Die Endlosfolie

Manche Informationen verlangen nach Kontext. Sie möchten nicht eingesperrt sein in eine Folie, isoliert von den übrigen Informationen auf den anderen Folien.

Die Gemälde Van Goghs könnten in diese Kategorie fallen. In einer Zeitreihe angeordnet erkennt man Zusammenhänge, die fehlen, wenn Bilder nur einzeln zu sehen sind. Da der Platz auf einer Folie beschränkt ist, verteilen Sie die Zeitleiste einfach auf mehrere Folien und fahren während der Präsentation durch diese Zeitleiste, indem Sie die Folien jeweils durch Folienübergänge nach links "verschieben", etwa so (Klick für YouTube-Video):

Drei

Diese Methode bettet einzelne Informationen (hier die Gemälde) in einen größeren Kontext (hier den Zeitstrahl) ein. So bleibt das Ganze auch dann im Blick, wenn über Details gesprochen wird (z.B. durch Hineinzoomen in ein Bild). Es wirkt, als blicke man auf einen kleinen Ausschnitt einer viel größeren Szene.

Das funktioniert auch dann sehr gut, wenn die Informationen nicht zeitlich, sondern räumlich in Beziehung stehen, z.B. die Muskelpartien des menschlichen Körpers:

Fünf

Neben den rein inhaltlichen Aspekten wie dem verbesserten Überblick bietet diese Art der "endlosen" Folien auch Vorteile für einen spannenderen Vortragsaufbau. Anstatt einzelne Folien aneinanderzureihen ("Auf dieser Folie sehen sie"), ergibt sich automatisch ein roter Faden, ein Erzählstrang, der Ihren Vortrag besser zusammenhält.

Und so ist diese Technik auch durchaus nicht beschränkt auf Informationen, die einen zeitlichen oder räumlichen Bezug haben. Sie lässt sich grundsätzlich anwenden, um den Elementen Ihrer Präsenation einen dramaturgischen Zusammenhalt zu geben, z.B. in diesen Folien über Albert Einstein.

Vier

Prezi-Logo

Wer das lieber nicht von Hand macht, für den gibt es seit einiger Zeit den Internetdienst Prezi. Dort können Sie Präsentationen erstellen, die ganz ohne "klassische" Folien auskommen. Informationen ordnen Sie bei Prezi auf einer Präsenationsfläche an, die prinzipiell in alle Richtungen unbegrenzt ist. Durch Hochladen von Bildern, Anordnen auf der Fläche und Definieren der Bewegung über die Fläche, können Sie entlang Ihrer Präsentation manövrieren und dabei herein- und herauszoomen.

Was die grafischen Fähigkeiten angeht, ist Prezi sicher noch nicht ganz so weit wie die etablierten Programme PowerPoint und Keynote. Und selbstverständlich eignet sich nicht jeder Vortrag für diese Art der Darstellung, aber eine interessante Herangehensweise ist das allemal (doch Vorsicht: zu viel zoomen kann nerven, Animationen sind dann sinnvoll, wenn Sie einen Mehrwert liefern, wie in den Beispielen oben).

Eine Anregung, was mit Präsentationen machbar ist, die sich in Prezi-Art von Folien lösen, zeigt dieses Video über Google (wenngleich das weder mit Prezi, noch mit PowerPoint oder Keynote heute schon so möglich ist):



Links zu dem Thema
Nancy Duarte beschreibt die Technik in Ihrem Buch slide:ology, Beispiele aus dem Buch finden sich online hier und hier.
Wie groß ist ein Grippevirus?
Animationen sinnvoll einsetzen
Große Zahlen begreifbar machen

|

Vorher-Nachher: Sparsamkeit

Was schon im Ansatz kaputt ist, rettet auch ein wenig Farbe nicht. Auf dieser Folie, die ich neulich (so ähnlich) in einem Vortrag sah, sollen die farblich markierten Flächen helfen, die Folie übersichtlicher zu machen und die vier Aspekte visuell zu trennen:

Pasted Graphic 11

Gedacht war die Färbung sicher zur besseren Strukturierung der vier Teilaspekte, vermutlich nachdem der Autor festgestellt hat, dass die Folie ohne die Farben ziemlich unübersichtlich war, das hätte nämlich so ausgesehen:

Pasted Graphic 12

Leider hat er damit nicht die Ursachen, sondern lediglich die Symptome bekämpft. Anstatt durch (im Grunde genommen) bedeutungslose Farben, die eher willkürlich und quietschbunt daherkommen (und auch im übrigen Vortrag nicht weiter verwendet wurden), hätte er mit ein paar grundlegenden Designregeln viel mehr erreicht. Aber zunächst machen wir uns einmal auf die Suche nach den Ursachen der Unübersichtlichkeit:

1. Großbuchstaben sind nicht gut lesbar

Vermutlich um die Wichtigkeit jeder einzelnen Empfehlung zu betonen, wurde der komplette Text in Großbuchstaben gesetzt. Problematisch ist dabei vieles: Erstens verliert jede Auszeichnung ihre Bedeutung, wenn alles ausgezeichnet ist. Wenn alles wichtig ist, wird letztlich alles unwichtig. Zweitens sind Texte in Großbuchstaben schwer lesbar, weil ihnen eine visuelle Struktur fehlt. Das erkennt man z.B. hier:

Pasted Graphic 15

Da alle Großbuchstaben gleich hoch sind, nimmt sie das Auge aus der Ferne als einen großen Block wahr. Normale Text wechseln dagegen Groß- mit Kleinbuchstaben ab, die wiederum Ober und Unterlängen haben. Dadurch erhalten Wörter eine Struktur, die z.B. auch beim Überfliegen eines Textes hilft, die Bedeutung der Worte zu erfassen, ohne genau zu lesen.

2. Es fehlt Kontrast

Kontrast hilft dabei, wichtige von weniger wichtigen Informationen zu trennen. Auf dieser Folie besteht der einzige Kontrast jedoch in der Verwendung von Aufzählungspunkten, durch die Überschriften von Inhalten getrennt werden. Wenn jedoch alles mehr oder minder gleich aussieht, hat das Auge keine Stützpunkte, an denen es sich orientieren kann, um die Struktur und Hierarchie der Inhalte zu erkennen. Es bleibt letztlich nichts anderes übrig, als die Folie von oben nach unten zu lesen. (So ziemlich das Schlimmste, was einem Vortragenden passieren kann, denn in der Zeit hört sein Publikum ihm nicht zu.)

Mit zwei leichten Modifikationen hätte man hier also erheblich mehr erreicht als durch die Farbflächen, z.B. so:

Pasted Graphic 14

Die Strukturierung der Inhalte erfolgt hier letztlich durch das Designprinzip der Nähe, indem zusammengehörige Dinge auch räumlich nah beieinander stehen. Die Hierarchie der Inhalte wird durch das Designprinzip des Kontrastes erreicht, indem die vier Überschriften deutlich hervorstechen. Wer lieber dem Vortragenden zuhört als zeilenweise Text zu lesen, behält hierdurch gleichtzeitig eine gute Orientierung. Letztlich stellt das Prinzip der Wiederholung sicher, das gleiches auch gleich aussieht. Sämtliche Überschriften sind in der gleichen Schrift und der gleichen Farbe gehalten, so dass man auch keine Bedeutung in unterschiedlichen Farben suchen muss, wo keine ist.

Verwenden würde ich die Folie so übrigens trotzdem nicht, allenfalls als Handout, denn während des Vortrags kann man sich all das ohnehin nicht merken. Im Zweifel wird man durch das Lesen der Texte eher davon abgehalten, den (wichtigeren) Worten des Vortragenden zuzuhören.

Möglichkeiten, das besser zu machen, gibt es aber nahezu beliebig. Ich glaube sogar, dass man hier eine Folie gar nicht unbedingt gebraucht hätte. Viele der Informationen sind völlig naheliegend. Spannender und einprägsamer könnte es daher sein, anstatt eines Monologes den Dialog mit dem Publikum zu suchen, z.B. über typische Vorurteile zu diskutieren oder weitere Möglichkeiten des Einsparens zu besprechen, die vielleicht gar nicht auf der eigenen Liste standen. Sicher, dafür sollte man dann schon ziemlich gut vorbereitet sein. Aber ist das ein Argument?

Verwandte Artikel
Die vier Prinzipien professionellen Designs
Kontraste
Vorher-Nachher: Zitate
Weitere Vorher-Nachher-Vergleiche

|

Zwei Typen, die Sie nicht sein möchten

Typischer Bullshit: Ein Möbelverkäufer erklärt Ihnen die Vorzüge eines neuen Sofas:
Typischer Verkäufer
"Das können Sie mit [billigeres Modell] gar nicht vergleichen. Das hier ist Top-Leder, qualitativ hochwertig verarbeitet."
"In welcher Hinsicht ist es denn hochwertiger?"
"Das ist Markenqualität, der Hersteller setzt natürlich nur modernste Verfahren ein."
"Welche Verfahren sind das denn?"
"Die sind seit mehr als 30 Jahren erprobt. Wir hatten noch nie Beschwerden."
"…"
Bullshit, der Mann hat keine Ahnung. Sie können beliebig lange nachhaken und werden doch nie erfahren, inwiefern das eine Sofa hochwertiger ist als das andere.

Typischer Fachidiot: Ihr Systemadministrator erklärt Ihnen eine neues Programm:
Typischer Systemadministrator
"Das ist ganz einfach. Sie gehen dann wieder zurück auf die erste Maske, da scrollen Sie ganz runter, dann klicken Sie hier, und hier auf "Einfügen", das System checkt jetzt mit der Datenbank, ob Sie die Berechtigung haben. Bei der Sicherheitsfrage können Sie auf "Weiter" drücken, Sie können ja jederzeit mit "Escape" abbrechen, ohne dass was passiert. Jetzt tippen Sie hier und hier Ihre Änderungen ein. Danach klicken Sie nur noch hier auf OK, dann auf Freigeben anschließend noch mal OK und wenn Sie jetzt hier herunterscrollen und den Button drücken, dann war's das auch schon. Ist eigentlich ganz einfach."
"Aha. Und wenn ich jetzt in einem Datensatz etwas ändern muss?"
"…"
Fachidiot, der Mann hat zwar Ahnung, kann aber nicht so erklären, dass Sie ihn verstehen.

Beide Typen kennen Sie sicher auch aus Vorträgen. Der eine hat auf seinen Folien viele bunte Bildchen, lässt kein Klischee aus, aber Substanz suchen Sie vergebens. Der andere hat vollgeschriebene Folien, kommt vom Hölzchen auf's Stöcken, lässt dabei kein Detail aus, aber am Ende wissen Sie immer noch nicht, was er Ihnen eigentlich sagen wollte.

Beiden würde helfen, nicht immer nur selbst zu reden, sondern umgekehrt auch einmal genau zuzuhören. Und sich anschließend zu fragen: "Versteht mich mein Gegenüber überhaupt? Welche Fragen hat er überhaupt? Wo liegen eigentlich seine Interessen?" Dann kann man gezielt an diesen Fragen arbeiten; technische Details nachlesen, nach einfachen Erklärungen suchen, vielleicht ein Diagramm malen, das leichter verständlich ist, als zehn Zeilen Text.

Die besten Vorträge sind keine Monologe, sondern Dialoge, in denen Sie auf Ihr Publikum eingehen, und Ihren Vortrag – notfalls auch während Sie ihn halten – immer wieder an dessen Bedürfnisse anpassen.

Verwandte Artikel
Bullshit
Genauer Hinsehen?
Na und?
Es ist nicht meine Schuld! Oder doch?
|

Genauer Hinsehen?

Zu spät zur Bahn
Jeden Montag morgen um kurz nach sieben stehen am Siegburger Bahnhof vielleicht 150 Menschen, die in den ICE Richtung Frankfurt einsteigen möchten. Und jeden Montag morgen stellen bestimmt 20 Menschen bei der Einfahrt des Zuges entsetzt fest, dass der Zug anders herum steht, als sie es auf dem Wagenstandsanzeiger gelesen haben. Sie hetzen also, hektisch ob sie noch rechtzeitig ihren Wagen finden, von einer Seite des Bahnsteiges quer durch die Menschenmassen der ein- und aussteigenden Passagiere zur anderen Seite. Wenn sich einer beim Schaffner beschwert, nörgelt der nur zurück: "Steht doch auf dem Plan, wie jeden Montag." Und natürlich hat er recht, so steht's auf dem Plan. Also alles kein Problem? Hätten sie doch genauer hinsehen sollen?

Eine völlig andere Situation, dasselbe Symptom:

Letzte Woche saß ich in einer Präsentation, in der jemand sein Unternehmen anhand erfolreicher Projekte vorstellte. Wie sich durch die Nachfrage eines verblüfften Zuhörers herausstellte, waren die Projekte weit weniger groß, als es in der Präsentation den Anschein hatte. Der Vortragende war auf die erstaunte Frage danach, wie ein Unternehmen seiner Größe solche Projekte stemmen könne, aber bereits vorbereitet. Er antwortete: "Die Frage kriegen wir jedes Mal, wenn wir diese Präsentation halten. Also wir meinen das so …" Nicht dass er es wirklich falsch präsentiert hatte, es kam eben nur missverständlich an. Also alles kein Problem? Hätten wir doch genauer hinhören sollen?

Klar hätten wir genauer hinhören können. Aber das ist genau der Unterschied zwischen einem Service (oder einer Präsentation), der ganz ok ist zu einem Service, der außergewöhnlich gut ist, weil sich jemand auch über kleine Details Gedanken gemacht hat. Es ist auch der Unterschied zwischen einem Unternehmen (bzw. seinen Mitarbeiter), das sich um sich selbst kümmert ("Steht doch alles da") und einem, das sich um seine Kunden kümmert ("Ich erklär's dir so, dass du es verstehst"). Wenn Sie jedes Mal erstaunte Reaktionen von Menschen erhalten, die Ihre Informationen anders verstanden haben, als Sie sie gemeint haben, ist es dann wirklich sinnvoll, es beim nächsten Mal wieder genau so zu tun? Ihre Entscheidung.

Verwandte Artikel
Es ist nicht meine Schuld, oder doch?
Neue Wege
Große Zahlen begreifbar machen
Barry Schwartz über gesunden Menschenverstand
|

Die Liga der außergewöhnlichen Schriften

Logo der
Schrift ist mehr als nur gedruckter Text. Wer seine Schriftart sorgfältig auswählt, kann damit die Wirkung seiner Präsentation (wie auch seiner sonstigen Entwürfe) entscheidend prägen. Wo man gute Schriften findet – und worauf man dabei achten sollte – habe ich vor einiger Zeit in einem ausführlichen Artikel erläutert.

Eine empfehlenswerte Webseite hatte ich damals nicht erwähnt: The League of Movable Type. Die Betreiber haben es sich zur Aufgabe gemacht, eine Bibliothek qualitativ hervorragender Schriften nach den Prinzipien von Open Source zu erstellen. Das bedeutet, dass Sie die kostenlosen Schriften beliebig verwenden drüfen, so lange Sie den Urheber nennen.

Die Schriften sind durchweg von guter Qualität, leider jedoch nicht immer vollständig. Wer also deutsche Präsentationstexte verwendet, sollte vorher prüfen, ob die Umlaute in der gewünschten Schrift enthalten sind. Stilistisch deckt die Auswahl einen breiten Anforderungskatalog ab. Um Ihnen ein paar Anregungen zu geben, wie Sie einige der Schriften in Ihren Layouts einsetzen können, habe ich beispielhaft diese vier Folien entworfen:

Beispielfolie mit der Schrift Beispielfolie mit der Schrift Beispielfolie mit der Schrift Beispielfolie mit der Schrift
Verwendete Schriften (von l.o. nach r.u.):
Sniglet von Haley Fiege (kleine Schrift: League Gothic)
League Gothic von The League of Movable Type,
Blackout von Tyler Finck,
Junction von Caroline Hadilaksono

Verwandte Artikel
Wo findet man gute Schriften?
Wie man passende Farben findet
Die Wirkung von Fotos erhöhen
|