Vorher-Nachher: Emotionen

Die Folie ist emotional, keine Frage,
und die Zahlen klingen dramatisch. Aber es gibt ein gravierendes
Problem: sie haben nämlich nichts mit Megastädten zu tun. Wie wir
später in der Präsentation erfahren, leben derzeit überhaupt „nur“
knapp 600 Mio. Menschen in Megastädten, also insgesamt deutlich
weniger als die auf der Folie genannten Zahlen von 1 Mrd. und 2,6
Mrd Menschen, die sich demnach auf die weltweite Gesamtbevölkerung
beziehen.
Gerade in einem wissenschaftlichen Umfeld ist Glaubwürdigkeit
extrem wichtig. Die Folie könnte daher sogar kontraproduktiv
wirken. Denn wenn der Verdacht aufkeimt, dass durch „Verbiegen“ von
Statistiken Emotionen provoziert werden, dann ist die
Glaubwürdigkeit schnell verspielt. Es ist also ein wenig Vorsicht
geboten: Emotionen ja, (Über-)Dramatisierung nein.

Dieses Bild ist damit ein guter Aufhänger für eine kleine Geschichte, die anhand des konkreten Beispiels „Bangkok“ in die Wasserproblematik der Megastädte einführt. Das Beispiel erfüllt gleich mehrere Zwecke. Neben einem emotionalen Zugang zu dem Thema können nämlich schon einmal die wesentlichen Probleme, die im Verlauf der Präsentation erläutert werden sollen, vorab konkret veranschaulicht werden. So haben die Zuhörer später eher ein Bild vor Augen, wenn sie die abstrakten Zahlen und Fakten hören.
Eine Bildsuche auf flickr liefert noch eine Reihe von Fotos, die für diese Einführung geeignet sind. Die folgenden drei Folien zeigen eine mögliche Umsetzung in PowerPoint, die erst Bangkok als Megastadt vorstellt und anschließend die Wasserprobleme der Stadt anhand der Abwassereinspeisung benennt.



Als Anregung für den Einsatz von
Geschichten zum Einstieg in Themen wie diese mögen auch die beiden
folgenden TED-Präsentationen dienen. In der ersten Präsentation
spricht Willie
Smits über die Probleme bei der Wiederaufforstung in Indonesien
und erzählt zu Beginn von einer einschneidenden Begegnung mit einem
Orang-Utan-Baby.
In der zweiten Präsentation berichtet
Majora Carter über ihre Mission, die Ghettos in der New Yorker
Bronx (einer anderen Megastadt) zu einem lebenswerteren Ort zu
machen und erzählt, wie ihr Hund ihr dafür die Augen geöffnet hat.
Die Folien können sicher in beiden Vorträgen noch verbessert
werden, aber beide Redner zeigen spürbare Leidenschaft für ihr
Thema und erzielen gerade durch den Einsatz vieler Bilder (ganz
ohne Text) einen sehr emotionalen Zugang zu ihrem Thema.
Links zu dem
Artikel
Wikipedia-Artikel über Bangkok
Die durstige
Megastadt – Berliner Zeitung über Wasserprobleme in
Mexiko-City
Mehr TED-Präsentationen zum Schwerpunkt The Power of
Cities
Mehr TED-Präsentationen zum Thema A
Greener Future?
Zahlen oder
Bilder? – Zahlen emotional visualisieren
Weitere Vorher-Nachher-Vergleiche
[Fotos: Woman with Child Collecting Water
von hdptcar@flickr.com unter CC-BY lizenziert,
Hot Raw Sewage von
Stuck
In Customs@flickr.com unter CC-BY-NC-SA lizenziert,
Assumption University Bangkok von 3dom@flickr.com unter CC-BY-NC lizenziert,
Baiyoke Bangkok von GAry.Photography@flickr.com unter CC-BY-NC-ND lizenziert]
Trennungsschmerz

Manchmal muss man sich auch von guten Ideen trennen. Gute Ideen verfolgen wir am liebsten, auch beim Präsentieren. Wenn uns eine tolle Geschichte einfällt, dann denken wir ständig daran, wie wir diese Geschichte am besten in die Präsentation integrieren. Wenn wir eine tolle Folie gestaltet haben oder ein grandioses Foto gefunden haben oder eine richtig aufwendige Animation zur Erklärung eines komplexen Sachverhalts gebaut haben, dann feilen wir immer weiter daran und schauen uns das Ergebnis wieder und wieder an, weil uns die Idee einfach so gut gefällt.
Und dann kommt das große Aber… irgendwie ist die Sache noch nicht ganz rund. Vielleicht müssen wir doch noch ein bisschen mehr daran feilen; vielleicht müssen wir die Geschichte auch einfach an einer anderen Stelle erzählen; oder noch etwas am Übergang feilen… Aber solange wir auch feilen, das komische Bauchgefühl bleibt.
Vielleicht war ja die Idee doch nicht so großartig?
Manchmal muss man sich von Ideen trennen, die man lieb gewonnen hat. Das tut weh, schließlich haben wir enorm viel Zeit da hinein investiert. Aber wenn die Idee einfach nicht richtig in die Präsentation passt, dann ist die einzig richtige Wahl, sie beiseite zu legen. Vielleicht kommt ihr großer Auftritt ja später noch einmal, aber nicht jetzt und nicht in dieser Präsentation; denn die ist mit einer anderen Idee einfach noch viel besser geworden.
Tückische Wissenschaft: Stimme und Körpersprache
Die Regel geht zurück auf Experimente des Psychologen Dr. Albert Mehrabian aus dem Jahr 1971. Was aber wurde in diesen Experimenten genau gemessen?
Mehrabian wollte herausfinden, inwieweit es möglich ist, anhand der Stimme und der Körpersprache zu erkennen, ob der Sprecher etwas "mag" oder "nicht mag". Besonders interessierte ihn, ob man anhand der Stimme oder Körpersprache erkennen kann, dass der Sprecher in dieser Hinsicht "lügt", also etwas "mag", obwohl er sagt, er möge es nicht, und umgekehrt.
Tatsächlich fand er heraus, dass wir uns gerade in solch "inkongruenten" Situationen mehr auf stimmliche und körpersprachliche Signale verlassen, als auf den Inhalt des gesprochenen Wortes. Wir merken offenbar instinktiv, wenn jemand nicht ganz ehrlich in seiner Meinungsäußerung ist.
Was bedeutet das nun für Ihre Präsentationen? Solange Sie nicht über Ihre Gefühle oder Ihre Meinung zu einem Thema sprechen, ist die 7-38-55-Regel schlicht nicht anwendbar. Sie bezieht sich nur auf Gefühls- und Meinungsäußerungen. Umgekehrt bedeutet das aber, dass Sie durch Ihre Stimme und Ihre Körpersprache indirekt "verraten", wie Sie selbst zu Ihren Worten stehen, ob Sie dahinterstehen oder selbst nicht von Ihren Worten überzeugt sind. Letztlich sind also Stimme und Körpersprache sehr wohl wichtig für Ihren Vortrag, halten Sie aber Ihr Publikum nicht für "dumm", indem Sie versuchen, es mit ausgeprägter Körpersprache von einem mageren Inhalt zu überzeugen.
Links zu diesem Artikel
Sprechen Sie flüssig oder, äh, verständlich?
Wikipedia-Artikel zur 7-38-55-Regel (engl.)
Homepage von Dr. Albert Mehrabian (engl.)
Empfehlenswertes Buch zu Körpersprache: The Definitive Book of Body Language von Allan und Barbara Pease (Amazon.de)
Warum es sinnvoll ist, sich mit Design zu beschäftigen
Innerhalb kürzester Zeit krempelte er mehrere Zeitungen seines Verlags völlig um und erhielt die höchsten Auszeichnungen, die es für Zeitungsdesign zu vergeben gibt (world’s best designed newspaper). Und was er über diesen Prozess in seinem Vortrag auf der diesjährigen TED-Konferenz erzählt hat, ist eine tolle Anregung für jeden Job:
Einige wichtige Aussagen dieses
6-minütigen Vortrags möchte ich kurz zusammenfassen und zeigen, wie
seine Worte Ihnen dabei helfen, bessere Präsentationen zu
gestalten:
Was Utko für seine Zeitungen wirkungsvoll umgesetzt hat, gilt genauso für Präsentationen: nicht einzelne Fakten oder einzelne Folien machen eine Präsentation aufregend, sondern ein Spannungsbogen, der Aufs und Abs hat, der die Einzelheiten zu einem sinnvollen Ganzen verbindet. Das gilt für Musik genauso wie für gute Filme, Romane, Zeitungen, und eben auch für Präsentationen.„Das Geheimnis bestand darin, dass wir die Zeitung als ein Gesamtwerk angesehen haben, als eine Komposition, ganz wie in der Musik; und Musik hat Rhythmus, hat Aufs und Abs. Und bei uns ist der Designer verantwortlich für diese Wirkung.“
Eine Regel, die häufig vergessen (oder ignoriert?) wird. Sinnvoll gestalten kann ich etwas erst dann, wenn ich weiß, was ich da überhaupt gestalten möchte, insbesondere was ich wem damit sagen möchte und was ich letztlich damit erreichen möchte. Foliendesign steht am Ende, nicht am Anfang der Vortragsvorbereitung. Wer sich zu früh Gedanken über Schriftgrößen, Farben etc. macht, der verschwendet wertvolle Zeit und fällt möglicherweise verfrüht Entscheidungen, die seinem eigentlichen Ziel später im Wege stehen.Es ging nicht darum, bloß das Aussehen zu verbessern. Es ging darum, das ganze Produkt auf ein höheres Niveau zu heben. […] Zuerst fragten wir: „Warum tun wir das? Was ist das Ziel?“ Danach haben wir den Inhalt entsprechend angepasst. Und erst danach […] haben wir mit dem Design begonnen.
Utkos wichtigste Lektion hat nichts mit Design zu tun: Was immer du tust, du hast die Möglichkeit, dein bestes zu geben! Und wenn du es tust, kannst du viel mehr erreichen als du selbst für möglich gehalten hättest. Wer immer nur versucht, seinen Job vorschriftsmäßig zu erledigen und die Erwartungen anderer zu erfüllen, der liefert nicht notwendigerweise schlechte Arbeit ab. Aber wer versucht, Erwartungen zu übertreffen, und zwar nicht nur die der anderen, sondern insbesondere die eigenen, der hat die Möglichkeit, Außergewöhnliches zu erreichen – so wie Utko.Vielleicht lebst du in einem kleinen, armen Land, so wie ich. Vielleicht arbeitest du für ein kleines Unternehmen in einer langweiligen Branche. Vielleicht hast du kein Budget und keine Leute. Aber dennoch kannst du deine Arbeit auf das höchste Niveau bringen. Jeder kann das! Das einzige, was du brauchst, sind Inspiration, Visionen und Zielstrebigkeit. Und denk’ daran: es reicht nicht, nur gut zu sein.
Design kann vieles verändern: nicht nur dein Produkt oder deinen Arbeitsfluss. Letztlich kann es dein Unternehmen komplett verändern, es auf den Kopf stellen. Es kann sogar dich selbst verändern!
Von Helden und Abenteuern

Weitere Informationen zu dieser und weiteren Veranstaltungen gibt es auf der Termin-Seite. Sehr gespannt bin ich auf den Workshop Ende Mai, indem wir mit maximal 4 Teilnehmern intensiv die Präsentationen der Teilnehmer analysieren und überarbeiten.














