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Gastbeitrag Archive - Dr. Gerharz - Überzeugend Präsentieren

Anke Tröder: The Writing on the Wall

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Was vor 15 Jahren die Cliparts waren, sind heute die Stock-Fotografien. Halbwegs professionelle Fotos aus günstigen Foto-Datenbanken überschwemmen Präsentationsfolien mit manchmal witzigen, oft skurrilen Motiven, immer wieder von Menschen in Businessanzügen, die sich die Hände schütteln. Das nervt genauso wie die Cliparts vor 15 Jahren.

Dass es auch ganz anders geht, mit Bildern, die etwas zu sagen haben und Ihre Handschrift tragen, weil es nämlich Ihre eigenen Bilder sind, beschreibt Anke Tröder im folgenden Gastbeitrag am Beispiel Streetart.

Anke Tröder ist seit rund 20 Jahren Trainerin für Kommunikationsseminare und seit 1992 Lehrkraft für besondere Aufgaben an der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Dort lehrt sie am Institut für interdisziplinäre Wissenschaften (IIW) Präsentation und Rhetorik auf Deutsch und Englisch. Sie unterstützt die Gründerinitiative der HAWK durch Vorbereitung auf interne und externe Wettbewerbe. Ihre Gedanken zum Thema Präsentieren veröffentlicht sie in ihrem Blog teachandtrain.de.
The writing on the wall von Anke Tröder

Mit eigenen Fotos und Streetartfolien Präsentationen entglätten und gegen den Strich bürsten.

Wir wissen inzwischen alle, dass im Präsentationsland Bilder unsere Botschaften besser und schneller in Köpfe transportieren als Text auf Folien. Bilder stellen Fragen, Bilder geben Antworten. Bilder erzählen Geschichten.

Wenn es denn die richtigen Bilder sind.

Bilder für Präsentationen haben ihre eigenen Spielregeln, nicht alles ist gleich gut geeignet. Was bei einer Ausstellung im großen Rahmen wirkt, verpufft bei einer Beamerpräsentation. Das Digitale berührbar machen, darum geht es mir.

Bilder brauchen Kontext

Butterflysoulfire

Was Bilder selten tun, ist mehr als tausend Worte zu sagen. Das einfachste Foto kann zu ganz verschiedenen Interpretationen führen. Selbst diese simple Einstiegsfolie mit einem Foto des Berliner Modelabels Butterflysoulfire ins Thema Präsentieren ist nicht auf den ersten Blick klar. Worum es mir bei einem Bild geht, muss ich also erklären, damit sich mein Publikum ein Bild machen kann.

Butterflysoulfire

Thema Lamenfieber

Schmetterlinge im Bauch sind das eine, aber eine Präsentation braucht auch Herz oder Seele. Wenn die Schmetterlinge allerdings zu sehr zappeln, springt der Funke nicht über zwischen Ihnen und Ihrem Publikum. Sind Ihre Bilder zu glatt, zu schön, zu abgenutzt, zu perfekt, springt auch nichts.

Ich selber arbeite daher fast ausschließlich mit meinen eigenen Fotos. Größter Vorteil: Keine Copyrightprobleme. Mindestens eine Kamera habe ich eigentlich immer dabei, und wenn es nur das Handy ist, mit dem ich einen Schnappschuss von hundert tanzenden Papierschmetterlingen in einem Schuhgeschäft mache

Sie sind der Kontext

Natürlich ist dadurch meine Bildauswahl begrenzt. Begrenzt bedeutet aber auch überschaubar und überschaubar spart mir viel Zeit. Natürlich ist diese Auswahl auch nicht perfekt. Das perfekte Bild für einen Vortrag gibt es jedoch nicht. Sie definieren den Kontext, und im Grunde können Sie fast jedes Bild passend machen für ein beliebiges Thema.

Eigene Bilder als Gedächtnisstütze

Therapy

Natürlich ist so eine Auswahl auch sehr persönlich. Aber so arbeite und lebe ich. Ich lebe mit und für mein Thema Präsentieren, und meine Fotos sind persönliche Erinnerungen, Tage, Nächte, Assoziationen, Gedankenstützen, Tagebuch und Mutmacher.

Eigene Bilder sind ausgezeichnete Anker und Gedächtnisstützen. Ich kenne meine Bilder so gut, dass ich genau weiss, was ich mit ihnen sagen möchte.

Ich arbeite meist ohne Textskript, lediglich mit einem Ausdruck der Folienübersicht und ein paar Stichworten in der Notizenansicht von Keynote respektive PowerPoint. Daraus kann ich hinterher leicht ein Skript für die Teilnehmenden erstellen kann.

Wir haben alle ein Grundthema

Ihr Thema

Jeder von uns arbeitet im Grunde mit so einem begrenzten Themenfeld. Selbst wenn der Bereich Präsentieren schier unendlich zu sein scheint, geht es doch immer wieder um dieselben Aspekte: Lampenfieber, Körpersprache, Struktur und Aufbau, Rhetorik, Kommunikation, visuelle Didaktik, Lernpsychologie …

Diese Themen sind Schubladen in meinem Kopf. Wenn ich mit meiner treuen alten EOS 350 unterwegs bin, sind diese Schubladen immer leicht geöffnet:

Oh, schönes altes Fachwerkhaus! – Das gehört zu Struktur und Aufbau.

Leckeres Frühstücksbuffet! – Kommt in die Schublade Inhalt: Nur nicht zuviel auf einmal. Immer schön häppchenweise servieren.

Angst lebt auf der Straße. – Thema Lampenfieber die x-te.

Brauche ich ein Bild, weiß ich ziemlich genau: Da habe ich doch was. Habe ich nichts, mache ich mir ein Bild davon.

Die beiden folgenden Folien zum Aspekt Schmetterlinge im Bauch sind verknüpft mit einer Geschichte, die ich mir nicht merken muss: Sie steckt schon im Foto. Two-in-one.

Angst ist die Vorstellung von etwas.Verändern wir unsere Vorstellung, verändern wir unsere Angst.

Glatt vs. gritty

 

Typisches Stock-Foto

Was mich langweilt – und das sehe ich als eins der Hauptprobleme bei der zunehmenden Verwendung von Bildfolien – sind die glatten, immer gleichen, leicht verdaulichen Abbildungen von Menschen in Business-Anzügen, freigestellt, in istockphoto.com-Optik. Walking clichés.

Solche Fotos verleihen Ihrer Präsentation die Ästhetik (und Austauschbarkeit) eines IKEA-Katalogs. Zu nichtssagend. Zu digital. Zu tausendmal gesehen. Daran rutschen Auge und Geist gleichermaßen ab. Wenn Sie präsentieren, sollten Sie aber nicht gegen Ihre Medien arbeiten müssen.

Verboten

Wenn ich unterwegs bin, bin ich deshalb mit mindestens einem Auge immer auf der Suche nach Streetart. Nach Graffiti, nach Stickern, nach Stencils. Nach Anzeigen an einem Laternenpfosten. Nach Zeichen urbaner menschlicher Kommunikation. Nach ein wenig angerauter Wirklichkeit im digitalen Seminarraum. Ein wenig Grittiness. Sand im Getriebe. Und ja. Vieles davon ist illegale Kunst, das macht sie aber nicht schlechter.

Streetart und Copyright

Wichtig: Ganz los sind Sie das Thema Copyright auch bei Streetart nicht. Vor einiger Zeit hat ein Postkartenverlag Fotos von Graffiti veröffentlich und wurde von den Künstlern prompt verklagt. Auch illegale Kunst hat Rechte. Ich finde das übrigens sehr charmant. Nicht immer weiß man jedoch, von wem ein Wandgemälde ist. In dem Fall empfehle ich einen kleinen Zusatz, wie er für fast alle meine Bilder gilt: Gesehen in Berlin.

Für den Rahmen eines Vortrags an einer Hochschule oder in einem Meeting sind Sie einigermaßen auf der sicheren Seite. Was Sie anschließend ins Netz stellen und veröffentlichen, ist dann wiederum Ihre Sache.

Streetart, dein Freund und Helfer

Don’t tell anyone

Manchmal kommt der Text und damit die Idee gleich mit. Die nebenstehende Folie benutze ich, wenn ich erkläre, dass beim Präsentieren viele Probleme für die Zuhörenden unsichtbar bleiben, es sei denn, wir weisen vor Nervosität all zu laut und deutlich darauf hin: „Mist, da fehlt eine Folie.“ oder „Ich habe vorhin etwas Wichtiges vergessen.“

Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß, und meistens ist es nicht wichtig genug, um großen Trommelwirbel zu veranstalten. Metakommunikation hilft nur selten. Schicken Sie das Vergessene per E-Mail hinterher oder setzen Sie es ins Handout.

Postproduction

Verdammt … Text vergessen

Manchmal schreibe ich neuen Text dazu. Streetart ist nicht immer stubenrein. Dann muss man sich das Fundstück eben zurecht schneiden. Oder als Diskussionsanlass verwenden.

Im nebenstehenden Fall habe ich z.B. das Wort „Scheisse“ durch „Verdammt“ ersetzt und die Ellipse (die drei Auslassungspunkte) mit einem Leerzeichen davor versehen. Spießig vielleicht, aber auch das ist künstlerische Freiheit.

Schräge Optik hält besser

Verwende ich Präsentationsfolien mit Streetart, füge ich die Bilder meistens vollflächig ein. Streetart braucht Raum.

Angst – man zittert vor Angst …

Weil das aber schnell eine zu glatte Wohnzimmerdiashowoptik erzeugen kann, benutze ich oft einen Rahmen, den ich leicht versetzt anbringe. Mal so, mal so gekippt. Hauptsache schräg.

Sie können die Rahmenfarbe passend zum Foto wählen oder aber mit verschiedenen Farben arbeiten und so auch einen Farbcode einbauen für verschiedene Teilbereiche. Hauptsache, Ihr Publikum versteht Ihre Farblogik. So wie hier: Angst ist Adrenalin. Angst ist blutrot.

Überschriften helfen weiter

Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen

Brauche ich eine Überschrift, setze ich sie in ein halbtransparentes Textfeld, das sich optisch zurücknimmt. Nehmen Sie keinen Font, der allzu technisch oder glatt ist. Auch keinen Graffitifont, der nur schlecht zu lesen wäre.

Ich selbst benutze gerne American Typewriter, einen Font, der gut lesbar ist und trotz oder gerade durch die Schreibmaschinenanmutung sehr manuell wirkt.

So eine Überschriftenfolie können Sie besonders gut zur Strukturierung und zur Vertiefung einsetzen: als visuelle Anapher, als Echo, um die Kernaussage auf den Punkt zu bringen. In meinem Einführungsseminar benutze ich die nebenstehende Folie fünfmal. Dieser Satz ist mein Arbeitscredo: Präsentieren bedeutet, mit Menschen zu sprechen!

Layout mit Wiedererkennungswert

Beim Einsatz von Bildfolien wird von Anfängern häufig jede Folie als Einzelfolie gestaltet, statt als Teil eines Ganzen. Das bedeutet für das Auge, dass es sich immer wieder neu zurechtfinden muss. Schwarzer Hintergrund, weißer Hintergrund, lauter Hintergrund. Das tut den Augenmuskeln weh, macht müde und senkt die Aufmerksamkeit. Wie bei einer Loseblattsammlung aus grellbunten Ansichtskarten, auch da fehlt ein verbindendes Element; das wirkt schnell unprofessionell.

Gute Slideshows hingegen haben eher Magazincharakter. Jede Seite ist anders, aber alle Seiten gehören zusammen; es gibt eine gestaltende Handschrift, ein Layout mit Wiedererkennungswert.

Streetart bringt ihren eigenen visuellen Rahmen gleich mit. Trotz unterschiedlichster Techniken und Stile passen Ihre Slides dadurch zusammen, ohne langweilig zu werden.

Ob Streetart für Ihr Publikum geeignet ist, müssen Sie selbst entscheiden. Ob Sie mit solchen Folien glaubwürdig sind, auch. Meine Kunden sind junge Menschen aus den Bereichen Gestaltung, Architektur und Soziale Arbeit. Ich schreibe und fotografiere. Das passt.

Mitnehmsel für Sie

Brauch ich den ganzen Mist wirklich

Diese letzte Folie ist seit kurzem meine Eröffnungsfolie für Pflichtseminare Präsentation. Einwandvorwegnahme klassisch und visuell.

So etwas ist Gold wert, finde ich, und weil man diese Frage bei vielen verschiedenen Anlässen stellen kann, können Sie das Orignalfoto hier in einer größeren Auflösung herunterladen, wenn Sie mögen.

Viel Erfolg und Freude damit! Wenn sich die Künstlerin dann bei Ihnen melden sollte, bedanken Sie sich bitte von mir bei ihr!

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Zeit für Inspirationen
Augen auf
Alle Gastbeiträge

Christoph Koeberlin: In 10 Schritten zu besserer Typografie in Präsentationen

By | Allgemein
Porträt Christoph Koeberlin
Wissen über den richtigen Umgang mit Typografie findet man entweder in (meist schwer verdaulicher) Fachliteratur oder als (genauso ungenießbares) Halbwissen vom Freund eines Freundes. Christoph Koeberlin ist angetreten, das zu ändern.

Auf seiner Webseite Typefacts beschreibt er verständlich und anschaulich an unzähligen praktischen Beispielen die Grundlagen der Typografie. Neben Grundlagenartikeln, z.B. über die vier größten Typo-Sünden, finden sich nützliche Listen der besten Free-Fonts und Alternativen zu überstrapazierten Standardschriften.

Christoph Koeberlin ist Schriftentwickler bei FSI Fontshop International, einem der größten Schriftverlage, und entwickelt unter der Marke treehorn im Kundenauftrag maßgeschneiderte Schriften. Ich habe ihn gebeten, die zehn wichtigsten Schritte zu besserer Typografie in Präsentationen auf den Punkt zu bringen.

In 10 Schritten zu besserer Typografie in Präsentationen

von Christoph Koeberlin

Grundsätzliches

1. Qualität, Authentizität, Anmutung – Schrift auswählen

Die Schriftart ist das Aushängeschild jeder Präsentation. Für den Laien selten ersichtlich, ist die Wahl der Schrift sehr aussagekräftig, und es lohnt sich, die Entscheidung für eine Schriftart mit Bedacht zu treffen.

Im Optimalfall ist sie hochwertig, individuell und zum Thema passend. Wo also suchen?

Systemschriften

Mit einem Betriebssystem lizensierst Du automatisch eine Vielzahl an Fonts. Doch der Nachteil hier ist, dass Du damit nicht allein bist.

Die neueren Microsoft-Fonts wie Corbel, Constantia oder Candara wirken immer noch frisch und sind somit eine gute Wahl, wohingegen die völlig überbeanspruchten alten Systemfonts wie Arial, Times New Roman oder gar Comic Sans unbedingt zu vermeiden sind – denn ob Kleidung oder Schrift, niemand will beliebig wirken.

Microsoft Systemfonts

Professionelle Fonts

Professionelle Fonts sind in puncto Vielfalt und Qualität nicht zu schlagen – allerdings kostet die Lizensierung Geld, und eine Privatperson wird sich die Investition angesichts der akzeptablen Alternativen zumeist sparen.

Profi-Font FF Clan

FF Clan (42 verschiedene Schriftschnitte, Ziffern für Groß- und Kleinbuchstaben, Kapitälchen etc. pp.)

Free-Fonts

Kostenlose Fonts sind wegen der erheblichen Qualitätsunterschiede mit Vorsicht zu genießen. Von der schlechten Raubkopie bis zum professionellen, vollwertigen „Schnupperfont“ kann alles dabei sein. Auf meiner Website findest Du eine große Auswahl an Free-Fonts – zur Sicherheit solltest Du aber zumindest deren Vollständigkeit prüfen, z.B. Umlaute, das scharfe s und Anführungszeichen mit dem Begriff „Kältere Füße“.

Schlecht und gut ausgestattete Free-Fonts

Den Freefonts links (Teaspoon und Zebramond) mangelt es an essentiellen Zeichen, wohingegen Silesiana und Lacuna einen vollständigeren Zeichensatz bieten.

Du hast Dich für eine schöne, eigenständige Schrift entschieden? Dann muß sie nur noch passen!

Unpassende und angemessene Schriftwahl

Lido wirkt wesentlich seriöser und passender als Giddyup


Übrigens: Die in den Beispielbildern verwendeten Schriften sind alles Free-Fonts und Systemschriften.

2. Weniger ist mehr

Mut zur Lücke! Eine Seite ist nicht dazu da, möglichst viel Inhalte auf möglichst wenig Platz unterzubringen. Und nachdem Du in Punkt 1 eine schöne Schrift ausgewählt hast, kommt es jetzt darauf an, Dich zu zügeln …

Am besten, Du versetzt Dich selbst in die Lage des Zuhörers; Je kürzer und prägnanter die Botschaft, desto eher lädt sie zum Lesen ein. Verbal kann gern aus dem Vollen geschöpft werden, zu sehen sein sollte jedoch nur das Wichtigste – So wird der Leseanreiz hoch gehalten und das Interesse bleibt bestehen.

Weniger Text auf Folien

Der Lese- (und somit auch Zuhör-)anreiz wird gesteigert, wenn Du nicht zu viel auf einer Seite unterbringst. (Schriften: Links Arial, rechts Corbel; beides Microsoft-Systemschriften)

3. Gleiches gleich behandeln

Mag dieser typografische Grundsatz auch noch so alt sein, er verliert nie an Aktualität. Um dem Zuhörer ein größtmögliches Maß an Orientierung zu bieten, solltest Du einige grundlegende Entscheidungen treffen, die Du dann konsequent durchziehst. Die technischen Möglichkeiten laden dazu ein, Schrift, Farben und Anordnung von Seite zu Seite zu ändern; diese vermeintliche Abwechslung ruft aber sehr schnell Verwirrung hervor und lenkt vom Inhalt ab.

Bei einer Schrift-Entscheidung bleiben

Einmal getroffene Entscheidungen bezüglich Schrift, Schriftgröße, Farbe etc. sollten konseqeunt durchgezogen werden. (Schriften: Kontrapunkt, Aller Sans, Vollkorn, Stahlbeton, Anivers, Serif Beta, Lobster)

Dem Zuhörer dienen

Wir wollen es unserem Publikum so angenehm wie möglich machen. Der Zuhörer soll sich wohlfühlen und die Inhalte ohne Hindernisse aufnehmen können. Er soll sich bequem zurücklehnen können, die Augen nicht zusammenkneifen und den Kopf nicht bewegen müssen.

4. Schriftgröße

Bei der Wahl der Schriftgröße haben wir in Punkt 2 bereits wertvolle Vorarbeit geleistet – wo nicht zu viel Text steht, braucht auch die Punktgröße nicht zu klein zu sein. Allerdings sollten die Buchstaben den Leser auch nicht erschlagen. Optimal ist es, die Rahmenbedingungen der Präsentation zu kennen. Bei einer riesigen Projektion in einem 1000-Zuhörer-Saal wirkt die Schriftgröße anders als auf einem Laptop-Bildschirm in kleiner Runde.

Nicht zu große Schriften wählen

Zu große Schrift erschlägt den Leser – Lieber wie in Punkt 2 empfohlen den horror vacui ablegen. (Schrift: Serif Beta)

5. Zeilenlänge, Satzart & Zeilenabstand

Durch die tendenziell größere Schriftgröße ergeben sich in Präsentationen relativ kurze Zeilen. Dies wiederum hat zwei weitere Konsequenzen: Erstens gibt es keine Alternative zum linksbündigen Flattersatz, da Blocksatz zu große Löcher in die Zeilen reißen würde, und zweitens greift die Faustregel „Je kürzer die Zeile, desto knapper der Zeilenabstand“ – allerdings bitte nicht zu knapp.

Den Zeilenabstand nicht zu klein wählen

Im Beispiel links ist gut zu sehen, wie unregelmäßig die Wortabstände im Blocksatz werden. Der zu enge Zeilenabstand tut sein Übriges – der Absatz ist kaum noch lesbar. (Schrift: Candara [Microsoft-Systemfont])

Zeilenabstand und Zeilenlänge können auf meiner Seite interaktiv ausgekundschaftet werden.

6. Farbe & Kontrast

Die typografischen Parameter können noch so sorgfältig justiert sein; hebt sich die Schrift nicht deutlich genug vom Hintergrund ab, wird sie unleserlich.

Text vor unruhigen Grafiken absetzen

(Bild: Jepsy [ilovegraffiti.de], Schrift: Lobster)

7. Optische Achsen

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, mehrere Textabschnitte und Bilder auf einer Seite zu verwenden, solange das Ganze nicht zu unruhig wird. Am besten ist es, dem Auge Halt in Form von optischen Achsen zu geben.

Mehrere Elemente möglichst an einer Achse ausrichten

Text und Bilder an einer oder mehreren Achsen linksbündig auszurichten, gibt dem Auge Halt. (Bild: Wikipedia, Schrift: Constantia [Microsoft-Systemfont])

Liebe zum Detail

Ein schöner Text verdient auch eine perfekte Form bis ins Detail! Mit einem gepflegten Text, der auch einem genaueren Blick standhält, vermittelst Du Seriosität, Sorgfalt und Akribie – positive Eindrücke, die Dir und Deiner Präsentation nur zugute kommen können.

8. Anführungszeichen

Schreibmaschine sei Dank ist auf unserer Tastatur das einzige, was einem Anführungszeichen halbwegs nahe kommt, das völlig sinnlose doppelte Strichlein: “ – nicht mal als Zollzeichen geht es durch. Ein gepflegter Text sollte stattdessen mit den „richtigen“ oder »eleganten« (natürlich genauso richtigen) Anführungszeichen bestückt sein.

Falsche und richtige Anführungszeichen

Nur weil das doppelte Strichlein auf der Tastatur so leicht zu erreichen ist, ist es noch lange kein Anführungszeichen (Schrift: Sovereign)

Tastaturkürzel:

Tastaturkürzel für Anführungszeichen

Eselsbrücke für die „deutschen“ Anführungszeichen: 99 unten, 66 oben!

Auf meiner Seite gibt es neben vertiefenden Informationen zu den Anführungszeichen auch einen interaktiven Test.

9. Apostroph

Der Apostroph ist meist doppelt gestraft. Als würde es nicht schon reichen, dass er in den meisten Fällen (Uwe’s Imbi´ss) völlig fehl am Platz ist, wird statt des richtigen (’) Zeichens meist entweder einfaches Strichlein (’) oder gar Akzentzeichen (´, `) verwendet.

Falsches und richtiges Apostroph

Fast alle vermeintlichen Apostrophe können getrost weggelassen werden. Da, wo er hingehört, gehört dann der richtige hin. (Schriften: Roundenau und Andron)

Tastaturkürzel:

Tastaturkürzel für Apostroph

Eselsbrücke für den Apostroph: 9 oben!

10. Gedankenstrich

Sinnvolle Anwendungen für den Gedankenstrich gibt es zu genüge, nur leider auf der (PC-)Tastatur keinen direkten Zugang. Folge ist, dass er bestenfalls — durch zwei Trennstriche — simuliert oder meist völlig ignoriert wird.

Falscher und richtiger Bindestrich

Der Gedankenstrich (auch Bis– oder Streckenstrich ist leider so gut wie ausgestorben (Schrift: Corbel [Microsoft-Systemfont])

Tastaturkürzel:

Tastaturkürzel für Bindestrich

Auf meiner Seite gibt es ein interaktives Spiel zum Testen Deiner Bindestrich- und Gedankenstrich-Kenntnisse!

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Florian Erschbamer: PowerPoint und das multimediale Lernen

By | Allgemein
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PowerPoint ist in gewisser Weise wie Fußball. Jeder „kann Bundestrainer“ – und jeder kennt die Grundregeln einer vorschriftsmäßigen Präsentation. Dumm nur, dass viele dieser „Jeder kann’s“-Regeln im besten Fall auf Halbwissen beruhen und im schlimmsten Fall schlicht Unsinn sind.

Da kann es nicht schaden, ab und an mal einen Blick in die Wissenschaft zu werfen. Was kann man eigentlich gesichert über die Wirksamkeit von PowerPoint-Präsentationen sagen? Das ist leider noch immer überraschend wenig. Aber vor einiger Zeit hatte ich das Vergnüngen, von Florian Erschbamer konkaktiert zu werden, der in diese Lücke vorstößt.

Florian Erschbamer promoviert an der Universität Innsbruck über PowerPoint und hat in seiner Diplomarbeit wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirksamkeit von PowerPoint zusammengetragen. Praktische Erfahrung sammelt er als EDV-Trainer bei dem Weiterbildungsunternehmen EGOS.

Ich habe ihn gebeten, in einem Gastbeitrag die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammenzufassen und Ihnen ein paar Tipps mit auf den Weg zu geben, um die größten Stolperfallen zu vermeiden (beruhigend: wer hier regelmäßig mitliest, macht wahrscheinlich schon so manches richtig).

PowerPoint und das multimediale Lernen

PowerPoint ist allgegenwärtig: An der Uni, im Geschäftsleben oder in der Schule. PowerPoint ist Standard. Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Auch über einen der bekanntesten PowerPoint-Kritiker, Edward Tufte, müssen nicht viele Worte verloren werden: PowerPoint is evil. Auch das wissen wir. Selten jedoch wird über wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema PowerPoint gesprochen. Meist lesen wir nur über gewisse Power-Point-Dogmen (z.B. 10 goldenen PowerPoint-Regeln…), ohne, dass es dafür wissenschaftliche Belege gibt. Demgegenüber soll dieser Beitrag stehen: Es werden einige Richtlinien vorgestellt, zu welchen tatsächlich wissenschaftliche Studien durchgeführt wurden und die einfach ins tägliche Präsentieren übertragen werden können.

Was bedeutet eigentlich „Multimedia“?

Richard E. Mayer, Professor für Psychologie an der University of California in Santa Barbara, forscht zum Thema Multimediales Lernen und gilt als Pionier auf diesem Gebiet. Unter Multimedia versteht er die Darstellung von Informationen mit Wörtern und Bildern. Unter Wörtern versteht er geschriebenen oder gesprochenen Text, unter Bildern, die bildhafte Darstellung von Informationen.

Diese Definition ist sehr weit gefasst: Ein Film auf einem TV-Gerät kann unter Multimedia fallen, da Bilder (egal ob bewegt oder unbewegt) gezeigt werden und dazu gesprochen wird. Es braucht dazu keine modernen Geräte; bereits eine Tafel oder ein Tageslichtprojektor reichen aus, um die Kriterien einer Multimedia-Vorstellung zu erfüllen. Sogar ein gewöhnliches Buch fällt in den Bereich Multimedia, sofern es neben Text auch Bilder enthält – man denke z.B. an die Bücher der Medizinstudenten; kaum vorzustellen, dass es möglich wäre, die Anatomie des Menschen zu lernen, würde diese nur durch Text beschrieben, ohne bildhafte Darstellung. Und auch PowerPoint kann diese Kriterien erfüllen, es kann Bilder (Graphen, Charts, Fotos, Filme) zeigen und auch Text projizieren. Wenn aber fast alle klassischen Medien, die wir größtenteils schon aus unserer Schulzeit kennen, in den Bereich Multimedia fallen, warum wird dann ausgerechnet PowerPoint das Ziel vieler Angriffe?

Der Grund dafür liegt nicht an den häufig kritisierten, endlosen Aufzählungen (obwohl diese natürlich reichlich Angriffsfläche bieten), sondern viel mehr an der erhöhten kognitiven Belastung, welche durch PowerPoint erzeugt wird und schnell zur kognitiven Überlastung führen kann. Selbstverständlich haben es schon unsere Mathematik-Lehrer zu Schulzeiten mit der gewöhnlichen Tafel und Kreide fertiggebracht, uns an die Grenzen der kognitiven Leistungsfähigkeit zu bringen, jedoch kann man dies mit PowerPoint auf eine völlig neue Ebene heben.

Wie reagiert unser Gehirn auf Multimedia?

Die Basis für die Idee der kognitiven Überlastung bildet Richard E. Mayers Cognitive Theory of Multimedia Learning. Diese geht davon aus, dass der Mensch über zwei Kanäle zur Informationsverarbeitung verfügt.

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Ein Kanal ist für das visuelle Material zuständig, der andere hingegen für das Auditive. Die Hypothese bezüglich Multimedia-Präsentationen lautet, dass erst über die Darstellung von Wörtern und Bildern die volle Kapazität des Gehirns ausgenützt wird. Das hieße, wenn nur mit Sprache präsentiert würde, könnte die Kapazität des zweiten Kanals ignoriert bzw. nicht ausgenutzt werden. Besser wäre es demnach, eine Präsentation so zu gestalten, dass es gelingt, zwischen dem Gesprochenen und dem bildhaft Dargestellten Verbindungen herzustellen – also den Zusammenhang zwischen dem Text und den Bildern zu verstehen. Als eines der ersten Bücher, welche zur Erklärung des gedruckten Textes auch noch Bilder zu Hilfe nahmen, gilt Jan Amos Comenius’ Buch Orbis Sensualium Pictus („Die sichtbare Welt“), das 1658 zum ersten Mal in Nürnberg gedruckt wurde:

Eine weitere Annahme ist, dass der Mensch über ein so genanntes Arbeitsgedächtnis verfügt, in dem alle momentanen Gedanken gespeichert sind. Alle anderen kognitiven Funktionen bleiben so lange versteckt, bis sie ins Arbeitsgedächtnis geholt werden. Dabei geht man des Weiteren von einer beschränkten Kapazität dieses Arbeitsgedächtnisses aus; es kann sich im Durchschnitt fünf unabhängige Wörter merken. Erst nachdem die Daten aus dem Arbeitsgedächtnis verarbeitet wurden, wird es im Langzeitgedächtnis gespeichert.

Kognitive Überlastungen

Wie kann man nun aber bessere (wissenschaftskonforme) Präsentationen erstellen? An der Komplexität des zu präsentierenden Sachverhaltes kann man in der Regel nichts ändern, Integralgleichungen sind eben Integralgleichungen, da kann auch unser Mathematik-Lehrer nichts dafür. Was der Lehrende/Vortragende aber kann, ist die kognitiven Belastungen, die nicht vom eigentlichen Inhalt der Präsentation ausgehen, so niedrig wie möglich zu halten. Nicht umsonst wird in der Schule und in Hörsälen zur Ruhe angemahnt, um sich besser konzentrieren zu können.

Eine Art der kognitiven Überlastung, welche am häufigsten bei PowerPoint anzutreffen ist, wird in der Literatur der redundancy effect genannt: Dabei werden Text und Bilder auf einer Folie projiziert, während der Präsentierende dazu spricht. Der Zuhörende muss den gelesenen Text mit dem gehörten Text abstimmen – was, je nach Komplexität des Themas mit einem dementsprechenden kognitiven Aufwand geschieht. Anders als z.B. bei einem Film mit Untertiteln kann man sich ja nicht darauf verlassen, dass das gleiche gesagt wird, wie auf der Folie geschrieben steht. Jedoch kennen die meisten Leser wahrscheinlich die Situation, in der man zunächst versucht, der Folie Sinn zu entnehmen, bevor man auf die Worte des Vortragenden achtet. Ähnlich verhält es sich mit anderen Elementen auf der Folie, wie z.B. Firmenlogos, Schriftzüge, Name des Vortragenden, Datum, aber auch Diagrammen etc.

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Ist Clipart denn jemals „appropriate“?

Ein weiterer Grund, weshalb PowerPoint öfter zur kognitiven Überlastung führen kann als andere Medien, ist die Geschwindigkeit mit der man präsentieren kann. Stellen Sie sich vor, der Mathematik-Lehrer würde seine Formeln nicht mit der Kreide auf eine Tafel schreiben, sondern mittels PowerPoint präsentieren – es würde kein Denkprozess stattfinden, sondern nur ein Ergebnis präsentiert.

Geben Sie sich einen Ruck!

Wenn Sie genauer darüber nachdenken, ertappen Sie sich möglicherweise selbst, dass Sie gegen das eine oder andere beschriebene Prinzip verstoßen haben oder, auf der anderen Seite des Laptops, eben doch mehr die Folie betrachtet haben, ohne auf die Worte des Vortragenden zu hören: Warum ist er dann eigentlich da?

Unterstützen Sie Ihren Vortrag mit Bildern und beschreiben Sie diese verbal anstatt mit geschriebenem Text. Machen Sie bei komplexen Themen auch mal eine Pause und orientieren Sie sich am Publikum, ob es überfordert wirkt oder nicht. Denken Sie daran, dass das Arbeitsgedächtnis wie ein Trichter ist und nur ein bestimmtest Maß an neuen Informationen auf einmal aufnehmen kann. Nehmen Sie sich ein Herz, und räumen Sie Ihre Folien ein wenig auf: Schaffen Sie Platz für wirklich relevante Informationen und entfernen Sie unnötigen PowerPointPhluff, – oje – an Tufte scheint doch kein Weg vorbeizuführen…

Literaturhinweise
Richard E. Mayer: Multimedia Learning
John Sweller et al.: Efficiency in Learning
Bernt Schnettler, Hubert Knoblauch: Powerpoint-Präsentationen – Neue Formen der gesellschaftlichen Kommunikation von Wissen
Andrew Abela: Advanced Presentation by Design

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Lukas Pustina: Keine Idee mehr verlieren mit dem Überallgedächtnis

By | Allgemein
Porträt Lukas Pustina – Autor des Überallbüro-Blogs

Immer wieder werde ich in Seminaren und Vorträgen gefragt, wie man gute Geschichten und Beispiele findet. Neben den zahlreichen Kreativitätstechniken hilft dabei vor allem eines: Mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.

Doch wie behält man all die interessanten Dinge, die man tagein, tagaus findet, im Gedächtnis? Man schreibt Sie auf. Und damit man seine Notizen immer und überall wiederfindet, tut man das am besten digital.

Ich habe Lukas Pustina gebeten, uns seine Methode des Überall-Gedächtnisses in einem Gastbeitrag zu erläutern. Lukas Pustina ist IT-Consultant und Autor des Produktivitätsblogs Überallbüro. Dort gibt er Tipps und Anregungen für zeitgemäßes Arbeiten und zeigt konkret und praktisch auf, wie man motiviert und produktiv seine Arbeit unabhängig von Ort und Zeit erledigen kann. Seine zentrale These lautet: Sei kreativ, wann und wo du es am besten bist.
Keine Idee mehr verlieren mit dem Überallgedächtnis Im Vorfeld eines Vortrags wissen wir meist über was wir sprechen wollen, jedoch wie wir unsere Inhalte überzeugend präsentieren ist noch nicht klar. Es sind aber gerade die Storys, die unseren Inhalt zu unseren Zuhörern transportieren.

Ideenentdeckung

Aus diesem Grund beginnen meine Vortragsvorbereitungen viel früher als die tatsächliche Ausarbeitung des Vortrags. Denn im Gegensatz zum eigentlichen Inhalt wird mir erst mit der Zeit klar, wie ich diesen Inhalt für meine Zuhörer aufbereiten werde.

Inspiration für Ideen zu Storys, passenden Bildern und Fakten finde ich bei gezielter Recherche, beim täglichen Surfen im Internet, im Gespräch mit Kollegen oder bei Spaziergängen. Mal bringt mich ein Artikel aus einer Zeitschrift auf eine Idee oder ich entdecke eine Geschichte in einem Buch.

Ideen

Wann genau mir die passende Idee in Sinn kommt, ist jedoch nicht vorhersagbar, denn unser Gehirn kennt zwei Betriebsarten. Es arbeitet sowohl linear, auf den Moment konzentriert, als auch parallel im Hintergrund. Gerade diese Hintergrundaktivität ist für Assoziationen und damit neue Ideen zuständig. In diesem Modus werden Erinnerungen, Erfahrungen, Erlerntes und Erlebtes zu einem bestimmten Thema durchsucht und zu neuen Ideen kombiniert. Dies geschieht relativ unabhängig von unserer vordergründigen Aktivität – jeder, der eine Melodie im Radio hört, aber erst Minuten später auf den Titel kommt, erlebt gerade den assoziativen Teil unseres Gehirns in Aktion. Dieser kreative Prozess braucht Zeit.

Ideensammlung

Während der Vorlaufzeit zur Vortragsvorbereitung komme ich so immer wieder auf neue Ideen. Dabei ist es wichtig, diese Ideen festzuhalten und zu sammeln. Das Festhalten muss dabei so leicht wie möglich geschehen, ohne all zuviel abzulenken.

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Zum Sammeln meiner Ideen benutze ich daher die Software Evernote. Sie speichert Notizen und Dokumente aller Art und synchronisiert diese automatisch zwischen meinem Büro- und Home-Computer sowie meinem Smartphone. Auf diese Weise kann ich überall und jederzeit auf meine Notizen bzw. Ideen zugreifen.

Evernote ist mit wenig Mühe zu bedienen und integrierst sich so leicht in die persönliche Arbeitsweise. Über die eingebaute Volltextsuche, die man per Tastenkombination jederzeit auch aus anderen Programmen heraus aufrufen kann, lassen sich Notizen schnell und komfortabel wieder auffinden. Evernote erkennt und versteht sogar Text in Bildern und Fotos und fügt diesen zur Volltextsuche hinzu.

Digital-Ideen

Viel Inspiration bekomme ich beim täglichen Surfen im Internet, egal ob bei der gezielten Recherche oder doch zufällig. Es kann ein einzelner Absatz oder eine ganze Webseite sein. Mit Hilfe von Evernote kann ich beides mit nur einem Knopfdruck (Bild links) speichern und mit den passenden Tags meinem aktuellen Projekt hinzufügen (Bild rechts). Den Browserknopf gibt es für Safari, Firefox und Internet Explorer.

evernoteSammeln evernoteNotiz

Ebenso leicht lassen sich Screenshots festhalten. Dokumente aller Art können per Drag-n-Drop abgelegt werden.

Analog-Ideen

Natürlich findet man seine Ideen nicht nur in der digitalen, sondern auch in der realen Welt. In diesem Fall kann man mit der Handykamera schnell ein Foto vom Schaufenster, der Zeitschriftenseite oder der Abbildung im Buch machen und direkt an Evernote übertragen – manchmal sagt ein Bild eben mehr als Tausend Worte. Mit Hilfe der eingebauten Texterkennung kann man auch solche Notizen leicht wieder finden.

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So entstammt die Idee zur Erläuterung der Arbeitsweise unseres Gehirns dem Buch „Pragmatic Thinking and Learning“. Um sie nicht zu vergessen, habe ich schnell ein Foto der Buchseite mit der Smartphone-Software von Evernote gemacht.

Hat man Papierdokumente mit mehreren Seiten oder möchte man eine bessere Auflösung, so lässt sich Evernote mit geeigneten Scannern direkt verbinden, so das neue Scans direkt in Evernote abgelegt werden.

Ideenbox

Alle Notizen können über Tags markiert und so zu einem Projekt bzw. Vortrag zusammengefasst und wiedergefunden werden. Über die praktische Funktion „Zusammenführen“ können einzelne Notizen zu einer neuen zusammengefügt werden, so dass man am Ende eine einzelne Box für alle Ideen, Gedanken, Inspirationen und Quellen zum Vortrag hat. Aus Ideen in dieser Ideenbox kann man sich später bei der eigentlichen Ausarbeitung des Vortrags die Storys, Bilder und Fakten heraussuchen, die am besten passen.

Versuchen Sie es selbst

Vorträge bestehen nicht nur aus nacktem Inhalt. Gerade die Verpackung einer Aussage hilft den Zuhörern, zu verstehen, was man sagen möchte. Dafür braucht es gute Storys, aussagekräftige Bilder und Beispiele sowie fundierte Fakten. Nur so kann man wirklich mit seinem Vortrag überzeugen. Die Entwicklung eines Vortrags benötigt deswegen Zeit. Jedoch können Kreativität und damit neue Ideen nicht immer auf Kommando abgerufen werden. Deswegen ist es umso wichtiger seine Ideen schnellstmöglich mit geringem Aufwand festzuhalten.

Ich setze dafür seit langem Evernote erfolgreich ein und verliere so keine Idee oder Anregung mehr. Versuchen sie es selbst. Diesen Gastbeitrag habe ich Schritt für Schritt von der Idee, über Brainstorming bis zum endgültigen, ausformulierten Text in Evernote entwickelt. Mit der Zeit kamen Bilder und Fotos dazu.

Evernote ist in der Basis-Version kostenlos und voll funktionsfähig. Die Premium-Version bietet verschlüsselte Datenübertragung, mehr Übertragungsvolumen und die Unterstützung für beliebige Dateiformate. Evernote gibt es für Mac OS X und Windows. Zur Zeit werden die Smartphones iPhone, Android, Blackberry, Windows Mobile und Plam Pre unterstützt.

Viel Erfolg beim Sammeln wünscht Ihnen,
Lukas Pustina

Weitere Gastbeiträge
Heide Liebmann – Authentisch präsentieren mit dem Nasenfaktor
Dr. Kerstin Hoffmann – Verständlich kommt von Verstand
Gitte Härter – Gut gelacht ist halb gewonnen
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Heide Liebmann: Authentisch präsentieren mit dem Nasenfaktor

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Ob wir wollen oder nicht, oft entscheidet der sprichwörtliche Nasenfaktor darüber, ob wir jemanden mögen oder nicht. Und wenn wir jemanden mögen, dann vertrauen wir ihm viel eher. Vielleicht ist gerade das die Erklärung für den Erfolg von Heide Liebmann.

Heide Liebmann ist Positionierungs-Coach und Marketing-Expertin. Sie hilft Kunden, ihren Nasenfaktor durch authentisches Marketing zu stärken. In ihrem gleichnamigen Buch gibt sie dazu nützliche Tipps und auch ihr Blog dreht sich rund um das Thema authentisches Marketing.

Und weil bei ihr der Nasenfaktor einfach stimmt, habe ich sie gebeten, uns einige Tipps zu verraten, wie man die eigene Persönlichkeit für überzeugendere Präsentationen wirken lassen kann.
Authentisch präsentieren – Mit dem „Nasenfaktor“ müde Vorträge munter machen! Gerne komme ich Michaels Anfrage nach und erzähle Ihnen in diesem Gastartikel, warum ich kein Fan von durchgestylten Präsentationen ohne Persönlichkeit bin.

Die Kunst der Präsentation ist bekanntlich eine Schlüsselkompetenz für den persönlichen Erfolg. Gleichzeitig sorgen gelungene Vorträge für ein positives Unternehmensimage. Denn wer sich und sein Unternehmen nach außen selbstbewusst, kompetent und glaubwürdig präsentiert, wird feststellen, dass man damit sein Selbstmarketing hervorragend unterstützen kann.

Aber sind Authentizität und Image nicht ein Widerspruch?

Meiner persönlichen Erfahrung nach gehören Authentizität und Professionalität zusammen, um ein positives Image zu erzeugen. Indem man seine ganz individuellen Fähigkeiten erschließt und nutzt, gewinnen die Vorträge an Ausdruckskraft und Glaubwürdigkeit. Authentisches Präsentieren führt zu professioneller Ausstrahlung.

Zu einem professionellen Vortrag gehört natürlich eine gute inhaltliche Vorbereitung, Wissen über Dramaturgie und Storytelling und eine saubere Gestaltung der Folien, wenn man mit Powerpoint präsentiert. Zu diesen Themen gibt es auf diesem Blog ja wirklich genug zu lesen.

Persönlichkeit geht vor Design

Aber ohne die persönliche Würze, die individuelle Ausstrahlung, wirken selbst professionell durchgestylte Vorträge eigenartig leblos und langweilig. Das passiert dann, wenn der Vortragende hinter den Inhalten verschwindet und der persönliche Kontakt zum Publikum verloren geht. Oder wenn ich als Zuschauer unbewusst merke: Der Mensch da vorn ist nicht echt, die Gesten und die Modulation sind antrainiert und passen eigentlich gar nicht zu dieser Person.

Selbstverständlich kann man an seinem Auftritt immer noch dies und das optimieren. Ich weiß zum Beispiel von mir, dass ich leider immer noch zu viele „Ähs“ einbaue und plane schon länger, daran mal zu arbeiten. Aber ganz ehrlich: Meist stört mich das selbst mehr als meine Zuhörer. Denn viel wichtiger für den Erfolg eines Vortrags ist die persönliche Beziehung zu den Menschen im Publikum – ob das nur fünf oder mehrere tausend sind. Und die Überzeugung, mit der man seine Thesen und Themen vorträgt, zählt. Je identifizierter jemand inhaltlich mit seiner Präsentation ist, umso unwichtiger werden die äußeren Rahmenbedingungen. Wir sind nämlich nur zu gern bereit, das ein oder andere Manko zu verzeihen, wenn wir spüren, da ist jemand voll bei der Sache und total begeistert, und er spricht wirklich mit uns Zuhörern und nicht mit dem luftleeren Raum. Das erkennt man an einer authentischen und stimmigen Körpersprache und an der Art, wie jemand bewusst den Kontakt zum Publikum sucht und auch mit den Reaktionen umgeht. Genau darin zeigt sich die individuelle Persönlichkeit – der „Nasenfaktor“ eben.

Begeisterung und Beziehung als Erfolgsfaktoren

Deshalb möchte ich am liebsten jedem, der Vorträge auch als Instrument des Selbstmarketings begreift und sich öfter auf die Bühne wagen möchte, raten, sich erst einmal auf die eigenen Stärken zu besinnen und diese dann auch zu optimieren. Und zwar bevor man sich mit dem optischen Feinschliff beschäftigt. Ich sage meinen Kunden immer: Bleib bei dir, bleib authentisch und erkennbar du selbst, zeige deine Begeisterung und bau eine Beziehung zu deinem Publikum auf. Dann kannst du im Grunde wenig verkehrt machen.

Merke: Perfektion bedeutet nicht unbedingt Professionalität!

Voraussetzung für so eine Art von authentischem Präsentieren ist natürlich, dass man sich darauf einlässt, den Drang nach Perfektion zugunsten der Authentizität zunächst mal hintenan zu stellen. Seinen eigenen Stärken auf die Spur zu kommen, ist ein zuweilen langwieriger Prozess, wie alle bestätigen können, die in dieser Mission unterwegs waren und sind. Es lohnt sich aber immer, darin zu investieren – und die Professionalisierung passiert dann meist von ganz alleine. 

Dr. Kerstin Hoffmann: Verständlich kommt von Verstand

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Wenn ich zum Doktor gehe, dann rechne ich bereits damit, viele Fachbegriffe erst einmal nicht zu verstehen. Wenn ich allerdings den PR-Doktor auf seinem Blog besuche, dann ist das anders. Kompetent und verständlich schreibt hier Dr. Kerstin Hoffmann über Werbung, PR und Sprache.

Kerstin Hoffmann ist Kommunikationsberaterin und Text-Expertin und sorgt dafür, dass die Botschaften ihrer Kunden bei deren Kunden ankommen. Ihr Wissen teilt sie oft und gerne mit anderen und so finden sich auf ihrer Webseite u.a. ein Leitfaden für gute Werbetexte und das Handbuch Kundennutzen, wozu auch ich einen Artikel beigesteuert habe.

Ich habe die promovierte Germanistin und gelernte Journalistin gebeten, uns in verständlichen Worten zu erklären, wie man Anspruchsvolles in verständlichen Worten erklärt.
Verständlich kommt von Verstand: Wie Sie Anspruchsvolles lesbar verpacken Es ist erstaunlich: Manche Menschen sprechen im Alltag flüssig, verständlich und fesselnd. Sie können mit einfachen Worten zusammenfassen, was sie tun. Sie überzeugen mit prägnanten Formulierungen und sympathischem Wortwitz. Doch sobald sie schriftlich werden, verfallen sie in Nominalstil und erzeugen Wort-Dickichte, die man mit der Machete kaum durchdringen könnte.

Da werden „Umstellungen realisiert“ statt einfach etwas „umzustellen“. Da findet man einen „Antrag, die Bemessung der Absetzung für Abnutzung vorzunehmen“ oder den „Zeitpunkt der Optionserklärung auf Berücksichtigung der fiktiven Anschaffungskosten“.

Fast noch erstaunlicher sind jedoch die Begründungen für solche Texte. Schlage ich vor, sie zu vereinfachen und Satz-Bandwürmer in einfache Substantiv-Verb-Konstruktionen aufzulösen, höre ich oft: „Unsere Leser sind anspruchsvolle Fachleute. Die erwarten auch eine anspruchsvolle Sprache.“ Das aber ist schlicht falsch.

Kompliziert ist nicht anspruchsvoll

Was leicht zu lesen ist, braucht ja deswegen nicht inhaltlich schlicht zu sein. Kompliziert ist nicht anspruchsvoll. Auch intelligente, gebildete Fachleute haben nur ein begrenztes Maß an Zeit und Geduld, sich durch kompliziert Verschachteltes oder langweilig Aufgereihtes hindurchzuarbeiten. Der perfekte Text ist genau so fachlich, wie die Zielgruppe es verstehen kann – und so leicht zu lesen, dass keine Aufmerksamkeit verbraucht wird, um Bezüge und Zusammenhänge zu entschlüsseln.

Natürlich hängen Textform und Sprache sehr stark von der Textgattung und vom Inhalt ab. Ein Werbetext kommt anders daher als eine Betriebsanleitung. Eine Doktorarbeit ist nicht geschrieben wie ein Kinderbuch. Mit allzu schlichten, kurzen Sätzen ist nicht jedem geholfen. Form, Inhalt und Vokabular sollten sich vor allem an den Lesern orientieren.

Texten wie am Mischpult

Schon in den 1970-er Jahren beschrieben Langer, Schulz von Thun und Tausch in ihrem Klassiker „Sich verständlich ausdrücken“, welche Faktoren für den Erfolg eines Textes beim Leser entscheiden. Ihr Modell ist auch heute noch überraschend modern und universell einsetzbar. Wie an einem Mischpult kann man nach diesem Modell die Parameter verschieben. So geht zum Beispiel eine allzu knappe Ausdrucksweise zu Lasten des Unterhaltungswert. Unter allzu viel abschweifendem Entertainment dagegen leiden die Prägnanz ebenso wie die Ordnung.

Gute Texte

Folgende Merkmale guter Texte habe ich vor einiger Zeit definiert. Gute Texte sind …

  • interessant. Sie machen den Leser neugierig und halten ihn im Lesefluss – bis zum Schluss.
  • nützlich. Der Leser erkennt seinen Nutzen auf den ersten Blick. (Das gilt auch für wissenschaftliche und rein informative Texte!)
  • überraschend. Sie verzichten auf Floskeln und formulieren frisch und neu.
  • verbal. Nominal-Konstruktionen wirken geschraubt und bleiben schlecht hängen.
  • aktiv. Passiv-Sätze wirken ausweichend, Aktiv-Sätze wirken dynamisch.
  • kurz und prägnant. Sie sagen mit wenigen Worten das Entscheidende, sind aber so ausführlich wie nötig.

Motivieren Sie Ihren Leser

Sie wollen, dass Ihr Text gelesen wird? Dann müssen Sie Ihren Leser motivieren. Mit sprachlichen und optischen Mitteln. Es gibt eine Reihe grundsätzlicher Merkmale, die darüber entscheiden, ob und wie aufmerksam ein Leser den Text weiterliest, wie positiv er dem Text gegenüber gestimmt ist und wie gut er die aufgenommenen Informationen behält, integriert und weiterverarbeitet.

So sollte ein guter Text aussehen:

  • flüssig geschrieben
  • übersichtlich gegliedert
  • inhaltlich dicht
  • bis zuletzt interessant: Am Schluss sollte möglichst noch ein „Highlight“ stehen, das im Gedächtnis bleibt.

Zwischenüberschriften machen neugierig, wie es weitergeht. Sie sorgen dafür, dass der Leser sich besser orientieren kann und das Gelesene im Gedächtnis behält. Überlegen Sie, wie viel Zeit Sie selbst haben, Texte gründlich zu lesen. Ihrer Zielgruppe wird es ähnlich gehen.

Sie werden häufig feststellen: Je interessanter der Leser für Sie ist – sprich: je erfolgreicher er ist – desto weniger Zeit hat er für Ihren Text. Jedes sprachliche Hindernis, jede Leerformel und jeder Satz, der nicht auf Anhieb verständlich ist, sind „Absprung-Schanzen“ für Ihren Leser. Sorgen Sie dafür, dass er Ihnen erhalten bleibt – bis zum Ende Ihrer Ausführungen.

Sonderfall: Identifikation durch gemeinsamen Code

Ehe Sie jetzt den nächsten Vortrag auf einem Mediziner-Kongress vollständig in Alltagssprache formulieren oder sämtliche Begriffe in einem Leitfaden für Ingenieure ins Deutsche übersetzen: Bedenken Sie bitte, dass das gemeinsame Vokabular einer bestimmten Fachgruppe auch identifikationsstiftend sein kann. Oft geht es darum sich abzugrenzen und als Gruppe zu definieren. Ganz gleich, wie Sie das persönlich bewerten: Es einfach zu missachten könnte für Sie selbst fatale Folgen haben und alles andere als zielführend sein.

Hinzu kommt: Bestimmte Fachausdrücke sind dann sinnvoll, wenn die Beteiligten genau wissen, was gemeint ist. Es gibt Hardliner, die wollen alles ins Deutsche übersetzen, so dass es jeder versteht. Wozu, wenn es gar nicht für jeden gedacht ist?

Doch gemeinsamer Code hin, Fachvokabular her: Auch solche Texte können gut lesbar sein. Wortbandwürmer und „Substantivitis“ sind hier ebenfalls fehl am Platze. Grundsätzlich gelten alle Regeln, die auch sonst für verständliche Texte wahr sind. 

Gitte Härter: Gut gelacht ist halb gewonnen

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Wer sich selbst Schreibnudel nennt, kann wohl kaum bierernst sein. Und tatsächlich wäre das wohl eine echte Beleidigung für Gitte Härter. Die Buchautorin hat nicht zuletzt wegen ihrer lockeren Art so viele Fans.

Seit vielen Jahren schreibt, spricht und coacht sie über die Themen Selbständigkeit, Persönlichkeit und Karriere, z.B. in ihren beiden letzten Büchern Nerv nicht! und Mit Persönlichkeit punkten – zeigen Sie Profil.

Und weil sie das stets auf so charmante Art mit einem Augenzwinkern tut, habe ich sie gebeten, uns einen Blick in ihre Trickkiste zu gewähren. Herausgekommen ist ein Erfahrungsbericht aus ihren Vorträgen, der prallvoll gefüllt ist mit praktischen Ratschlägen für unterhaltsame Vorträge.
Gut gelacht ist halb gewonnen Die meisten Menschen sind locker drauf und lachen gerne. Bis sie einen Vortrag halten sollen. Dann treten sie – meist schon in der Vorbereitung, spätestens auf dem Weg zur „Bühne“ – durch einen unsichtbaren Korrektheitsvorhang.

Das Publikum findet sich in seinem schlimmsten Alptraum wieder, denn jetzt sitzt es einem Perfektionszombie gegenüber. Und wir alle wissen, was Zombies ausmacht: Sie sind leblos. Und sie fressen Gehirne.

Wenn Sie schon einmal längere Zombie-Vorträge über sich ergehen lassen mussten, wissen Sie, wie es sich anfühlt, wenn das Hirn von Langeweile zerfressen wird.

Vielleicht haben Sie auch schon selbst den einen oder anderen Vortrag dieser Art gehalten. Das kommt vor! Immerhin möchten Sie Ihr Bestes geben und überall liest man, dass Vorträge rhetorisch oh so perfekt sein sollten.

Alles Quatsch! Seien Sie nicht perfekt, seien Sie erfrischend!

„Aber kratzt das nicht an meiner Kompetenz?“
Nö. Ganz im Gegenteil!

Waren Sie schonmal auf einem Konzert, bei dem die Musiker so richtig Spielfreude hatten? Das ist ein Unterschied zwischen Tag und Nacht, ob jemand ein gutes Konzert spielt oder richtig Spaß hat.

Genau darum geht es auch bei Vorträgen: Haben Sie Spaß daran, über Ihr Thema zu sprechen. Haben Sie Spaß daran, mit Ihrem Publikum zu interagieren. Und lassen Sie vor allen Dingen Ihre Zuhörer kräftig lachen. So wird Ihr Vortrag ein schönes Erlebnis, das sich in den Köpfen verhakt, Ihre Zuhörer bekommen einen richtig guten Zugang zu Ihrem Thema und Sie werden sehen: auch Nervosität ist durch das gute Band zum Publikum wie weggeblasen.

7 Tipps für einen humorvollen und lebendigen Vortrag

Hau wech, den Beamer.
Durchgehender Einsatz von Technik schneidet Sie von Ihrem Publikum ab: Das Zuhören fällt schwer, weil man gleichzeitig ständig irgendwas entziffern soll. Und zuschauen geht schon gleich gar nicht, weil alles abgedunkelt wird und man an die Wand starrt, statt auf Sie. Setzen Sie Technik nur punktuell ein, und auch das nur, wenn es unbedingt nötig ist. Positiver Nebeneffekt: Sie machen sich unabhängig von möglichen Technikpannen und können so auch viel relaxter in einen Vortrag gehen.

Schau mir in die Augen, Kleines!
Vergessen Sie Tipps wie „über die Köpfe der Leute hinwegsehen“: Sehen Sie Ihrem Publikum in die Augen – und halten Sie Blickkontakt. Sprechen Sie mit der Gruppe wie mit EINEM GEGENÜBER ist. Es ist nicht Alle-gegen-einen, Sie sitzen nicht auf einem Präsentierteller, sondern Sie führen ein Gespräch … auch wenn Sie 500 Leuten gegenüberstehen. Das klingt vielleicht noch etwas abstrakt für Sie, aber ich versichere Ihnen, dass diese Vorstellung enorm hilft.

Improvisieren Sie!
Vielleicht ist das jetzt eine gute Nachricht für viele von Ihnen: Meine ersten Vorträge waren nicht besonders gut, weil ich übervorbereitet war. Ich dachte, man müsse alles genau vorbereiten. Ich dachte, man müsse alles auf nummerierte Moderationskarten schreiben. Ich dachte, man müsse perfekte Überleitungen machen. Aber weil ich selbst ein Improvisierer und kein Einstudierer bin, ging alle diese Vorbereitung bei mir nach hinten los. Wenn Sie also auch jemand sind, der spontan ist und sich durch all diese Vorbereitungen eher gefangen und verunsichert fühlt, dann lassen Sie es bleiben! Gehen Sie mit einigen Stichwörtern in den Vortrag und machen Sie Ihr Ding.

Wenn Sie sich wohl damit fühlen, alles gut strukturiert und geplant vorzubereiten, ist das ebenfalls wunderbar, aber lassen Sie auch dann bitte Raum für’s Improvisieren. Vorträge, die total durchgeplant sind, wo jeder Effekt und jede Pause geplant ist und solche, die schon mehrmals gehalten wurden, wirken oft sehr starr oder abgestanden.

Gehen Sie auf Tuchfühlung.
… und zwar in jeder Hinsicht: Gehen Sie nah an die Leute ran, verschanzen Sie sich bloß nicht hinter Rednerpulten oder dicken Schreibtischen, sondern räumen Sie jede Barriere weg. Verschaffen Sie sich Bewegungsspielraum. Müssen Sie mit Mikrofon sprechen, dann bitten Sie um ein Headset oder ein tragbares Mikro. Ein festes Mikro verkrampft und langweilt schnell … erst recht, wenn das Publikum mehrere Vorträge über sich ergehen lassen muss.

Reden Sie nicht an Ihr Publikum hin, sondern sprechen Sie mit ihm … und zwar im Plauderton. Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt:

Fragen Sie per Handzeichen ab: „Wie viele von Ihnen …?“, „Jetzt aber mal ehrlich: Wer hat schonmal …?“ oder Sie machen vorher ein Statement, erzählen eine Anekdote und lassen sich daraufhin praktisch durch Handzeichen bestätigen, was Sie eben gesagt haben. Das gibt nicht nur immer lustige Unruhe unter den Leuten, besonders wenn Sie es mit einem Späßchen verknüpfen, sondern Sie lassen Ihr Publikum mitmachen anstatt nur passiv konsumieren.

Bitten Sie um einen Freiwilligen: Das muss gar nicht mal etwas sein, bei dem der Freiwillige etwas tun oder gar auf die Bühne muss, sondern es sollte einfach jemand sein, der Ihnen behiflich ist, indem er beispielsweise ein kurzes Gespräch simuliert. Ich hatte mal einen Vortrag, bei dem es unter anderem darum ging, dass denn meisten Leuten Small Talk so schwer fällt. Daraufhin habe ich gefragt: „Wer von Ihnen macht mal eben etwas Small Talk mit mir? Ist gar nicht schlimm! Sie brauchen auch nicht groß denken, nur spontan auf das reagieren, was ich sage.“ – Freiwillige finden sich übrigens leichter, wenn Sie von vornherein sagen, worum es geht und nichts machen, das die Leute auf den Prüfstein stellt. Wichtigste Regel: Führen Sie nie-nie-nie einen Zuhörer vor. Da hört der Spaß gleich auf! Denn Späße auf Kosten anderer nimmt Ihr gesamtes Publikum zu Recht sofort übel.

Picken Sie einen Einzelnen raus für eine „einseitige Show-Einlage“: Fragen Sie erst gar nicht, sondern bestimmen Sie Leute als „Statisten“, die gar nichts tun müssen. Ich picke mir in Vorträge immer irgendwelche Leute aus der ersten Reihe raus, gehe ein paar Schritte auf sie zu und sage: „Der Herr Meier zum Beispiel … (der Person zugewandt:) … Sie sind jetzt mal mein Herr Meier (anlächel) … also der Herr Meier …“ – und dann konstruiere ich mein Beispiel um den Herrn Meier herum.

Sie können dann auch noch eine „Frau Huber“ dazu nehmen und wenn Sie es geschickt machen, später im Vortrag die beiden Beispiele auch noch verknüpfen. „Wenn der Herr Meier also mit Frau Huber in einem Büro arbeiten würde, na dann gute Nacht!“

Ihr Publikum wird es lieben, wenn Sie im Lauf des Vortrags auf solche Beispiele zurückkommen. Denn Sie haben einen gemeinsamen Insiderscherz.

Wenn es zu Ihnen und zum Thema passt, können Sie es auch noch weitertreiben. In manchen Vorträgen sage ich schonmal: „Angenommen, ich und … (wie ist Ihr Vorname?) … ah: Ralf … also angenommen Ralf (anlächel) und ich sind verheiratet … und jetzt lässt der Rahalf plötzlich überall seine Socken liegen! (empört schau … an Ralf gewandt:) So hab ich mir die Ehe nicht vorgestellt! … (zum Publikum gewandt) … also in diesem Fall … [und dann überleiten zum eigentlichen Punkt].“

Wichtig ist, dass solche Beispiele immer sinnvoll zu Ihrem Thema passen und nicht nur Show sind.

Erzählen Sie (echte) Anekdoten.
„Letzte Woche zum Beispiel stehe ich in der Schlange bei der Post …“, „Sie werden es mir nicht glauben, aber auf der Fahrt hierher …“ – zu fast jedem Thema gibt es Anekdoten: Wirkliche Geschichten aus dem Leben, die Ihnen selbst oder einem Freund passiert sind.

Jedes Publikum hört gerne solche echten Geschichten. Vergessen Sie abgenudelte Standardbeispiele und bringen Sie vor allen Dingen niemals irgendwelche Fakes à la „Susi Schlau geht einkaufen und …“.

Vor allen Dingen ist Ihr Publikum begeistert, wenn Sie davon erzählen, dass Sie sich selbst ungeschickt angestellt haben: etwas verpatzt, aus der Fassung geraten, aus Sturheit wider besseren Wissens etwas durchgesetzt, obwohl Sie es schon hatten kommen sehen? Raus mit solchen Anekdoten! Das macht Sie als Mensch greifbar und als Fachmann noch viel sympathischer. Das führt uns schon zum nächsten wichtigen Punkt:

Seien Sie selbstironisch.
Selbstironie kommt immer gut an. Menschen, die über sich lachen können, sind äußerst souverän. Vor allen Dingen aber haben Sie hier die gesamte Klaviatur des Humors zur Verfügung: denn Sie selbst sind die Zielscheibe!

Sie können also ehrliche Anekdoten erzählen, über sich selbst die Augen rollen … und Sie können vor allen Dingen während des Vortrags zeigen, wie cool Sie mit Hängern, Versprechern oder Fehlern umgehen.

Lachen Sie mit Ihrem Publikum gemeinsam über sich. Sie bringen damit nebenbei eine der wichtigsten Botschaften rüber: Die Dinge locker sehen können. Mit Missgeschicken gelassen umzugehen.

Entertainen Sie!
Keine Sorge: Sie brauchen kein Stand-up-Comedian werden! Aber: Achten Sie trotzdem mal drauf, wie gute Standup-Komiker sich verhalten: Da wird mal eine Augenbraue schiefgestellt, das Gesicht verzogen, mit Gesten gearbeitet – und immer wieder werden dabei Pausen gemacht.

Ihr Vortrag gewinnt, wenn Sie – natürlich so, dass es zu Ihnen passt – gut dosiert solche Akzente setzen.

Ich bin beispielsweise eher ein Zappelphilipp, raufe mir schonmal die Haare, falle auf die Knie, schüttle einem Zuhörer die Hand oder haue mir auf die Stirn. Je nachdem wie groß Ihr Publikum ist beziehungsweise wie weit weg Ihre Zuschauer sitzen, müssen Sie – wie im Theater – solche körpersprachlichen Gesten dann auch größer und etwas übertriebener machen als normal. Darum ist es wichtig, das wohldosiert zu tun. Sie wollen entertainen und kein Kasperl sein. Wobei ein kompetenter Kasperl auch nichts Schlechtes ist. 😉 

Schwerpunkt Vorher-Nachher: Mit Bildern Emotionen wecken

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Matthias Schwenk ist Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt Social Media. Darüber schreibt er auch in seinem Blog bwlzweinull, wo er sich durchaus kritisch mit den neuen Techniken aus dem Internet auseinandersetzt. Zudem erscheinen immer mehr Texte von ihm im Grimme-Preis-prämierten Online-Magazin Carta, wo sie regelmäßig für Diskussionen in den Kommentaren sorgen.

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In seinen Vorträgen und Präsentationen ist Matthias Schwenk bemüht, die Möglichkeiten und Potenziale von Social Software so anschaulich wie möglich zu vermitteln. Er hat deshalb in neuerer Zeit den Stil seiner Folien auf eine sehr bildbetonte Darstellung umgestellt. Dabei hat er festgestellt, dass mit den richtigen Bildern und Bildmetaphern eine emotionalere Ansprache des Publikums möglich wird, die das Verständnis und die Aufnahme der wesentlichen Botschaften verbessern. In seinem heutigen Gastbeitrag schildert der Berater und Blogautor, welche Erfahrungen er beim Umstieg auf diese bildhafte Präsentationsweise gemacht hat.

Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte: Präsentationen mit Fotomotiven gestalten

von Matthias Schwenk

Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich mich traute, den Stil meiner Präsentationen grundlegend umzustellen. Obwohl ich SlideShare schon seit 2007 kenne und dort (bzw. in Blogs eingebettet) immer wieder sehr gut gemachte Präsentationen bewunderte; für mich selbst schien mir immer der Aufwand zu groß.

Das änderte sich erst 2009, als ich wieder mal am Thema „Wikis“ saß und mir überlegte, wie ich deren Nutzen einem Publikum aus wenig internet- und computeraffinen Menschen vermitteln könnte. Da kam mir die Idee der bildlichen Analogie: Ein Wiki kann man im Grunde mit einem klassischen Aktenordner vergleichen. Wenn ich dafür gute Fotos finden könnte, ließe sich daraus eine Präsentation im neuen Stil machen.

Auf Flickr fand ich schnell eine Fülle sehr guter Bildmotive, die mit einer Creative Commons Lizenz zur freien Verwendung (Weitergabe unter gleichen Bedingungen) versehen waren. Die Basis für meine erste, wirklich überzeugende Präsentation war gelegt.

Beispielfolie aus Matthias Schwenks Wiki-Präsentation

Lässt man sich darauf ein, wird das Erstellen einer Präsentation zum kreativen Prozess. Natürlich ist damit mehr Aufwand verbunden, als wenn man nur Text vor den immer gleichen Bildhintergrund einsetzt. Der Aufwand kann sogar ganz erheblich höher sein, je nachdem, was man für Anforderungen an Ästhetik und sprachliche Wirkung stellt. Ungleich höher ist aber auch die Wirkung beim Publikum: Die Teilnehmer sind ganz anders bei der Sache, wenn gute Bildmotive und kurze, prägnante Schlagzeilen einen Vortrag begleiten.

Ein paar Empfehlungen will ich an dieser Stelle geben:

  1. Bei der Auswahl der Bildmotive ist darauf zu achten, dass ein Foto nicht zu viel Kontrast (hell-dunkel) enthält und dass es eine möglichst ruhige Flächenpartie aufweist, vor die man dann den Text stellen kann.
  2. Idealerweise bilden Bildmotiv und Text eine Einheit, in der beide Partien etwas erzählen. Der Text stützt das Bildmotiv und umgekehrt.
  3. Zur Visualiserung einer Botschaft passen sehr gut auch Bildmetaphern. Wo ein erklärender Text unumgänglich und schwer zu visualisieren ist, eignen sich abstrakte Bildmotive, die nur mit einer Farbstimmung eine Botschaft dezent stützen.
  4. Der Unterhaltungswert (und damit die Akzeptanz des eigentlichen Themas) steigt, wenn eine Präsentation bewusst auch ein paar emotionale Bildmotive enthält (Kinder, Natur, …).

Ein wichtiger Punkt zum Schluss: Wie mit vielen Dingen im Leben macht auch hier die Übung den Meister. Was bei der ersten oder zweiten Präsentation dieser Art noch sehr viel Arbeit macht, geht mit der Zeit dann routinierter. Man gewinnt regelrecht einen Blick etwa für gute Bildmotive oder bedient sich dann aus einem Fundus von Motiven, was die Arbeit wesentlich beschleunigt.

Zudem ist der Erfolg der beste Lohn der Mühe: So wurde meine Wiki-Präsentation auf SlideShare inzwischen über 2800 mal abgerufen. Was will man mehr?

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Schwerpunkt Vorher-Nachher: Reduktion auf das Wesentliche

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Wissenschaftler haben zwei ganz große Sorgen: Vollständigkeit und Seriosität. Beides führt zu einem tiefen Misstrauen gegenüber modernen Präsentationsmethoden. Denn wenig Text auf den Folien bedeutet, dass man nicht alles aufschreiben kann, und eine visuell anspruchsvolle Darstellung, die statt auf Text auf anschauliche Abbildungen setzt, hat leicht den Anschein von „unseriösem Marktgeschrei“.

Patrick Peschlow

Dass es sich hier aber überhaupt nicht um Widersprüche handelt, macht der heutige Gastbeitrag von Patrick Peschlow sehr deutlich. Er steht unmittelbar vor seiner Promotion im Fach Informatik und beschäftigt sich mit komplexen Problemen der Simulation von Computernetzen. Dass er fachlich auf höchstem Niveau forscht, weiß ich noch aus gemeinsamen Tagen an der Universität Bonn. In seinen Vorträgen gelingt es ihm jedoch, selbst komplexe Themen einfach darzustellen, indem er die Folien gezielt als Hilfsmittel zur Veranschaulichung einsetzt – anstatt sich wie andere zum Sklaven voll beschriebener Folien zu machen.

Wie Patrick Peschlow den in der skeptischen Wissenschaftswelt mutigen Schritt zu klareren Präsentationen getan hat und welche Reaktionen er dabei erfahren hat, schildert er in seinem Artikel.

Weniger Ist Mehr

von Patrick Peschlow

Wir schreiben November 2000, mein drittes Semester an der Uni Bonn. Eine Woche noch bis zu meinem Vortrag beim Proseminar „Internetprotokolle“. Meine erste Präsentation mit Powerpoint. Doch bislang lächelt mich nur eine leere Folie an. Ein Einstieg muss her, und zwar bald.

Ich wähle schließlich einen Ansatz, den Sie vielleicht kennen: Orientiere Dich an dem, was Du kennst und was Dir gefällt. Denn bereits in meinem ersten Semester hatte ich in einer Vorlesung ein Foliendesign kennengelernt, das mir gut gefiel; mit bunten Elementen, einer übersichtlichen Anordnung und einer detaillierten Darstellung der Inhalte. Tatsächlich gefielen mir die Vorlesungsfolien sogar so gut, dass ich oft auf den Besuch der Vorlesung verzichtet und stattdessen lieber zu Hause die Folien studiert habe. Keine Frage: Die Folien meiner ersten Powerpoint-Präsentation sollten sich an diesen tollen Vorlesungsfolien orientieren.

Der Vortrag lief gut und ich war zufrieden – so zufrieden sogar, dass ich bei meinem nächsten Vortrag dasselbe Design erneut verwendete. Beim übernächsten Vortrag auch. Und dann erneut, und so weiter. Ob Seminar-, Praktikums-, Diplomarbeits- oder Promotionsvortrag, ob Projekt- oder Konferenzpräsentation, meine Vortragsvorbereitung war stets die gleiche: Die Folien vom letzten Vortrag nehmen, sie von den alten Inhalten befreien und mit neuen Inhalten füllen. Trotz der Vielzahl an Präsentationsgelegenheiten hielt ich also genau genommen jedes Mal den gleichen Vortrag, nur eben mit anderen Inhalten. Ob das Design der Vorlesungsfolien für meine Vorträge überhaupt geeignet war, darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht. Aber sehen Sie selbst. Hier ist eine kleine aber repräsentative Auswahl von Folien aus meinen Präsentationen der Jahre 2000 bis 2007:

Vorher-Folie 2001Vorher-Folie 2003Vorher-Folie 2004

Als Leser dieses Blogs werden Sie vermutlich direkt bemerken: Auf den Folien ist zu viel Text! Und zu viel Text auf Folien bringt eine Reihe von Nachteilen mit sich. Vor allem zwei dieser Nachteile habe ich während meinen Präsentationen regelmäßig erfahren.

  1. Ich habe mich gewissermaßen zum „Sklaven“ meiner Folien gemacht, d.h. ich fühlte mich genötigt, alle auf den Folien erwähnten Punkte auch tatsächlich zu erläutern. Einfach zur nächsten Folie zu wechseln würde ja bedeuten, dass ich etwas ausgelassen hätte. Und wer möchte schon etwas Wichtiges in seinem Vortrag auslassen? Da es auf der Folie steht, muss es ja wichtig sein. Oder?
  2. Ich habe ein ums andere Mal erlebt, dass die Zuhörer versuchen, gleichzeitig den Text auf meinen Folien zu lesen und mir zuzuhören. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich gut, dass man dabei aber in der Regel leider weder das eine noch das andere schafft.

Dennoch habe ich nie negatives Feedback zu einer meiner Präsentationen erhalten. Und wieso auch? Ich hatte stets ordentliche Folien vorbereitet, die ich dann gehalten habe. Es waren halt typische Powerpoint-Präsentationen, und was soll man von diesen schon erwarten?

Erst Anfang 2008 habe ich – in erster Linie dank diesem Blog, den Michael gerade gestartet hatte – zum ersten Mal bewusst über den Sinn und Zweck von Präsentationen nachgedacht. Schnell setzte sich eine wichtige Erkenntnis durch: Bei einer Präsentation besteht mein oberstes Ziel darin, den Zuhörern meine Botschaft erfolgreich zu vermitteln. Mein Vortrag soll es den Zuhörern so leicht wie möglich machen, diese Botschaft zu verstehen. Die Folien sind dabei nur ein Hilfsmittel, um den Vortrag zu unterstützen.

Diese Erkenntnis war für mich der Auslöser, mein Foliendesign zu ändern. Und zwar so, dass die Folien mich bei meinem Vortrag nicht mehr einschränken, geschweige denn mit mir um die Aufmerksamkeit meines Publikums konkurrieren würden. Ich entschied mich für eine Verschlankung meiner Folien anhand des Mottos „Weniger ist mehr“. Es sollte nur noch auf Folie kommen, was ich für meinen Vortrag auch tatsächlich benötige. Der Vortrag selbst sollte wieder im Mittelpunkt stehen. Sehen Sie hier eine Auswahl von Folien aus Präsentationen, die ich seit 2008 gehalten habe:

Nachher-Folie 1Nachher-Folie 2Nachher-Folie 3

Bei einer Konferenzpräsentation im April 2008 ergab sich für mich die erste Gelegenheit zum Praxistest. Zusätzlich zu den schlankeren Folien wendete ich noch eine kleine Technik an, mit der ich mein Publikum vom ersten Moment an auf mein Thema fixieren wollte. Ich brachte einfach die Kernbotschaft meines Vortrags direkt auf die erste Folie:

Einleitungsfolie

Begonnen habe ich meine Präsentation mit den Worten: „Wenn Sie auch nur eine Sache aus meinem Vortrag mitnehmen, dann soll es diese hier sein.“ Danach habe ich die Botschaft auf der Folie kurz erläutert. Erst anschließend begann ich meinen eigentlichen Vortrag über die konkreten Inhalte des Konferenzpapers. Auf der letzten Folie habe ich dann die Kernbotschaft erneut gezeigt.

Im Anschluss an die Präsentation erhielt ich unerwartetes Feedback. Einer der Zuhörer kam zu mir und lobte mich für die Klarheit der Darstellung, ein anderer wiederum bezeichnete meine erste Folie als „extrem effektiv“. Später erklärte mir ein weiterer Zuhörer sogar, dies sei eine der besten Präsentationen gewesen, die er in den letzten Jahren auf einer Konferenz gesehen hätte. Allein diese drei Reaktionen zeigten mir schon: Die Änderungen hatten sich gelohnt. Und dabei waren sie so einfach gewesen.

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Schwerpunkt Vorher-Nachher: Mit Konventionen brechen

By | Allgemein

Der Titel verrät es, in den kommenden drei Wochen dreht sich hier alles um den Weg von langweiligen PowerPoint-Präsentationen hin zu überzeugenden Vorträgen. Neben Tipps aus meiner eigenen Feder berichten drei erfahrene Vortragsredner über ihre Vorher-Nachher-Wege und lassen uns an den Erfahrungen teilhaben, die sie dabei gemacht haben. Den Anfang macht heute der Mobilfunk-Experte Ralf Klüber.

Foto von Ralf Klüber

Ralf Klüber beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit der strategischen Entwicklung von Mobilfunknetzen, zunächst für Vodafone, heute als gefragter freier Berater verschiedener Unternehmen. Zu seinem täglichen Geschäft gehört es seit jeher, komplizierte Ideen und Entscheidungsprozesse anschaulich und überzeugend zu präsentieren. Und von Beginn an hat er darauf mehr Wert gelegt als andere und nach neuen Wegen gesucht, seinen Kunden den Zugang zu seinen Ideen noch leichter zu machen.

Einige seiner Erfahrungen, die mit einem Satz Buntstifte begannen, schildert er im folgenden Beitrag.

Powerpoint am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit

von Ralf Klüber

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Wer kennt sie nicht, die Ritter aus dem Land des Powerpoints. Ganze Heerscharen von Strichmännchen füllten unzählige Folien in den späten 90ern. Folien die damals noch wirkliche Folien für Tageslichtprojektoren waren.

Folien zu dieser Zeit waren dominiert von Text. Als Auflockerung dienten ClipArts und die Darreichungsform von Textinhalten variierte maximal durch die Farbe und Form der Spiegelstriche vor den so genannten Bulletpoints. Doch Bulletpoints können töten. Angela R. Garber nannte das in ihrem im Jahre 2001 erschienen Artikel Death by Powerpoint. Der Artikel erschien zwar am 1. April, war aber durchaus ernst gemeint. Zu viele Informationen und Folien die vom Vortrag eher ablenken als ihn unterstützen.

Mittlerweile sind wir in der Neuzeit angekommen. Die Ritter sind ausgestorben und in der Neuzeit gibt es iStockphoto.de, slide:ology, PresentationZEN und überzeugend-präsentieren.de. Doch damals, was stand damals zur Verfügung?

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Gerade neu beim ersten Arbeitgeber bestellte ich mir Ende der 90er einen 12er Satz Buntstifte von Faber-Castell. Das damals noch analoge Bestellformular kam zurück vom Abteilungsleiter. „Sind wir hier im Kindergarten?“ stand handschriftlich neben der Aufforderung zu einem Termin bei ihm. In der Probezeit schon aufgefallen war mein Fazit. Das Gespräch mit dem Abteilungsleiter war dann halb so schlimm. Die Buntstifte wurden bestellt.

Meine Aufgabe war es, für eine Software eine Schulung neu aufzubereiten. Insgesamt Stoff für vier Tage. Ich wollte sicherstellen, dass die Kursteilnehmer den zweiten Tag erlebten. Also was tun gegen „Death by Powerpoint“?

Keine ClipArts!

Ich erstellte mir mit den Buntstiften auf einem weißen Blatt Papier ein paar Icons – ein Auto, eine Basisstation, ein Handy – und scannte sie ein. Nachdem die Angst vor dem weißen Blatt verflogen war, gingen weitere Zeichnungen recht locker von der Hand.

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Die Zeichnungen verfehlten ihren Zweck nicht. Handgemalt lockerten sie die Vorträge auf und stachen zwischen den ClipArts der anderen Referenten deutlich hervor. Handgemalte Symbole waren damals mein Weg aus der Misere.

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Wenn ich mir mit dem Wissen von Garr Raynolds und Nancy Duarte die hier gezeigten zehn Jahre alten Slides betrachte, dann erscheinen sie mir wie aus einer anderen Zeit. Aus dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit der Powerpoint Zeitrechnung. Trotzdem finden sich Teile der Konzepte wieder. Urteilen Sie selbst.

Powerpoint in der Neuzeit

Seit damals haben mich die Klassiker von slide:ology und presentationzen stark beeinflusst. Mittlerweile bin auch ich in der Neuzeit von Powerpoint angekommen. Als technischer Berater in der Telekommunikation gehört es zu meinen Aufgaben, komplexe Sachverhalte ansprechend auf den Punkt zu bringen.

Drei Punkte, die mir persönlich bei Folien wichtig sind, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

1. Action Title: Sprechen Sie in ganzen Sätzen

Ich empfehle, auf jeder Slide anstatt dem üblichen kurzen Folientitel einen kompletten Satz zu schreiben. Er soll den Inhalt der Folie komplett beschreiben und er besteht aus maximal zwei Zeilen. Das zwingt zu einer Kernaussage pro Folie. Wenn es nicht möglich ist, den kompletten Inhalt in zwei Zeilen zu beschreiben, dann ist das ein untrügliches Zeichen für Handlungsbedarf. Um den Inhalt ansprechend zu vermitteln, wird mehr als eine Folie benötigt.

Wie oft hatten Sie schon eine Präsentation für sagen wir 60min vorbereitet. Sie sitzen im Vorzimmer des Kunden und die Sekretärin bietet Ihnen schon den dritten Kaffee an. Der Kunde weilt noch im Meeting davor und kommt 30 Minuten zu spät. Ihr Meeting beginnt mit den Worten: „Ich muss leider schon in 15 Minuten zum nächsten Meeting, legen Sie los!“.

Wenn Sie sich mit Action Title vorbereitet haben, dann können Sie ganz gelassen bleiben. Sie gehen die Action Title für die einleitenden Folien ihrer Story nur kurz durch. Falls Ihr Zuhörer die Kernaussage im Action Title sofort akzeptiert, gehen Sie weiter zur nächsten Folie. Falls nicht, nutzen Sie die weiteren Informationen um Ihn abzuholen.

Speziell für technische Präsentationen mit komplexen Sachverhalten, Tabellen und Diagrammen ist diese Vorgehensweise zu empfehlen.

2. Visual Anchors: Veranschaulichen Sie die Struktur Ihres Vortrags

Kennen Sie auch die Agenda-Folien mit Bulletpoints? Im Extremfall werden sie alle paar Folien mit der nächsten hervorgehobenen Zeile gezeigt. Wirklichen Mehrwert liefern solche Folien für den Zuhörer nicht.

Mein Alternativansatz lautet Visual Anchors: versuchen Sie die Struktur eines Themas visuell darzustellen. Denken Sie zum Beispiel an einen Prozess. Der Prozess besteht aus einer Initialisierungsphase, einer Durchführungsphase und einer Konsolidierungsphase. In der Durchführungsphase dominieren zwei Teilprozesse mit verschiedenen Einzelschritten.

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Warum diesen Prozess nicht einfach darstellen und diese Darstellung als Piktogramm auf den darauf folgenden – die Teilschritte beschreibenden Folien – wieder verwenden? Sie helfen dem Zuhörer die Struktur ihres Vortrages zu verstehen und zeigen im zu jeder Zeit, in welchem Teil Ihrer Präsentation Sie sich befinden.

3. Excel ist oft das erste, jedoch selten das beste Mittel der Wahl

In technischen Präsentationen dominieren Zahlen und andere numerische Inhalte. Diese ansprechend darzustellen ist wichtig, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu behalten und die wesentlichen Botschaften effizient zu vermitteln.
Ein Säulendiagramm in Excel ist schnell erstellt. Auch hier gilt der Grundsatz, dass Sie beim Erstellen der Folien schwitzen müssen und nicht ihre Zuhörer während des Vortrags.

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Hinweis: Die Zahlen sind fiktiv.

Wie haben Sie den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit des Powerpoint erlebt?
Die Tipps hier im Blog und die vielen auch hier besprochenen Bücher helfen Ihnen, in der Neuzeit mit Ihren Präsentationen aus dem Powerpoint-Einerlei hervorzustechen. Jede gute Präsentation ist ein Schritt nach vorne und setzt Sie weiter von Ihren Kollegen und Mitbewerbern ab.

Viel Erfolg dabei.
Ihr Ralf Klüber (ralf@klueber-telconsult.de)