Guter Vortrag, schlechte Folien
Der Vortrag ist ein gutes Beispiel
dafür, dass selbst ein normalerweise als äußerst trocken
empfundenes Thema anschaulich wird, wenn verblüffende Beispiele und
Geschichten die Auswirkungen auf das tägliche Leben erklären.
Donnelly gelingt es auch gut, gleich zu Beginn einen Draht zum
Publikum herzustellen, indem er sich selbst ein bisschen auf die
Schippe nimmt.
Stark verbesserungsfähig sind allerdings seine (wenigen) Folien,
die irgendwie fehl am Platz und (trotz der geringen Zahl)
weitgehend überflüssig wirken. Vieles, was er da auf die Folien
schreibt, wird nicht wirklich benötigt, spricht er doch selbst sehr
anschaulich und hält sich nicht an den Text auf seinen Folien. Ich
greife einmal zwei Folien heraus:


Auf der ersten Folie hätte er sich
völlig auf das Beispiel in der Mitte beschränken können. Keinen
Satz hätte man vermisst, wäre er nur gesprochen, nicht aber
aufgeschrieben worden. Auf der zweiten Folie steht gleicht sechs
mal „the average number of tosses until“ voll ausgeschrieben. Das
alles zu lesen dauert viel zu lange. Im Wesentlichen kann man die
zweite Folie wohl auch so zusammenfassen: „On average, do you wait
longer for HTH, longer for HTT, or do you wait equally long for
both?“
Wenn man das einmal umsetzt, könnten Folien wie diese herauskommen,
die die Zuhörer deutlich weniger ablenken:
Weitere Meldungen
Genau auf die Texte möchte ich hier aber noch einmal die Aufmerksamkeit lenken. Bei beiden Sendungen erkennt man nämlich sehr schön, was damit gemeint sein könnte, nur die wirklich wichtigen Punkte auf die „Folie“ zu schreiben. In den Sendungen vom 20. November 2008 enthält der Aufmacherbeitrag von ZDF heute genau vier Stichpunkte, bei RTL aktuell sind es genau fünf (abgesehen von Orts- und Namensangaben). Alle weiteren Informationen werden mündlich gegeben – und eben nicht nach der langweiligen 1-7-7-Regel auf die Folien geschrieben.
Bei der RTL-Sendung kann man übrigens auch sehr gut sehen, wie man ein Corporate-Design umsetzen kann, ohne dass das Bild in ein viel zu enges Korsett aus Logo, Überschrift, Datum, Name des Vortragenden etc. gepresst wird. Durch konsistente Farb- und Schriftwahl und konsequente Verwendung des gleichen Designs für gleiche Elemente erkennt man auf den ersten Blick, dass es sich um einen Beitrag aus RTL aktuell handelt.

Der Stil des ZDF ist ein bisschen
effekthaschericher und vielleicht schon etwas zu verspielt, aber
das ist vielleicht auch Geschmackssache.

Links zu dem
Thema
ZDF-Mediathek mit
Videoarchiv der heute-Sendung
Videoarchiv von RTL aktuell
...
und jetzt zu den Nachrichten
... und jetzt zu den Nachrichten.
Aber wie machen das eigentlich die Nachrichten? Deren Aufgabe ist es doch auch, Informationen (die Ereignisse des Tages) seriös und zugleich verständlich und kompakt zu präsentieren. Der Vergleich von Nachrichtensendungen mit Präsenationen liegt durchaus nahe, gibt es doch in beiden Fällen einen Sprecher, der vor einer Projektionsfläche vorträgt. Nehmen wir als Beispiel die 20-Uhr-Ausgabe von gestern abend.



Offenbar taugt die Tagesschau nicht so recht als Ausrede, um informationslastige Vorträge als reines Ablesen von Aufzählungspunkten zu gestalten. Im Gegenteil sollte man sich vielleicht noch einmal genauer ansehen wie hier, aber auch in anderen TV-Sendungen, Informationen verpackt und präsentiert werden. Dümmer wird man dadurch ja auch nicht.
Links zu dem Thema
Videoarchiv der Tagesschau
Filmpräsentation
Spannende Geschichte
Die Kunst der Langsamkeit

Herbstinspirationen

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Guy Kawasakis 10-20-30-Regel

Um seinem Leiden ein Ende zu bereiten, hat sich Guy eine einfache Empfehlung zur Erstellung von Pitches ausgedacht, die 10-20-30-Regel:
- nicht mehr als 10 Folien
- nicht länger als 20 Minuten
- mindestens 30pt-Schriftgröße
Regelmäßige Blog-Leser wissen, dass ich nicht viel von Dogmen halte (übrigens ganz im Vertrauen: was sich auf den ersten Blick radikal anhört, ist es in Wahrheit gar nicht. Eine Folie, die Sie mit einer 30pt-Schrift vollschreiben, enthält auch noch ganz schön viel Text.). Was man von dieser Regel letztlich lernen kann, ist in meinen Augen auch gar nicht so sehr eine strenge Präsentationsstruktur, sondern eine Botschaft, die durchaus Allgemeingültigkeit hat: „Überlege dir vorher, was du sagen möchtest, und bringe es - verdammt noch mal - auf den Punkt“.
Genau das macht Guy im folgenden Video an mehreren Beispielen deutlich: Wer mehr als eine Folie braucht, um sein Geschäftsmodell zu beschreiben, hat höchstwahrscheinlich gar keines. Wer zwanzig vollgeschriebene Folien mit 10pt-Schrift braucht, um sein Produkt zu beschreiben, wird nicht nur bei den Investoren, sondern höchstwahrscheinlich auch bei seinen Kunden einen schweren Stand haben zu erklären, warum sie dieses Produkt benötigen.
Links zu dem Thema:
Blog-Artikel
über die 10-20-30-Regel
in
Guy Kawasakis Blog
Präsentation
von
Guy über sein Buch
The Art of the Start
Guys aktuelles Buch
Reality Check
Download-Bereich
von Guys Homepage (u.a. mit Folien einiger seiner
Vorträge)
Was bleibt:
Wesentliches
Der
Treppenhaus-Vortrag
Erfahrung oder Lebensweisheit?


Dieses Bild würde natürlich wiederum nicht weiterhelfen, wenn Sie eine Kindertagesstätte sind und Werbung für Ihre erfahrenen Erzieherinnen machen wollen; oder wenn Sie ein Handwerksbetrieb sind und Werbung mit Ihrem erfahrenen Schreinermeister machen.
Links zu dem Thema
Zahlen oder Bilder
stock.xchng – kostenlose Bilddatenbank, viele (aber nicht nur) gute Bilder
iStockphoto – preisgünstige Bilder, sehr gute Qualität, sehr gut sortiert und verschlagwortet
Zitrone des Monats November 2008


Und auf jeder Folie beginnt die Suche von Neuem, das Feld mit der Besucher-Statistik springt hin und her, ist mal größer, mal kleiner und spielt auf diese Weise ein lustiges such-mich-Spiel. Nicht einmal die Überschriften sind konsistent – und sind damit gewissermaßen ein Sinnbild für die Kopflosigkeit dieser Folien. Was AOL hier zeigt, ist AbsolutOrdnungsLos und damit eine verdiente Zitrone des Monats.
Third Anniversary Weblogs Inc _ AOL
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