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Über diesen Blog
Dieser Blog gibt frische Ideen für Präsentationen, die überzeugen und sich aus der Masse der PowerPoint-Vorträge abheben.

Ich bin Dr. Michael Gerharz, Präsentationscoach, und berate Sie in allen Fragen zu Ihrer Präsentation.

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Neue Wege


Routine langweilt. Jeder, der schon einmal über Stunden die selben Handgriffe immer und immer wieder durchführen musste, weiß das. Hohe Wissenschaft bedarf es dazu eigentlich nicht.

Und doch, wenn wir anderen etwas erklären, halten wir uns selbst nicht daran und gehen immer dieselben Wege. Vorträge verwenden grundsätzlich PowerPoint, haben einen immer gleichen Aufbau, jede einzelne Folie enthält Stichpunktaufzählungen im Corporate Design usw. Abwechslung Fehlanzeige.

Wir tun gerade so, als sei jedes Thema gleich, als könne man alles in das immer wieder selbe Schema packen, und denken, es sei immer derselbe gesicherte Weg, der uns und unsere Zuhörer zum Ziel führt.

Wir brauchen Abwechslung, damit wir Spaß an etwas haben, und wir brauchen Abwechslung, damit unser Gehirn Informationen besser verarbeiten kann. Daher hilft es auch in Vorträgen, die bekannten Wege zu verlassen und, wenigstens ab und an, die steinigen, holprigen und bisweilen mutigen Wege zu suchen.

Wer das nicht wahrhaben mag, für den erklärt der Neurobiologe Martin Korte, Autor des Buches Wie Kinder heute lernen, in der aktuellen Ausgabe von Geo Wissen aus wissenschaftlicher Sicht die Wirkung von Überraschungen:

Biochemisch gesprochen wird dann in zwei Hirnregionen der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet, der die Neugier weckt und die Konzentration steigert. Das wiederum ermöglicht es Hirnzellen, sich Lernerfahrungen besonders gut einzuprägen.



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Vorher-Nachher: Zitate

Zitate sind ein oft verwendetes Stilmittel in Präsentationen, etwa um die Glaubwürdigkeit einer These zu unterstreichen, um Analogien aufzuzeigen oder weil einfach jemand anderes den Kern einer Aussage treffend auf den Punkt gebracht hat. Auf einer Folie umgesetzt sieht man Zitate häufig so oder ähnlich, gewissermaßen als Fazit einer Aufzählung:

Vorher-Folie mit dem Zitat:

Diese Darstellung verspielt aber viel von der möglichen Wirkung des Zitats. Das Zitat muss sich visuell hinten anstellen und buhlt um die Aufmerksamkeit mit den Aufzählungspunkten, die im Grunde nichts wesentliches hinzufügen. Im Gegenteil: Anstatt das Zitat als wirksame Zusammenfassung stehen zu lassen, die den Folieninhalt prägnant auf den Punkt bringt, wird die Wirkung verwässert, weil zu viele Informationen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Am Ende bleibt so möglicherweise gar nichts hängen.

Ganz anders sieht es aus, wenn das Zitat selbständig wirken kann und die restlichen (ohnehin redundanten) Informationen dem mündlichen Vortrag überlassen werden. So kann man in aller Ruhe die Bedeutung der These erläutern, während gleichzeitig eine einprägsame Darstellung des Zitats das Abspeichern der Aussage fördert, etwa so:

Nachher-Folie mit dem Zitat:

Um zu dieser Darstellung zu gelangen, sind nur wenige Schritte nötig. Zunächst habe ich ein passendes Foto des Zitat-Urhebers gesucht. In diesem Fall war das der Jazz-Musiker Thomas Siffling während eines Live-Konzerts. Natürlich sollten Sie dabei um Erlaubnis fragen oder die Foto-Lizenz prüfen.

Farbwahl für die Nachher-Folie
Danach habe ich das Layout des Zitats an das Foto angepasst. Für die Farbwahl habe ich mich an den Farben des Fotos orientiert. Tipps dazu habe ich in einem früheren Artikel zur Farbwahl gegeben. Außerdem habe ich die beiden Wörter "Kreativität" und "Umsetzung" deutlich hervorgehoben, vergleichbar einem geschriebenen Text, in dem man die beiden Wörter mit einem Textmarker markiert hätte. Letzlich ist das eine Umsetzung des Design-Prinzips Kontrast. Das Kontrast-Prinzip besagt, dass sich alles, was nicht gleich ist, sehr deutlich unterscheiden soll. Und genau das habe ich berücksichtigt. Für diese Folie habe ich die beiden Kernwörter sehr deutlich hervorgehoben, indem ich sie fett gesetzt, größer gestellt und in einer Kontrastfarbe gesetzt habe. Die Schriftart ist übrigens die frei erhältliche Yanone Kaffeesatz.

Ausrichtung für die Nachher-Folie
Abschließend habe ich das Zitat an den Formen des Fotos ausgerichtet. Sieht man genau hin, dann gibt es in dem Foto drei prägnante Linien, die durch den Kopf, die Trompete und den rechten Unterarm gegeben sind. Den Text habe ich parallel zur Trompeten-Linie ausgerichtet. So fügt sich der Text nicht nur farblich sondern auch durch seine Form harmonisch in das Foto ein. Die schräge Schriftlinie gibt dem Zitat außerdem eine Dynamik, die in krassem Kontrast zum starren gelben Kasten der Ursprungsfolie steht, in dem das Zitat gewissermaßen statisch eingesperrt war.

Zusammenfassend habe ich die Wirkung des Zitats also verbessert, indem ich es einem passenden emotionalen Foto zugeordnet habe und Farbwahl sowie Ausrichtung an die visuelle Sprache des Fotos angepasst habe. Diese Folie ist erheblich einprägsamer als die Ursprungsfolie, die vermutlich im Einheitsbrei der übrigen Folien einer herkömmlichen Präsentation untergegangen wäre. Die neue Folie komplementiert den mündlichen Text erheblich besser, da sie für sich steht und Platz für die Konzentration auf den Vortrag lässt. Versuchen Sie doch auch einmal etwas ähnliches bei dem nächsten Zitat, das Sie auf eine Folie schreiben.

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Wie groß ist ein Grippevirus?

Schneidermaßband
Wir können uns sehr gut vorstellen, wie groß 10cm sind. Auch 1m oder gar 5m sind für uns leicht fassbar, denn es sind Größen aus unsere unmittelbaren Erfahrungswelt. Für alle diese Größenordnungen fallen uns Gegenstände ein, von denen wir wissen, dass sie ungefähr diese Längen haben.

Geöffnete Schieblehre
Was aber, wenn die gesuchte Größe tausend mal kleiner ist, als alles, was wir noch gerade so erkennen können? Das gesunde menschliche Auge kann ohne technische Hilfsmittel unter optimalen Bedingungen Dinge bis zu einer Größe von etwa 0,1mm erkennen. Ein Salzkorn ist etwa 0,5mm groß, etwa fünfmal kleiner und damit zumindest prinzipiell gerade noch erkennbar ist die menschliche Eizelle.

Kind schaut in ein Mikroskop
Alles, was noch kleiner ist, können wir nicht einmal mehr erkennen, geschweige denn Aussagen über Form und Gestalt treffen. Ein rotes Blutkörperchen ist z.B. knapp hundertmal kleiner als ein Salzkorn, ein Grippevirus etwa tausendmal kleiner als eine menschliche Eizelle.

Um solch kleine Strukturen sichtbar zu machen, helfen Mikroskope. Durch die immer weitere Perfektionierung dieser Technik ist uns heutzutage die Gestalt vieler mikroskopisch kleiner Strukturen vertraut. Die meisten von uns haben selbst einmal im Biologieunterricht Pantoffeltierchen und andere Einzeller untersucht. Aus den Medien sind uns Strukturen bis hin zu Atomgröße vertraut. Wie klein aber sind solche kleine Sturkturen?

H1N1-Influenzavirus
Es ist eine Sache, die Struktur mikroskopisch kleiner Welten wie z.B. des hier abgebildeten H1N1-Virus sichtbar zu machen. Wenn es aber darum geht, ein Gefühl dafür zu geben, wie klein klein eigentlich ist, helfen solche Darstellungen nicht weiter.

Eine sehr schöne Antwort auf diese Frage hat das Genetic Science Learning Center der Universität von Utah gefunden. Mit dieser interaktiven Animation kann man sich in die Welt der Mikroorganismen hineinzoomen. Beginnend bei einer Kaffeebohne taucht man durch einfaches Bewegen eines Schieberegler immer tiefer ein in die Welt der Mikroorganismen, über eine Salzkorn, Amöben, Hautzellen, Viren bis hin zu einzelnen DNA-Bestandteilen.


Die Animation ist nicht nur anschaulich, sie macht auch Spaß. Klicken Sie sich unbedingt selber durch. Und warum funktioniert das so gut? Warum sind wir fasziniert von Darstellungen wie diesen? Weil es eben keine dröge Aufzählung von Fakten ist, sondern eine kleine Abenteuerreise. Jeder, der den Schieberegler bedient, taucht auf seine eigene Weise in die Welt der Mikroorganismen ein, erkennt Dinge wieder, vergleicht, schiebt vor und zurück, wundert sich und findet Erklärungen. So stecken in dieser Animationen viele kleine Geschichten. Und genau darum ist eine Visualisierung besonders gut gelungen: wenn sie nicht nur die Fakten präsentiert, sondern wenn sie die Fakten zu einer spannenden Geschichte verknüpft, an die man sich auch erinnert.

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Animationen sinnvoll einsetzen

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Diagramm-Müll

3D-Diagramm mit Diagramm-Müll
Zu Diagrammen wie dem nebenstehenden findet der amerikanische Statistiker Edward Tufte klare Worte: "Verzierungen, die nichts zum Verständnis eines Diagramms beitragen oder den Leser gar ablenken, sind Diagramm-Müll." Tufte ist ein glühender Verfechter aussagekräftiger, aber zugleich leicht zu interpretierender Diagramme, denn nur so können aus den zugrundeliegenden Daten auch wertvolle Informationen gewonnen werden. Das abgebildete 3D-Säulendiagramm, das den Anteil der Kontinente an der Weltbevölkerung zeigt, ist weder aussgekräftig noch leicht zu lesen. Zwar sehen die 3D-Säulen in Granittextur spektakulär aus, jedoch lenkt die unruhige Oberfläche vom Inhalt ab und der 3D-Effekt erschwert gar die Interpretation der Daten. Leben in Europa nun mehr oder weniger als 10% der Erdbevölkerung?

2D-Diagramm ohne Diagramm-Müll
Grundsätzlich gilt: Je einfacher ein Diagramm, desto leichter ist es zu interpretieren. Und das ist ganz im Sinne eines überzeugenden Vortrags. Denn wenn Sie Ihre Zuhörer überzeugen möchten, dann ist eine wichtige Grundlage dafür, dass Ihre Zuhörer Ihre Schlussfolgerungen auch verstehen und nicht das Gefühl haben, getäuscht zu werden – so wie durch die Perspektive der 3D-Balken die Größe des Asien-Balkens übertrieben wird.

Erheblich neutraler wäre eine 2D-Darstellung, die einen direkten Vergleich zwischen den Balken erleichtert. Wenn Sie dann noch sparsam mit Farben umgehen, statt für jeden Balken eine eigene Farbe zu verwenden, dann können Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer durch geschickten Einsatz von Akzenten auf die wichtigen Elemente des Diagramms lenken. Das sieht nicht nur seriöser aus, es ist auch besser zu interpretieren. Und bei geschickter Farbwahl sieht das auch noch nett aus.

Links zu dem Artikel
Besonders gruseliges Diagramm-Müll-Beispiel in Tuftes Blog (etwas weiter unten auf der Seite)
Edward Tuftes Bücher über Informationsvisualisierung, nicht immer leicht zu lesen, aber sehr tiefgründig (bei Amazon.de)
Bobby McFerrin und die perfekte Visualisierung
Junk Charts, ein Blog über gute und schlechte Diagramme
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Na und?

Jerry Weissman ist ein sympathischer älterer Herr, sein Haar ist schon etwas schütter. Meistens sieht man ihn mit einem Lächeln auf den Lippen. Aber manchmal kann dieser Mann eine ganz schöne Nervensäge sein.

Jerry Weissman ist Präsentationscoach, genau wie ich, allerdings ein paar tausend Kilometer westwärts im Silicon Valley. Dort hat er sich auf Präsentationen im Rahmen von Börsengängen spezialisiert. Seine Erfahrung aus seiner Zeit beim Sender CBS hat ihm dazu eine wichtige Fähigkeit mitgegeben: ein Gespür dafür, wann eine Story (bzw. eine Präsentation) zum Kern vorgedrungen und für das Publikum relevant ist. Und diese Fähigkeit treibt seine Kunden bisweilen in den Wahnsinn.

Stellen Sie sich diesen freundlichen älteren Herrn vor, wie er vor Ihnen sitzt, wohlwollend Ihrem Vortrag zuhört, und plötzlich sagt:
"Na und?"
"Wie, na und?"
"Nun ja, was habe ich denn davon, was Sie mir hier erzählen?"
"Ähm, das habe ich Ihnen doch gerade erklärt."
"Nein, nein. Sie haben mir erklärt, dass Sie Millionen in die Weiterentwicklung ihrer Zahnbohrertechnologie investieren."
"Ach so, dadurch stellen wir sicher, dass wir stets die modernste Technologie zum besten Preis verwenden."
"Na und?"
"Oh, erwischt. ich sag's am besten anders: durch unsere Präzisionsbohrer können Sie Ihre Patienten schneller und mit weniger Schmerzen behandeln."
"…" (usw.)

Altes verrostetes Auto mit Schriftzug
Worauf Jerry Weissman natürlich hinaus möchte, ist der Kundennutzen. Und der ist für viele Redner so schwer zu formulieren, weil er einen anderen Blickwinkel auf die eigene Arbeit erfordert, nämlich den Blick von außen. Während Sie in Ihrer täglichen Arbeit in der Regel von der technischen Seite auf Ihr Produkt sehen und versuchen, es in allen Features immer weiter zu verbessern, interessiert sich Ihr Publikum eher dafür, was es von dem fertigen Produkt tatsächlich hat.

Ein Kunde kauft z.B. den besten Samen, damit er den schönsten Rasen bekommt und nicht weil Züchter viel Geld und Zeit investiert haben, um diesen Samen zu entwickeln. Und überhaupt wird der Samen für den Kunden erst dadurch zum besten Samen, weil er eben den schönsten Rasen erzeugt, und nicht etwa, weil er anhand eines ausgefeilten Züchtungsplans sorgfältig entwickelt wurde. Für andere Kunden kann es übrigens aus ganz anderen Gründen der beste Rasen sein, etwa weil er langsamer/schneller wächst, besser gegen Moos besteht usw. Na und was lernen Sie jetzt daraus? Weissman formuliert das so:

Bevor Sie in einer Präsentation irgendetwas über sich selbst, ihre Firma, ihre Story oder ihr Produkt erzählen, halten sie inne und fragen Sie sich: "Was haben meine Zuhörer davon?"

Das bedeutet nicht, dass Sie jetzt nur noch "Du-"Sätze verwenden dürfen und nichts über Ihre ausgefeilten Entwicklungsmethoden erwähnen sollen, im Gegenteil, das kann erheblich Ihre Glaubwürdigkeit erhöhen. Aber: Wann immer Sie etwas über sich sagen, dann sollten Sie wissen, was Sie damit bezwecken. Warum ist gerade dieses Detail für Ihre Zuhörer wichtig?

Und übrigens bin ich genauso wie Jerry Weissman davon überzeugt, dass davon letztlich Ihre Produkte wieder profitieren:

Ihre Präsentation auf diese Weise kritisch zu hinterfragen, kann Ihnen auch dabei helfen, die zugrundeliegende Substanz zu verbessern.

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Kundennutzen-Blogparade im PR-Doktor-Kommunikationsblog von Kerstin Hoffmann.

Links zu dem Artikel
Wenn Dell Pizza verkaufen würde…
Presenting to Win, interessantes, aber etwas längliches Buch von Jerry Weissman
Homepage von Jerry Weissman
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