Dan Pink über Motivation
Dan Pink legt allergrößten Wert darauf,
seine These anschaulich zu machen. Er bereitet sie sehr sorgfältig
vor, indem er ausführlich das Kerzenproblem beschreibt. Dabei
handelt es sich um ein altes wissenschaftliches Experiment zum
Nachweis seiner These. Fast die Hälfte seiner Vortragszeit
verwendet er auf diese Geschichte. Dabei achtet er sehr genau
darauf, Überraschungsmomente zu setzen und mit der
Erwartungshaltung des Publikums zu spielen.
Überraschungen steigern die Aufmerksamkeit und erhöhen die
Einprägsamkeit.

Erst als das Publikum die These völlig
verinnerlicht hat, schickt Pink weitere wissenschaftliche Studien
als Nachweis hinterher und erläutert anhand dreier konkreter
Beispiele, wie Autonomie und Eigenverantwortung die Leistung von
Mitarbeitern deutlich erhöhen können.
Eingerahmt wird das alles von seinem Geständnis einer erfolglosen
Ausbildung zum Anwalt, die Dan Pink an vielen Stellen geschickt
einbringt, um mit einem Augenzwinkern seine Glaubwürdigkeit zu
untermauern. Überhaupt beweist er immer wieder Sinn für Humor, was
er insbesondere durch auffällige Mimik und Gestik
unterstreicht.

Bobby McFerrin und die perfekte Visualisierung
Ein fantastisches Beispiel für solch eine gelungene Visualisierung können Sie in diesem Auftritt des Sängers Bobby McFerrin bestaunen. Das besondere: er benutzt (natürlich) nicht PowerPoint, sondern seinen Körper zur Visualisierung:
Bobby McFerrin ist ein unglaublicher
Sänger. Bekannt dürfte er vielen durch seinen Hit Don’t
Worry, Be Happy sein. Wer ihn einmal live erlebt hat, der kommt
nicht mehr aus seinem Bann. Ganz alleine steht er auf der Bühne und
füllt nur mit seiner Stimme den ganzen Saal. Weitgehend
improvisiert bindet er immer wieder das Publikum in seine Songs
sein. Ein virtuoser Sänger und Improvisator.
In dem Video vom diesjährigen World Science Festival
demonstriert McFerrin, wie das Publikum intuitiv die pentatonische Tonleiter
singen kann und leitet es zu einer Melodie an, über die McFerrin
anschließend improvisiert. All das tut er ohne ein einziges Wort
der Erklärung, ohne auch nur einmal von Noten oder Tönen zu
sprechen.
Stattdessen singt er mit dem Publikum den ersten Ton und springt
dabei ein paar Mal auf und ab. Anschließend springt er nach rechts
und singt an dieser Stelle den zweiten, tieferen Ton mit dem
Publikum. Nachdem er ein paar Mal hin- und hergesprungen ist, hat
das Publikum dieses Positionsmuster verinnerlicht und folgt ihm
weiter, spontan zu neuen Tönen und ganzen Melodien. Einzig seine
Position auf der Bühne leitet das Publikum an, die richtigen Töne
zu singen.
Dieses Ziel sollten Sie auch mit Ihren Visualisierungen anstreben:
sie so klar zu machen, dass Ihr Publikum Ihren Gedanken spontan
folgen kann. Ihre Diagramme sollten Ihre Ideen einfacher zu
verstehen machen, nicht komplizierter.


Links zu dem Artikel
Homepage von Bobby McFerrin
Die gesamte Gesprächsrunde
Notes & Neurons vom World Science Festival, aus dem Bobby
McFerrins Auftritt stammt
Ein weiteres
Improvisationsvideo mit Bobby McFerrin, in dem er zusätzlich
die Lautstärke variiert, genau so einleuchtend
Der Draht zum Publikum
Animationen
sinnvoll einsetzen
Kurz aber falsch
Eine ähnliche Aufgabe haben übrigens Zeitungsredakteure. Artikelüberschriften sind selten länger als sechs Wörter und sollen zugleich den Kern des Artikels prägnant auf den Punkt bringen und Appetit auf den eigentlichen Artikel machen. Genau wie bei Präsentationen ist es dabei eine besondere Herausforderung, nicht zu banalisieren. Noch wichtiger aber ist es, die Fakten im Sinne einer spannenden Überschrift nicht zu verdrehen. Wie leicht so etwas passiert, zeigen zwei Artikelüberschriften des Kölner Stadt-Anzeigers, der im Köln-Bonner-Raum am weitesten verbreiteten regionalen Tageszeitung.


Kürze ist wichtig, Spannung auch, aber sie darf nicht auf Kosten der Wahrheit gehen. Eine korrekte Wiedergabe der Fakten hat immer oberste Priorität – denn sonst setzen Sie Ihre Glaubwürdikeit aufs Spiel.
Der kleine Drache und die Eselsbrücke
Eine ganz wunderbare Eselsbrücke hat sich der Berliner Illustrator Christoph Niemann zum Erlernen chinesischer Schriftzeichen einfallen lassen. In seinem Kinderbuch Der kleine Drache erzählt er die Geschichte des Mädchens Lin und ihrem kleinen Hausdrachen. Es ist eine schön gezeichnete Geschichte über die Freundschaft der beiden. Zugleich ist es aber auch eine Einführung in chinesische Schriftzeichen. Denn Niemann lässt in den Figuren der Erzählung chinesische Zeichen auf intelligente Weise zum Leben erwecken und gibt ihnen so eine sinnvolle Bedeutung. Das entspricht nicht immer der tatsächlichen Herkunft der Zeichen, ist aber oft so einleuchtend, dass man sich das Zeichen sofort merkt – echte Eselsbrücken eben.
Das Buch ist damit nicht nur schön anzusehen – der Autor ist ein echter Könner seines Handwerks – sondern gleichzeitig lehrreich. Und es zeigt, wie es sich lohnt, nicht immer nur abgetretene Pfade zu betreten und die naheliegendsten Darstellungsformen zu wählen, sondern ruhig einmal die Perspektive zu wechseln. Nicht immer ist der typische Weg der beste und lehrreichste, auch bei einer Präsentation nicht. Vielleicht helfen Ihnen bei Ihrem nächsten Vortrag ja auch ein paar intelligente Eselsbrücken dabei, ihre Ideen noch besser in die Köpfe Ihrer Zuhörer zu bekommen.



Links zu dem
Thema
Christoph Niemanns
Portfolio mit vielen seiner oft humorvollen
Illustrationen
Interessanter Vortrag
Niemanns über seine Arbeit
















