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Über diesen Blog
Dieser Blog gibt frische Ideen für Präsentationen, die überzeugen und sich aus der Masse der PowerPoint-Vorträge abheben.

Ich bin Dr. Michael Gerharz, Präsentationscoach, und berate Sie in allen Fragen zu Ihrer Präsentation.

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Die Zeit der Kunden

Um 9:00 Uhr Besprechung beim Chef, danach noch schnell das Angebot fertig schreiben. Nach dem Mittagessen – leider reicht die Zeit nur für ein Brötchen – Meeting mit den Kollegen vom Vertrieb, um die Vermarktung der neuen Produkte zu besprechen. Danach muss noch der Bericht zu den Qualitätsmängeln im letzten Produktupdate fertiggestellt werden. Morgen sieht’s nicht besser aus: Präsentation vor einem wichtigen Kunden.

Warum glauben Sie, dass dieser Kunde mehr Zeit hat als Sie? Tun Sie wirklich alles dafür, dass die Zeit, die er für Sie reserviert hat, optimal genutzt wird und geben Ihm genau die Informationen, die er benötigt; in einer Weise, in der er sie auch versteht?

Anders ausgedrückt: Warum sollte dieser Kunde 30 (oder 60 oder wieviel auch immer) Minuten seiner Zeit reservieren, um Ihnen zuzuhören?

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Der rote Faden

Ein Unternehmensgründer, der eine Präsentation für mögliche Investoren vorbereitete, fragte mich neulich, ob er Fotos oder Geschichten überhaupt verwenden solle, oder ob diese „abgebrühten Investoren“ diesen Trick nicht sofort durchschauen.

Natürlich hat er recht mit seinem Verdacht... wenn diese Mittel nur als Trick eingesetzt werden, dann schaden sie sogar mehr als sie nützen. Fotos, die einfach nur nett aussehen sollen, Geschichten, die einfach nur übergestülpt sind, aber nicht wirklich Ihre Geschichten sind, nützen Ihnen gar nichts. Wer täglich viele, viele Vorträge hört, lässt sich nicht einfach blenden von Folien wie diesen:

Folie Folie Folie

Aber was soll man denn dann tun? Heißt es nicht immer, man soll Folien visuell gestalten und den Vortrag durch Geschichten einprägsamer machen. Na klar, aber authentisch muss es sein und es muss erstens zu Ihnen und zweitens zu den Zuhörern passen. Erzählen Sie also erstens nicht irgendeine Story, sondern Ihre Story, und zwar mit der gleichen Begeisterung, mit der Sie auch Ihren Freunden davon erzählen. Und vergessen Sie zweitens nicht, wem Sie die Story erzählen. Investoren wollen die Fakten hören; Fakten sind für sie Teil der Story.

Wie passt das jetzt zusammen? Ihre Story sollte einen stimmigen roten Faden spinnen, der Ihre Idee mit den Zahlen verbindet; denken Sie weder in einzelnen Fakten (typisch PowerPoint) noch in einzelnen Anekdötchen (typisch Werbung), sondern überlegen Sie, wie sich all die Einzelheiten zu einem Gesamtbild fügen. Und daraus machen Sie Ihre Story.


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Wie aktiviert man passive Zuhörer?

Am effektivsten ist ein Vortrag dann, wenn die Zuhörer sich nicht einfach passiv berieseln lassen, sondern aktiv den Vortrag mitgestalten; wenn Sie also Spaß daran haben, sich einzubringen und an der Auflösung ihrer Fragen mitzuarbeiten. Das erleichtert Ihnen als Vortragenden nämlich, Ihre Botschaft besser in den Köpfen der Zuhörer zu verankern, weil sich Ihre Zuhörer viel intensiver mit dem Vortragsthema beschäftigen als beim rein passiven Konsum.

Wie aber schafft man das? Wie bekommt man die Zuhörer aus ihrer typischen passiven Erwartungshaltung heraus und überwindet insbesondere die Hemmschwelle, auf Fragen zu antworten anstatt verschämt zur Seite zu blicken? Versuchen Sie doch einmal folgendes.

Beginnen Sie mit einer Frage, die so einfach ist, dass nun wirklich jeder eine Antwort darauf hat. Bei meinem Vortrag „Wenn Dell Pizza präsentieren möchte“ habe ich neulich z.B. mit der ganz einfachen Frage begonnen: „Mögen Sie Pizza?“ Nachdem ich meine Lieblingspizza (Pizza Hawaii) genannt habe, habe ich einige Zuhörer gefragt, was denn ihre Lieblingspizza sei. Das erzeugte auch gleich einige amüsante Nebenbemerkungen von anderen Zuhörern.

Natürlich hatte mein Vortrag letztlich gar nichts mit Pizza zu tun. Ich habe „Pizza“ lediglich als Rahmen benutzt, um verschiedene Aspekte der Präsentation zu veranschaulichen. Aber indem ich durch diese einfache Frage die erste Barriere bei meinen Zuhörern gebrochen und die Stimmung von Anfang an aufgelockert habe, war die Atmosphäre genau richtig, um anschließend eifrig mit den Zuhörern zusammen an den spannenden Fragen des Vortrags zu arbeiten.

Versuchen Sie doch auch einmal, Ihre Zuhörer aus der typischen Lethargie zu wecken und gleich von Anfang an mit einzubinden. Welche Fragen würden zu Ihrem Thema passen? Wie aktivieren Sie vielleicht schon jetzt Ihre Zuhörer mit anderen Methoden? Ich freue mich über Ihre Kommentare.
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Eine Woche später

Sie haben Ihren Vortrag gerade hinter sich gebracht und ein ziemlich gutes Gefühl. Das wär’ schon ’was, dieser Auftrag; den hätten Sie gerne. Das Problem: Sie sind nicht der einzige, dem das so geht. Also heißt es erst einmal: abwarten.

Eine Woche später: Der Kunde steht vor seiner Entscheidung. Vor ihm liegen die Namen aller sieben Bewerber um den Auftrag. Jetzt lautet die entscheidende Frage: Woran erinnert sich der Kunde in diesem Augenblick (zuerst)? Anders gefragt: Wie lautet der Satz, der bei ihm hängengeblieben sein soll, wenn er an Ihren Vortrag denkt? Können Sie das für Ihren Vortrag benennen?

Wenn nicht, dann sollten Sie sich schleunigst darüber klar werden, denn wenn Sie es nicht wissen, wie soll dann die richtige Botschaft bei Ihrem Kunden ankommen (außer vielleicht zufällig). Wenn doch, dann können Sie Ihre Präsentation an diesem Maßstab noch einmal kritisch prüfen (und auch nach der Meinung anderer fragen): Bringt Ihre Präsentation genau diese Botschaft herüber? Dient alles, was Sie sagen und wie Sie es sagen diesem einen Satz?

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Buchempfehlung: The Back of the Napkin

Diagramme helfen, Beziehungen zwischen Zahlen sichtbar zu machen, die sonst gar nicht oder viel verschwommener sichtbar wären. So habe ich vor einiger Zeit einen Kunden überrascht, indem ich die Umsätze seiner sechs Abteilungen nicht tabellarisch, sondern grafisch den Mitarbeiterzahlen dieser Abteilungen gegenübergestellt habe. Seine Reaktion: man habe zwar aus den Zahlen irgendwie gewusst, dass es eine Diskrepanz dieser beiden Werte gebe, aber sich nicht bewusst gemacht, dass diese so drastisch ausfalle:

Beispieldiagramm

Genau darum geht es in dem Buch The Back of the Napkin von Dan Roam: Zusammenhänge, die sich in reinen Fakten schüchtern verbergen, grafisch sichtbar zu machen, im Englischen nennt man das Visual Thinking. Roam geht sogar soweit zu behaupten, man könne jedes Problem auf dem „berühmten“ Bierdeckel (oder eben auf der Rückseite einer Serviette) lösen. Etwas bodenständiger formuliert entwickelt er in seinem Buch eine reich bebilderte Methode, um mit Papier und Bleistift zu jedem Problem ein paar einfache Skizzen zu generieren, die das Problem besser verstehen helfen.

Cover von Dan Roams Buch
Zwei Dinge muss man dabei über dieses Buch wissen. Erstens: Wer eine Anleitung zum Zeichnen schicker Bilder erwartet, der wird enttäuscht, kann aber gleichzeitig erleichtert sein zu erfahren, dass nun wirklich jeder die Skizzen aus dem Buch zu Papier bringen kann (im Ernst!). Zweitens: hier gibt es keine bahnbrechenden neuen Ideen zu sehen. Wer ohnehin häufiger mit Diagrammen arbeitet, der wird vielleicht die ein oder andere Seite überspringen, lernt aber dennoch einige interessante Tipps für den kreativen Einsatz von Diagrammen.

Die größte Stärke des Buches ist es, eine wirklich einfache Methode an die Hand zu geben, wie man aus reinen Fakten aussagekräftige Diagramme generiert. Das lässt sich letzlich zurückführen auf zwei grundlegende Empfehlungen: beginne mit einer sorgfältigen Analyse („look and see“) und beantworte die richtigen Fragen. Letztere lassen sich nach Roam in der ein oder anderen Weise immer zurückführen auf die sechs grundlegenden Fragen: „Wer oder Was?“, „Wie viel?“, „Wo?“, „Wann?“, „Wie?“ und „Warum?“.

Das Buch enthält einige pragmatische Tipps und zeigt viele schöne Beispiele, wie man auf diese Weise komplexe Zusammenhänge in einfachen Diagrammen darstellt und sich auf die wesentlichen Informationen konzentriert. Das ist im Übrigen auch eine unverzichtbare Fähigkeit, um überzeugende Präsentationen zu erstellen. Roams Methode ist dabei überhaupt nicht beschränkt auf handgezeichnete Skizzen, sondern nahezu unverändert übertragbar auf computergestützte Diagramme wie PowerPoint-Zeichnungen oder Excel-Diagramme.

Wer sich in einer knappen Stunde einen ersten Überblick über die Ideen des Buches verschaffen möchte, findet in diesem Vortrag von Dan Roam bei Google einen gute Einführung:


Links zu dem Artikel
The Back of the Napkin – Homepage zum Buch
Blog zu „The Back of the Napkin
Deutsche Ausgabe Auf der Serviette erklärt (erscheint im Mai 2009)
Kermit lernt Visual Thinking: 1, 2

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Barry Schwartz über gesunden Menschenverstand

Albert Einstein spottete einmal, der gesunde Menschenverstand sei nur die Anhäufung aller Vorurteile, die man bis zum 18. Lebensjahr gesammelt hat. Da ist wohl aus seiner wissenschaftlichen Perspektive einiges Wahre dran, denn oft genug täuscht uns der gesunde Menschenverstand gerade in wissenschaftlichen Fragen. Einstein verließ sich anstatt auf sein Bauchgefühl lieber auf handfeste Experimente und Beweise.

A Wise Person Knows: When and how to make
Im Alltag aber ist der gesunde Menschenverstand ein wertvoller Ratgeber, der uns immer dann hilft, wenn es entweder keine handfesten Regeln gibt oder die Regeln offensichtlich Unsinn sind. Genau das griff der amerikanische Psychologieprofessor Barry Schwartz, Autor des Bestsellers The Paradox of Choice, in seiner Rede auf der diesjährigen TED-Konferenz auf und argumentierte, dass viel zu oft so viel Wert auf Regulierung (und wirtschaftliche Anreize) gelegt wird, dass der gesunde Menschenverstand weitgehend ausgeschaltet wird: „We hate to do it, but we have to follow procedure“.

Ob man diese Schlussfolgerung nun teilt oder nicht, die Rede ist sehr gut aufgebaut und ein schönes Beispiel für die Anwendung der SUCCESs-Regeln der Heath-Brüder aus ihrem Buch Was bleibt: simple, unexpected, concrete, credible, emotional, stories.

Schwartz erzählt viele Geschichten, die seine Aussagen auf den Punkt bringen. Seine Geschichten und Beispiele sind konkret: unter Reinigungspersonal kann sich jeder etwas vorstellen und mit dem Vater, der seinem Sohn alkoholisierte Limonande gibt, fühlt jeder mit. Außerdem gibt es mehr als nur eine überraschende Erkenntnis (die ich hier nicht vorwegnehme).

Beachten sollten Sie auch, wie sparsam Schwartz mit seinen Folien umgeht, die er wirklich nur dann einsetzt, wenn er den Eindruck hat, sie unterstützen seine gesprochenen Worte. Und dann steht wirklich nur das allernötigste auf den Folien. Hilfreich sind auch die Pausen, die er dem Publikum gönnt, um die drei Comics zu lesen, die er während seines Vortrags zeigt.

Am Ende gerät die Rede vielleicht etwas lang, aber dennoch sehenswert.


Links zu diesem Artikel
Duarte Design beschreibt, wie die Folien zu dieser Präsentation entstanden sind: Lessons from TED: 5 Simple Tweaks
Evan Williams auf der TED09-Konferenz: Was tust du gerade?
J.J. Abrams auf der TED07-Konferenz: Das Geheimnis einer kleinen Box

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Was tust du gerade?

„Was tust du gerade?“ Das interessiert mehr Menschen, als Sie vielleicht glauben; wie sonst wäre der Erfolg des Internetdienstes Twitter zu erklären. Bei Twitter haben Sie die Möglichkeit  der ganzen Welt mitzuteilen, was Sie gerade tun… und mittlerweile tun dies über 5 Millionen Nutzer weltweit.

Aber wie erklärt man dieses Phänomen? Wieso gilt all der Spott, den man in den Anfängen von Twitter hörte („Wen interessiert schon, ob ich gerade Kaffee trinke?“) plötzlich nicht mehr und die bekanntesten Twitter-Nutzer haben über 50.000 sog. Follower?

Evan Williams, einer der Gründer von Twitter ging dieser Frage in seiner Rede auf der diesjährigen TED-Konferenz nach. Und er tat das auf die einzig logische Weise, nämlich indem er den kurzen Statusmeldungen Leben einhauchte durch diese Folien, ein tolles Beispiel für den Einsatz von Fotos:

Pasted Graphic 7Pasted Graphic 8
Pasted Graphic 9Pasted Graphic 10

Offenbar ist der Erfolg von Twitter wesentlich auch darauf zurückzuführen, dass seine Nutzer eben nicht nur darüber sprechen, was Sie gerade tun, sondern insbesondere darüber, was Ihnen (im Augenblick) wichtig ist. Auf diese Weise habe ich selbst auch schon eine ganze Reihe interessanter Links auf Twitter gefunden. Letztlich ist darüber hinaus laut Williams entscheidend für Twitters Erfolg, dass es offen ist, was auch immer jemand mit 140 Zeichen nützliches anstellen möchte (z.B. ein Feuchtigkeitssensor für Pflanzen, der über Twitter Alarm schlägt, s.o.). Wenn Sie mir auf Twitter zuhören möchten, dann schauen Sie einfach in meinem Tweet vorbei.

Evan Williams TED-Präsentation können Sie sich hier anschauen:

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