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Design Archive - Seite 2 von 7 - Dr. Gerharz - Überzeugend Präsentieren

Eine Klappe, zu viele Fliegen

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Sie versteh‘n nur Bahnhof? Das wird als Handout nicht besser …

Vor einigen Wochen durfte ich an einem internationalen Expertentreffen zum Thema Klimawandel teilnehmen. Wichtige Menschen redeten über wichtige und interessante Themen. Leider verpasste ich eine der Diskussionen und fragte beim Veranstalter an, ob er mir die dokumentierten Ergebnisse der Diskussion zugänglich machen könne. Kein Problem, alle Präsentationen seien schon auf der Webseite verfügbar. Das Ergebnis: Ohne erklärende Worte habe ich die Präsentationen nicht verstanden und Spaß hat es auch nicht gemacht, mich durch hunderte Folien zu klicken.

Schon mal eine Präsentation gelesen?

Schon oft habe ich beobachtet, dass Veranstalter von Konferenzen es für eine kluge Idee halten, die gehaltenen Präsentationen später als Dokumentation der Inhalte zu nutzen. Dabei frage ich mich jedesmal: Was soll das eigentlich? Ist denn noch niemandem aufgefallen, dass kein Mensch Lust hat, eine Präsentation tatsächlich zu „lesen” und zu raten, was wohl die erklärenden Worte gewesen sein könnten?

Wenn ich Folien hingegen problemlos wie ein Textdokument lesen kann, ist beim Vortrag selbst sowieso etwas gründlich schiefgegangen. Denn dann hat sich der Vortragende durch seine eigenen Folien überflüssig gemacht. Er hätte genauso gut hinten im Raum sitzen können und die Präsentation kommentarlos durchlaufen lassen können. Steht ja alles drauf, was wichtig ist.

Zwei sind eine zuviel

Der Versuch mit Powerpoint und Co. sowohl eine perfekte Präsentation als auch ein perfektes Handout gestalten zu wollen, kann nur nach hinten losgehen. Folien sind dafür gedacht, einen mündlichen Vortrag visuell zu unterstützen, genauso wie ein Textverarbeitungsprogramm dafür gemacht ist, einen Fließtext darzustellen. Der Versuch, mit Folien zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, schadet entweder der Präsentation oder der Dokumentation – meistens sogar beidem.

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Toll, super, genial

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Toll, super, genial! Aber warum? Fans darf das egal sein. Ein Experte muss sagen können, warum.

Die FAZ über Nenas Rolle als Kritikerin bei „The Voice of Germany“:

Irgendwann stößt die Wortfamilie an ihre Grenzen, es dreht sich alles um „toll“, „super“, „genial“ oder „unfassbar“. Vor allem Nena gingen schnell die Worte aus.

Dabei hätte sie es nötig gehabt, ihrem eigenen Anspruch, offen und emotional zu sein, auch verbal gerecht zu werden. Emotionale Authentizität kauft man sich eben nicht durch den inflationären Gebrauch des Wortes „Gefühl“, ästhetische Urteile verlieren ihre Kraft durch die sich wiederholende Einordnung in „toll“ oder „spitze“.

Wer eine Leistung fundiert beurteilen möchte, der muss auch irgendwann einmal sagen, was denn eigentlich so „toll“ an der Leistung war. Kann er das nicht, bleiben Spitzenleistungen Zufallstreffer. Nur wenn Sie auf den Punkt bringen, was genau gut und was genau verbesserungswürdig ist, dann können Sie auch genau daran arbeiten, um beim nächsten Mal noch besser zu werden. Und erst dann können Sie den anderen Kritikern Paroli bieten, die gerade das Gegenteil sagen, nämlich dass sie es „doof“ fanden.

Gefällt mir! Aber warum?

Im Design ist das genau so. Meist hat jeder eine Meinung dazu: „Gefällt mir“ oder „find’ ich nicht so gut“. Doch bei den meisten bleibt das nur ein Bauchgefühl; die Frage nach dem „Warum?“ können die wenigsten beantworten: „Warum gefällt mir das besser?“, „Warum passt die blaue Version besser als die grüne?“, „Warum ist das Motiv nicht das richtige?“.

Deswegen empfehle ich z.B. immer noch jedem Design-Anfänger das wundervolle Buch Design for Non-Designers von Robin Williams. Warum das Buch wundervoll ist? Weil es dem Leser erklärt, warum ein Design besser aussieht als ein anderes. Und weil es ihm ein Vokabular an die Hand gibt, mit dem er das auch begründen kann.

Weltklasse Präsentation

Übrigens gilt das alles natürlich auch für Ihre Vorträge: Wenn Sie Ihrem Publikum immer nur vorschwärmen, Ihr Produkt sei „grandios“, und „Weltklasse“, aber nicht erklären, in welcher Beziehung, dann geht das alles unter im Marketing-Geschrei aller anderen, die das auch behaupten. Wenn Sie aber konkret werden, wenn Sie mit Bildern, Vergleichen und Geschichten erklären, in welcher Beziehung Ihr Produkt „Weltklasse“ ist, dann bleiben Ihre Worte viel eher in Erinnerung.

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Miese Schriften

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Die amerikanische Comedy-Webseite Jest fragt: „Kann die falsche Schrift im Vorspann einen Film ruinieren?“ Die Antwort gibt sie mit diesem Film:

Schrift ist mehr als nur der Träger von Buchstaben. Mit der richtigen – oder falschen – Schriftart beeinflussen Sie auch die Stimmung von Texten. Selbstverständlich auch, wenn Sie auf Präsentationsfolien stehen.

Die Schriftart muss zu Ihnen und Ihrem Produkt passen. Wenn Sie es nicht tut, dann ruiniert eine miese Schriftart möglicherweise die Stimmung noch bevor Sie überhaupt einen Ton gesagt haben – ganz genau so wie die Stimmung berühmter Filme ruiniert wäre, wenn der Vorspann eine miese Schriftarten nutzen würde.

Die gute Nachricht: Miese Schriftarten erkennt man leicht, wenn man auf sein Bauchgefühl höhrt, so wie in diesen Beispielen:

Die falsche Schriftwahl kann eine Präsentation ruinieren. Fänden Sie das iPhone mit dieser Schrift immer noch hip?

Auch diesen Vortrag könnte man nur schwer ernst nehmen. Verspielte Schriften haben in seriösen Präsentationen selten etwas zu suchen.

Ein Motivationstrainer, der selber unmovitiert ist? Arial sagt vielleicht „langweilig“ oder „ich nehm’ immer den Standard“, aber nicht „motiviert“.

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Faule Designer

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Ein fauler Designer. Sind Sie auch einer?

Faule Designer erzielen bessere Ergebnisse, weil

  • sie den Stift nicht in die Hand nehmen, bevor sie genau wissen, was sie eigentlich ’rüberbringen wollen.
  • sie keine Folie gestalten, bevor sie sicher sind, dass sie sie auch brauchen.
  • sie erst dann eine weitere Farbe verwenden, wenn es wirklich nicht mit weniger geht.
  • sie erst dann eine andere als die Hausschrift verwenden, wenn sie ganz genau sagen können, warum.

Faule Designer sind bessere Designer, weil sie ihren Kopf einschalten.

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Selber denken

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Was mich stutzig macht: Wenn jemand sagt, es gebe keine andere Lösung. Was mich irritiert: Wenn das eine ganze Branche sagt. Letzte Woche fand ich diese Grafik, die das Design von Laptops früher und heute vergleicht:

Früher sahen Laptops deutlich unterschiedlich aus. Heute ähneln viele dem Apples Macbook. Schade, denn es gibt fast immer mehr als eine richtige Antwort auf Designfragen.

Es ist ziemlich offensichtlich, dass heute die meisten Geräte Apples MacBook ziemlich ähneln. Offenbar denken viele, das müsse so sein.

Es ist ja eine Sache, sich von den guten Ideen anderer inspirieren zu lassen. Auch die ganz Großen tun das. Aber muss man deshalb sein Gehirn völlig ausschalten? Gibt es nichts, was man verbessern kann? Sind die Antworten auf die Herausforderungen der Kunden wirklich für alle gleich?

Selber denken lohnt, denn es gibt selten nur eine gute Antwort

Was mich stutzig macht: Wenn jemand sagt, es gebe keine andere Möglichkeit, sein Thema zu präsentieren. Schließlich sei es ein technisches Thema, da gebe es keine Story. Was mich irritiert: Wenn das eine ganze Industrie sagt.

Tatsächlich gibt es fast immer mehr als eine Lösung. Nur muss man, um sie zu erkennen, eben wissen, was man eigentlich erreichen möchte. Man muss wissen, welches Problem man überhaupt lösen muss und was den Kunden (oder eben dem Publikum) wichtig ist. Und da nicht alle Herausforderungen dieser Welt gleich sind, gibt es auch – mit ziemlicher Sicherheit – mehr als eine gute Antwort auf diese Fragen.

Aber »Gehirn ausschalten« ist eben einfacher als selber Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen. Auch muss man dann nachher nicht rechtfertigen, warum man es nicht so macht wie alle anderen.

Mir wäre das zu wenig.

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Die komischen Kleider des Higgs-Bosons

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Mit der (wahrscheinlichen) Entdeckung des Higgs-Bosons ist wohl der entscheidende Nachweis der umfassendsten Theorie gelungen, die die moderne Physik zu bieten hat, dem sog. Standardmodell der Quantenphysik. Jahrzehntelang hatte man nach diesem Higgs-Boson gesucht. Zu Recht, denn solange dieses Elementarteilchen nicht gefunden ist, steht auch das Standardmodell der Quantenphysik auf wackligen Beinen.

Schlimmer noch: hätten die Experimente am Teilchenbeschleuniger gar gezeigt, dass das Higgs-Boson nicht existiert, stünde heute diese Theorie und wohl auch die Physik als Ganzes vor einem Neuanfang. Man kann also mit einigem Recht vermuten, dass die Entdeckung des Higgs-Bosons der bisher wichtigste Tag der Physik in diesem Jahrhundert war.

Was zieh’ ich nur an?

Und was machten die Physiker an diesem Tag? Sie präsentierten ihre Ergebnisse in Comic-Sans. Folgerichtig dauerte es nicht lange, bis das Internet eine Welle des Spotts über sie ergoss. Ausgerechnet Comic-Sans, die kindischste aller Schriften, hatten sie für ihre Präsentation gewählt.

Doch ganz so einfach sollten wir es uns nicht machen. Denn in gewisser Weise gilt wahrscheinlich in Sachen Higgs-Boson mehr als bei irgend einem anderen Thema: Content is king. Wer etwas zu sagen hat, der braucht sich über die Form wenig(er) Gedanken zu machen. Der Aha-Effekt überragt hier jeden noch so großen Wow-Effekt. Die CERN-Forscher hatten ganz sicher etwas zu sagen.

Kleider machen Leute

Und dennoch: Der Spott der Weltpresse zeigt, welch’ einmalige Chance hier vergeben wurde. Es wird nicht viele Gelegenheiten geben, bei der die Weltöffentlichkeit noch einmal so gebannt auf die Physik schaut. Hätte man das nicht nutzen müssen, um für die Physik auch als Fach zu werben, z.B. indem man zeigt, dass Physik etwas schönes ist? Dass man Physik auch verstehen kann? Dass es nicht nur die Heimat verrückter Wissenschaftler ist?

Stattdessen mussten wir Folien wie diese ertragen (komplette Präsentation hier), bei denen – ehrlich gesagt – die Wahl von Comic-Sans noch das geringste Übel ist. Wer soll das verstehen?

Wundervoller Einsatz der Comic-Sans auf dieser schrecklichen Folie aus der Präsentation zur Bekanntgabe der (wahrscheinlichen) Entdeckung des Higgs-Bosons.

Dass es besser geht, zeigen die zahlreichen Videos, die es im Netz zu dem Thema gibt. Statt Spott wäre der Ruhm der CERN-Wissenschaftler noch um einiges größer gewesen, hätten sie selbst sich um eine verständlichere – vielleicht auch ansprechendere – Darstellung ihrer Ergebnisse bemüht. Es ist eben doch nicht nur das Sahnehäubchen, wenn man sich um eine verständliche Präsentation seiner Gedanken bemüht.

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PresentationLoad

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Alexander Christmann, Head of Production von PresentationLoad, war nicht amüsiert über meinen Artikel Schlechte PowerPoint-Vorlagen. In der vergangenen Woche kommentierte er:

[…] Spaß beiseite. Sicherlich gibt es Präsentationen, die schöner, eleganter, einfacher, reduzierter, aussagekräftiger, fokussierter und stylischer sind, als dieses von Ihnen beliebig gewählte Beispiel von www.presentationload.de

Yep. (Übrigens unterscheidet sich dieses von mir beliebig gewählte Beispiel praktisch nur in den Fotos und der Farbpalette von den anderen Vorlagen.)

Wer jedoch diese Vorlagen stellvertretend für alle anderen Vorlagen bei www.presentationload.de per se als schlecht aburteilt, der hat schlichtweg den Sinn von PowerPoint Vorlagen nicht verstanden.

Ich dachte, der Sinn von PowerPoint-Vorlagen sei es, dass der Vortragende möglichst einfach überzeugende Präsentationen gestalterisch umsetzen kann. Die Frage ist doch: tun das die PresentationLoad-Vorlagen?

Wenn wir von guten PowerPoint Präsentationen sprechen, dann sprechen wir auch von zwei Welten. […] Die andere Welt hingegen skizziert sich in einem Abstraktum, nämlich in der Idee, den unterschiedlichsten, individuellen Ansprüchen und Anforderungen gerecht zu werden. […] Und genau hier ist Ihr Denkfehler. Diese Vorlagen verstehen sich nicht als Dogma für die perfekte Präsentationsgestaltung, sondern eher als Toolboxen, die möglichst viele Szenarien abdecken und möglichst vielen Kundenanforderungen gerecht werden sollen.

Das habe ich schon verstanden. Die Vorlagen werden aber nicht dadurch besser, dass sie everybody’s darling sein wollen. Denn das ändert ja nichts daran, dass sie zu text- und kopflastigen, also ineffektiven Präsentationen einladen – und zwar in der gleichen Weise, wie die Standard-PowerPoint-Vorlagen dazu einladen, Bullets Points einzutippen.

Und welchen Anforderungen werden denn diese Folien überhaupt gerecht? Prägnant? Na ja. Einprägsam? Eher nicht, denn dafür sind sie zu klischeehaft. Emotional? Mit Sicherheit nicht. Roter Faden? Den muss man schon selber haben. Schick? Vielleicht. Die Frage ist ja, ob bei den „möglichst vielen Szenarien“ für den Kunden die richtigen dabei sind.

Aber Christmann spielt den Ball ohnehin weiter:

Keiner in unserem Hause erwartet, dass diese vorformatierten Platzhalter und vorkonzipierten Grafiken in vollem Umfange mit konkreten Informationen befüllt werden.

Das klingt für mich zu einfach, nämlich übersetzt etwa so: Wenn am Ende die Präsentation nichts taugt, ist’s im Zweifel der Nutzer schuld. Er hätte ja die Platzhalter nicht nutzen müssen.

Der Punkt ist: Die Vorlage lädt dazu ein, die Platzhalter zu benutzen (wofür wären sie sonst da). Das bedeutet: weil die Vorlage textüberladen ist, gilt das wahrscheinlich auch für die fertige Präsentation.

Wir brauchen weder schick dekorierte Textwüsten noch Vorlagen, die der Nutzer erst von Platzhaltern befreien muss, damit sie erträglich werden. Wir brauchen Vorlagen, die dazu einladen, auf den Punkt zu kommen, statt umständlich drum herum zu schreiben; und Vorlagen, die dazu einladen, aus einer Präsentation eine spannende Story zu machen.

Wie erschafft man eine Unternehmensidentität?

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1969 wurde Saul Bass, Schöpfer zahlreicher stilprägender Logos und Filmvorspänne, von AT&T beauftragt, eine neue visuelle Identität für den amerikanischen Telefon-Monopolisten zu entwerfen. Das damals radikale Ergebnis erläuterte Bass den AT&T-Managern in diesem faszinierenden Video (27 Minuten):

In einer Zeit, in der Videos nicht auf YouTube-konforme 5 Minuten beschränkt waren, nimmt sich Bass die Zeit:

  1. ausführlich zu erklären, was eigentlich eine visuelle Identität leisten soll.
  2. dass die damalige Identität von AT&T nicht mehr zeitgemäß war.
  3. wie eigentlich ein Logo funktioniert.
  4. ausführlich seine Lösung für AT&T zu erläutern.

Besonders achten sollten Sie darauf, wie Bass nie irgendetwas einfach nur behauptet. Immer lässt er seine Zuschauer regelrecht spüren, was er meint.

Er nimmt sein Publikum emotional mit in die Zeit der Rezession, in die Zeit des Aufbruchs und in die moderne Zeit.

Saul Bass zeigt Bilder aus der amerikanischen Rezession.

Saul Bass zeigt die „modernen Zeiten“.

Er zeigt, was es beudetet, in einer Welt der visuellen Überflutung hervorzustechen.

Saul Bass zeigt die visuelle Reizüberflutung des Alltags.

Er zeigt, wie viele Varianten er durchdacht hat, bevor er zu seinem Ergebnis gekommen ist.

Saul Bass demonstriert den Aufwand, den sein Studio für die Entwicklung betrieben hat.

All’ das ist „Show, don’t tell“. Alles, was das Publikum selbst erkennen kann, muss man ihm nicht erklären. Denn, was es selbst erkennt, dazu bekommt es einen emotionaleren Bezug. Und Emotionen sind die Basis, auf der Argumente erst wirken.

Kleine Randnotiz: In diesem kurzen Video erläutert Saul Bass sein Verständnis des Designberufs.

I want everything I do to be beautiful. I don’t give a damn whether the client understands that that’s worth anything or whether the client thinks it’s worth anything or whether it is worth anything. It’s worth it to me. It’s the way I wanna live my life. I want to make beautiful things even if nobody cares.

(via Brand New)

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Wie wir Farben wahrnehmen

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Color is about a lot more than just opening your eyes.

Diese BBC-Dokumentation zeigt, wie Menschen Farben unterschiedlich wahrnehmen; sogar dieselben Menschen zu verschiedenen Zeitpunkten, abhängig davon, wie sie über Farben sprechen, wie sie sich fühlen, ja sogar abhängig von ihrem Alter und ihrem Geschlecht.

1. Pink ist nicht gleich rosa – und grün ist nicht gleich grün

Ob zwei Farben ähnlich auf uns wirken oder nicht, hängt nicht nur von deren Wellenlängen ab, sondern auch von unserem Sprachgebrauch. „Das ist nicht rosa, das ist pink“, belehrt mich meine Tochter desöfteren. Insbesondere seit sie in den Kindergarten geht unterscheidet sie mühelos etliche Rosa-Töne. Und das liegt möglicherweise daran, dass sie im Spiel mit ihren Freundinnen verschiedene Namen für diese Farbtöne selbstverständlich verwendet.

Tests mit dem Himba-Stamm aus Namibia weisen auf diese Interpration hin. Die Himba sind mühelos in der Lage, Grün-Töne zu unterscheiden, die für uns kaum unterscheidbar sind. Sie haben unterschiedliche Namen für diese Grün-Töne und finden daher in dem Beispiel unten links auf Anhieb dasjenige Quadrat, das sich von den anderen unterscheidet (Auflösung am Ende des Artikels). Umgekehrt können Sie die Blau- und Grüntöne in dem Beispiel rechts nur schwer unterscheiden. Vermutlich weil die beiden Farbtöne in ihrer Sprache denselben Namen haben.

links: die Himba erkennen das minimal hellere Quadrat auf Anhieb, haben aber Schwierigkeiten das blaue von den übrigen Quadraten zu unterscheiden

2. Die Farbe ist mit den Mächtigen

Farbwahrnehmung hängt offenbar auch von unserem Gemütszustand ab. Der Wissenschaftler Beau Lotto konnte nachweisen, dass Menschen, die sich mächtig fühlen, sensibler auf Farbänderungen reagieren als andere Menschen. Neben der Gemütslage beeinflussen auch Geschlecht und Alter unsere Farbwahrnehmung. So kann ein und dieselbe Szene auf uns an unterschiedlichen Tagen unterschiedlich wirken. Und noch mehr: nur durch unsere Erfahrung erhalten die Farbinformationen, die auf unsere Augen treffen, ihre Bedeutung. Beau Lotto, Leiter des Londoner Lottolab zur Wahrnehmungsforschung, fasst das so zusammen:

Das Licht, das auf unsere Augen fällt – die sensorische Information – ist bedeutungslos, weil sie buchstäblich alles bedeuten kann. Und daher gilt für sensorische Informationen dasselbe wie für Informationen im Allgemeinen. Sie haben keine inhärente Bedeutung. Was wir mit den Informationen tun, das ist wichtig.

In diesem TED-Vortrag demonstriert Lotto, wie die Farbwahrnehmung durch äußere und innnere Faktoren beeinflusst wird.

3. Wenn rot gleich grün ist

Neben diesen soziolgischen Einflüssen gibt es aber auch handfeste genetische Ursachen für unterschiedliche Farbwahrnehmung. Nämlich das, was im Volksmund Farbenblindheit heißt, aber real eher als Rot-Grün-Schwäche auftritt. Betroffen sind zwischen 5-10% der Bevölkerung, zum überwiegenden Teil Männer. Die meisten Betroffenen haben beeinträchtigte oder nicht funktionierende Farbrezeptoren für rot oder grün. Sie können dann diese beiden Farben schwer bis gar nicht unterscheiden. Das kann dann z.B. dazu führen, dass die für die meisten von uns so vertraute rot/grün-Ampel für Betroffene ihre Bedeutung verliert:

Beispiel für die unterschiedliche Farbwahrnehmung bei Farbschwächen

Auflösung zum grün-Rätsel: das Quadrat an der gleichen Position wie das blaue im rechten Bild ist minimal heller.

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