Das Wen-kümmert-das-Prinzip

Bei Prof. Donald Saari, Mathematiker und Wahlforscher an der University of California, ist das anders. Er hält seine Vorlesungen strikt nach dem Wen-kümmert-das-Prinzip.
In der ersten Vorlesung eines Semesters bietet Prof. Saari seinen Studenten an, zu jedem beliebigen Zeitpunkt während der Vorlesung ebendiese Frage zu stellen: "Wen kümmert das?" Er wird dann innehalten und erläutern, warum das gerade behandelte Thema wichtig ist und wie es in den größeren Zusammenhang der Vorlesung passt – wie abstrus oder unbedeutend es auch erscheinen mag.
Können Sie das auch für Ihre Vorträge? Und wenn nein, warum nicht?
[Quelle: What the Best College Teachers Do von Ken Bain]
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Buchempfehlung: Bekenntnisse eines Redners
Das liegt nicht zuletzt an der forschen Art, mit der Berkun dieses Thema angeht. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, scheut sich auch vor Selbstironie nicht und bringt viele Mythen und Weisheiten durch scharfe Beobachtung und klare Worte auf den Boden der Tatsachen.
Weil er das oft treffend auf den Punkt bringt, spare ich mir viele weitere Worte und lasse den Autor selbst zu Wort kommen. Diese vier Tipps fand ich besonders einprägsam.
Sie brauchen eine Meinung
"Die Fehler, die Sie machen, bevor Sie Ihr erstes Wort sagen, sind von größerer Bedeutung. Dazu zählen solche Fehler, wie keine interessante Meinung zu vertreten, nicht klar über die eigenen Argumente nachzudenken und nicht über die Möglichkeiten zu reflektieren, diese Argumente Ihrem Publikum zu vermitteln.""Aus einer schwachen Position heraus hört sich Ihre Rede vielleicht so an: 'Hier ist das ganze Wissen, das ich in der mir zur Verfügung stehenden Zeit unterbringen kann, doch weil ich nicht weiß was Sie interessiert oder was ich sagen würde, wenn ich weniger Zeit hätte, folgt jetzt ein halb garer, schwer nachvollziehbarer und schwer zu präsentierender Haufen Schrott.'"
Jeder kann präsentieren
"Solange Sie sich über eine Stunde mit Ihrer Mutter am Telefon unterhalten können oder sich die ganze Nacht mit Ihrem Freund streiten, ist Ihnen in groben Zügen klar, was man zur Kommunikation benötigt. Und Sie wissen bereits, wie man etwas darbietet. Sie wissen, wie man Ärger, Angst, Leidenschaft, Freude oder Verwirrung ausdrückt."Üben, üben, üben
"Wenn Sie zu faul zum Üben sind, müssen Sie damit rechnen, dass das Publikum zu faul ist, Ihnen zu folgen."Nutzen Sie Folien sinnvoll
"Selbst viele schlaue Menschen, die an einem Vortrag arbeiten, lassen sich so sehr von Stilfragen ablenken, dass sie das Wesentliche aus den Augen verlieren.""Hässliche überladene Folien sind üblich, trotz der wenigen Informationen, die sie vermitteln. Und gleichzeitig lenken sie die Redner von ihren eigentlichen Aussagen ab. … Solange Folien nicht die einfachste und klarste Möglichkeit sind, Ihre Punkte zu verdeutlichen …, sollten Sie weniger verwenden. Wenn eine Requisite Ihren Standpunkt nicht unterstützt, verschwenden Sie die Zeit des Publikums."
Fazit
Wie gesagt, Bekenntnisse eines Redners ist kein Buch, dass Sie an die Hand nimmt und Schritt für Schritt zur perfekten Präsentation anleitet. Es ist eher ein Buch, dass Sie motivieren soll, Ihnen vielleicht auch ein wenig die Augen öffnen soll, damit Sie sich trauen, manches richtig zu machen, was viele falsch machen.Sicher, ein paar Schwächen hat das Buch. Hier und da wird es schon mal ein bisschen dünn, die Tipps zur Strukturierung einer Rede sind eher oberflächlich und manchmal hätte man sich konkretere Tipps gewünscht.
Aber das wird locker aufgewogen durch die frische Art des Autors. Die ist übrigens noch ein bisschen überzeugender in der amerikanischen Originalausgabe. Ich habe es gerne gelesen.
Links zu dem Artikel
Kapitel 2 zum Probelesen beim O'Reilly-Verlag
Umfangreichere Leseprobe bei Google Books
Engl. Originalausgabe (bei Amazon.de)
Homepage von Scott Berkun
Vorträge von Scott Berkun
[Das Buch wurde mir vom O'Reilly-Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.]
Diagramme, die etwas bringen

Mit diesem Diagramm wird ein riesiger
Aufwand getrieben, um zwei Zahlen darzustellen, die mit einem
einfachen Satz kaum weniger verständlich wären: "XtraVisionPlus ist
180% heller als Standard Halogen". Im Gegenteil: Das Diagramm
verwirrt mit Farben, die keine Bedeutung haben und Schatten, die
die Größe der Balken verfälschen. Und wenn man es genau nimmt,
vergleicht das Diagramm Längen, nicht Helligkeit.
Sinnvoll ist eine visuelle Veranschaulichung dann, wenn sie einen
Mehrwert liefert, indem sie die Interpretation der Zahlen
erleichtert, z.B. so:

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An diese Lektion musste ich denken, als ein Leser mir folgende Frage stellte:
"Mein Problem, eigentlich immer beim Erstellen von Folien: Sie stehen immer sehr isoliert.
Ich bekomme einfach keinen roten Faden hin, von einer Geschichte ist gar nicht zu reden."
Möglicherweise hat er sofort mit dem Programmieren begonnen, ohne vorher sauber die Schnittstellen zu definieren. Das ist ein ganz typisches Phänomen. Wer einen Vortrag vorbereiten muss, der startet oft zuallererst einmal PowerPoint und erstellt zu den einzelnen Aspekten des Vortrags jeweils ein paar Folien. Vielleicht hat er sogar Glück und es gibt bereits Folien aus vorherigen Vorträgen, die irgendwie zum Vortragsthema passen.
Der Haken: Die Einzelteile mögen zwar alle ordentlich erklärt sein und hübsch aussehen, aber beim Zusammenstöpseln knarzt es gewaltig, denn über die Schnittstellen, die Übergänge, macht man sich erst im Nachhinein Gedanken; und nicht selten kommt dabei ein sehr holpriger Pfad von A nach B heraus.
Erst den roten Faden, dann die Folien
Eine Lösung ist in Sicht, wenn man sich von PowerPoint zur Vortragsvorbereitung erst einmal verabschiedet und gar nicht an Folien denkt, bis gerade der roten Faden mit einem guten Spannungsbogen steht. Ein paar Tipps habe ich dazu vor ein paar Wochen im Schwerpunkt Vorher-Nachher gegeben. Erst danach, wenn ihre "Story" also schon fertig ist, machen Sie die dazu passenden Folien.Das hat gleich zwei Vorteile. Erstens, wenn man sich nicht zuerst mit allen Details befasst (und erst recht gestalterische Aspekte hintenanstellt), behält man seine Botschaft und letztlich auch die Interessen der Zuhörer besser im Auge. Zweitens, man vergeudet seine Zeit nicht mit der Erstellung von Folien, die am Ende, im Sinne eines roten Fadens, unpassend sind, die man sich aber zu löschen scheut, weil sie ja auch irgendwie interessantes enthalten. Was man einmal geschrieben hat, löscht man ungern, und sei es auch noch so überflüssig.
Wenn Ihre Folien nicht so recht zusammenpassen wollen, dann bereiten Sie Ihren nächsten Vortrag erst einmal ohne PowerPoint vor, vielleicht mit Post-Its an einer Tafel oder einfach auf einem weißen Papier. Den roten Faden mit passenden Übergänge (die Schnittstellen) finden Sie so viel leichter.
Post-Its für Fortgeschrittene
Ich selbst nutze Post-Its intensiv zur
Strukturierung von Ideen und zur Vortragsvorbereitung und setze es
auch in Beratungen gerne ein. In Kombination mit einer Tafel
ermöglichen sie eine Dynamik im Umgang mit Ideen, die ein starrer
Computerschirm nicht bietet.
Ich kann vor- und zurücktreten, gruppieren oder umstrukturieren,
Kommentare auf die Tafel schreiben und auf neuen Post-Its schnell
neue Ideen skizzieren ohne kompliziert ein Diagramm mit der
Computermaus zu zeichnen.
Es müssen ja nicht gleich, wie bei Duarte, acht volle Tafelwände
werden, aber hilfreich ist diese Herangehensweise fast immer. Und
falls Sie bestehende Folien in diesen Prozess integrieren möchten,
hat Duarte auch einen Tipp für Sie bereit: Drucken Sie die Folien
in Miniaturansicht aus und heften Sie sie einfach zwischen Ihre
sonstigen Post-Its.






















