzeug


Nun müssen Sie mit Ihrer Präsentation
zwar nicht unbedingt ein Stardesigner werden, aber die ein oder
andere verrückte Idee kann auch nicht schaden, um mit Ihrer
nächsten Präsentation Ihre Botschaft noch ein bisschen
überzeugender herüber zu bringen. Warum aber wollen diese Ideen
allzu oft einfach nicht kommen, so dass das Ergebnis dann irgendwie
doch wieder typisch PowerPoint ist?
Vielleicht weil Sie Ihren Vortrag von Anfang an in PowerPoint
erstellen. Nun ist aber PowerPoint nicht gerade ein Quell der
Inspiration, sondern lediglich das Werkzeug, mit dem Sie Ihre
Folien basteln. Und wie bei allen Werkzeugen gilt auch hier Mark
Twains berühmter Ausspruch: „Wer einen Hammer besitzt, für den
sieht alles wie ein Nagel aus.“ Anders ausgedrückt: Im
PowerPoint-Korsett, erst recht im noch engeren Korsett eines
Templates, sieht eben jeder Vortrag wie eine Liste von Stichpunkten
aus. Neue Ideen brauchen aber ein bisschen Freiheit.
Stefan Sagmeister löst dieses Problem auf ganz pragmatische Weise.
Er bezeichnet sich selbst als jemanden, der sich gar nicht
besonders gut mit seinem Werkzeug (i.d.R. der Computer) auskennt.
Gerade deshalb macht er sich erst gar keine Gedanken darüber, wie
man eine Idee denn überhaupt umsetzen kann. In einem (etwas
bizarren)
Interview formuliert er das so:
„Ich überlege Konzepte, ohne dass es einen Einfluss gibt,
ob das einfach, mittelschwer, schwer oder unglaublich schwer in der
Herstellung ist.“
Klar muss im Nachhinein alles umgesetzt werden, aber
wenn Sie eine richtig gute Idee hatten, dann werden Sie vielleicht
überrascht sein, wieviel am Ende doch umsetzbar ist – weil es
vielleicht doch gar nicht so schwer ist, wie es auf den ersten
Blick aussah, weil es einfach eine gute Idee war, die Sie unbedingt
umsetzen wollen, oder weil Sie gar am Ende jemanden davon
begeistern, der Sie bei der Umsetzung unterstützt.
Ab nächster Woche dreht sich hier drei Wochen lang alles um das
Thema Kreativität und Ideenfindung. Einige hochkarätige Gastautoren
und Interviewpartner verraten Ihnen Tipps und Tricks zur
Ideenfindung und zeigen Ihnen, dass Kreativität nichts mit
Genialität oder Zufall zu tun hat, sondern in jedem, wirklich jedem
(also auch in Ihnen) steckt. Am 3. Februar geht’s los.
Links zu diesem Artikel
Eine weitere TED-Präsentation von
Stefan Sagmeister
Homepage von Stefan
Sagmeister
Things I have learned in my life so far
Wenn
Designer Folien designen
Schwerpunkt Kreativität: Strukturiert Ideen entwickeln

Für den heutigen Beitrag habe ich Florian gebeten, die Rolle des Sicherheitsbeauftragten einer Firma zu übernehmen, der seine Kollegen in einem Vortrag für das Thema Datensicherheit sensibilisieren soll. Auf Basis einer imaginären „Vorher-Folie“, wie sie in einer typischen PowerPoint-Präsentation verwendet werden könnte, sollte Florian systematisch Ideen entwickeln, wie man dieses Thema spannender und einprägsamer präsentieren könnte. Das Ergebnis finden Sie in seinem Beitrag. Florian und ich sind gespannt, welche Ideen Sie noch entwickeln oder wie Sie Florians Ideen in einer Nachher-Folie umsetzen würden. Schreiben Sie Ihre Ideen doch einfach in die Kommentare.
Strukturiert Ideen entwickeln mit dem Einsatz von Kreativitätstechniken
von Florian RustlerStellen wir uns vor, wir müssen zum Thema Datensicherheit einen Vortrag halten, in dem wir die Zuhörer für die wichtigsten Stolpersteine sensibilisieren sollen und dies so, dass die Kernpunkte wirklich hängen bleiben. Gegeben sind folgende Fakten aus Michaels „Vorher-Folie“:

Meine Aufgabe als Vortragender ist es
nun, mir Ideen für mögliche Stories zu überlegen, wie man dieses
wichtige, aber oft trockene und unbeliebte Thema auf spannende Art
und Weise präsentieren und in den Köpfen der Zuhörer verankern
könnte.
Strukturiert an das Problem herangehen
Auf neue Ideen zu kommen, ist einerseits mit Spontanität, Zufall und viel Spinnerei verbunden, andererseits, ist die Ideenentwicklung ein hoch strukturierter Prozess, den jeder Mensch erlernen und einsetzen kann. Dazu braucht es auch nicht immer ein Team von Ideengebern (das wäre zwar ideal), man kann dies auch alleine tun.Wie häufig in solchen Fällen, bin ich auch für diese Aufgabe mit dem Verfahren Creative Problem Solving vorgegangen, mit dem man einen Problemlöseprozess strukturieren kann. Nachdem ich von Michael die „Vorher-Folie“ mit Daten erhalten habe, war mein erster Schritt, die Herausforderung genauer einzugrenzen:
Anhand von Michaels Daten habe ich versucht, erst einmal so viele Problemformulierungen wie möglich zu finden, um das Problem in Unteraspekte aufzuteilen bzw. es genauer einzugrenzen (Zwei Techniken, mit welchen man dies tun kann, lauten Aussagenstarter, eine Art Brainstorming nach Problemfragen, und Hervorheben, eine Technik zum Auswählen und Sortieren von Ideen). Folgende drei Problemformulierungen sind dabei übrig geblieben (d.h. ich habe viel wieder verworfen):
- Wie lauten alle Themenideen, um Datensicherheit und Industriespionage in eine spannende Geschichte zu verpacken?
- Wie lauten alle Möglichkeiten, Analogien zu mangelnder Datensicherheit herzustellen?
- Wie lauten alle Möglichkeiten, um auf den Punkt „80% aller Diebstähle erfolgen auf dem klassischen Weg durch Mitarbeiter“ hinzuweisen?
Die Ideenentwicklung – Brainstorming als Rahmen
Um auf mögliche Ideen zu kommen, habe ich für jedes Teilproblem eine individuelle Ideensession gestartet, die den gleichen Regeln folgt, wie die Gruppentechnik Brainstorming, eine Technik zum Anhäufen von Ideen auf eine bestimmte Frage. Für Problemformulierung 1. lauteten danach meine Ideen wie folgt:- Zeitschriftenüberschrift "Firma pleite", daraus eine Story bauen, die erzählt wie es dazu kam
- aktuelles Thema "Datenklau bei Berliner Landesbank", dabei über die Hintergründe aufklären
- Daten-GAU im Unternehmen, eine Story entwickeln, bei der eine interne Aufklärungseinheit begleitet wird
- Auftragsverlust durch Datendiebstahl, eine Story entwickeln, die zeigt, wie durch Unwissenheit, Unachtsamkeit und menschliche Fehler wichtige Daten verschwunden sind.
Kopfstandmethode
Hier versucht man, die Frage ins Gegenteil zu verkehren, um so wiederum im Umkehrschluss auf interessante Ideen zur Lösung des Ausgangsproblems zu bekommen. Folgende Ideen sind mir dabei noch eingefallen:- Eine Geschichte aus Sicht der Datendiebe erzählen. Diese überlegen sich, wie sie wohl an Daten kommen und welche Schwachstellen sie ausnutzen könnten.
- Eine fiktive Vorstandssitzung, in der überlegt wird, was das Unternehmen tun müsste, um sich möglichst schnell Daten stehlen zu lassen. Dabei stellen die Anwesenden erschreckenderweise fest, dass das Unternehmen auf gutem Weg ist, selbst Opfer dieses Schreckensszenarios zu werden.
- Wie müssten Richtlinien aussehen, um Datensicherheit nicht zu gewährleisten?
Zufallsbildmethode
Eine weitere Methode, die extrem hilfreich ist, ist die Technik forced connections. Hier versucht man, mit Hilfe eines zufälligen Bildes, Wortes oder Objektes, das mit der Frage nichts zu tun hat, einen Rückbezug zum Thema herzustellen und Lösungen zu generieren.Dabei sind mir bei diesen drei Bildern noch folgende Ideen gekommen:



- Datensicherheit in der Hotellobby, Stichwort Taschendiebe (Bild 1)
- Story über das Ausspähen von Computerdaten in der Zugfahrt durch Wireless-Verbindungen (Titelthema einer Ausgabe der Wirtschaftswoche) (Bild 2)
- Story über eine Person, die auf eine Party geht und mitbekommt, wie Dritte über vertrauliche Informationen dieser Person sprechen, die sie eigentlich geheim halten wollte. (Bild 3)
Ein paar Tipps, damit es richtig funktioniert:
Trennen Sie zwischen Ideenentwicklung und Ideenbewertung. Diese beiden Aspekte des kreativen Denkens gehören immer voneinander getrennt. In der Phase der Ideenentwicklung geht es vor allem darum:- die Beurteilung zurück zu stellen, schreiben Sie was Ihnen einfällt.
- auf Masse zu gehen, nicht auf Qualität.
- sich eine Mindestzeit zu setzen, z.B. 15 Minuten, oder eine Ideenquote von mindestens 25 Ideen.
- wilde Ideen zu suchen.
- auf bestehenden Ideen aufzubauen und diese weiterzuentwickeln.
Interview: Thomas Siffling über Kreativität


Ich habe Thomas Siffling gefragt, was für ihn Kreativität bedeutet und wie er neue Ideen findet.
1. Was ist für Sie "Kreativität"?
Kreativität ist eine Mischung aus vielem. Wenn man kreativ ist, verarbeitet man viele Sachen gleichzeitig und daher ist Kreativität eine hoch komplexe Angelegenheit. Man verbindet das Gelernte mit dem Erlebten und paart es mit den gerade auf einen einwirkenden Eindrücken und heraus sollte dann ein kreativer Output kommen.
Das Ganze muss dann in meinem Fall auch noch über das Instrument bzw. die Musik kommuniziert werden. Soll heißen: Kreativität fordert auch immer ein gewisses Maß, in diesem Fall an technischen Fähigkeiten, um die Kreativität auch wirklich umzusetzen und kommunizieren zu können. Daher gehört meines Erachtens zur Kreativität auch immer die Umsetzung dazu.
2. Wie finden Sie "neue" Ideen?
Neue Ideen gibt es überall! Sie liegen quasi auf der Straße, wie man so schön sagt. Du bekommst jeden Tag neue Eindrücke, erlebst jeden Tag wieder etwas Neues und so entstehen neue Ideen und Anregungen.
Aber auch zu Hause im so genannten Alltag ist dies möglich. Man muss nur open minded sein und mit offenen Ohren und Augen und mit viel Interesse durch’s Leben laufen. Oft sind es gerade die Kleinigkeiten, die uns inspirieren und kreativ werden lassen.
3. Was tun Sie, wenn Ihnen einmal einfach nichts einfallen möchte?
Das ist Gott sein Dank noch nie passiert :-) Ich denke aber, dass diese Situation nie eintreten wird, da man ja immer noch auf das, wie oben schon genannt, Erlernte zurückgreifen kann. Soll heißen: man kann in Floskeln oder Redewendungen sprechen bzw. musizieren und sich somit erstmal eine gewisse Sicherheit geben und dann kommt die Kreativität dann meistens doch ganz schnell. Man gibt sich quasi selber den ersten Ruck.[Fotos: www.thomassiffling.com und Schindelbeck Fotografie]
Herbstinspirationen

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Was dabei heraus kommt, wissen wir vorher nie. Manchmal bauen wir eine Brücke, beim nächsten mal eine Treppe, manchmal wird auch eine Garage daraus. Wir bauen Tische, Zäune, Häuser, Tunnel und Türme. Manchmal kippen die Steine auch um, dann fangen wir wieder von vorne an.
Und jedesmal beginnen wir mit einem Haufen, der nichts weiter ist als ein Chaos aus blauen, grünen und gelben Steinen, aus großen und kleinen, runden und eckigen Elementen; ein Haufen, aus dem alles werden könnte.
Wir entwickeln keine ausführlichen Pläne. Wir denken auch nicht alle Möglichkeiten vorher durch oder fertigen Entwürfe an. Nein, wir fangen einfach an. Wir verlassen uns auf unsere Kreativität, die uns Formen erkennen lässt und die richtigen Wege zeigt.
Wer zuviel plant, alle Eventualitäten durchdenken möchte, sich sicher sein möchte, dass am Ende auch alles so passt, wie er es geplant hat, der läuft Gefahr, so lange zu planen, dass er gar nicht zum Bauen kommt; den erschlägt die schiere Zahl der Möglichkeiten und der hat Angst vorm Scheitern.
Der Haufen Steine ist unsere Mystery Box. Wir können alles daraus bauen. Wir fangen einfach an. Und sind jedesmal stolz darauf, was am Ende herauskommt. Was das sein wird, wissen wir vorher nie.
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