Die Endlosfolie
Die Gemälde Van Goghs könnten in diese Kategorie fallen. In einer Zeitreihe angeordnet erkennt man Zusammenhänge, die fehlen, wenn Bilder nur einzeln zu sehen sind. Da der Platz auf einer Folie beschränkt ist, verteilen Sie die Zeitleiste einfach auf mehrere Folien und fahren während der Präsentation durch diese Zeitleiste, indem Sie die Folien jeweils durch Folienübergänge nach links "verschieben", etwa so (Klick für YouTube-Video):
Diese Methode bettet einzelne
Informationen (hier die Gemälde) in einen größeren Kontext (hier
den Zeitstrahl) ein. So bleibt das Ganze auch dann im Blick, wenn
über Details gesprochen wird (z.B. durch Hineinzoomen in ein Bild).
Es wirkt, als blicke man auf einen kleinen Ausschnitt einer viel
größeren Szene.
Das funktioniert auch dann sehr gut, wenn die Informationen nicht
zeitlich, sondern räumlich in Beziehung stehen, z.B. die
Muskelpartien des menschlichen Körpers:
Neben den rein inhaltlichen Aspekten
wie dem verbesserten Überblick bietet diese Art der "endlosen"
Folien auch Vorteile für einen spannenderen Vortragsaufbau. Anstatt
einzelne Folien aneinanderzureihen ("Auf dieser Folie sehen sie"),
ergibt sich automatisch ein roter Faden, ein Erzählstrang, der
Ihren Vortrag besser zusammenhält.
Und so ist diese Technik auch durchaus nicht beschränkt auf
Informationen, die einen zeitlichen oder räumlichen Bezug haben.
Sie lässt sich grundsätzlich anwenden, um den Elementen Ihrer
Präsenation einen dramaturgischen Zusammenhalt zu geben, z.B. in
diesen Folien über Albert Einstein.
Wer das lieber nicht von Hand macht,
für den gibt es seit einiger Zeit den Internetdienst Prezi. Dort können Sie
Präsentationen erstellen, die ganz ohne "klassische" Folien
auskommen. Informationen ordnen Sie bei Prezi auf einer
Präsenationsfläche an, die prinzipiell in alle Richtungen
unbegrenzt ist. Durch Hochladen von Bildern, Anordnen auf der
Fläche und Definieren der Bewegung über die Fläche, können Sie
entlang Ihrer Präsentation manövrieren und dabei herein- und
herauszoomen.
Was die grafischen Fähigkeiten angeht, ist Prezi sicher noch nicht
ganz so weit wie die etablierten Programme PowerPoint und Keynote.
Und selbstverständlich eignet sich nicht jeder Vortrag für diese
Art der Darstellung, aber eine interessante Herangehensweise ist
das allemal (doch Vorsicht: zu viel zoomen kann nerven, Animationen
sind dann sinnvoll, wenn Sie einen Mehrwert liefern, wie in den
Beispielen oben).
Eine Anregung, was mit Präsentationen machbar ist, die sich in
Prezi-Art von Folien lösen, zeigt dieses Video über Google
(wenngleich das weder mit Prezi, noch mit PowerPoint oder Keynote
heute schon so möglich ist):
Links zu dem Thema
Nancy Duarte beschreibt die Technik in Ihrem Buch
slide:ology, Beispiele aus dem Buch finden sich online hier
und hier.
Wie
groß ist ein Grippevirus?
Animationen
sinnvoll einsetzen
Große
Zahlen begreifbar machen
Vorher-Nachher: Sparsamkeit

Gedacht war die Färbung sicher zur
besseren Strukturierung der vier Teilaspekte, vermutlich nachdem
der Autor festgestellt hat, dass die Folie ohne die Farben ziemlich
unübersichtlich war, das hätte nämlich so ausgesehen:

Leider hat er damit nicht die Ursachen,
sondern lediglich die Symptome bekämpft. Anstatt durch (im Grunde
genommen) bedeutungslose Farben, die eher willkürlich und
quietschbunt daherkommen (und auch im übrigen Vortrag nicht weiter
verwendet wurden), hätte er mit ein paar grundlegenden Designregeln
viel mehr erreicht. Aber zunächst machen wir uns einmal auf die
Suche nach den Ursachen der Unübersichtlichkeit:
1. Großbuchstaben sind nicht gut lesbar
Vermutlich um die Wichtigkeit jeder einzelnen Empfehlung zu betonen, wurde der komplette Text in Großbuchstaben gesetzt. Problematisch ist dabei vieles: Erstens verliert jede Auszeichnung ihre Bedeutung, wenn alles ausgezeichnet ist. Wenn alles wichtig ist, wird letztlich alles unwichtig. Zweitens sind Texte in Großbuchstaben schwer lesbar, weil ihnen eine visuelle Struktur fehlt. Das erkennt man z.B. hier:
Da alle Großbuchstaben gleich hoch
sind, nimmt sie das Auge aus der Ferne als einen großen Block wahr.
Normale Text wechseln dagegen Groß- mit Kleinbuchstaben ab, die
wiederum Ober und Unterlängen haben. Dadurch erhalten Wörter eine
Struktur, die z.B. auch beim Überfliegen eines Textes hilft, die
Bedeutung der Worte zu erfassen, ohne genau zu lesen.
2. Es fehlt Kontrast
Kontrast hilft dabei, wichtige von weniger wichtigen Informationen zu trennen. Auf dieser Folie besteht der einzige Kontrast jedoch in der Verwendung von Aufzählungspunkten, durch die Überschriften von Inhalten getrennt werden. Wenn jedoch alles mehr oder minder gleich aussieht, hat das Auge keine Stützpunkte, an denen es sich orientieren kann, um die Struktur und Hierarchie der Inhalte zu erkennen. Es bleibt letztlich nichts anderes übrig, als die Folie von oben nach unten zu lesen. (So ziemlich das Schlimmste, was einem Vortragenden passieren kann, denn in der Zeit hört sein Publikum ihm nicht zu.)Mit zwei leichten Modifikationen hätte man hier also erheblich mehr erreicht als durch die Farbflächen, z.B. so:

Die Strukturierung der Inhalte erfolgt
hier letztlich durch das Designprinzip der Nähe, indem
zusammengehörige Dinge auch räumlich nah beieinander stehen. Die
Hierarchie der Inhalte wird durch das Designprinzip des Kontrastes
erreicht, indem die vier Überschriften deutlich hervorstechen. Wer
lieber dem Vortragenden zuhört als zeilenweise Text zu lesen,
behält hierdurch gleichtzeitig eine gute Orientierung. Letztlich
stellt das Prinzip der Wiederholung sicher, das gleiches auch
gleich aussieht. Sämtliche Überschriften sind in der gleichen
Schrift und der gleichen Farbe gehalten, so dass man auch keine
Bedeutung in unterschiedlichen Farben suchen muss, wo keine
ist.
Verwenden würde ich die Folie so übrigens trotzdem nicht,
allenfalls als Handout, denn während des Vortrags kann man sich all
das ohnehin nicht merken. Im Zweifel wird man durch das Lesen der
Texte eher davon abgehalten, den (wichtigeren) Worten des
Vortragenden zuzuhören.
Möglichkeiten, das besser zu machen, gibt es aber nahezu beliebig.
Ich glaube sogar, dass man hier eine Folie gar nicht unbedingt
gebraucht hätte. Viele der Informationen sind völlig naheliegend.
Spannender und einprägsamer könnte es daher sein, anstatt eines
Monologes den Dialog mit dem Publikum zu suchen, z.B. über typische
Vorurteile zu diskutieren oder weitere Möglichkeiten des Einsparens
zu besprechen, die vielleicht gar nicht auf der eigenen Liste
standen. Sicher, dafür sollte man dann schon ziemlich gut
vorbereitet sein. Aber ist das ein Argument?
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Zwei Typen, die Sie nicht sein möchten

"In welcher Hinsicht ist es denn hochwertiger?"
"Das ist Markenqualität, der Hersteller setzt natürlich nur modernste Verfahren ein."
"Welche Verfahren sind das denn?"
"Die sind seit mehr als 30 Jahren erprobt. Wir hatten noch nie Beschwerden."
"…"
Bullshit, der Mann hat keine Ahnung. Sie können beliebig lange nachhaken und werden doch nie erfahren, inwiefern das eine Sofa hochwertiger ist als das andere.
Typischer Fachidiot: Ihr Systemadministrator erklärt Ihnen eine neues Programm:

"Aha. Und wenn ich jetzt in einem Datensatz etwas ändern muss?"
"…"
Fachidiot, der Mann hat zwar Ahnung, kann aber nicht so erklären, dass Sie ihn verstehen.
Beide Typen kennen Sie sicher auch aus Vorträgen. Der eine hat auf seinen Folien viele bunte Bildchen, lässt kein Klischee aus, aber Substanz suchen Sie vergebens. Der andere hat vollgeschriebene Folien, kommt vom Hölzchen auf's Stöcken, lässt dabei kein Detail aus, aber am Ende wissen Sie immer noch nicht, was er Ihnen eigentlich sagen wollte.
Beiden würde helfen, nicht immer nur selbst zu reden, sondern umgekehrt auch einmal genau zuzuhören. Und sich anschließend zu fragen: "Versteht mich mein Gegenüber überhaupt? Welche Fragen hat er überhaupt? Wo liegen eigentlich seine Interessen?" Dann kann man gezielt an diesen Fragen arbeiten; technische Details nachlesen, nach einfachen Erklärungen suchen, vielleicht ein Diagramm malen, das leichter verständlich ist, als zehn Zeilen Text.
Die besten Vorträge sind keine Monologe, sondern Dialoge, in denen Sie auf Ihr Publikum eingehen, und Ihren Vortrag – notfalls auch während Sie ihn halten – immer wieder an dessen Bedürfnisse anpassen.
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Eine völlig andere Situation, dasselbe Symptom:
Letzte Woche saß ich in einer Präsentation, in der jemand sein Unternehmen anhand erfolreicher Projekte vorstellte. Wie sich durch die Nachfrage eines verblüfften Zuhörers herausstellte, waren die Projekte weit weniger groß, als es in der Präsentation den Anschein hatte. Der Vortragende war auf die erstaunte Frage danach, wie ein Unternehmen seiner Größe solche Projekte stemmen könne, aber bereits vorbereitet. Er antwortete: "Die Frage kriegen wir jedes Mal, wenn wir diese Präsentation halten. Also wir meinen das so …" Nicht dass er es wirklich falsch präsentiert hatte, es kam eben nur missverständlich an. Also alles kein Problem? Hätten wir doch genauer hinhören sollen?
Klar hätten wir genauer hinhören können. Aber das ist genau der Unterschied zwischen einem Service (oder einer Präsentation), der ganz ok ist zu einem Service, der außergewöhnlich gut ist, weil sich jemand auch über kleine Details Gedanken gemacht hat. Es ist auch der Unterschied zwischen einem Unternehmen (bzw. seinen Mitarbeiter), das sich um sich selbst kümmert ("Steht doch alles da") und einem, das sich um seine Kunden kümmert ("Ich erklär's dir so, dass du es verstehst"). Wenn Sie jedes Mal erstaunte Reaktionen von Menschen erhalten, die Ihre Informationen anders verstanden haben, als Sie sie gemeint haben, ist es dann wirklich sinnvoll, es beim nächsten Mal wieder genau so zu tun? Ihre Entscheidung.
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Eine empfehlenswerte Webseite hatte ich damals nicht erwähnt: The League of Movable Type. Die Betreiber haben es sich zur Aufgabe gemacht, eine Bibliothek qualitativ hervorragender Schriften nach den Prinzipien von Open Source zu erstellen. Das bedeutet, dass Sie die kostenlosen Schriften beliebig verwenden drüfen, so lange Sie den Urheber nennen.
Die Schriften sind durchweg von guter Qualität, leider jedoch nicht immer vollständig. Wer also deutsche Präsentationstexte verwendet, sollte vorher prüfen, ob die Umlaute in der gewünschten Schrift enthalten sind. Stilistisch deckt die Auswahl einen breiten Anforderungskatalog ab. Um Ihnen ein paar Anregungen zu geben, wie Sie einige der Schriften in Ihren Layouts einsetzen können, habe ich beispielhaft diese vier Folien entworfen:




Verwendete Schriften (von l.o. nach r.u.):
Sniglet von Haley Fiege (kleine Schrift: League Gothic)
League Gothic von The League of Movable Type,
Blackout von Tyler Finck,
Junction von Caroline Hadilaksono
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