Geschichten, Emotionen, Einfühlungsvermögen – ein Lehrstück

Na klar, dass Geschichten berühren, dass konkrete Bespiele greifbarer sind als Allgemeinplätze, dass Zitate glaubwürdiger sind als Selbstbekundungen, all das war auch vorher schon bekannt. Aber so konsequent umgesetzt habe ich es selten gesehen. Wie weit entfernt ist das von den typischen Sprüchen („wir dürfen uns jetzt nicht verzetteln“, „wir liefern Ideen statt leerer Versprechen“), die uns in den meisten Wahlkämpfen so langweilen.

Wie fundiert und glaubwürdig Obamas Aussagen letztlich sind, vermag ich nicht zu beurteilen (und muss es ja auch gar nicht). Aus Präsentationssicht ist es jedoch ein glänzendes Beispiel für die Wirkung einer emotionalen Ansprache, für das Einfühlungsvermögen, das man mit Geschichten auslöst und für die Prägnanz konkreter Aussagen. Inspirierend!
Links zu dem
Thema
Offizielle Webseite von Obama
– selbst ein gutes Beispiel klarer Kommunikation
Kommentare auf
der YouTube-Seite des Videos
Was bleibt – Obamas Video ist eine perfekte Umsetzung der
sechs Prinzipien aus dem Buch
Augen auf


Links zu dem Thema
Das Geheimnis einer kleinen Box
Ich mache es nicht
Die ganze (wahre) Moleskine-Geschichte im brand-eins-Magazin
Sehenswerte Moleskine-Videos bei YouTube
Moleskine-Shop bei Amazon.de
Das Gefühl, irgendwie geht's noch besser...
Aber dennoch, trotz aller Anschaulichkeit will Ihnen vielleicht manchmal die Umsetzung für den eigenen Vortrag nicht so recht gelingen. Sie finden nicht das passende Bild; Ihre Folie bleibt unübersichtlich, egal was Sie probieren; oder Sie haben einfach das diffuse Gefühl, dass Ihre Präsentation irgendwie noch nicht so recht überzeugend daherkommt.
Wenn Sie dieses Gefühl kennen, dann mailen Sie mir doch einfach Ihre Präsentation mit einer kurzen Beschreibung des Themas. Wenn wir dann gemeinsam Verbesserungsmöglichkeiten finden, die für alle Leser interessant sein könnten, dann helfe ich bei der Umsetzung und wir machen einen Vorher-Nachher-Vergleich im Blog daraus (natürlich anonym, wenn gewünscht). Andernfalls bekommen Sie immerhin den ein oder anderen Hinweis, wo Sie selbst noch ansetzen können oder in welchem Artikel genau Ihr Problem schon einmal besprochen wurde.
Also, wer für seine nächste Präsentation die Folien noch etwas aufpolieren möchte, der sollte nicht zögern, mir eine E-Mail zu schreiben. Schaden kann’s nicht, und im besten Fall profitieren alle Leser davon.
ABC
ABC3D ist ein wundervolles Pop-Up-Buch, in dem sich Buchstaben aus den Seiten erheben und ineinander überfließen, in dem einfach so viel Liebe zum Detail steckt, dass die 26 Buchstaben lebendig werden und aufs Neue entdeckt werden wollen. Das Buch ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Sorgfalt und Reduktion auf das Wesentliche, hier auf die Buchstaben des Alphabets, eine enorme Wirkung erzielen und in Erinnerung bleiben.
Zwei kleine Überraschungen

Idee 1: Wenn Sie über ein Projekt berichten, in dem Sie Unerwartetes herausgefunden haben, dann beginnen Sie doch mit diesen unerwarteten Ergebnissen und arbeiten sich Schritt für Schritt zurück zu den Ursachen; anstatt wie üblich bei der Vorgeschichte zu beginnen, ihr Vorgehen zu erläutern und erst zu den Ergebnissen zu kommen, wenn Ihre Zuhörer schon längst abgeschaltet haben.
Idee 2: Wenn Sie etwas wirklich wichtiges loswerden möchten, dann könnten Sie Ihren Vortrag mit der Vorstellung Ihres Themas beginnen, aber nach der Titelfolie Ihren Laptop schließen und sagen: „Lassen Sie uns nun über die wirklich wichtigen Dinge sprechen“.
Verwandte Artikel:
Wie ein toter Schmetterling einen dicken Hasen zu Rambo macht
Das Geheimnis einer kleinen Box
[siehe auch: Something bigger than expected]
Unwiderstehliche Verbraucherlösungen mit Geräten und Diensten

Die helfen aber auch nicht wirklich. Zwar sehen sie nett aus, haben aber einen extrem vagen Zusammenhang zur Aussage. Zusammen mit der Musik wecken sie sicher ein paar Emotionen, bleiben aber letztlich wirkungslos, weil sie beliebig (bis abgedroschen) wirken und damit als Bilder um der Bilder willen daher kommen.
Was also macht Nokia? Irgendwie die besten mobilen Geräte für überall auf der Welt. Oder so ähnlich. Vielleicht wäre Nokia besser beraten gewesen, sich von dem Folienformat zu lösen und statt Stichpunkten aufzuzählen eine echte Geschichte zu erzählen. Das Versprechen „Menschen dabei zu helfen, sich dem nah zu fühlen, was für sie wichtig ist“ hätte das eigentlich verdient, finde ich.
Links zu dem Thema:
Nokias Vision & Strategy
Mackendetektor

Jeder hat irgendwelche Macken. Das Hinterlistige daran: das geschieht meist unbewusst, wir selbst nehmen unsere Macken in der Regel nicht wahr. Ändern können wir sie aber nur, wenn sie uns bewusst werden. Deshalb sollten Sie sich unbedingt einmal bei einem Vortrag auf Video aufzeichnen. Nein wirklich! Tun Sie das einmal. Sie brauchen gar nicht übermäßig kritisch zu sein, niemand im Publikum sitzt dort und achtet mit Adleraugen auf jede kleinste Ihrer Macken. Aber bei all den Dingen, bei denen Sie selbst die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, haben Sie danach die Möglichkeit, Sie zu ändern – weil Sie Ihnen bewusst geworden sind. Probieren Sie es einmal!
Kontraste
Kontrast kann aber auch gezielt genutzt werden, um eine Präsentation zu gliedern. Sehr schön umgesetzt ist das in einer Präsentation von Garr Reynolds, die ich hier schon einmal besprochen habe. Als Folienhintergründe werden im Wesentlichen drei Farben verwendet: rot, weiß und schwarz. Rote Folien leiten einen neuen Teil ein, schwarze Folien beenden ihn und weiße Folien enthalten (weitgehend) den eigentlichen Inhalt.




Interessant ist auch der Wechsel
zwischen Farb- und Schwarzweiß-Bildern, mit der die Stimmung
während der Präsentation beeinflusst wird. Immer wenn es um den
Status-Quo geht und um Zweifel und Fragen über die Karriere, kommen
Schwarzweiß-Bilder zum Einsatz. Farbe kommt ins Spiel, wenn
Ratschläge gegeben werden, die ermutigen sollen, seinen eigenen Weg
zu gehen.

Wer genau hinsieht, findet noch etliche
weitere Beispiele für den Einsatz von Kontrast zur Gliederung und
Strukturierung der Präsentation. Wie man hier sehr schön sieht, ist
Kontrast mehr als nur Dekoration, durch die eine Folie visuell
attraktiv wird, denn durch sinnvollen Einsatz von Kontrast wird die
Information, und damit letztlich die Kommunikation als Ganzes,
klarer.
Übrigens: Wer mehr über solche und ähnliche Tipps lernen will, den
möchte ich auf meinen Vortrag Richtig gute
Folien am 22. Oktober in Bonn aufmerksam machen. Details gibt
es hier.
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Die Antwort auf die Frage, was das Google-Handy eigentlich begehrenswert macht, blieben die vier übrigens auch schuldig. Lediglich Allgemeinplätze gab es in Mengen; mein Favorit: „Wir bringen das Internet und das Mobiltelefon zusammen“, was bald zwei Jahre nach der Vorstellung des iPhones einer gewissen Komik nicht entbehrt.
Sehr sehenswert ist übrigens, wie gründlich die Frage-Antwort-Runde in die Hose ging. Na klar, alle Beteiligten beantworten die Fragen souverän. Allerdings sind es Antworten auf die unangenehmen Fragen nach allem, was vielleicht (noch) nicht so toll ist und was dem Google-Handy fehlt. Vielleicht hätten die vier einmal einen Blick in Nick Morgans hervorragendes Buch Give Your Speech, Change the World werfen sollen. Darin vertritt Morgan nämlich die These, dass Frage-Antwort-Runden bei einer Präsentation überhaupt nichts verloren haben (eben weil man dadurch das Ruder aus der Hand gibt).
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