Von Filmen lernen

Bei den meisten Präsentationen schauen Sie bereits nach fünf Minuten gelangweilt auf die Uhr und sehnen sich das Ende herbei. Da werden aus einer halben Stunde Vortrag leicht gefühlte drei Stunden.
Was machen Filmemacher anders als Präsentatoren?
1. Regie

Der Regisseur muss also dafür sorgen, dass die Wirkung des Films passt. Er wählt Szenenbilder, Requisiten, Masken, Musik und vieles mehr so aus, dass die Wirkung optimal erreicht wird.
Der typische PowerPoint-Vortragende wählt dagegen die Folien so aus, dass er möglichst wenig Arbeit damit hat. Er schreibt möglichst viel Text darauf, damit er sie gleich als Handout ausgeben kann und nichts vergisst (sprich: nicht üben muss) und er verwendet komplizierte Diagramme, die er in irgendwelchen Folien seiner Kollegen gefunden hat, die er aber nicht publikumsgerecht neu aufbereiten möchte. Er reiht Folien und Fakten aneinander, damit alles gesagt ist, und macht sich wenig Gedanken über sinnvolle Übergänge von einer Szene zur nächsten („auf der nächsten Folie sehen sie“).
2. Drehbuch

Und das gilt eben auch für Präsentationen, wer keine gute Story hat, der liefert höchstwahrscheinlich eine langweilige Präsentation ab. Natürlich sprechen Sie nicht über den Herrn der Ringe (könnten Sie das auf spannende Weise?), aber ist ihr Thema deswegen gleich trocken? Ich glaube das nicht. Immerhin arbeiten Sie fünf Tage die Woche (oder mehr) an diesem Thema, sind fasziniert davon und tüfteln mit Ihren Kollegen an Lösungen und neuen Ideen. Und gleichzeitig behaupten Sie, das Thema sei nicht spannend? Klingt für mich schwer vorstellbar.
Der springende Punkt ist, dass kein spannender Film auf die Idee käme, Informationen einfach irgendwie aneinanderzureihen. Ein Film braucht einen Spannungsbogen. Und Informationen werden eben so verteilt, dass sie den bestmöglichen Spannungsbogen erzeugen. Entscheidend dabei ist, dass in den Zuschauern das Verlangen nach Informationen (Auflösung) erzeugt wird und nichts bloß aufgezählt wird. Charaktere werden entwickelt, Indizien schrittweise offenbart, Geheimnisse gelüftet, Fallstricke erst spät erkannt usw.
Langweilige Präsentationen dagegen schicken Ihre Zuschauer schlafen, indem Sie alles vorwegnehmen, 20 Vorteile eines Produktes aufzählen, bevor überhaupt das Problem geschildert wurde, in einer sinnlos langen Einleitung zuerst einmal in aller Ausführlichkeit die Firmengeschichte erzählen und etliches mehr. Was davon wollen Ihre Zuhörer wirklich wissen? Und wie können Sie das Verlangen Ihres Publikums danach erhöhen?
3. Schauspieler

Gute Schauspieler sind vor allem eines: authentisch. Und da haben Sie es als Vortragender sogar leichter als ein Schauspieler: Sie sind ja schon Sie selbst. Verstecken Sie sich nicht, sondern zeigen Sie Ihre Begeisterung.
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Schwarz-Gelb aus dem obigen Bild ist z.B. eine ungeheue kraftvolle Farbkombination mit einem starken Kontrast. Sie eignet sich hervorragend, um Ihren Ideen „Leuchtkraft“ zu geben, etwa so:



Natürlich eignen sich solch kraftvolle
Farben nicht für jeden Vortrag. Für einen eher melancholisch
angehauchten Naturvortrag wie den folgenden sind diese starken
Kontraste sicher ungeeignet. Aber selbstverständlich würden Sie für
dieses Thema auch keine Glühbirne als Bild auswählen, sondern
vielleicht den nebenstehenden Steg. Hieraus ergeben sich dezente
Farben in Pastelltönen, die viel besser zu dem Thema passen. Das
Bild liefert eine sinnvolle Farbwahl mit weichen Blautönen und
einem schön harmonierenden Braunton. Ergänzt mit einer passenden
Schrift (Fresco Semi Bold), ergibt sich ein harmonisches
Gesamtbild.



Wer viel Wert auf eine seriöse Wirkung
legt, der wird häufig bei einem sog. monochromatischen Farbschema
fündig, also einem Farbschema, das nur aus einem Farbton in
unterschiedlichen Abstufungen besteht, so wie in dem Sepia-Bild
rechts. Die Farben liefern einen sehr dezenten Charakter, der alles
Schrille vermeidet und der symbolisiert, dass der Vortragende ein
möglicherweise sensibles Thema mit dem gebührenden Respekt
behandelt. Die Farben stellen sich hier nicht in den Vordergrund,
sondern treten deutlich hinter dem Inhalt zurück.


Wie die Beispiele zeigen, können
sinnvolle Farbschemata ganz unterschiedlich ausgeprägt sein:
kontrastreich oder kontrastarm, schillernd oder dezent, bunt oder
weniger bunt, umfangreich oder minimalistisch. Was für das eine
Thema funktioniert, würde bei einem anderen Thema völlig falsche
Assoziationen erzeugen. Mit ein wenig Übung lassen sich aus den
richtigen Bildern aber sinnvolle Farbschemata für den eigenen
Vortrag erzeugen.
Die Werkzeuge dafür liefern einige Präsenationsprogramme bereits
mit, etwa Apple Keynote oder OpenOffice Impress. Für PowerPoint
gibt es einige (meist kostenlose) Plugins, die diese Funktionalität
nachliefern, z.B. ColorCop
oder Pixie (die ich aber
beide nicht getestet habe).



Vorher-Nachher: Mitarbeitermotivation

So recht motivierend wirkt die Folie
jedoch nicht – und dafür gibt es vor allem einen Grund: sie
ist viel zu abstrakt. Was bedeuten denn 6,3% Nachlaufkosten? Die
eigentliche Motivation der Mitarbeiter geschieht höchstens
indirekt, und zwar durch eine Ermahnung: „Damit sind wir aber noch
nicht am Ziel“. Auch die Begründung mit dem Anspruch der
Qualitätsführerschaft wirkt wie ein Selbstzweck.
Wir haben uns letztlich entschieden, die Ansprache der Mitarbeiter
völlig umzukrempeln und gar nicht mit Geschäftszielen zu
argumentieren. Anstatt zu ermahnen, sollte die neue Gestaltung
motivieren und anspornen, und zwar mit den Leistungen, die bereits
erzielt wurden. Das klare Ziel der Folien sollte sein, die
Mitarbeiter zum Handeln und Mitdenken anzuregen. Beispielhaft zeige
ich das für die Veranstaltung der Azubis.
Nachdem zum Einstieg deutlich gemacht wird, welchen (negativen)
Einfluss Qualitätsmängel auf das Unternehmen haben, wird sofort
gelobt, dass in den vergangenen zwei Jahren die Qualität drastisch
verbessert und die Hälfte der Reklamationskosten eingespart werden
konnte. Das gelang nur deshalb, weil die engagierten Mitarbeiter
ihre Ideen und Beobachtungen nicht für sich behalten haben, sondern
in 20 Projekten echte Verbesserungen entwickelt haben.


Der Clou bei der Präsentation besteht
nun darin, echte Stories mit echten Gesichtern zu
erzählen. Auf den folgenden Folien werden nämlich beispielhaft
einige der Verbesserungsvorschläge erzählt und Fotos von den
Ideengebern gezeigt – in diesem Fall von Azubis:




Auf diese Weise können sich die
Mitarbeiter viel leichter mit der Qualitätsoffensive
identifizieren. Sie kennen die Personen, die die Ideen entwickelt
haben und können anschließend mit ihnen reden („Wie hast du das
gemacht?“). Gleichzeitig werden die Ideengeber gelobt und damit
gute Leistung belohnt. Es wird sichtbar, dass Engagement im
Unternehmen nicht einfach verpufft, sondern echte Wirkung und
Anerkennung erzielt.
Das Wichtigste jedoch ist, dass das abstrakte Projekt
Qualitätsoffensive in viel anschaulichere einzelne Geschichten
verpackt wird, die einen unmittelbaren Bezug zum Arbeitsalltag der
Mitarbeiter haben. Die beispielhaften Geschichten wirken dabei
gleichzeitig als Ideenanstoß und zeigen, wie einfach es sein kann,
selbst etwas zu tun. Die letzte Folie mit der Frage „Und Du?“ ist
schließlich die explizite Aufforderung, dies auch zu tun. Natürlich
darf auch das keine Ermahnung sein, sondern sollte Aufmunterung
sein: „Wenn Du eine Idee hast, dann erzähl’ Sie uns! Wir hören
zu!“.
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Wunsch und Wirklichkeit: Wir freuen uns sehr

Nun ist „nach der Wahl“ immer auch „vor
der Wahl“ – und das gilt insbesondere für diese Europawahl,
die so kurz vor der Bundestagswahl stattgefunden hat. Entsprechend
haben die Parteivorderen versucht, sich schon mit der
Interpretation ihrer Ergebnisse in Stellung für den jetzt
beginnenden Bundestagswahlkampf zu bringen. Und dabei müssen aus
Verlierern auch schon einmal tapfere Optimisten werden, die an die
eigene Stärke glauben. Insgesamt klingt das dann so:
- "Wir freuen uns über das Ergebnis bei der Europawahl." – Ronald Pofalla, CDU
- "Wir sind wieder da." – Horst Seehofer, CSU
- "Das ist weit hinter dem, was wir erhofft hatten; das ist enttäuschend." – Franz Müntefering, SPD
- "Das ist eine herausragende Grundlage des Zuwachses für weitere herausragende Wahlergebnisse." – Guido Westerwelle, FDP
- "Diese Wahl ist auch eine Ansage für den Herbst. Die Ansage lautet: Diese Wahl ist nicht entschieden." – Jürgen Trittin, Die Grünen
Mehrabians Körpersprache-Regel mag oft fehlinterpretiert worden sein, hier hilft sie jedoch weiter: Wer über Gefühle oder Meinungen spricht, der verrät mit seiner Stimme und Körpersprache erheblich mehr als mit seinen Worten.
Links zu dem Artikel
Wikipedia-Artikel zur Europawahl 2009
Reaktionen der Parteien (ZDF-Mediathek)
Der Draht zum Publikum
Buchempfehlung: Advanced Presentations by Design (Andrew Abela)

Die Antwort auf eine Frage aber bleiben beide schuldig: Ist diese moderne Art der Präsentation eigentlich effektiv? Steigert es wirklich die Überzeugungskraft meiner Präsentationen? Genau in diese Lücke stößt der amerikanische Professor Andrew Abela mit seinem empfehlenswerten Buch Advanced Presentations by Design vor. Er hinterfragt viele der gängigen Präsentations-„Regeln“ kritisch und untermauert fast alle seiner Aussagen mit Belegen aus wissenschaftlichen Studien.
Wenn Abela von Design spricht, meint er übrigens nicht etwa das visuelle Layout der Folien, sondern den gesamten Entwurf einer Präsentation, von der Zielgruppenanalyse über die Strukturierung der Inhalte bis hin zur gestalterischen Umsetzung. Umgekehrt bedeutet das, dass es in seinem Buch ausschließlich um den Inhalt einer Präsentation und dessen Strukturierung und Darstellung geht, nicht aber um den Vortrag selbst.
Die größte Stärke des Buches ist gleichzeitig die größte Schwäche: es liefert ein (recht einfaches) Kochrezept zur Erstellung überzeugender Präsentationen. Warum ist das gut? Weil es ein Werkzeug an die Hand gibt, mit dem Sie mit ziemlicher Sicherheit Präsentationen erstellen, die zumindest recht ordentlich sind. Das Buch liefert dafür haufenweise Tipps zur Lösung alltäglicher Präsentationsfragen. Da bleibt fast nichts unbeantwortet.
Andererseits: Diese pragmatische Herangehensweise führt auch dazu, dass gelegentlich vereinfacht wird. Das Buch ist z.B. sehr auf Businesssituationen und den „rational denkenden Menschen“ zugeschnitten. Dass es Zuhörer geben mag, die nicht immer nur an materiellem, direkt messbarem Nutzen interessiert sind, sondern eine Präsentation auch einfach mal „nur“ spannend finden können, zieht Abela nicht so recht in Erwägung. Gleichwohl hat er natürlich recht, wenn er darauf hinweist, dass eine Präsentation umso besser wird, je mehr man sich über das Ziel der Präsentation im Klaren ist. Nur muss dieses Ziel nicht immer knallhart businessorientiert sein.
Abgesehen davon aber finden Sie Unmengen an sehr hilfreichen Tipps für fast jede Präsentationssituation. Besonders hilfreich scheinen mir die beiden Kapitel zum Storytelling. Sie bieten eine, zwar knappe und recht einfache, dafür aber gut nachvollziehbare Anleitung, wie aus einer faktenbasierten, langweiligen Bullet-Point-Präsentation ein Vortrag mit Spannungsbögen wird, dem man gerne zuhört. Im Zentrum steht hier die SCoRE-Methode; das steht für (Situation)-Complication-Resolution-Example (auf Deutsch: Situation-Komplikation-Auflösung-Beispiel).
Anstatt Ihre Präsentationsinhalte einfach (langweilig) aneinanderzureihen, sollen Sie mit Hilfe von SCoRE Ihre Inhalte so strukturieren, dass Sie einen Spannungsbogen erzeugen, indem Sie sie in die richtige Reihenfolge bringen. Zunächst schildern Sie die Ausgangssituation, danach formulieren Sie die drängendste Frage Ihres Publikums und lösen diese direkt im Anschluss auf und untermauern das durch ein Beispiel. Natürlich wird Ihr Publikum Gegenfragen haben. Diese formulieren Sie als nächsten Konflikt, zu dem Sie dann wiederum Lösung und Beispiel liefern usw. Das ist ein ganz ähnliches Vorgehen, wie ich es in meinem letzten Vortrag geschildert habe. Abela sagt über seine Methode:
Ich halte das Buch für sehr empfehlenswert und eine gelungene Ergänzung zu den Büchern Presentation Zen und slide:ology. Während diese beiden eher motivierenden Charakter haben und viele, viele Inspirationen für visuelle Präsentationen liefern, bekommen Sie in Advanced Presentations by Design die Begründungen mitsamt vieler praktischer Ergänzungen geliefert. Das Buch ist sicher nicht ganz so spritzig geschrieben wie die beiden anderen, aber wen das nicht schreckt, der wird bestimmt von dem Buch profitieren. Einen Vorgeschmack liefert übrigens die Webseite von Andrew Abela.Das funktioniert so gut, weil Sie Informationen erst dann nennen, wenn Sie in Ihrem Publikum das Verlangen danach erzeugt haben – genau das ist die Rolle der Komplikation: Sie stellen eine Frage, die das Verlangen nach einer Antwort erzeugt, die Sie dann auch liefern – die Auflösung.
Link zu dem Buch
Advanced Presentations by Design bei Amazon.de
Rezension von Andrew Dlugan vom Six-Minutes-Blog
Rezension von Nancy Duarte, Autorin von slide:ology
Extreme Presentation Method, die Homepage von Andrew Abela, mit den wesentlichen Tipps aus dem Buch
Extreme-Presentation-Blog, der Blog von Andrew Abela















