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Empathie Archive - Dr. Gerharz - Überzeugend Präsentieren

Let’s Talk: Mut zu Menschlichkeit

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Heute zu Gast: Andrea Joost, Präsentationsberaterin aus Heidelberg und Autorin des Buches „Mit Worten bewegen“.

Wir haben uns unterhalten über Sprachmonster und Informationsabladeplätze, Folien als Sehtest, den Seriositätsvorhang, der den Weg zur Professionalität gerade nicht freigibt und den man deshalb lieber nicht durchschreitet, außerdem über lange Leinen, Angst vor Fehlern, eine Alternative dazu, nämlich Mut zum Risiko, und über die Chancen, die mehr Menschlichkeit in Vorträgen bieten.

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Let’s Talk: Boah, die verstehen mich!

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Heute zu Gast, Thomas Junk, Creative Director „Experience Design“ bei SapientRazorfish und Präsidiumsmitglied im Art Director’s Club Deutschland.

Wir haben uns unterhalten über Duschen im Wohnzimmer, die „User Experience“ bei Präsentationen, Momente, in denen man sagt: „Boah, die verstehen mich!“, warum Nike kein Schuhverkäufer ist, wie man als UX Designer eine Präsentation optimieren würde, Jägerlatein und wie der Hase läuft, warum man sein Gehirn nicht an der Garderobe abgeben sollte, und darüber, wieviel Menschlichkeit ein Unternehmen wie Spotify braucht, damit die Hörer schöne Songs hören statt bloß nach schönen Songs zu suchen.

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Die große Storytelling-Keule

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Der Erste erzählt den Handwerkern, was es Neues gibt.

Der Zweite sagt: „Das kann ich besser!“, und erzählt den Handwerkern, inwiefern die neuen Produkte viel besser sind als die alten. Und als die der Konkurrenz sowieso.

Der Dritte sagt: „Das kann ich besser!“, und erzählt den Handwerkern, wie Handwerker mit seinen neuen Produkten zu besseren Handwerkern werden.

Dem Vierten liegt am Herzen, dass die Handwerker tatsächlich bessere Handwerker werden.

Viel Marketing-Bullshit entsteht, weil der vierte Schritt nicht getan wird. Weil erst hinterher – wenn das Produkt schon lange fertig ist – überlegt wird, wie man es dem Kunden möglichst schmackhaft macht. Dann wird die große Storytelling-Keule geschwungen. Der Kunde soll sich identifizieren, soll zum Helden einer grandiosen Success-Story werden.

Das ist eines der großen Missverständnisse beim Storytelling.

Ja, mit Stories kann man die Zuhörer zu Helden machen. Ja, mit Stories kann man Emotionen wecken. Und ja, mit Stories kann man den Das-Kann-Ich-Auch-Effekt erzielen.

Aber solange es Ihnen im Grunde schnuppe ist, ob das auch den Tatsachen entspricht, solange Sie es nur machen, weil es gut klingt, solange ist es eben nicht mehr als Bullshit.

Es geht aber nicht um gut klingen, sondern um gut sein, denn Bullshit gefährdet auf Dauer das Vertrauen.

Umgekehrt gilt: Wer hinten anfängt, wer bei der Frage beginnt, was denn die Kunden überhaupt brauchen und womit die Kunden zum Helden ihrer tatsächlichen Story werden, der hat keine Schwierigkeiten, es seinem Publikum zu erklären. Denn der weiß schon bei der Entwicklung, in welcher Story die Kunden überhaupt mitspielen, welche Hürden sie darin überwinden müssen, was ihnen wichtig ist. Und der hat dann nicht nur ein Produkt, dass diese Bedingungen erfüllt, sondern auch eines, dass er spannend präsentieren kann, z.B. mit einer guten Story.

Vom Thema her oder vom Zuhörer her denken

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Man kann eine Präsentation vom Thema her oder vom Zuhörer her denken.

Wer vom Thema her denkt, denkt logisch und chronologisch: „Lieber vollständig als verstanden. Wenn das Thema trocken, kompliziert oder abstrakt ist, dann ist das so. Ich kann dafür nichts, denn es liegt am Thema. Dieses und jenes kann ich unmöglich weglassen und das hier kann man nicht vereinfachen. Mir sind da die Hände gebunden. Ob die Zuhörer es verstehen, liegt eben auch an den Zuhörern.“

Wer vom Zuhörer her denkt, denkt empathisch und didaktisch: „Lieber verstanden als vollständig. Ich kann immerhin die Neugier der Zuhörer wecken, damit sie nachher mehr wissen wollen … statt sie abzuhängen, weil sie irgendwann frustriert abschalten. Abstrakte Themen gibt es nicht, wenn man sie in die Sprache der Zuhörer übersetzt. Trockene Themen auch nicht, wenn man sie in das Leben der Zuhörer überträgt. Dass die Zuhörer verstehen, ist meine ureigenste Aufgabe als Vortragender.“

Seht her, wie großartig wir sind

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„Schauen Sie sich mal unsere neue Technologie an. Großartig, oder? Ich erklär Ihnen mal ganz genau, wie das funktioniert. Sehen Sie, wie großartig wir sind? Wir sind uns sicher, dass Sie das super gebrauchen können.“

Ein anderer:

„Uns ist aufgefallen, dass Sie ein Problem haben. Wir haben uns das mal näher angeschaut und herausgefunden, warum. Wir haben auch eine Lösung gefunden. Sie müssen dafür dieses und jenes tun. Mit unserer neuen Technologie tut das nicht annähernd so weh, wie es klingt. Tatsächlich macht es sogar Spaß. Wollen Sie wissen, wie es funktioniert?“

Maßstäbe für den Erfolg einer Präsentation

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Woran messen Sie den Erfolg Ihrer Präsentation?

An der Dauer des Applauses?
Dass es keine Fragen gab?
Dass es viele Fragen gab?
Dass Sie nur 10 Minuten für die Vorbereitung verwendet haben und alles aus dem Ärmel geschüttelt haben?
Dass Sie alles erzählt haben, was Sie wissen?
Dass Ihr Chef Sie nach dem Vortrag lobt?
Dass jemand aus dem Publikum Sie nach dem Vortrag lobt?
Dass jemand aus dem Publikum Sie nach dem Vortrag beschimpft?
Dass niemand sein Smartphone rausgeholt hat?
Dass Ihr Vorschlag angenommen wurde?
Dass Sie für einen weiteren Vortrag eingeladen wurden?
Dass Ihr Publikum verstanden hat, was Sie meinen?
Dass Ihr Publikum verstanden hat, dass das, was Sie gesagt haben, relevant ist?
Dass Sie etwas bewegt haben?
Dass sich drei Wochen nach Ihrem Vortrag im Verhalten Ihrer Zuhörer spürbar etwas geändert hat?

Der Maßstab, nach dem Sie Ihre Präsentation bewerten, beeinflusst die Haltung gegenüber Ihrer Präsentation und gegenüber Ihren Zuhörern. Haben Sie den richtigen Maßstab?

Der Verdammt-so-mach-ich-es-ja-auch-ich-fühl-mich-ertappt-Effekt

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„Haha, ja genau. Wie bei mir neulich. Gutes Beispiel.“ Ziemlich lustiger Vortrag ist das.

Obwohl … auch ein bisschen unheimlich. Der kennt mich doch gar nicht. Und doch weiß er, wie ich ticke. Hat er mir etwa über die Schulter geschaut?

Lustig ist’s, ja, aber je länger der Vortrag dauert, desto unbequemer wird’s auch, weil ich erkenne:

„Verdammt, so mach ich es ja auch. Ich fühl mich ertappt!“

Und das ist gut so. Denn erst wenn es unbequem wird, ändern wir etwas.

Unbequem wird es aber erst, wenn ich erkenne, was das mit mir zu hat: „Der meint ja mich! Der hat echt verstanden, worauf es ankommt.“

Sie sind der Augenöffner für Ihre Zuhörer – je konkreter, je lebensnäher Ihre Beispiele, desto mehr. So konkret, dass die Zuhörer sagen: „Verdammt, so mach ich es auch. Ich fühl mich ertappt!“

Praktisch, wenn es einen Schuldigen gibt

By | Allgemein

Praktisch, wenn es einen Schuldigen gibt. Das macht alles so schön einfach, weil es mich aus der Verantwortung entlässt.

Diesmal ist es also Facebook. Hätten die doch bloß mal die ganzen Fake-News herausgefiltert. Dann hätte Trump nie gewinnen können. Ursache erkannt. Problem gelöst. Alles prima. Wir können alle so weiter machen wie bisher, denn meine Schuld war’s ja nicht, sondern Facebooks.

Meine Botschaften hatten einfach keine Chance. Die waren zwar top, aber gegen Fake-News? Die sind nun einmal zu verführerisch. Dagegen kommt keiner an. Und unfair ist es sowieso. An mir und meinen Botschaften lag’s also offensichtlich nicht.

Sollen die bei Facebook jetzt mal ihren Algorithmus in Ordnung bringen. Sobald Fake-News gefiltert werden, wird alles wieder gut. Am besten verpflichten wir Google gleich mit, Fake-News auch aus den Suchergebnissen zu verbannen.

Dann erkennen endlich alle, was wirklich stimmt. Ich zum Beispiel wäre auf einen Schlag all die Konkurrenten los, die immer noch die Mehrabian-Regel falsch zitieren.

Schöne neue Welt, oder?

Schade nur, dass es so einfach doch nicht ist. Wer soll denn entscheiden, was wahr oder falsch ist? Wer soll entscheiden, was ein Irrtum ist und was eine bewusste Falschmeldung? Oder ein Missverständnis? Wer soll entscheiden, wie eine Aussage gemeint war? Wie weit ist der Weg dann noch zur Zensur? Zu Neusprech?

Man muss Facebook und Mark Zuckerberg heute gar keine böse Absicht unterstellen, aber wie sähe ein solcher Wahrheitsfilter in den falschen Händen aus? Und wer garantiert, dass er nicht in die falschen Hände gerät?

Zeugenaussagen

By | Kurz notiert

Wenn Sie nach einem Autounfall 10 Augenzeugen danach fragen, was sie gesehen haben, werden Sie 10 verschiedene Versionen des Unfallhergangs hören, möglicherweise gar widersprüchliche. Obwohl keiner der 10 Augenzeugen gelogen hat. Niemand hat versucht, Sie zu täuschen. Jeder hat bloß die Wahrheit wiedergegeben, die er erlebt hat.

Glauben Sie nicht, dass das im Vortragsraum anders wäre. Sie sollten nicht davon ausgehen, dass das, was Sie sagen, so ankommt, wie Sie es meinen. Sie sollten nicht einmal davon ausgehen, dass das, was Sie sagen, auch so gehört wird, wie Sie es sagen. Dass das, was Sie zeigen, auch so gesehen wird, wie Sie es sehen. Dass das, was ein Zuhörer morgen über Ihren Vortrag sagt, dem entspricht, was er heute gehört hat.

Jeder Zuhörer hat seine eigene Realität. Er ordnet Neues in diese Realität ein und schlussfolgert deshalb möglicherweise etwas ganz anderes als Sie. Weder Sie noch er machen dabei einen Fehler. Es ist lediglich eine Gegebenheit, mit der wir als Vortragende umgehen müssen.

Deshalb ist es so wichtig, diese Realität zu verstehen und sich bei der Vortragsvorbereitung zu fragen: Was wissen die Zuhörer, was glauben sie, was beschäftigt sie? Können sie die Menge an Informationen und Folien verarbeiten? Können sie richtig einordnen, was ich erkläre?

Sie können nicht garantieren, dass das, was Sie zu sagen haben, auch so ankommt, wie sie es sagen (geschweige denn meinen). Aber sie können die Wahrscheinlichkeit dafür erhöhen.

Dass andere in Bildern dasselbe sehen wie wir, ist nicht selbstverständlich.

By | Kurz notiert

Während der Dreharbeiten zu seinem Film „Die fliegenden Ärzte von Ostafrika“ stolperte Werner Herzog über eine interessante Entdeckung zur Wahrnehmung von Bildern (Hervorhebung von mir):

One of the doctors in the film talks of showing a poster of a fly to the villagers, who had never seen photographs or images of any sort. “We don’t have that problem,” they said. “Our flies aren’t that big.” It was a response that fascinated me, so we took the posters – one of a man, one of a human eye that filled an entire piece of paper, another of a hut – and conducted an experiment. I asked if they could identify the human eye, and most of the villagers couldn’t; the images were just abstract compositions to them. One man thought the window of the hut was an eye, and another pointed to the eye and said, “This is the rising sun.” It was clear that certain elements of visual perception are in some way culturally conditioned, that these people were processing images differently to how Westerners might.

Offenbar spielt die „kulturelle Prägung“ eine große Rolle dabei, wie wir Bildern wahrnehmen, dekodieren und verstehen. Wir sollten jedoch nicht davon ausgehen, dass diese Unterschiede in der „kulturellen Prägung“ nur in der afrikanischen Steppe relevant sind.

Durch die Kultur im eigenen Unternehmen oder in den eigenen vier Wänden, durch die Prägung der Medien, die wir konsumieren, durch die Gespräche, die wir führen, die Erfahrungen, die wir machen, sehen wir in Bildern stets das, was sich aus diesen Erfahrungen ergibt. Wir können nicht davon ausgehen, dass Bilder auf andere Menschen dieselbe Wirkung haben wie auf uns. Mehr noch, offensichtlich dürfen wir nicht einmal davon ausgehen, dass andere Menschen in den Bildern dasselbe erkennen wie wir.