Wer hat Lord Smithe ermordet?
(Es lohnt sich, das Video gesehen zu
haben, bevor Sie weiterlesen).
Wenn Sie die Veränderungen nicht bemerkt haben, dann sind Sie in
bester Gesellschaft, denn der Großteil Ihrer Mitmenschen kann das
ebensowenig. Die
Werbung von London-Transport nutzt eine menschliche Eigenschaft
aus, die man in der Wissenschaft Veränderungsblindheit
nennt: Wenn wir unsere Aufmerksamkeit gezielt auf einen bestimmten
Aspekt lenken, dann nehmen wir alle anderen Aspekte einer Szene nur
noch äußerst eingeschränkt war – und bemerken daher auch deren
Veränderung nicht.
Hintergrund: Die Sache mit der Tür
Einen eindrucksvollen wissenschaftlichen Nachweis für dieses Phänomen haben die beiden Forscher Daniel Simons und Daniel Levin von der University of Illionois erbracht. Sie testeten die Aufmerksamkeit von Passanten auf der Straße, indem sie einen Schauspieler baten, mit einer Karte in der Hand ahnungslose Passanten nach dem Weg zu fragen. Noch während der Erklärung kreuzten zwei Arbeiter, die eine Tür trugen, den Weg – genau zwischen Passant und Schauspieler. Der Clou: während die Tür dem Passanten die Sicht versperrte, wurde die erste Person nicht sichtbar für den Passanten ausgetauscht.Das interessante Ergebnis: Etwa 50% der
Teilnehmer bemerkten den Wechsel nicht; und zwar unabhängig davon,
ob die zweite Person anders gekleidet war. Selbst einen Wechsel des
Geschlechts bemerkten viele Teilnehmer nicht.
Wir sehen immer aktiv
Was wir wahrnehmen, hängt offenbar wesentlich davon ab, wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Obwohl wir vielleicht subjektiv den Eindruck haben, stets ein vollständiges Bild der Realität um uns herum passiv aufzunehmen, können wir in Wahrheit nur einen winzigen Ausschnitt bewusst wahrnehmen, eben denjenigen, auf den wir gerade aktiv unsere Aufmerksamkeit lenken.Übrigens nutzen das auch Magier immer wieder aus, um uns hereinzulegen. Sie lenken unsere Aufmerksamkeit z.B. mit Handbewegungen gezielt ab, so dass eine bestimmte Veränderung, die den eigentlichen Trick ausmacht, unserer Aufmerksamkeit verborgen bleibt.
Eine Präsentation ist keine Zauberei
Für Ihre Präsentation sollten Sie aber gerade den umgekehrten Schluss ziehen. Denn Ihre Aufgabe ist es in aller Regel nicht, die Aufmerksamkeit der Zuhörer abzulenken, sondern gezielt so zu lenken, dass Sie Ihre Ideen optimal verstehen. Überprüfen Sie vor Ihrer nächsten Präsentation vielleicht noch einmal, ob Ihre Folien (oder auch Ihre Ausführungen) Bestandteile enthalten, die Ihre Zuhörer ablenken. Unnötig komplizierte Diagramme, überflüssig lange Texte oder viel zu ausführliche Tabellen gehören auf den Prüfstand. Erwarten Sie auch nicht unbedingt, dass Ihre Zuhörer jede kleinste Detailinformation aktiv verinnerlicht haben, nur weil Sie sie in einem Nebensatz erwähnt oder in der Ecke einer Folie versteckt gezeigt haben.Eine Präsentation ist weder Zauberei noch Detektivarbeit. Sie hat nicht das Ziel zu verschleiern, sondern eine Idee so klar wie möglich in die Köpfe der Zuhörer zu bringen.
Sie sollten Zeichnen lernen
Ich möchte drei Aspekte aus
Präsentationssicht herausgreifen:
Visualisierung zum Schluss
Erst auf den zweiten Blick erkennt man, das die Animation nachträglich hinzugefügt wurde. Dan Pink hielt den Vortrag ursprünglich ganz ohne Folien. Die Animationen wurden erst danach auf Basis des gesprochenen Wortes konzipiert und erstellt. Der Vorteil: die Visualisierungen treffen stets absolut ins Schwarze. Und weil die Dramaturgie schon vorher ausgefeilt war, stimmen auch alle Übergänge perfekt.Es müssen nicht immer Visualisierungen sein
Man erkennt aber auch, dass Visualisierungen nicht zwingend notwendig sind, wenn das Gerüst des Vortrags grundsätzlich stimmt. Im Gegenteil, das (gefühlte) Tempo des Vortrags erhöht sich durch die Animationen deutlich. Wenn Sie sich die Zeit nehmen, auch Dan Pinks ursprünglichen Vortrag anzusehen (ab ca. Minute 9), merken Sie das. Die Visualisierung funktioniert in diesem Tempo nur deswegen so gut, weil der Vortrag so gut strukturiert ist, dass man nie Gefahr läuft, den roten Faden zu verlieren.Sie sollten Zeichnen lernen
Es wären viele andere Arten der Visualisierung denkbar, z.B. Fotos oder Filme der angesprochenen Experimente, allerdings ist das Video auch deswegen so charmant, weil es handgezeichnet ist. Das verleiht der Animation in Zeiten von Coroporate-Design-Einheitsbrei eine individuellere, auch dynamischere Note.Wenn Sie zeichnen lernen, können Sie selbst solche Zeichnungen erstellen, das wirkt persönlicher; prinzipiell auch während des Vortrags, das wirkt interaktiver. Übrigens nehmen Sie auf diese Weise sogar Tempo aus dem Vortrag heraus, denn die Zeichnungen würden Sie ja live erstellen. Die müssen auch nicht so ausgefeilt sein, wie die Zeichnungen aus dem Video. Schon mit wenigen Strichen können Sie viele verschiedene Facetten darstellen. Folgende Präsentation zeigt Ihnen z.B. ein paar einfache Tipps, um mit wenig Aufwand aussagekräftige Strichmännchen-Zeichnungen zu erstellen:
Eine
weitere Präsentation gibt Tipps, wie Sie mit Hilfe von Fotos
(z.B. aus Magazinen) auch "realistische" Strichmännchen-Szenen mit
ein paar Bleistiftstrichen erzeugen. Gerne empfehle ich auch das
Buch Menschen grafisch
visualisieren von Ulrich Stephan, das auf übersichtlichen 80
Seiten eine einfache Methode für Strichmännchen-Zeichnungen
erklärt.
Weitere Beipiele
Viele weitere Beispiele in dem Stil der Dan-Pink-Animation finden sich auf der Webseite der Royal Society for the enhancement of Arts unter der Überschrift RSA Animate. Hier werden regelmäßig Vorträge auf RSA-Veranstaltungen nachträglich animiert.Ganz ähnlich funktionieren auch die Filme von Annie Leonard, die sich mit animierten Präsentationen für einen bewussten Umgang mit der Umwelt einsetzt.
Ein Pionier der handgezeichneten Visualisierung ist auch Dan Roam.
In seinem ausgezeichneten Buch Auf
der Serviette erklärt, beschreibt er ausführlich, wie selbst
komplizierte Sachverhalte mit einfachen Zeichnungen veranschaulicht
werden können. Auch Roams eigene Präsentationen sind schöne
Beispiele dafür, z.B. seine
Erklärungen zur amerikanischen Gesundheitsreform.
Sehr sympathisch finde ich auch diesen Vortrag mit weit "weniger
professionellen" Zeichnungen von Matt Harding, der einigen von
Ihnen bekannt sein dürfte aus den "Where the hell is Matt?"-Videos
(falls Sie die noch nicht kennen, sollten Sie sie unbedingt
ansehen).
Diagramme, die etwas bringen

Mit diesem Diagramm wird ein riesiger
Aufwand getrieben, um zwei Zahlen darzustellen, die mit einem
einfachen Satz kaum weniger verständlich wären: "XtraVisionPlus ist
180% heller als Standard Halogen". Im Gegenteil: Das Diagramm
verwirrt mit Farben, die keine Bedeutung haben und Schatten, die
die Größe der Balken verfälschen. Und wenn man es genau nimmt,
vergleicht das Diagramm Längen, nicht Helligkeit.
Sinnvoll ist eine visuelle Veranschaulichung dann, wenn sie einen
Mehrwert liefert, indem sie die Interpretation der Zahlen
erleichtert, z.B. so:

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Serviette erklärt
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Zeichnen lernen
Schon mehrfach habe ich darüber geschrieben, wie Zeichnungen einer Präsentation eine individuelle Note geben können. Zwar werden Sie in der Regel keine Tiere in Ihrer Präsentation verwenden, aber der Ansatz dieses Buches könnte Ihnen einigen Mut zu eigenen Versuchen geben. Die Zeichnerin, Ann Davidow, schreibt dazu:
Wenn ich euch zuschauen könnte, würde ich erst dann zufrieden sein, wenn ich entdeckt hätte, dass meine Vorlagen und Beispiele euch Mut zu eigenen Einfällen und Zeichnungen gemacht haben. Das Einzige, was hierbei zählt, sind Phantasie, Ausdruckskraft und der eigene Strich. […] Und wer bisher geglaubt hat, er könne nicht zeichnen, bekommt bestimmt Lust, einen Bleistift in die Hand zu nehmen und einen Versuch zu wagen.

Wenn Sie die ersten passablen Zeichnungen vollbracht haben, hilft Ihnen das hier bereits mehrfach erwähnte Buch Auf der Serviette erklärt, wie Sie Zeichnungen nutzen können, um komplexe Zusammenhänge einfach zu Papier (bzw. auf eine Serviette) zu bringen.
Wie groß ist ein Grippevirus?



Um solch kleine Strukturen sichtbar zu machen, helfen Mikroskope. Durch die immer weitere Perfektionierung dieser Technik ist uns heutzutage die Gestalt vieler mikroskopisch kleiner Strukturen vertraut. Die meisten von uns haben selbst einmal im Biologieunterricht Pantoffeltierchen und andere Einzeller untersucht. Aus den Medien sind uns Strukturen bis hin zu Atomgröße vertraut. Wie klein aber sind solche kleine Sturkturen?

Eine sehr schöne Antwort auf diese Frage hat das Genetic Science Learning Center der Universität von Utah gefunden. Mit dieser interaktiven Animation kann man sich in die Welt der Mikroorganismen hineinzoomen. Beginnend bei einer Kaffeebohne taucht man durch einfaches Bewegen eines Schieberegler immer tiefer ein in die Welt der Mikroorganismen, über eine Salzkorn, Amöben, Hautzellen, Viren bis hin zu einzelnen DNA-Bestandteilen.
Die Animation ist nicht nur
anschaulich, sie macht auch Spaß. Klicken Sie sich unbedingt selber
durch. Und warum funktioniert das so gut? Warum sind wir fasziniert
von Darstellungen wie diesen? Weil es eben keine dröge Aufzählung
von Fakten ist, sondern eine kleine Abenteuerreise. Jeder, der den
Schieberegler bedient, taucht auf seine eigene Weise in die Welt
der Mikroorganismen ein, erkennt Dinge wieder, vergleicht, schiebt
vor und zurück, wundert sich und findet Erklärungen. So stecken in
dieser Animationen viele kleine Geschichten. Und genau darum ist
eine Visualisierung besonders gut gelungen: wenn sie nicht nur die
Fakten präsentiert, sondern wenn sie die Fakten zu einer spannenden
Geschichte verknüpft, an die man sich auch erinnert.
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Erheblich neutraler wäre eine 2D-Darstellung, die einen direkten Vergleich zwischen den Balken erleichtert. Wenn Sie dann noch sparsam mit Farben umgehen, statt für jeden Balken eine eigene Farbe zu verwenden, dann können Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer durch geschickten Einsatz von Akzenten auf die wichtigen Elemente des Diagramms lenken. Das sieht nicht nur seriöser aus, es ist auch besser zu interpretieren. Und bei geschickter Farbwahl sieht das auch noch nett aus.
Links zu dem Artikel
Besonders gruseliges Diagramm-Müll-Beispiel in Tuftes Blog (etwas weiter unten auf der Seite)
Edward Tuftes Bücher über Informationsvisualisierung, nicht immer leicht zu lesen, aber sehr tiefgründig (bei Amazon.de)
Bobby McFerrin und die perfekte Visualisierung
Junk Charts, ein Blog über gute und schlechte Diagramme
Auf der Serviette erklärt


1. Einfache Diagramme

Der natürliche Reflex als Antwort auf diese Behauptung lautet: Geht das überhaupt? Viele Probleme sind doch viel zu kompliziert, um sie auf einer Serviette erklären zu können. Natürlich sind sie das. Aber: Wer sagt denn, dass jedes Diagramm (oder eine Folie im Allgemeinen) sämtliche Details enthalten muss, um ein Problem vollständig zu erfassen. Im Gegenteil: in einer Präsentation erläutern Sie das Problem ausführlich durch Ihren mündlichen Vortrag. Die Diagramme haben dabei die Aufgabe, das Big Picture zu verdeutlichen. So können die Zuhörer die komplexen Zusammenhänge besser ordnen, anstatt komplizierte Diagramme zusätzlich zu komplizierten Inhalten entziffern zu müssen.
2. Das Wichtigste zuerst
Ein Thema muss nicht auf einer einzigen Folie erschöpfend behandelt werden. Oft ist es einfacher, zunächst Grundlagen an einem einfachen Beispiel zu erläutern und die Komplexität schrittweise zu erhöhen. So entsteht im Laufe des Vortrags ein vollständiges Bild, jedoch haben die Zuhörer unterwegs die Möglichkeit, die Details auch nachvollziehen zu können und in das – bis dahin bereits verstandene – große Ganze einordnen zu können.Dan Roam führt das in seiner Präsentation anschaulich vor, z.B. wenn er die grundlegende Gleichung des amerikanischen Gesundheitssystems erklärt (s.o.), um anschließend die Auswirkung auf mehreren folgenden Folien zu besprechen:

3. Nicht immer so ernst
Dan Roams Präsentation lebt nicht nur
von den einfachen Diagrammen, sondern auch von dem informellen
Charakter. Durch seine handschriftlichen Zeichnungen wirken die
Erklärungen persönlicher, mehr wie in einem Gespräch als in einer
formalen Präsentation. Und den Folien sieht man an, dass sie
letztlich auch in solchen Situationen sehr gut funktionieren. Im
Grunde genommen steht der Text nur deswegen auf den Folien, weil
sie eigentlich eher ein Handout zu einem (fiktiven) Vortrag Roams
sind und daher ohne gesprochene Erläuterungen funktionieren
müssen.
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Buchempfehlung: Dan Roam – The Back of the Napkin (deutsch: Auf der Serviette erklärt)
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Animationen sinnvoll einsetzen
Bobby McFerrin und die perfekte Visualisierung
Ein fantastisches Beispiel für solch eine gelungene Visualisierung können Sie in diesem Auftritt des Sängers Bobby McFerrin bestaunen. Das besondere: er benutzt (natürlich) nicht PowerPoint, sondern seinen Körper zur Visualisierung:
Bobby McFerrin ist ein unglaublicher
Sänger. Bekannt dürfte er vielen durch seinen Hit Don’t
Worry, Be Happy sein. Wer ihn einmal live erlebt hat, der kommt
nicht mehr aus seinem Bann. Ganz alleine steht er auf der Bühne und
füllt nur mit seiner Stimme den ganzen Saal. Weitgehend
improvisiert bindet er immer wieder das Publikum in seine Songs
sein. Ein virtuoser Sänger und Improvisator.
In dem Video vom diesjährigen World Science Festival
demonstriert McFerrin, wie das Publikum intuitiv die pentatonische Tonleiter
singen kann und leitet es zu einer Melodie an, über die McFerrin
anschließend improvisiert. All das tut er ohne ein einziges Wort
der Erklärung, ohne auch nur einmal von Noten oder Tönen zu
sprechen.
Stattdessen singt er mit dem Publikum den ersten Ton und springt
dabei ein paar Mal auf und ab. Anschließend springt er nach rechts
und singt an dieser Stelle den zweiten, tieferen Ton mit dem
Publikum. Nachdem er ein paar Mal hin- und hergesprungen ist, hat
das Publikum dieses Positionsmuster verinnerlicht und folgt ihm
weiter, spontan zu neuen Tönen und ganzen Melodien. Einzig seine
Position auf der Bühne leitet das Publikum an, die richtigen Töne
zu singen.
Dieses Ziel sollten Sie auch mit Ihren Visualisierungen anstreben:
sie so klar zu machen, dass Ihr Publikum Ihren Gedanken spontan
folgen kann. Ihre Diagramme sollten Ihre Ideen einfacher zu
verstehen machen, nicht komplizierter.


Links zu dem Artikel
Homepage von Bobby McFerrin
Die gesamte Gesprächsrunde
Notes & Neurons vom World Science Festival, aus dem Bobby
McFerrins Auftritt stammt
Ein weiteres
Improvisationsvideo mit Bobby McFerrin, in dem er zusätzlich
die Lautstärke variiert, genau so einleuchtend
Der Draht zum Publikum
Animationen
sinnvoll einsetzen
Animationen sinnvoll einsetzen
Animationen haben jedoch ihre Berechtigung dann, wenn sie Inhalt transportieren, wenn also die Animation selbst Informationen zeigt, die über das statische Bild hinausgehen. Außerdem sind sie dann sinnvoll, wenn sie komplexe Informationen leichter verdaulich macht, indem Inhalte, insbesondere zeitliche Veränderungen erst schrittweise erläutert werden.
Einige sehr lehrreiche Beispiele für den sinnvollen Einsatz von Präsentation möchte ich anhand der hervorragend gemachten Dokumentation Eine unbequeme Wahrheit von Al Gore zeigen. Der Film ist unbedingt empfehlenswert, insbesondere auch als Anschauungsmaterial für gelungene Präsentationen.
Prozesse erläutern
Prozesse, die sich über die Zeit verändern sind häufig leichter verständlich, wenn man die zeitliche Entwicklung mitverfolgen kann. An vielen Stellen setzt Al Gore daher auf die Animation solcher zeitlicher Zusammenhänge. Das ist insbesondere dann hilfreich, wenn diese Zusammenhänge von vielen Einflüssen abhängen. Im folgenden Beispiel erläutert Gore auf diese Weise die Zusammenhänge, die zur letzten Eiszeit in Europa geführt haben.


Komplexitität verständlich machen
Wissenschaftliche Diagramme sind häufig nicht auf einen Blick zu erfassen, insbesondere wenn sie mehrere Werte miteinander vergleichen. Es kann daher sinnvoll sein, die Komplexität in solchen Diagrammen zu verbergen, indem Informationen erst schrittweise offenbart werden. In diesem Beispiel erklärt Gore die komplexen Zusammenhänge zwischen Temperaturanstieg, Raupenpopulation und Brutzeit von Vögeln und blendet dabei Informationen erst dann ein, wenn sie auch erläutert werden.

Zeitliche Veränderungen erläutern
In diesen Beispielen zeigt Gore, wie sich Messergebnisse über die Zeit verändern. Auch hier helfen die Animationen dabei, die Entwicklung besser einordnen zu können. Wäre das erste Beispiel direkt komplett sichtbar, müsste man sich erst in dem komplizierten Diagramm orientieren. Im zweiten Beispiel verwendet Gore die Animation übrigens auch zur Steigerung der Dramatik, denn die Kurve der CO2-Werte in der Atmosphäre steigt während seiner Ausführungen mehr als eine Minute lang an.

Große Zahlen begreifbar machen

Wir leben in einer Welt der großen Zahlen. Diese Woche las ich beispielsweise, dass der amerikanische Staatshaushalt ein Defizit von 1,8 Billionen Dollar aufweist – für mich eine völlig unvorstellbare Summe. Meist nehmen wir solche Zahlen kopfschüttelnd zur Kenntnis, ohne ihnen aber eine wirklich greifbare Bedeutung geben zu können.
Der amerikanische Fotograf Chris Jordan hat sich genau dieser Aufgabe gestellt. Er möchte es nicht hinnehmen, dass unser Gehirn einfach nicht dafür gemacht scheint, große Zahlen zu begreifen. Mit seinen Bildern bringt er die Konsequenzen von Massenkonsum auf den Punkt, indem er die damit verbundenen unglaublich großen Zahlen begreifbar macht. Und das tut er auf wirklich beeindruckende Weise, wie sein Vortrag auf der TED-Konferenz im vergangenen Jahr deutlich macht:
Jordans Arbeiten sind ein Beleg dafür, wie Bilder eine ganz neue Dimension des Begreifens öffnen, die durch reine Fakten nicht erfahrbar ist. Wir haben alle gelernt, dass 1 Million eine verdammt große Zahl ist. Und irgendwie ist uns auch klar, dass es eine riesige Verschwendung ist, wenn auf amerikanischen Flügen alle 6 Stunden 1 Millionen Plastikbecher weggeworfen werden. Und dennoch wird diese Zahl um so vieles anschaulicher, wenn sie von Jordan visualisiert wird.
Die visuelle Sprache, die Chris Jordan wählt, zeigt auf den ersten Blick irgendwelche Kunstbilder. Bei näherer Betrachtung ist man regelmäßig überrascht, wie sich dieses Motiv aus unvorstellbar vielen Alltagsgegenständen zusammensetzt:Mit meiner Arbeit versuche ich, diese Zahlen aus der Sprache der reinen Daten in eine universellere visuelle Sprache zu übersetzen, die man fühlen kann.



Jordans Methode wirkt auch deswegen so
überzeugend und einprägsam, weil sie Alltägliches in einen
unerwarteten Zusammenhang bringt. Überraschungen sind, wie in dem
empfehlenswerten Buch
Was bleibt nachzulesen ist, eine hervorragende Methode, um
Informationen im Gedächtnis zu verankern.
Ich empfehle unbedingt, auch einen Blick auf Chris Jordans Webseite zu werfen.
Dort finden Sie noch zahlreiche
weitere
Beispiele
seiner beeindruckenden Arbeit. Seine Beispiele konzentrieren sich
zwar weitgehend auf die USA, könnten bei uns aber sicher so ähnlich
aussehen. Jedes seiner Bilder lässt einen innehalten und über die
Auswirkungen unseres täglichen Handelns nachdenken. Chris Jordan
sagt dazu:
Ich halte die Arbeiten von Chris Jordan für eine wunderbare Quelle der Inspiration. Sie zeigen eindrucksvoll, wie nützlich es ist, reines Faktenwissen anschaulich zu machen und die Bedeutung von abstrakten Zahlen verständlich zu machen. Im folgenden möchte ich Ihnen noch drei weitere Inspirationsquellen ans Herz legen, die Ihnen Wege zeigen, abstrakte Zahlen mithilfe von interessanten Visualisierungen greifbarer zu machen.Ich glaube daran, dass diese Dinge für uns eine viel größere Bedeutung haben werden, wenn wir sie nur besser begreifen.
1. So isst der Mensch
Der Fotorgraf Peter Menzel hat zusammen mit seiner Kollegin Faith D’Aluisio die Welt bereist, um zu zeigen, wovon wir uns ernähren. Auf ihrer Reise haben die beiden 30 Familien in 24 Ländern besucht und dabei festgehalten, was bei diesen Familien eine Woche lang auf den Tisch kommt. Neben einer sorgfältigen Analyse dieser Daten machen die beiden ihr Projekt vor allem dadurch sehr anschaulich, dass sie jede Familie mit ihrer Wochenration fotografieren. Die Ergebnisse haben sie in ihrem eindrucksvollen und einprägsamen Buch Hungry Planet festgehalten. Eine Vorschau des Buches gibt es bei Google Books.Während Chris Jordan in seinen Bildern vor allem mit Überraschungsmomenten arbeitet, funktionieren Menzels Bilder vor allem deswegen, weil sie abstrakte Statistiken sehr konkret machen, ein weiteres der sechs Prinzipien aus dem oben bereits erwähnten Buch Was bleibt.


2. Wenn die Welt ein Dorf wäre
Eines ganz ähnlichen Tricks bedient sich das Projekt Miniature Earth, das es mittlerweile in zahlreichen Ausprägungen gibt. Es veranschaulicht Statistiken über die Weltbevölkerung auf Basis der Annahme, die Welt sei ein Dorf mit genau 100 Einwohnern. Dadurch können Prozentwerte unmittelbar in Einwohnerzahlen angegeben werden. Das klingt auf den ersten Blick wie ein bisschen Mogelei, weil Prozentzahlen eben eher abstrakt als konkret sind. Dennoch funktioniert es hier sehr gut, weil wir eine Menge von 100 Personen recht gut überschauen können. So werden aus abstrakten Prozentzahlen, die sich auf die gesamte Weltbevölkerung beziehen, plötzlich konkrete Personen; mit 10% assozieren wir hier eben nicht 600 Millionen Menschen, sondern nur 10, die wir uns vielleicht sogar bildlich vor dem inneren Auge vorstellen.
3. Erkenntnisse eines Mobilfunkproviders
Abschließend möchte ich noch auf eine Werbung des amerikanischen Mobilfunkkonzerns Sprint hinweisen, der in seinen Werbespots mit Statistiken über die Nutzung seines Mobilfunknetzes wirbt. Was sich auf den ersten Blick völlig trocken anhört, ist tatsächlich eine spannende Aufzählung amüsanter Erkenntnisse:Wenn Sie das nächste Mal Statistiken
oder abstrakte Zahlen präsentieren müssen, dann überlegen Sie sich
doch einmal, wie Sie diesen Zahlen etwas mehr Leben einhauchen
können. Denken Sie darüber nach, wie Sie die Zahlen greifbarer und
konkreter machen können, um Ihre Präsentation noch verständlicher
und einprägsamer zu machen.
Links zu dem Artikel
Interview mit
Chris Jordan zu seiner Arbeitsweise
Blog information aesthetics, der immer
wieder Beispiele gelungener Visualisierungen vorstellt
Ein Tag im
Leben von …
Schwerpunkt
Kreativität
Die Kunst der
Langsamkeit
Buchempfehlung: Was bleibt
Aus viel wird wenig


Links zu dem
Artikel
Handelsblatt:
Scania und Volvo mit Vollbremsung
[gefunden bei
Twitter]
Das Gefühl, irgendwie geht's noch besser...
Aber dennoch, trotz aller Anschaulichkeit will Ihnen vielleicht manchmal die Umsetzung für den eigenen Vortrag nicht so recht gelingen. Sie finden nicht das passende Bild; Ihre Folie bleibt unübersichtlich, egal was Sie probieren; oder Sie haben einfach das diffuse Gefühl, dass Ihre Präsentation irgendwie noch nicht so recht überzeugend daherkommt.
Wenn Sie dieses Gefühl kennen, dann mailen Sie mir doch einfach Ihre Präsentation mit einer kurzen Beschreibung des Themas. Wenn wir dann gemeinsam Verbesserungsmöglichkeiten finden, die für alle Leser interessant sein könnten, dann helfe ich bei der Umsetzung und wir machen einen Vorher-Nachher-Vergleich im Blog daraus (natürlich anonym, wenn gewünscht). Andernfalls bekommen Sie immerhin den ein oder anderen Hinweis, wo Sie selbst noch ansetzen können oder in welchem Artikel genau Ihr Problem schon einmal besprochen wurde.
Also, wer für seine nächste Präsentation die Folien noch etwas aufpolieren möchte, der sollte nicht zögern, mir eine E-Mail zu schreiben. Schaden kann’s nicht, und im besten Fall profitieren alle Leser davon.
Ein Tag im Leben von...
Lernen kann man hier nicht nur, wie man Kreisläufe visualisiert und Statistiken anschaulich animiert; interessant ist auch der Gebrauch der isometrischen Darstellung, die eine sehr einfache Arbeit mit 3D-Diagrammelementen ermöglicht, weil die Elemente beliebig angeordnet werden können und dabei immer die richtige Perspektive behalten, solange sie nicht gedreht werden. Bei perspektivischen Projektionen, die eher unserem natürlichen Sehen entsprechen, ist das so nicht möglich.
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Eine wunderbare Referenz an Hagys Inspirationen gibt es seit einiger Zeit in Form eines animierten Films. Sehr sehenswert, wie hier Querbezüge hergestellt werden, Assoziationen geknüpft werden; wie der Film vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt und doch einen konsequenten Weg verfolgt. Überraschende Erkenntnisse und ein schönes Beispiel für kreativen Umgang mit Diagrammen und Animationen:
Links zu dem
Thema:
Erweiterte
Version des Videos auf der Homepage des Produzenten Clemens
Kogler
Das Buch zum Blog: indexed von Jessica
Hagy
Spannende
Geschichte
Zitrone des Monats Juli 2008

Das Dokument erweckt, weil es eben PowerPoint ist, den Anschein der Übersichtlichkeit und der mundgerechten Aufbereitung der Ergebnisse, löst dieses Versprechen aber nicht ein. Auf jeder Folie muss man sich neu orientieren:


Folien als Dokumente können durchaus funktionieren; der Wettbewerb um die besten Folien der Welt auf slideshare hat das im letzten Jahr gezeigt (übrigens läuft der Wettbewerb gerade wieder). Wenn es aber um die übersichtliche Aufstellung gesammelter Daten geht, ist dafür ein ausformuliertes Dokument besser geeignet, da es erheblich weniger Kompromisse in Layout und Design erfordert, eine viel bessere als die mickrige 800x600-Pixel-Auflösung bietet und so letztlich eine übersichtlichere Darstellung der Daten ermöglicht (Tabellen gehören hier übrigens durchaus dazu).
Die Zitrone des Monats geht also in diesem Monat an ein Dokument, das keines ist, aber gerne eines geworden wäre.
Übrigens: Ich habe selbst eine kleine Umfrage zum Thema Präsentationen gestartet und freue mich, wenn auch Sie sich maximal fünf Minuten Zeit nehmen, um die Fragen zu beantworten. Hier klicken.
Links zu diesem Thema:
Zitrone des Monats Juni 2008
Zitrone des Monats Mai 2008
Zitrone des Monats April 2008
Tabellen in Präsentationen

IKEA färbt Pac-Man grün
IKEA präsentiert auf diese Weise wichtige Kennzahlen des Unternehmens, jeweils aufgeteilt nach den Regionen Europa, Nordamerika und Asien. Was dabei herausgekommen ist, sieht vielleicht auf den ersten Blick ganz nett aus, offenbart aber auf den zweiten Blick eine ganze Reihe an Problemen. Lesen Sie mehr...
Nützliche Übersicht über Diagrammtypen

Die Webseite liefert grundlegende Informationen zu den wichtigsten Diagrammtypen. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf interaktiven Grafiken, wenngleich viele der besprochenen Diagramme auch statisch genutzt werden können. Übrigens: obwohl interaktive Diagramme in Präsentationen eher selten Verwendung finden, gibt es einige beeindruckende Beispiele dafür.
Besonders nützlich ist auf der Webseite die Suchfunktion. Anhand verschiedener Suchkriterien lässt sich die Wahl der Diagramme geeignet einschränken. Das finde ich persönlich deutlich sinnvoller als die kürzlich hier ebenfalls vorgestellte Gruppierung in einem Periodensystem.

Hauptsache schrill

Das größte Problem ist die nicht maßstabsgetreue Repräsentation der Kästen. Besonders auffällig ist, dass die Höhen nicht proportional zu den Zahlenwerten sind. Wenn man etwas genauer hinsieht, erkennt man darüber hinaus, dass die Breiten der Kästen nicht gleich sind. Das Diagramm sorgt dadurch eher für Verwirrung als für ein leichteres Verständnis.
Das schrille Layout hilft auch nicht gerade weiter und hat selbst eine ganze Reihe von Problemen: Zunächst bleibt unklar, warum die positiven Faktoren "sales growth" und "cost reduction" übereinander, die negativen Faktoren aber nebeneinander stehen. Ferner sind die Tabellen, die die Kostenreduzierungen erläutern, trotz der Pfeile schwer zuzuordnen. Und schließlich gibt es wieder eine Reihe liebloser Anfängerfehler mit den Schriftgrößen, der Anordnung der Objekte und noch einiges mehr.
Wie immer liefere ich einen Vorschlag, wie es besser gehen könnte. Als offensichtlichste Änderung habe ich die Einflussfaktoren als Pfeile und nicht als Kästen gezeichnet. Auf die schrille Farbgebung habe ich verzichtet. Dafür sind die Schrittweiten jetzt proportional zu den entsprechenden Zahlenwerten. Schließlich habe ich die Tabellen direkt neben die entsprechenden Kategorien angeordnet.

Gedanken sichtbar machen
Einen Blick wert ist in jedem Fall auch das eBook TEDBigViz, das in diesem Jahr während der Konferenz als Experiment entstanden ist. Die beiden Designer David Sibbet und Kevin Richards zeichneten live ihre spontanen Assoziationen zu den Vorträgen an einem Multitouch-Screen auf. Das Ergebnis ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch ein schönes Beispiel dafür, wie Ideen grafisch auf das Wesentliche reduziert werden können. Die PDF-Datei kann kostenlos heruntergeladen werden.
Zum Abschluss noch das versprochene Video von Jill Bolte Taylors Vortrag, der übrigens auch ein hervorragendes Beispiel dafür ist, wie fasziniernd es sein kann, reale Utensilien als Anschauungsmaterial zu verwenden (anstatt immer nur Abbildungen in PowerPoint-Folien zu verwenden).
Das Periodensystem der Visualisierungsmethoden

Leider ist es es aber nicht immer so einfach, die richtige Visualisierung für ein Problem zu finden. Zu vielfältig ist die Zahl der Diagrammtypen und zu speziell sind manche Aufgaben, als dass man jederzeit die passende Kombination auf Anhieb finden würde. Das schweizerische Projekt Visual-Literacy.org hat deshalb das Periodensystem der Virtualisierungsmethoden entwickelt, das ein wenig Orientierung in diesem Dschungel bieten soll. Lesen Sie mehr...




















