Feature-Artikel
Schreiben Sie mir
Ich freue mich von Ihnen zu hören per E-Mail oder auf Twitter. Oder schicken Sie mir Ihre Präsentation für einen Vorher-Nachher-Vergleich.
Über diesen Blog
Dieser Blog gibt frische Ideen für Präsentationen, die überzeugen und sich aus der Masse der PowerPoint-Vorträge abheben.

Ich bin Dr. Michael Gerharz, Präsentationscoach, und berate Sie in allen Fragen zu Ihrer Präsentation.

Impressum

Vorher-Nachher: Emotionen

Vor einiger Zeit bat mich ein Leser um Rat für seine nächste Präsentation, mit der er auf die gravierenden Wasserprobleme von Megastädten aufmerksam machen wollte. Der Vortrag sollte einen eher wissenschaftlich sachlichen Ton haben, gerade deswegen aber durch einen emotionalen Einstieg die Zuhörer für das Thema sensibilisieren. Dabei sollte folgende Folie helfen:

Vorher-Folie: Frau schöpft dreckiges Wasser

Die Folie ist emotional, keine Frage, und die Zahlen klingen dramatisch. Aber es gibt ein gravierendes Problem: sie haben nämlich nichts mit Megastädten zu tun. Wie wir später in der Präsentation erfahren, leben derzeit überhaupt „nur“ knapp 600 Mio. Menschen in Megastädten, also insgesamt deutlich weniger als die auf der Folie genannten Zahlen von 1 Mrd. und 2,6 Mrd Menschen, die sich demnach auf die weltweite Gesamtbevölkerung beziehen.

Gerade in einem wissenschaftlichen Umfeld ist Glaubwürdigkeit extrem wichtig. Die Folie könnte daher sogar kontraproduktiv wirken. Denn wenn der Verdacht aufkeimt, dass durch „Verbiegen“ von Statistiken Emotionen provoziert werden, dann ist die Glaubwürdigkeit schnell verspielt. Es ist also ein wenig Vorsicht geboten: Emotionen ja, (Über-)Dramatisierung nein.

Unappetitliches Abwasser
Einen interessanten Aufhänger bot jedoch ein Bild, das ursprünglich später in der Präsentation verwendet werden sollte und das eine verdreckte Abwasseranlage in Bangkok zeigt, aus der eine unappetitliche Brühe ins Wasser fließt. Solche Anlagen sind ein Grund für die Ausbreitung von Cholera und anderen Infektionskrankheiten, unter denen Bangkok zu leiden hat.

Dieses Bild ist damit ein guter Aufhänger für eine kleine Geschichte, die anhand des konkreten Beispiels „Bangkok“ in die Wasserproblematik der Megastädte einführt. Das Beispiel erfüllt gleich mehrere Zwecke. Neben einem emotionalen Zugang zu dem Thema können nämlich schon einmal die wesentlichen Probleme, die im Verlauf der Präsentation erläutert werden sollen, vorab konkret veranschaulicht werden. So haben die Zuhörer später eher ein Bild vor Augen, wenn sie die abstrakten Zahlen und Fakten hören.

Eine Bildsuche auf flickr liefert noch eine Reihe von Fotos, die für diese Einführung geeignet sind. Die folgenden drei Folien zeigen eine mögliche Umsetzung in PowerPoint, die erst Bangkok als Megastadt vorstellt und anschließend die Wasserprobleme der Stadt anhand der Abwassereinspeisung benennt.

Nachher-Folie 1: Bangkok – Stadt der Engel
Nachher-Folie 2: Megastadt mit 11 Mio. Einwohnern
Nachher-Folie 3: Megastadt ohne Abwasserreinigung

Als Anregung für den Einsatz von Geschichten zum Einstieg in Themen wie diese mögen auch die beiden folgenden TED-Präsentationen dienen. In der ersten Präsentation spricht Willie Smits über die Probleme bei der Wiederaufforstung in Indonesien und erzählt zu Beginn von einer einschneidenden Begegnung mit einem Orang-Utan-Baby.


In der zweiten Präsentation berichtet Majora Carter über ihre Mission, die Ghettos in der New Yorker Bronx (einer anderen Megastadt) zu einem lebenswerteren Ort zu machen und erzählt, wie ihr Hund ihr dafür die Augen geöffnet hat. Die Folien können sicher in beiden Vorträgen noch verbessert werden, aber beide Redner zeigen spürbare Leidenschaft für ihr Thema und erzielen gerade durch den Einsatz vieler Bilder (ganz ohne Text) einen sehr emotionalen Zugang zu ihrem Thema.


Links zu dem Artikel
Wikipedia-Artikel über Bangkok
Die durstige Megastadt – Berliner Zeitung über Wasserprobleme in Mexiko-City
Mehr TED-Präsentationen zum Schwerpunkt The Power of Cities
Mehr TED-Präsentationen zum Thema A Greener Future?
Zahlen oder Bilder? – Zahlen emotional visualisieren
Weitere Vorher-Nachher-Vergleiche

[Fotos: Woman with Child Collecting Water von hdptcar@flickr.com unter CC-BY lizenziert,
Hot Raw Sewage von Stuck In Customs@flickr.com unter CC-BY-NC-SA lizenziert,
Assumption University Bangkok von 3dom@flickr.com unter CC-BY-NC lizenziert,
Baiyoke Bangkok von GAry.Photography@flickr.com unter CC-BY-NC-ND lizenziert]

|

Trennungsschmerz

Mann spielt auf einer Akustikgitarre
Wenn man sich von etwas trennen muss, das man lieb gewonnen hat, dann ist das meist mit Wehmut verbunden. Ich habe mich neulich von meiner alten Gitarre getrennt, nachdem ich mir nach über 20 Jahren eine neue Konzertgitarre gekauft habe. Obwohl die neue Gitarre um Größenordnungen besser klingt, verband ich mit der alten Gitarre dennoch viele, viele Erinnerung. Ich weiß noch, wie stolz ich war, als ich auf dem Abschlusskonzert meiner Grundschulzeit spielen durfte. Aber irgendwann ist die Zeit für eine neue, eine bessere Gitarre einfach gekommen.

Manchmal muss man sich auch von guten Ideen trennen. Gute Ideen verfolgen wir am liebsten, auch beim Präsentieren. Wenn uns eine tolle Geschichte einfällt, dann denken wir ständig daran, wie wir diese Geschichte am besten in die Präsentation integrieren. Wenn wir eine tolle Folie gestaltet haben oder ein grandioses Foto gefunden haben oder eine richtig aufwendige Animation zur Erklärung eines komplexen Sachverhalts gebaut haben, dann feilen wir immer weiter daran und schauen uns das Ergebnis wieder und wieder an, weil uns die Idee einfach so gut gefällt.

Und dann kommt das große Aber… irgendwie ist die Sache noch nicht ganz rund. Vielleicht müssen wir doch noch ein bisschen mehr daran feilen; vielleicht müssen wir die Geschichte auch einfach an einer anderen Stelle erzählen; oder noch etwas am Übergang feilen… Aber solange wir auch feilen, das komische Bauchgefühl bleibt.

Vielleicht war ja die Idee doch nicht so großartig?

Manchmal muss man sich von Ideen trennen, die man lieb gewonnen hat. Das tut weh, schließlich haben wir enorm viel Zeit da hinein investiert. Aber wenn die Idee einfach nicht richtig in die Präsentation passt, dann ist die einzig richtige Wahl, sie beiseite zu legen. Vielleicht kommt ihr großer Auftritt ja später noch einmal, aber nicht jetzt und nicht in dieser Präsentation; denn die ist mit einer anderen Idee einfach noch viel besser geworden.
|

Tückische Wissenschaft: Stimme und Körpersprache

Sicher kennen Sie die bekannte Regel, dass nur 7% der Wirkung eines Vortrags auf den Inhalt zurückzuführen sei, 38% dagegen auf die verbalen Signale und sogar 55% auf die Körpersprache. Diese Regel wird häufig zitiert als 7-38-55-Regel. Sie ist in dieser Allgemenheit schlicht falsch, eine wissenschaftlich unzulässige Verallgemeinerung. Warum?

Die Regel geht zurück auf Experimente des Psychologen Dr. Albert Mehrabian aus dem Jahr 1971. Was aber wurde in diesen Experimenten genau gemessen?

Mehrabian wollte herausfinden, inwieweit es möglich ist, anhand der Stimme und der Körpersprache zu erkennen, ob der Sprecher etwas "mag" oder "nicht mag". Besonders interessierte ihn, ob man anhand der Stimme oder Körpersprache erkennen kann, dass der Sprecher in dieser Hinsicht "lügt", also etwas "mag", obwohl er sagt, er möge es nicht, und umgekehrt.

Tatsächlich fand er heraus, dass wir uns gerade in solch "inkongruenten" Situationen mehr auf stimmliche und körpersprachliche Signale verlassen, als auf den Inhalt des gesprochenen Wortes. Wir merken offenbar instinktiv, wenn jemand nicht ganz ehrlich in seiner Meinungsäußerung ist.

Was bedeutet das nun für Ihre Präsentationen? Solange Sie nicht über Ihre Gefühle oder Ihre Meinung zu einem Thema sprechen, ist die 7-38-55-Regel schlicht nicht anwendbar. Sie bezieht sich nur auf Gefühls- und Meinungsäußerungen. Umgekehrt bedeutet das aber, dass Sie durch Ihre Stimme und Ihre Körpersprache indirekt "verraten", wie Sie selbst zu Ihren Worten stehen, ob Sie dahinterstehen oder selbst nicht von Ihren Worten überzeugt sind. Letztlich sind also Stimme und Körpersprache sehr wohl wichtig für Ihren Vortrag, halten Sie aber Ihr Publikum nicht für "dumm", indem Sie versuchen, es mit ausgeprägter Körpersprache von einem mageren Inhalt zu überzeugen.

Links zu diesem Artikel
Sprechen Sie flüssig oder, äh, verständlich?
Wikipedia-Artikel zur 7-38-55-Regel (engl.)
Homepage von Dr. Albert Mehrabian (engl.)
Empfehlenswertes Buch zu Körpersprache: The Definitive Book of Body Language von Allan und Barbara Pease (Amazon.de)
|

Warum es sinnvoll ist, sich mit Design zu beschäftigen

Als Jacek Utko seiner Großmutter erzählte, dass er Designer für Tageszeitungen sei, antwortete die: „Wie bitte? Da gibt es nichts zu designen. Das sind bloß langweilige Buchstaben!“ Und irgendwie fand Utko, hatte seine Großmutter recht. Bis zu dem Tag, an dem er eine Vorstellung des Cirque du Soleil besuchte. Fasziniert von der Perfektion, mit der diese Artisten ihre Aufführungen zu atemberaubenden Höchstleistungen entwickelt hatten, nahm er sich vor, dasselbe für seinen Job zu versuchen – und hatte Erfolg.

Innerhalb kürzester Zeit krempelte er mehrere Zeitungen seines Verlags völlig um und erhielt die höchsten Auszeichnungen, die es für Zeitungsdesign zu vergeben gibt (world’s best designed newspaper). Und was er über diesen Prozess in seinem Vortrag auf der diesjährigen TED-Konferenz erzählt hat, ist eine tolle Anregung für jeden Job:


Einige wichtige Aussagen dieses 6-minütigen Vortrags möchte ich kurz zusammenfassen und zeigen, wie seine Worte Ihnen dabei helfen, bessere Präsentationen zu gestalten:

„Das Geheimnis bestand darin, dass wir die Zeitung als ein Gesamtwerk angesehen haben, als eine Komposition, ganz wie in der Musik; und Musik hat Rhythmus, hat Aufs und Abs. Und bei uns ist der Designer verantwortlich für diese Wirkung.“

Was Utko für seine Zeitungen wirkungsvoll umgesetzt hat, gilt genauso für Präsentationen: nicht einzelne Fakten oder einzelne Folien machen eine Präsentation aufregend, sondern ein Spannungsbogen, der Aufs und Abs hat, der die Einzelheiten zu einem sinnvollen Ganzen verbindet. Das gilt für Musik genauso wie für gute Filme, Romane, Zeitungen, und eben auch für Präsentationen.

Es ging nicht darum, bloß das Aussehen zu verbessern. Es ging darum, das ganze Produkt auf ein höheres Niveau zu heben. […] Zuerst fragten wir: „Warum tun wir das? Was ist das Ziel?“ Danach haben wir den Inhalt entsprechend angepasst. Und erst danach […] haben wir mit dem Design begonnen.

Eine Regel, die häufig vergessen (oder ignoriert?) wird. Sinnvoll gestalten kann ich etwas erst dann, wenn ich weiß, was ich da überhaupt gestalten möchte, insbesondere was ich wem damit sagen möchte und was ich letztlich damit erreichen möchte. Foliendesign steht am Ende, nicht am Anfang der Vortragsvorbereitung. Wer sich zu früh Gedanken über Schriftgrößen, Farben etc. macht, der verschwendet wertvolle Zeit und fällt möglicherweise verfrüht Entscheidungen, die seinem eigentlichen Ziel später im Wege stehen.

Vielleicht lebst du in einem kleinen, armen Land, so wie ich. Vielleicht arbeitest du für ein kleines Unternehmen in einer langweiligen Branche. Vielleicht hast du kein Budget und keine Leute. Aber dennoch kannst du deine Arbeit auf das höchste Niveau bringen. Jeder kann das! Das einzige, was du brauchst, sind Inspiration, Visionen und Zielstrebigkeit. Und denk’ daran: es reicht nicht, nur gut zu sein.

Utkos wichtigste Lektion hat nichts mit Design zu tun: Was immer du tust, du hast die Möglichkeit, dein bestes zu geben! Und wenn du es tust, kannst du viel mehr erreichen als du selbst für möglich gehalten hättest. Wer immer nur versucht, seinen Job vorschriftsmäßig zu erledigen und die Erwartungen anderer zu erfüllen, der liefert nicht notwendigerweise schlechte Arbeit ab. Aber wer versucht, Erwartungen zu übertreffen, und zwar nicht nur die der anderen, sondern insbesondere die eigenen, der hat die Möglichkeit, Außergewöhnliches zu erreichen – so wie Utko.

Design kann vieles verändern: nicht nur dein Produkt oder deinen Arbeitsfluss. Letztlich kann es dein Unternehmen komplett verändern, es auf den Kopf stellen. Es kann sogar dich selbst verändern!

|

Von Helden und Abenteuern

Na toll, jetzt haben Sie Ihre Folien nach allen Regeln der Kunst entworfen, haben Foliendesign-Bücher gelesen, alles überflüssige entfernt und richtig gute Folien gemacht. Aber irgendwie ist der Vortrag trotzdem nicht so gut angekommen. Warum? Weil Sie sich eben zu sehr auf die einzelnen Folien konzentriert haben. Spannend wird ein Vortrag aber nicht durch die Aneinanderreihung von Folien. Wer eine halbe Stunde lang die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer halten möchte, der braucht eine Story.

Genau darum geht es in meinem nächsten Vortrag „Von Helden und Abenteuern“. Der Vortrag findet am 21. April in der Bonner Andreas-Hermes-Akadmie, in die ich immer wieder gerne zurückkehre. In dem Vortrag gebe ich Anregungen, wie Sie aus jedem Thema, also auch aus Ihrem, eine spannende Story machen. Und ich bin sehr, sehr gespannt darauf, im Anschluss an den Vortrag Ihre spannenden Stories zu hören. Beginn ist 19:30 Uhr, der Eintritt ist frei. Ich freue mich darauf, Sie zu sehen.

Weitere Informationen zu dieser und weiteren Veranstaltungen gibt es auf der Termin-Seite. Sehr gespannt bin ich auf den Workshop Ende Mai, indem wir mit maximal 4 Teilnehmern intensiv die Präsentationen der Teilnehmer analysieren und überarbeiten.
|