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Wiederholung Archive - Dr. Gerharz - Überzeugend Präsentieren

Sagt der Präsentations-Experte zu seinen Jüngern

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Sagt der Präsentations-Experte zu seinen Jüngern: „Sagt ihnen, was ihr ihnen sagen werdet; dann sagt es ihnen; und danach sagt ihnen, was ihr ihnen gesagt habt.“

Und die Jünger tun, wie ihnen geheißen: „Ich möchte meinen Vortrag beginnen mit der Gliederung blah, blah, blah … Auf dieser Folie sehen Sie blah, blah, blah … Auf der nächsten Folie kommen wir zu blah, blah, blah … Lassen Sie mich zusammenfassen blah, blah, blah …

Und das Publikum entschlummert sanft, denn die Jünger haben die Regel nicht verstanden.

Was wollt ihr ihnen sagen?

Ich bin kein Freund dieser Regel, denn auch ich finde sie missverständlich. In einer überzeugenden Präsentation geht es nicht darum, Botschaften „einzuhämmern“ durch ständiges wiederholen. Eine gute Präsentation hat eine glasklare Botschaft („was ihr ihnen sagen wollt“) und jeder Satz, jede Geste, jede Folie dient dazu, diese Botschaft zu transportieren. Wenn ich das gut mache, dann muss ich nicht alles dreimal sagen, einmal in der Gliederung, noch einmal im Hauptteil, und noch einmal in der Zusammenfassung.

Wohin geht die Reise?

Viel besser hätte mir gefallen, hätte der Experte gesagt: „Sag’ ihnen, wo die Reise hingeht; bring’ sie sicher dorthin; und dann sag’ ihnen, was sie dort tun sollen.“

Oder noch bodenständiger: Sag’ ihnen das Thema deiner Präsentation, z.B. das Problem, das du lösen möchtest. Meist wird das ein Problem sein, bei dem den Zuhörern der Schuh drückt.

Dann beantworte die wichtigen Fragen, die dein Publikum zu diesem Thema hat, z.B. mit Hilfe von lehrreichen Beispielen oder einfachen Diagrammen, am besten in einem spannenden roten Faden. Das ist der entscheidende Teil. Wenn du ihn gut machst, dann brauchst du die Einhämmer-Regel nicht.

Danach sag’ ihnen, was die Antworten als Fazit für sie bedeuten, z.B. mit einem motivierenden Schlusssatz, etwa so: „Mit diesem Verfahren verringern Sie den Produktionsausschuss um 50% bei geringeren Kosten. Sprechen Sie mich an, damit ich Ihnen zeigen kann, wie es auf Ihre Anlage passt.“

Der Unterschied zur Einhämmer-Regel ist gering – aber sie macht den Unterschied zwischen einem langweiligen und einem spannenden, einprägsamen Vortrag aus.

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Was schon im Ansatz kaputt ist, rettet auch ein wenig Farbe nicht. Auf dieser Folie, die ich neulich (so ähnlich) in einem Vortrag sah, sollen die farblich markierten Flächen helfen, die Folie übersichtlicher zu machen und die vier Aspekte visuell zu trennen:

Pasted Graphic 11

Gedacht war die Färbung sicher zur besseren Strukturierung der vier Teilaspekte, vermutlich nachdem der Autor festgestellt hat, dass die Folie ohne die Farben ziemlich unübersichtlich war, das hätte nämlich so ausgesehen:

Pasted Graphic 12

Leider hat er damit nicht die Ursachen, sondern lediglich die Symptome bekämpft. Anstatt durch (im Grunde genommen) bedeutungslose Farben, die eher willkürlich und quietschbunt daherkommen (und auch im übrigen Vortrag nicht weiter verwendet wurden), hätte er mit ein paar grundlegenden Designregeln viel mehr erreicht. Aber zunächst machen wir uns einmal auf die Suche nach den Ursachen der Unübersichtlichkeit:

1. Großbuchstaben sind nicht gut lesbar

Vermutlich um die Wichtigkeit jeder einzelnen Empfehlung zu betonen, wurde der komplette Text in Großbuchstaben gesetzt. Problematisch ist dabei vieles: Erstens verliert jede Auszeichnung ihre Bedeutung, wenn alles ausgezeichnet ist. Wenn alles wichtig ist, wird letztlich alles unwichtig. Zweitens sind Texte in Großbuchstaben schwer lesbar, weil ihnen eine visuelle Struktur fehlt. Das erkennt man z.B. hier:

Pasted Graphic 15

Da alle Großbuchstaben gleich hoch sind, nimmt sie das Auge aus der Ferne als einen großen Block wahr. Normale Text wechseln dagegen Groß- mit Kleinbuchstaben ab, die wiederum Ober und Unterlängen haben. Dadurch erhalten Wörter eine Struktur, die z.B. auch beim Überfliegen eines Textes hilft, die Bedeutung der Worte zu erfassen, ohne genau zu lesen.

2. Es fehlt Kontrast

Kontrast hilft dabei, wichtige von weniger wichtigen Informationen zu trennen. Auf dieser Folie besteht der einzige Kontrast jedoch in der Verwendung von Aufzählungspunkten, durch die Überschriften von Inhalten getrennt werden. Wenn jedoch alles mehr oder minder gleich aussieht, hat das Auge keine Stützpunkte, an denen es sich orientieren kann, um die Struktur und Hierarchie der Inhalte zu erkennen. Es bleibt letztlich nichts anderes übrig, als die Folie von oben nach unten zu lesen. (So ziemlich das Schlimmste, was einem Vortragenden passieren kann, denn in der Zeit hört sein Publikum ihm nicht zu.)

Mit zwei leichten Modifikationen hätte man hier also erheblich mehr erreicht als durch die Farbflächen, z.B. so:

Pasted Graphic 14

Die Strukturierung der Inhalte erfolgt hier letztlich durch das Designprinzip der Nähe, indem zusammengehörige Dinge auch räumlich nah beieinander stehen. Die Hierarchie der Inhalte wird durch das Designprinzip des Kontrastes erreicht, indem die vier Überschriften deutlich hervorstechen. Wer lieber dem Vortragenden zuhört als zeilenweise Text zu lesen, behält hierdurch gleichtzeitig eine gute Orientierung. Letztlich stellt das Prinzip der Wiederholung sicher, das gleiches auch gleich aussieht. Sämtliche Überschriften sind in der gleichen Schrift und der gleichen Farbe gehalten, so dass man auch keine Bedeutung in unterschiedlichen Farben suchen muss, wo keine ist.

Verwenden würde ich die Folie so übrigens trotzdem nicht, allenfalls als Handout, denn während des Vortrags kann man sich all das ohnehin nicht merken. Im Zweifel wird man durch das Lesen der Texte eher davon abgehalten, den (wichtigeren) Worten des Vortragenden zuzuhören.

Möglichkeiten, das besser zu machen, gibt es aber nahezu beliebig. Ich glaube sogar, dass man hier eine Folie gar nicht unbedingt gebraucht hätte. Viele der Informationen sind völlig naheliegend. Spannender und einprägsamer könnte es daher sein, anstatt eines Monologes den Dialog mit dem Publikum zu suchen, z.B. über typische Vorurteile zu diskutieren oder weitere Möglichkeiten des Einsparens zu besprechen, die vielleicht gar nicht auf der eigenen Liste standen. Sicher, dafür sollte man dann schon ziemlich gut vorbereitet sein. Aber ist das ein Argument?

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Spannende Geschichte

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Dass ich Geschichte in der Schule richtig langweilig fand, lag wohl auch an unserem Lehrer, der uns meist lieber Telekolleg-Sendungen zeigte, als eine ordentliche Stunde vorzubereiten. Dass man geschichtliche Zusammenhänge aber auch so aufbereiten kann, dass es wirklich Spaß macht zuzusehen, zeigt Axel Rudolph mit seiner Diplomarbeit, in der er die Ursachen für den Nahostkonflikt erklärt. Sehr gut gemacht (5 min):

Den besonderen Reiz des Videos machen natürlich die Animationen und Übergänge aus, aber auch aus der Bildersprache kann man einiges für die eigene Präsentation lernen.

Pasted Graphic 2

Sehr überzeugend ist z.B. die konsequente Anwendung des Design-Prinzips Wiederholung. Eingeführt werden die Symbole für die Israeliten (Davidstern) und die Araber (Mondsichel mit Stern) bei der Rückblende ins Jahr 135 n. Chr. Gleichzeitig werden den beiden Bevölkerungsgruppen die Farben blau (Israeliten) und grün (Araber) zugeordnet. Diese beiden Erkennungszeichen werden durchgängig im gesamten Video verwendet, wenn auf die Bevölkerungsgruppen Bezug genommen wird. Andere Beteiligte werden mit schwarzer Farbe bezeichnet.

Sehr wirkungsvoll ist auch, wie immer wieder vom Einzelnen auf das Große geschlossen wird, z.B. wenn sich Zahlen aus Menschensymbolen zusammensetzen oder das Ausmaß der Selbstmordattentate durch explodierente Punkte veranschaulicht wird, die schließlich im Teufelskreis aus Attentat und Vergeltung aufgehen. Das ist erheblich wirkungsvoller, als einfach die Zahl der Opfer oder die Zahl der Anschläge zu nennen.

Letzlich ist aber vielleicht die größte Stärke des Videos, dass es Geschichte zu einer Geschichte macht. Es ist nicht bloß eine Aneinanderreihung von Fakten, sondern es verknüpft die Fakten durch geschickte Übergänge und durch konsequente Verwendung von Symbolik. Auch das ist letztlich Präsentieren auf einer Pobacke.

[gefunden im designtagebuch]

Links zu dem Thema:
Sehenswerte Sprint-Werbung, die auch von einer animierten Story lebt
Animiertes Informationsvideo zu Trusted Computing
Blog von Axel Rudolph 

Die vier Prinzipien professionellen Designs

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In ihrem hervorragenden Buch Design & Typografie behauptet Robin Williams, jeder könne ein besserer Designer werden, wenn er vier Prinzipien berherzigt: Nähe, Ausrichtung, Wiederholung, Kontrast. Wie einfach es tatsächlich ist, durch Anwendung dieser vier Regeln ein völlig langweiliges Design in ein ansprechendes und interessantes Design zu verwandeln, möchte ich Ihnen an einem Beispiel vorführen, das ich schrittweise anhand der Regeln überarbeite.

Als Ausgangspunkt dient die fiktive Titelfolie eines PowerPoint-Vortrags wie Sie sie sicher schon häufig gesehen haben:

Beispiel-Titelfolie: Langweilig und ungeordnet

Zwar lässt sich der Titel gut lesen, aber die übrigen Angaben sind über die Folie verstreut, so dass das Auge nicht weiß, wohin es zuerst blicken soll; man erkennt keine Hierarchie und springt zwischen den einzelnen Elementen hin und her. Das Layout wirkt ungeordnet und langweilig.

Prinzip 1: Nähe

Das Prinzip der Nähe besagt, dass Elemente, die inhaltlich zusammengehören, auch räumlich nah angeordnet werden sollen. Dadurch wird den Elementen eines Designs eine logische Struktur verliehen. Und tatsächlich, wenn wir als einzige Änderung die räumliche Anordnung der Elemente anpassen, sieht das Layout um einiges geordneter und übersichtlicher aus:

Prinzip Nähe: Räumlich anordnen nach inhaltlicher Zusammengehörigkeit

Prinzip 2: Ausrichtung

Das Prinzip der Ausrichtung besagt, dass kein Element auf einer Seite willkürlich angeordnet werden soll. Durch eine einheitliche Ausrichtung der Elemente verstärken Sie deren Zusammengehörigkeit. Gerade wenn es um Überschriften und Titel geht, wird sehr oft eine zentrierte Ausrichtunge gewählt, sie ist aber nicht die Wirkungsvollste. Zwar ist Symmetrie ein naheliegendes Formprinzip, es wirkt aber auch schnell langweilig. Wenn Sie eine links- oder rechtsbündige Ausrichtung wählen, wirkt das Design noch aufgeräumter, weil Sie eine unsichtbare Verbindunglinie erzeugen, die die Zusammengehörigkeit, in anderen Worten die Einheit des Designs verstärkt:

Prinzip Ausrichtung: Elemente nicht willkürlich anordnen

Prinzip 3: Wiederholung

Das Prinzip der Wiederholung besagt, dass bestimmte Gestaltungselemente innerhalb eines Designs wiederholt werden sollen. Wiederholung stärkt den Wiedererkennungswert eines Designs. Durch wiederkehrende Elemente wie z.B. gleiche Schriften, Farben, Betonungen etc., findet sich das Auge leichter zurecht, der Aufbau des Designs wird strukturierter. Besonders hilfreich ist das natürlich bei größeren Dokumenten. Wenn sich über sämtliche Folien eines Vortrags hinweg bestimmte Gestaltungselemente, etwa zur Betonung, wiederholen, kann sich der Betrachter schneller orientieren. Aber auch auf einer einzelnen Folie lässt sich die Wirkung durch Wiederholung verstärken, z.B. einfach durch Grautöne:

Prinzip Wiederholung: Wiederholungen stärken die Einheit eines Designs

Prinzip 4: Kontrast

Das Prinzip des Kontrasts besagt, dass sich zwei Elemente, die sich nicht gleichen, deutlich unterscheiden sollen. Mit anderen Worten: Sei kein Frosch! Die deutliche Betonung wichtiger Elemente macht ein Design interessanter und weckt somit die Bereitschaft, genauer hinzuschauen. Es hilft auch bei der Strukturierung der Informationen, indem wichtige von unwichtigeren Inhalten besser getrennt werden und so eine klare Hierarchie vorgegeben wird, in der die Informationen zu betrachten sind. Wenn wir die Schriftunterschiede vergrößern und Farbe zur Erhöhung des Kontrastes einführen, wirkt die Folie noch einmal ansprechender:

Prinzip Kontrast: Kontraste machen ein Design interessanter

Vier einfache Prinzipien, die die Wirkung einer Folie drastisch erhöhen. Dazu gehört keine Zauberei, sondern einfach ein bisschen Sorgfalt bei der Anwendung der vier Prinzipien und ein wenig Mut bei deren Umsetzung: Sei kein Frosch. Probieren Sie einfach einmal ein bisschen aus. Sie werden sehen, welch erstaunliche Wirkung Sie mit ganz einfachen Mitteln erzielen, wenn Sie sich nur trauen. Ein Tipp noch zum Schluss: Haben Sie keine Angst vor Freiflächen, oft sind es gerade die (bewusst) ungenutzten Flächen, die ein Design interessant machen. Als Appetitanreger folgen noch ein paar weitere Layouts der Titelfolie:

Fertiges Beispiel 1: Andere Schrift und kleine SymboleFertiges Besipiel 2: Rechtsbündig
Fertiges Besipiel 3: Kontrast durch zweifarbigen HintergrundFertiges Besipiel 4: Auch Serifenschriften können funktionieren

Links zu dem Thema:
Design für Nicht-Designer
Keine Entschuldigung mehr für schlechte Folien
Zahlen oder Bilder?

Design für Nicht-Designer

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Buchcover: Robin Williams – Design und Typografie

Jeder ist ein Designer, zumindest wenn er schon einmal einen Flyer, eine Visitenkarte, eine Einladung, einen Bericht, Folien für einen Vortrag oder was auch immer entworfen hat. Die meisten verlassen sich dabei jedoch auf ihr Bauchgefühl und haben eine eher vage Vorstellung von „das sieht gut aus“ oder „das sieht nicht gut aus“. Das wird sich ändern, wenn Sie Design & Typografie von Robin Williams lesen.

Die Kernaussage des hervorragenden Buches lautet: Design ist einfach und jeder – wirklich jeder – kann wirkungsvolle, optisch ansprechende Designs entwerfen. Und tatsächlich, während man das Buch liest, fühlt man sich, als könne man gleich loslegen mit der Designer-Karriere. Der Autorin gelingt es, in sehr einfacher Sprache die wichtigsten Grundsätze professionellen Designs zu erläutern und anhand anschaulicher, weil alltäglicher Beispiele verständlich zu machen. Durch die zahlreichen Beispiele erhält man zugleich viele Anregungen, wie man die Empfehlungen für die eigene Arbeit nutzen kann.

Im Wesentlichen reduziert Robin Williams erfolgreiches Design auf vier Grundprinzipien: Nähe, Ausrichtung, Wiederholung und Kontrast, die sie ausführlich erläutert. Daneben gibt es einen kleinen Exkurs in die Typografie, um Schriften bewusster und zielgerichteter auswählen und einsetzen zu können. Zahlreiche kleinere und größere Tricks und Kniffe runden das Buch ab. Ein Ratschlag bleibt dabei in besonderer Erinnerung: Sei kein Frosch, sei mutig!

Natürlich werden Sie nicht über Nacht zum Profi-Designer, nur weil Sie dieses Buch gelesen haben. Aber Sie werden die Welt mit anderen Augen betrachten, weil Sie verstehen und benennen können, was Sie täglich sehen; in Zeitschriften, auf Plakaten, auf Folien usw. Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie in der Lage sein zu sagen: „das sieht gut aus, weil…“ oder „das sieht nicht gut aus, weil…“ Das wichtigste dabei: Sie können das auch über Ihre eigenen Entwürfe sagen. Und wenn Sie einmal begonnen haben, durch diese Brille zu schauen, werden Sie kaum einen Weg zurückfinden, sondern nach mehr verlangen. Einen besseren Einstieg als dieses Buch werden Sie schwer finden.

Übrigens: Das Buch ist die Übersetzung der dritten Auflage des englischen Bestsellers The Non-Designer’s Design Book, das nun erstmals in Farbe erschienen ist.

Links zu dem Buch:
Leseprobe auf der Webseite des Verlags
Design & Typografie bei Amazon
Das englische Original The Non-Designer’s Design Book bei Amazon
The Non-Designer’s Design & Type Book, zwei Bücher in einem (das deutsche „Design & Typografie“ entspricht nur dem englischen „Design-Book“, nicht diesem Doppelbuch)
Homepage von Robin Williams

Wenn Designer Folien designen

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Beispielfolie aus Kerrs Präsentation

Es spricht sich langsam herum, dass langweilige Präsentationsfolien kein Naturgesetz sind. Eine sehr interessante Art, Folien zu designen, hat Bernhard Kerr, Designer beim Internetdienst del.icio.us, bei seinem Vortrag auf dem Innovationsforum Interaktionsdesign im März vergangenen Jahres angewendet.

Kerr sprach über das Design von grafischen Benutzerschnittstellen für E-Mail-Programme und Bookmark-Webseiten. Seine Experimente dazu sind durchaus sehenswert, interessieren uns hier aber nur am Rande. Spannender ist das Folienlayout: extremer Blocksatz, der konsequent auf Großbuchstaben setzt und Zeilenzwischenräume fast vollständig eliminiert.

So könnte Kerrs Beispielfolie mit herkömmlichen Bullet Points aussehen

Das geht zwar ein wenig auf Kosten der Lesbarkeit, ermöglicht aber einige interessante Effekte. So ist etwa in dem Beispiel oben automatisch durch das Layout eine hierarchische Ordnung vorgegeben, indem die Listeninhalte unterschiedlich groß sind. Mit herkömmlichen Bullet Points wäre das erheblich undeutlicher.

Damit dieser Effekt funktioniert, müssen die Worte natürlich geschickt gewählt werden und die wichtigeren Aussagen mit weniger Zeichen ausgedrückt werden als die unwichtigen. Das beherrscht Kerr aber durchaus virtuos, etwa auch in den folgenden Beispielen, wo die Betonung ganz konsequent auf „tree“, „messages“ und „arcs“ liegt.

Sehr interessant ist auch der Wechsel zum zweiten Teil seines Vortrags, der schon rein optisch sofort klar wird. Kerr ändert nämlich sein Layout radikal, indem er nun konsequent klein und in einer Zeile schreibt.

Der zweite Teil in Kerrs Vortrag hat ein völlig anderes Layout

Das Video sollten Sie sich in jedem Fall einmal ansehen. Der Vortrag selbst hat sicher ein paar Schwächen, aber von der Foliengestaltung kann man einiges lernen. Zwar ist dieses spezielle Layout wohl nicht für jede Präsenationssituation geeignet, aber ich halte es für einen gelungenen Ansporn, einmal aus den PowerPoint-Vorlagen auszubrechen und etwas neues zu versuchen.

[gefunden bei information aesthetics]

Lästern kann jeder

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Daumen runter, Daumen hoch

Lästern kann jeder. Aber wenn’s um’s besser machen geht, darf man dann auch nicht kneifen. Tu’ ich auch nicht.

Nachdem ich kein gutes Haar an Dr. Chatzimarkakis Präsentation auf dem CeBIT-RFID-Forum gelassen habe, möchte ich in diesem Artikel zeigen, wie man es besser machen kann.

Ich beschränke mich aber auf einen Aspekt seines Vortrags, statt den gesamten Vortrag zu besprechen – schließlich wollen wir uns ja auf das Wesentliche konzentrieren. Dazu greife ich mir den Mittelteil des Vortrags heraus, in dem es um eine Workshop-Reihe geht, die die EU zur Meinungsfindung nutzen möchte, um ihre Entscheidungen zum RFID-Thema vorzubereiten. Ich schlage vor, Sie lesen die entsprechenden Folien einmal zügig durch und überlegen dann, ohne erneut auf die Folien zu schauen, was bei Ihnen hängen geblieben ist.

Beispielfolie 1Beispielfolie 2Beispielfolie 3Beispielfolie 4Beispielfolie 5Beispielfolie 6

Was sind eigentlich die wesentlichen Aussagen auf den Folien? Offenbar gibt es fünf Workshops, die sich mit verschiedenen Aspekten des RFID-Themas beschäftigen sollen. Die Workshops legen einen Bericht vor, der in die Beschlüsse zum europäischen Forschungsförderprogramm einfließt (dem framework programme 7, FP7). Das zumindest sollten Sie behalten haben. Idealerweise kennen Sie noch die Kernthemen der Workshops, denn damit haben Sie einen guten Überblick über die Tragweite des RFID-Themas.

Diese Informationen kann man im Prinzip sogar mit einer einzigen Folie transportieren, die vielleicht so aussehen könnte (wie viel behalten Sie nun?):

workshop series

Um zu dieser Folie zu gelangen, habe ich folgendes getan:

  1. Der ursprüngliche Folienhintergrund lenkt vom Text ab, er ist viel zu unruhig und vermindert den Kontrast. Der sehr kleine Text ist dadurch schlechter zu lesen. Ich habe den Hintergrund gelöscht und durch einen dezenten einfarbigen Hintergrund ersetzt, der einen guten Kontrast zum Vordergrund erlaubt und sich nicht selbst in den Vordergrund drängt.
  2. Die wesentliche Information ist in sehr großer Schrift hervorgehoben. Es ist sofort sichtbar, dass es eine Workshop-Reihe geben wird.
  3. Die langweilige Arial-Schrift habe ich durch die plakativere und modernere Haettenschweiler ersetzt. Das passt auch stilistisch besser zu dem Technologie-Thema RFID.
  4. Der ursprüngliche Text ist vollständig von der Folie verschwunden. Die wesentlichen Punkte, die beim Zuhörer hängen bleiben soll, sind aufgeführt, mehr nicht. Alle weiteren (nicht so wichtigen) Details können mündlich gegeben werden, oder auf weiteren Folien besprochen werden (s.u.).
  5. Den fünf Workshops habe ich je ein sprechendes Icon zugeordnet, damit die jeweilige Thematik auch visuell verstanden wird. Die Icons stammen von iStockphoto (verwenden Sie keine billigen Standardcliparts).
  6. Die Titel der Workshops habe ich auf ein einprägsames Schlagwort reduziert.

Um die Informationen noch besser einzuprägen, kann man zusätzlich je eine Folie zu den fünf Workshops spendieren. Das hat Dr. Chatzimarkakis auch gemacht, doch unterstützen seine Folien durch ihre Informationsfülle nicht die Einprägsamkeit seiner Worte. Besser wäre es vielleicht so:

applicationsresearchprivacystandardsspectrumZusammenfassung

In der ursprünglichen Version wurden auf jeder Folie sehr viele Informationen verpackt, die die Zuhörer ohnehin nicht behalten können, und die daher vom Wesentlichen ablenken. Stattdessen habe ich folgendes getan:

  1. Icon und Schlagwort von der Übersichtsfolie werden sehr groß platziert.
  2. Das Icon dient als visuelle Erinnerungshilfe.
  3. Das Schlagwort gibt den Kern des Workshop-Themas wieder. Den genauen Titel kann man mündlich geben und im übrigen auf Unterlagen verweisen.
  4. Statt vieler Details wird zu jedem Workshop eine Kernaussage auf die Folie geschrieben, um dem Schlagwort eine konkretere Bedeutung zu geben. Diese dient jedoch nur als Gedankenstütze und kann daher entsprechend klein gedruckt werden (sollte aber mit immer noch 26pt auch aus größerer Entfernung noch gut lesbar bleiben). Als Schriftart habe ich Helvetica Neue, fein, verwendet.
  5. Die letzte Folie fasst das Gesagte noch einmal zusammen und gibt einige Daten als Zusatzinformation.

Alle weiteren Informationen können problemlos mündlich gegeben werden, während die Zuhörer mit den plakativen Folien eine gute Gedankenstütze erhalten, mit denen Sie das Gesprochene verknüpfen können. Die Folien lenken nicht vom Gesprochenen ab, sondern unterstützen optimal das Verständnis. Die Icons veranschaulichen das Thema des Workshops zusätzlich, sodass nicht nur Text, sondern auch visuelle Information im Gedächtnis bleibt.

Natürlich bietet es sich an, einen Flyer für die Workshop-Reihe dabei zu haben, der weitere Informationen enthält. Diese können dann durchaus ausführlicher sein und auch über das Gesagte hinausgehen. Die Zuhörer nehmen dann gleich zwei Dinge mit nach Hause. Die Erinnerung an einen interessanten Vortrag und eine gedruckte Information, zu der Sie durch den Vortrag die richtigen Assoziationen haben.

Zum Abschluss noch einmal die Frage: wenn Sie sich die beiden Foliensätze noch einmal ansehen, welcher vermittelt die Informationen einprägsamer?

Natürlich sind meine Vorschläge nicht die einzige Möglichkeit, die Folien zu verbessern, es gäbe unzählige weitere (und sicher auch noch bessere). Die Vorschläge machen aber anschaulich, was schon mit wenig Aufwand möglich ist, ich habe keine 20 Minuten dafür benötigt.

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