Neue Wege

Routine langweilt. Jeder, der schon
einmal über Stunden die selben Handgriffe immer und immer wieder
durchführen musste, weiß das. Hohe Wissenschaft bedarf es dazu
eigentlich nicht.
Und doch, wenn wir anderen etwas erklären, halten wir uns selbst
nicht daran und gehen immer dieselben Wege. Vorträge verwenden
grundsätzlich PowerPoint, haben einen immer gleichen Aufbau, jede
einzelne Folie enthält Stichpunktaufzählungen im Corporate Design
usw. Abwechslung Fehlanzeige.
Wir tun gerade so, als sei jedes Thema gleich, als könne man alles
in das immer wieder selbe Schema packen, und denken, es sei immer
derselbe gesicherte Weg, der uns und unsere Zuhörer zum Ziel
führt.
Wir brauchen Abwechslung, damit wir Spaß an etwas haben, und wir
brauchen Abwechslung, damit unser Gehirn Informationen besser
verarbeiten kann. Daher hilft es auch in Vorträgen, die bekannten
Wege zu verlassen und, wenigstens ab und an, die steinigen,
holprigen und bisweilen mutigen Wege zu suchen.
Wer das nicht wahrhaben mag, für den erklärt der Neurobiologe
Martin Korte, Autor des Buches Wie Kinder
heute lernen, in der aktuellen Ausgabe von Geo
Wissen aus wissenschaftlicher Sicht die Wirkung von
Überraschungen:
Biochemisch gesprochen wird dann in zwei Hirnregionen der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet, der die Neugier weckt und die Konzentration steigert. Das wiederum ermöglicht es Hirnzellen, sich Lernerfahrungen besonders gut einzuprägen.
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Vorher-Nachher: Zitate

Diese Darstellung verspielt aber viel
von der möglichen Wirkung des Zitats. Das Zitat muss sich visuell
hinten anstellen und buhlt um die Aufmerksamkeit mit den
Aufzählungspunkten, die im Grunde nichts wesentliches hinzufügen.
Im Gegenteil: Anstatt das Zitat als wirksame Zusammenfassung stehen
zu lassen, die den Folieninhalt prägnant auf den Punkt bringt, wird
die Wirkung verwässert, weil zu viele Informationen
gleichberechtigt nebeneinander stehen. Am Ende bleibt so
möglicherweise gar nichts hängen.
Ganz anders sieht es aus, wenn das Zitat selbständig wirken kann
und die restlichen (ohnehin redundanten) Informationen dem
mündlichen Vortrag überlassen werden. So kann man in aller Ruhe die
Bedeutung der These erläutern, während gleichzeitig eine
einprägsame Darstellung des Zitats das Abspeichern der Aussage
fördert, etwa so:

Um zu dieser Darstellung zu gelangen,
sind nur wenige Schritte nötig. Zunächst habe ich ein passendes
Foto des Zitat-Urhebers gesucht. In diesem Fall war das der
Jazz-Musiker
Thomas Siffling während eines Live-Konzerts. Natürlich sollten
Sie dabei um Erlaubnis fragen oder die Foto-Lizenz prüfen.


Zusammenfassend habe ich die Wirkung des Zitats also verbessert, indem ich es einem passenden emotionalen Foto zugeordnet habe und Farbwahl sowie Ausrichtung an die visuelle Sprache des Fotos angepasst habe. Diese Folie ist erheblich einprägsamer als die Ursprungsfolie, die vermutlich im Einheitsbrei der übrigen Folien einer herkömmlichen Präsentation untergegangen wäre. Die neue Folie komplementiert den mündlichen Text erheblich besser, da sie für sich steht und Platz für die Konzentration auf den Vortrag lässt. Versuchen Sie doch auch einmal etwas ähnliches bei dem nächsten Zitat, das Sie auf eine Folie schreiben.
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Um solch kleine Strukturen sichtbar zu machen, helfen Mikroskope. Durch die immer weitere Perfektionierung dieser Technik ist uns heutzutage die Gestalt vieler mikroskopisch kleiner Strukturen vertraut. Die meisten von uns haben selbst einmal im Biologieunterricht Pantoffeltierchen und andere Einzeller untersucht. Aus den Medien sind uns Strukturen bis hin zu Atomgröße vertraut. Wie klein aber sind solche kleine Sturkturen?

Eine sehr schöne Antwort auf diese Frage hat das Genetic Science Learning Center der Universität von Utah gefunden. Mit dieser interaktiven Animation kann man sich in die Welt der Mikroorganismen hineinzoomen. Beginnend bei einer Kaffeebohne taucht man durch einfaches Bewegen eines Schieberegler immer tiefer ein in die Welt der Mikroorganismen, über eine Salzkorn, Amöben, Hautzellen, Viren bis hin zu einzelnen DNA-Bestandteilen.
Die Animation ist nicht nur
anschaulich, sie macht auch Spaß. Klicken Sie sich unbedingt selber
durch. Und warum funktioniert das so gut? Warum sind wir fasziniert
von Darstellungen wie diesen? Weil es eben keine dröge Aufzählung
von Fakten ist, sondern eine kleine Abenteuerreise. Jeder, der den
Schieberegler bedient, taucht auf seine eigene Weise in die Welt
der Mikroorganismen ein, erkennt Dinge wieder, vergleicht, schiebt
vor und zurück, wundert sich und findet Erklärungen. So stecken in
dieser Animationen viele kleine Geschichten. Und genau darum ist
eine Visualisierung besonders gut gelungen: wenn sie nicht nur die
Fakten präsentiert, sondern wenn sie die Fakten zu einer spannenden
Geschichte verknüpft, an die man sich auch erinnert.
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Diagramm-Müll


Erheblich neutraler wäre eine 2D-Darstellung, die einen direkten Vergleich zwischen den Balken erleichtert. Wenn Sie dann noch sparsam mit Farben umgehen, statt für jeden Balken eine eigene Farbe zu verwenden, dann können Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer durch geschickten Einsatz von Akzenten auf die wichtigen Elemente des Diagramms lenken. Das sieht nicht nur seriöser aus, es ist auch besser zu interpretieren. Und bei geschickter Farbwahl sieht das auch noch nett aus.
Links zu dem Artikel
Besonders gruseliges Diagramm-Müll-Beispiel in Tuftes Blog (etwas weiter unten auf der Seite)
Edward Tuftes Bücher über Informationsvisualisierung, nicht immer leicht zu lesen, aber sehr tiefgründig (bei Amazon.de)
Bobby McFerrin und die perfekte Visualisierung
Junk Charts, ein Blog über gute und schlechte Diagramme
Na und?
Jerry Weissman ist Präsentationscoach, genau wie ich, allerdings ein paar tausend Kilometer westwärts im Silicon Valley. Dort hat er sich auf Präsentationen im Rahmen von Börsengängen spezialisiert. Seine Erfahrung aus seiner Zeit beim Sender CBS hat ihm dazu eine wichtige Fähigkeit mitgegeben: ein Gespür dafür, wann eine Story (bzw. eine Präsentation) zum Kern vorgedrungen und für das Publikum relevant ist. Und diese Fähigkeit treibt seine Kunden bisweilen in den Wahnsinn.
Stellen Sie sich diesen freundlichen älteren Herrn vor, wie er vor Ihnen sitzt, wohlwollend Ihrem Vortrag zuhört, und plötzlich sagt:
"Na und?"
"Wie, na und?"
"Nun ja, was habe ich denn davon, was Sie mir hier erzählen?"
"Ähm, das habe ich Ihnen doch gerade erklärt."
"Nein, nein. Sie haben mir erklärt, dass Sie Millionen in die Weiterentwicklung ihrer Zahnbohrertechnologie investieren."
"Ach so, dadurch stellen wir sicher, dass wir stets die modernste Technologie zum besten Preis verwenden."
"Na und?"
"Oh, erwischt. ich sag's am besten anders: durch unsere Präzisionsbohrer können Sie Ihre Patienten schneller und mit weniger Schmerzen behandeln."
"…" (usw.)

Ein Kunde kauft z.B. den besten Samen, damit er den schönsten Rasen bekommt und nicht weil Züchter viel Geld und Zeit investiert haben, um diesen Samen zu entwickeln. Und überhaupt wird der Samen für den Kunden erst dadurch zum besten Samen, weil er eben den schönsten Rasen erzeugt, und nicht etwa, weil er anhand eines ausgefeilten Züchtungsplans sorgfältig entwickelt wurde. Für andere Kunden kann es übrigens aus ganz anderen Gründen der beste Rasen sein, etwa weil er langsamer/schneller wächst, besser gegen Moos besteht usw. Na und was lernen Sie jetzt daraus? Weissman formuliert das so:
Das bedeutet nicht, dass Sie jetzt nur noch "Du-"Sätze verwenden dürfen und nichts über Ihre ausgefeilten Entwicklungsmethoden erwähnen sollen, im Gegenteil, das kann erheblich Ihre Glaubwürdigkeit erhöhen. Aber: Wann immer Sie etwas über sich sagen, dann sollten Sie wissen, was Sie damit bezwecken. Warum ist gerade dieses Detail für Ihre Zuhörer wichtig?Bevor Sie in einer Präsentation irgendetwas über sich selbst, ihre Firma, ihre Story oder ihr Produkt erzählen, halten sie inne und fragen Sie sich: "Was haben meine Zuhörer davon?"
Und übrigens bin ich genauso wie Jerry Weissman davon überzeugt, dass davon letztlich Ihre Produkte wieder profitieren:
Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Kundennutzen-Blogparade im PR-Doktor-Kommunikationsblog von Kerstin Hoffmann.Ihre Präsentation auf diese Weise kritisch zu hinterfragen, kann Ihnen auch dabei helfen, die zugrundeliegende Substanz zu verbessern.
Links zu dem Artikel
Wenn Dell Pizza verkaufen würde…
Presenting to Win, interessantes, aber etwas längliches Buch von Jerry Weissman
Homepage von Jerry Weissman















