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Bullshit Archive - Dr. Gerharz - Überzeugend Präsentieren

Die große Storytelling-Keule

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Der Erste erzählt den Handwerkern, was es Neues gibt.

Der Zweite sagt: „Das kann ich besser!“, und erzählt den Handwerkern, inwiefern die neuen Produkte viel besser sind als die alten. Und als die der Konkurrenz sowieso.

Der Dritte sagt: „Das kann ich besser!“, und erzählt den Handwerkern, wie Handwerker mit seinen neuen Produkten zu besseren Handwerkern werden.

Dem Vierten liegt am Herzen, dass die Handwerker tatsächlich bessere Handwerker werden.

Viel Marketing-Bullshit entsteht, weil der vierte Schritt nicht getan wird. Weil erst hinterher – wenn das Produkt schon lange fertig ist – überlegt wird, wie man es dem Kunden möglichst schmackhaft macht. Dann wird die große Storytelling-Keule geschwungen. Der Kunde soll sich identifizieren, soll zum Helden einer grandiosen Success-Story werden.

Das ist eines der großen Missverständnisse beim Storytelling.

Ja, mit Stories kann man die Zuhörer zu Helden machen. Ja, mit Stories kann man Emotionen wecken. Und ja, mit Stories kann man den Das-Kann-Ich-Auch-Effekt erzielen.

Aber solange es Ihnen im Grunde schnuppe ist, ob das auch den Tatsachen entspricht, solange Sie es nur machen, weil es gut klingt, solange ist es eben nicht mehr als Bullshit.

Es geht aber nicht um gut klingen, sondern um gut sein, denn Bullshit gefährdet auf Dauer das Vertrauen.

Umgekehrt gilt: Wer hinten anfängt, wer bei der Frage beginnt, was denn die Kunden überhaupt brauchen und womit die Kunden zum Helden ihrer tatsächlichen Story werden, der hat keine Schwierigkeiten, es seinem Publikum zu erklären. Denn der weiß schon bei der Entwicklung, in welcher Story die Kunden überhaupt mitspielen, welche Hürden sie darin überwinden müssen, was ihnen wichtig ist. Und der hat dann nicht nur ein Produkt, dass diese Bedingungen erfüllt, sondern auch eines, dass er spannend präsentieren kann, z.B. mit einer guten Story.

Wie es zu einer Präsentation kommt – oder auch nicht

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Bitte ankreuzen:

☐ Ich habe etwas zu sagen, will es sagen und darf es auch.

☐ Ich habe etwas zu sagen, will es sagen, darf aber nicht.

☐ Ich habe etwas zu sagen, will es zwar nicht, muss aber.

☐ Ich habe etwas zu sagen, tue es aber nicht.

☐ Ich habe nichts zu sagen, will aber und darf.

☐ Ich habe nichts zu sagen, will aber und darf nicht.

☐ Ich habe nichts zu sagen, will es auch nicht, muss aber.

☐ Ich habe nichts zu sagen und tue es auch nicht.

Meinung sollte das Ergebnis, nicht der Beginn von Kommunikation sein

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Anke Tröder über den Stand der Dinge:

2015. Herbst. Für mich verändert sich gerade meine ganze Berufswelt als Präsentationsdozentin. Seit Jahren beschwören wir aus didaktischen Gründen die Bilder und die Emotionen. Ist ja auch alles richtig. Lernbiologisch. Aber. Inzwischen beschwöre ich innerlich nur noch Zahlen und Fakten. Bilder scrolle ich weg. Ich traue ihnen nicht mehr; Emotionstexten ebenso wenig. Wenn keiner widerspricht, sollte das einem zu denken geben. Es muss doch eine Welt möglich sein jenseits faktenungecheckter TED-Rührseligkeit, eine Welt, in der Zahlen nicht stören, sondern als valide Grundlage für vernünftige Entscheidungen gelten. Denken statt fühlen als neues Credo. Natürlich lügen Statistiken genauso gut wie Bilder. Aber wenn wir die Zahlen nicht mal mehr sammeln, nur noch den Beifall …? Was denn dann?

Sie hat recht (wie eigentlich immer), aber ich sehe noch einen anderen Schluss.

Mir scheint heute der Prozess des Erkenntnisgewinns und Erkenntnisvermittelns auf den Kopf gestellt.

Eine gute Präsentation (oder ein guter Text, das Folgende gilt für beides, auch wenn ich nur einen Begriff verwende) ist das Ergebnis sorgfältiger Analyse und Recherche. Sie basiert auf Fakten. Sie darf die Fakten zeigen, muss es aber nicht. Denn eine gute Präsentation lässt das Publikum etwas verstehen, was es vorher nicht verstanden hatte. Sie macht dem Publikum dieses Verständnis so einfach wie möglich. Wenn das Thema relevant für das Publikum ist, dann berührt eine gute Präsentation. Wenn die neue Erkenntnis interessant genug ist, möchte das Publikum mehr wissen.

Eine gute Präsentation ist also für das Publikum der Beginn eines Erkenntnisprozesses. Ich verstehe etwas. Es interessiert mich, berührt mich. Ich möchte mehr wissen. In diesem Sinn transformiert eine gute Präsentation das Publikum, weil sie seinen Blick auf die Welt verändert und neugierig auf neue Blickwinkel macht (auch dann, wenn der neue Blickwinkel z.B. heißt: „Ich kaufe dieses Produkt.“).

Das muss scheitern, wenn der Blick, der am Ende dieser Transformation steht, verzerrt ist. Wenn er nicht auf Zahlen, Daten, Fakten und deren Analyse basiert, nicht auf Erfahrung, Recherche und Diskussion, sondern auf Meinung. Heute zählt zu oft nur noch Meinung. Meinung ist dann nicht mehr das Ergebnis der Recherche, sondern der Beginn; in der Präsentation wiederum als Ende der Diskussion gedacht, nicht als deren Anfang. Die Präsentation oder der Text soll geliked, retweeted oder geshared und nicht kritisiert werden.

Meinung ist, wie Tim Bruysten sagt, die brutalste Methode der Komplexitätsreduktion. Wenn aber die Komplexitätsreduktion schon vor der Diskussion passiert, dann ist das ein guter Grund, Äußerungen zu misstrauen, so wie Anke es tut.

Niemand möchte heute mehr Wissenschaft, die die Wissenschaftler nicht erklären können, Produkte, deren Nutzen die Hersteller nicht vermitteln können, oder Politik, die im Hinterstübchen stattfindet. Deswegen arbeite ich – und viele andere – so intensiv daran, den Menschen zu erklären, wie wichtig es ist, Botschaften auf den Punkt zu bringen, Bedürfnisse zu adressieren und Emotionen anzusprechen. Wichtig ist das als Türöffner. Wer nicht auf den Punkt kommt, wer nicht berührt, der erreicht erst gar niemanden.

Nicht die Bilder sind das Problem, auch nicht die emotionale Ansprache, sondern der fehlende Unterbau, gewissermaßen der „Missbrauch“ der Methoden, um ein Massenpublikum zum Liken, Kaufen, Spenden, Shitstormen u.a. zu verführen. Die Polemik im Social-Media-Web, die Banalität der Werbung oder die Reduktion von Wissenschaft auf tweetbare Headlines, die unzulässig verallgemeinert sind und dann jahrzehntelang falsch herumgeistern, sind auch eine Folge der Methoden, die wir lehren.

Dem kann man Rigorosität entgegenhalten. Kritisch hinterfragen, in sich hineinfühlen, Motive in Frage stellen, andere Sichtweisen berücksichtigen, nach Fakten fragen, nachrecherchieren. Und dann nicht abnicken, liken, applaudieren, nur weil alle es tun.

Dabei geht es nicht um „Denken oder Fühlen“, sondern um „Denken und Fühlen“, weil das Eine ohne das Andere in die Irre führt. Wenn nämlich Gefühle nicht gedanklich hinterfragt werden, entsteht Bullshit. Wenn umgekehrt Fakten nicht emotional hinterfragt werden, entsteht Skrupellosigkeit.

Ich glaube, der Schlüssel liegt auf der Empfängerseite. Solange die Menschen Erfolg mit Banalisierung haben, werden sie darauf setzen. Wenn aber nicht mehr das geliked wird, was gut klingt oder gerade in ist, sondern das, was nach kritischer Prüfung überzeugt, wären wir einen Schritt weiter.

Es ist ok, dass die Absender in diesem Spiel ihr bestes Spiel spielen. Bilder ziehen Blicke auf sich, Emotionen funktionieren, gute Überschriften erzeugen Klicks. Wir brauchen nicht darauf zu hoffen, dass die Absender diesen Vorteil abgeben. Sie werden weiterhin so gut spielen wie sie können.

Was wir aber dagegen halten können, ist Applaus für die richtigen Dinge – jeder möge für sich entscheiden, was das ist – und selbst das beste Spiel mit den besten Methoden zu spielen, allerdings auf einer rigorosen Grundlage. Nicht bei der Meinung zu starten, sondern mit sorgfältiger Recherche, Daten sammeln, analysieren. Dann jedoch verdichten und so verständlich wie möglich präsentieren. Nicht Daten statt Bilder, sondern Daten als Grundlage der Bilder, damit die Empfänger anschließend so neugierig sind, dass auch sie mehr wissen möchten.

Wenn gute Texte und gute Präsentationen wieder der Anfang statt das Ende des Erkenntnisprozesses bilden, dann wäre viel erreicht.

[Foto: flickr.com/Transformer18, Lizenz: CC-BY]

Volkswagening beginnt im Kleinen

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Mit VW ist ein ganz großer Konzern in ganz großem Stil beim Bescheißen aufgeflogen. Die Empörung ist zurecht gewaltig. Aber #Volkswagening gab es vorher schon und wird es morgen wieder geben.

Die Wurzel mögen überzogene Management-Erwartungen sein, wie Gunter Dueck vermutet, aber der Boden, auf dem Volkswagening gedeiht, ist auch achtlose Kommunikation und Bullshit, der sich nicht um die Wahrheit schert, sondern bloß um die eigenen Ziele, und der von Zuhörern und Lesern geduldet wird.

Was denkt einer, der ganz bewusst einen Computeralgorithmus entwickelt, um bei Abgastests zu täuschen? Man betitelt ihn leicht als böswillig. Aber was denkt einer, der ganz bewusst aus einer Korrelation in den Daten eine Kausalität in seiner Präsentation macht? Ist das dann nicht mehr böswillig, nur weil es kein amtlicher Test war? Und was ist mit denen, die gar nicht erst darüber nachdenken, sondern in den Zahlen einfach das sehen, was sie sehen wollen? Oder mit denen, die es nicht besser wissen, weil sie rigorose Analyse und sorgfältiges Formulieren in ihrer Ausbildung nicht gelernt haben und weil die Kollegen es ja genauso tun?

Bescheißen beginnt nicht erst bei Milliardenbeträgen, sondern im Kleinen. Es ist nur ein quantitativer, kein qualitativer Unterschied, ob man Analysewerte in einer Präsentation unzulässig verallgemeinert oder damit die Behörden täuscht.

Eine Welt, in der das nicht vorkommt, ist eine Illusion. Aber als Zuhörer sollte man es nicht hinnehmen. Kritische Fragen zu stellen, ist nicht unhöflich, sondern notwendig.

Sind wir nicht alle ein bisschen Charlie Brown?

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Jeder weiß, dass es Bullshit ist, und doch scheint es zu funktionieren: Könnte doch sein, dass diesmal wirklich ein Schnäppchen dabei ist, oder nicht?

Jedes Mal lässt Charlie Brown sich wieder rumkriegen. Er weiß es eigentlich besser. Aber er hofft dennoch, dass Lucy diesmal den Football liegen lässt. Und wir schauen jedes Mal zu. Denn jedes Mal ist auch bei uns dieser Funke Hoffnung. Könnte doch sein, dass diesmal, nur dieses eine Mal, die Geschichte anders ausgeht, oder nicht?

Und tut sie es? Natürlich nicht. Jedes Mal läuft Charlie Brown an, zielt auf den Ball, will schießen. Jedes Mal zieht Lucy den Ball im allerletzten Augenblick weg. Und Sie? Denken sich: Wusste ich doch!

Wussten Sie ja auch. Aber warum schauen Sie es dann an?

Weil Sie mit Charlie Brown fühlen. Er tut Ihnen leid. Und deswegen haben Sie Hoffnung! Jedes Mal ein wenig. Die Hoffnung, dass vielleicht diesmal … könnte doch sein … oder etwa nicht?

Hoffnung ist ein starkes Gefühl

Hoffnung ist ein starkes Gefühl. Wir hoffen auf einen guten Ausgang, auf ein schönes Geschenk, auf ein Lob, die Lösung für ein Problem, die Linderung von Schmerzen, die Erfüllung eines Wunsches, einen Antrag, eine gute Note, einen spannenden Film, einen guten Vortrag. Wir hoffen für uns und für andere.

Und weil wir oft hoffen, sind wir dort leicht zu packen. Wir hoffen selbst dann, wenn wir wissen, dass wir enttäuscht werden. Charlie Brown verliert jedes Mal. In Omas Geschenk sind jedes Jahr doch wieder Socken. Die Vorabendserie enttäuscht jedes Mal, der Vortrag langweilt. Und trotzdem … Was, wenn es diesmal anders ist … Könnte doch sein … Ein Funke Hoffnung bleibt.

Hoffnung ermöglicht Bullshit

Also hoffen wir weiter, wie Charlie Brown. Und weil das so ist, gibt es so viel Bullshit da draußen. Casting-Shows, die die Spannung nur dadurch aufrecht erhalten, dass sie Informationen möglichst lange vorenthalten. Präsentationen, die mit Special-Effects den Anschein von Substanz erwecken wollen. Unternehmen, die Promis bezahlen, damit sie etwas nettes über ein Produkt sagen.

Und jedes Mal ist die Show lahm, die Präsentation langweilig, das Produkt ein Reinfall.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Aber dann kommt er doch, ganz unverhofft. Der Tag, an dem sich der Spieß umdreht. Der Tag, an dem wir zusehen dürfen, wie Lucy sich selbst veräppelt, noch bevor sie den Ball wegziehen kann.

Letzte Woche hieß Lucy Samsung. Sie hatten den Regisseur Michael Bay (Transformers) dafür bezahlt, auf der Bühne irgendeinen PR-Bullshit über Samsungs neue Fernseher zu erzählen. Das ist so gründlich in die Hose gegangen, dass Bay einem fast leid tun konnte.

Passieren konnte das nur, weil Bay vorgekauten PR-Bullshit, an den er selbst nicht glaubte, erzählen (= ablesen) sollte.

Tun Sie das nicht! Werben Sie für ihr Produkt mit einer Story, an die Sie glauben und holen Sie sich Unterstützung von Menschen, die das ebenfalls tun.

Denn Sie wissen jetzt: Die Hoffnung stirbt zuletzt – und am Ende siegt immer das Gute.

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Hat da schon mal jemand drüber nachgedacht?

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Es ist Wahlkampfzeit in Deutschland. Da geht es kommunikativ um die Wurst. Ganze Städte sind bunt gepflastert mit Werbepostern aller politischen Couleur. Und alle wollen nur eines: Überzeugen. Da sollte man doch meinen, dass sich diejenigen, die jetzt Laternenpfähle, Litfaßsäulen, Plakatwände tausendfach mit Werbebotschaften pflastern, besondere Mühe gegeben haben, um ihre Botschaften glasklar auf den Punkt zu bringen. Doch denkt man nur eine Minute darüber nach, entpuppen sich viele Botschaften als kommunikative Klöpse.

Beispiel 1: Wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig

Seit ein paar Wochen sehe ich jeden Morgen an der Ampel dieses Plakat:

Überzeugend Präsentieren: Wenn alles wichtig ist

Ein Vater backt mit seiner Tochter Pfannkuchen. Darüber der Spruch: „Jede Familie ist anders. Und uns besonders wichtig.“ Wenn man mal beiseite nimmt, dass ein pfannkuchenbackender Vater nicht unbedingt der prägnanteste Repräsentant für unser modernes Familienbild ist (da würde mir spontan eher Multikulti/Patchwork/gleichgeschlechtlich/alleinerziehend einfallen), auch rein sprachlich ist das doch Quatsch. Wie kann mir jemand besonders wichtig sein, wenn alle besonders wichtig sind? Das führt das Wörtchen „besonders“ doch irgendwie ad absurdum. Wenn mir alles besonders wichtig ist, ist mir nichts besonders wichtig.

Nachtrag [2.9.2013] Bevor die zweite Welle an Wahlkampfplakaten gedruckt wurde, hat bei der CDU offenbar doch noch mal jemand nachgedacht. Jetzt heißt es: „Weil Jeder zählt.“ Und so ist es sprachlich auch sinnvoll.

CDU-Wahlplakat: „Weil Jeder zählt.“

Beispiel 2: Bonn an die Macht?

Überall in Bonn begegnet mir dieses Poster:

Überzeugend Präsentieren: Bonn an die Macht?

 

„Bonn in die Regierung – Das geht nur mit uns“. Wirklich? Kann der grüne, schwarze oder rote Abgeordnete für Bonn nicht in die Regierung kommen? Außerdem muss ich mich doch fragen, ob ich einem Kandidaten meine Stimme schenken soll, dessen größte Qualifikation offensichtlich ist, dass er aus der gleichen Stadt kommt wie ich. Auch hierüber hat wohl niemand länger als 30 Sekunden nachgedacht.

Sind Wahlplakate Nonsense-Poster?

Das Satiremagazin „Der Postillon“ titelte vorletzte Woche: „Parteien fassungslos: Wahlplakate von Unbekannten durch inhaltsleere Nonsens-Poster ersetzt“. Ganz so schwarz möchte ich es gar nicht sehen. Rein kommunikativ betrachtet, schlagen sich einige Parteien im Bundestagswahlkampf 2013 gar nicht schlecht. Die Kampagne der Grünen zum Beispiel: Auffällige Bilder zu pointierten Aussagen – davon könnten sich einige andere Parteien mal eine Scheibe abschneiden (übrigens ausführlich diskutiert im Blog Homo Politicus).

Wer sich für einen Blick auf die Wahlkampfplakate der Bundestagswahl 2013 aus gestalterischer Sicht interessiert, sollte übrigens einen Blick auf Achim Schaffrinnas Blog Designtagebuch werfen. In zwei Teilen diskutiert er die Plakate der Bundestagswahl: Teil 1 und Teil 2.

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Sprechen Sie Geheimsprache?

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Überzeugend Präsentieren: Sprechen Sie Geheimsprache?Haben Sie schon mal im echten Leben das Wort „fernmündlich“ benutzt, wenn Sie eigentlich telefonisch meinten? Oder „Augengläser“, wenn Sie Brille meinten? Oder „Wertzeichnung“, wenn Sie Briefmarke meinten? Nein? Ich auch nicht. Behörden hingegen machen das täglich.

Das wäre nicht schlimm, wenn sie das nur untereinander machen würden. Aber auch wenn sie mit uns Bürgern sprechen, tun sie dies oft in ihrer internen Sprache und denken nicht daran, dass nicht jeder diese Sprache versteht. Das gleiche kann man beispielsweise bei ITlern, Ärzten oder Marketingexperten beobachten, die sich oft hinter ihrer Geheimsprache verstecken und damit an ihrer Zielgruppe vorbeikommunizieren.

Kommunikation auf britisch

Das geht auch anders. Die britische Regierung hat den Kampf gegen unverständlichen Bürokratensprech aufgenommen. Im Oktober 2012 startete sie ihre neue offizielle Webseite gov.uk, die konsequent auf klare und verständliche Sprache setzt.

Die Logik dahinter:

“GOV.UK is focused on the needs of users, not the needs of government. It has been planned, written, organised and designed around what users need to get done, not around the ways government want them to do it – providing only the content they need and nothing superfluous.”

Bye bye, Geheimsprache

Das Ergebnis ist eine transparente, nutzerorientierte Webseite, die die Sprache der Zielgruppe spricht. Und davon kann man sich einiges für die eigene Kommunikation abschauen. Der redaktionelle Leitfaden der britischen Regierungs-Website gibt Tipps für eine klare und transparente Sprache, die auch für Ihre nächste Präsentation nützlich sein könnten:

  • Seien Sie klar und präzise und nutzen Sie nicht unnötig komplizierte oder unhandliche Formulierungen. Zum Beispiel: Geht es wirklich um eine Problemstellung und eine Fragestellung? Oder ganz einfach um ein Problem und eine Frage? Und müssen Sie wirklich Niederschlag sagen, wenn Sie Regen meinen?
  • Nutzen Sie aktive Sprache. Passive Formulierungen sind unpräzise und anonym, denn sie verschleiern den Akteur. “Es wurde beschlossen, dass…” ist sehr viel weniger aussagekräftig als “Wir/Abteilung 5/Herr Müller haben beschlossen, dass…”.
  • Sprechen Sie Ihr Publikum an und machen Sie es zum Mittelpunkt Ihrer Aussage. Sagen Sie nicht: “Unsere Software sorgt für mehr Produktivität.” sagen Sie: “Mit unserer Software können Sie in weniger Zeit viel mehr erledigen.”  
  • Nutzen Sie Abkürzungen und Fachbegriffe nur, wenn Sie ganz sicher sind, dass Ihr Publikum sie versteht. Ansonsten erklären Sie sie oder lassen Sie sie ganz weg.

Wenn Sie etwas zu sagen haben, sagen Sie es in der Sprache Ihres Publikums. Und wenn ein bürokratischer Großapparat wie die britische Regierung das kann, dann können Sie es auch.

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Keine Ahnung? Kein Problem!

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Zur Wissenslücke stehen, statt heiße Luft zu blasen  Zuzugeben, dass Sie etwas nicht wissen, stärkt Ihre Glaubwürdigkeit.

Was passiert eigentlich, wenn das Internet voll ist? Bernd Neumann, Staatsminister und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, weiß ganz offensichtlich nicht, was er NDR-Reporterin Caro Korneli auf der CDU Mediennacht 2011 darauf antworten soll. Unbeirrt lässt er also eine ganze Bullshitlawine ab und macht sich damit wochenlang zum Gespött der digitalen Nation.

Leider ist Neumann kein Einzelfall. Sie begegnen uns jeden Tag: Dummschwätzer, Schaumschläger und Heiße-Luft-Puster, die glauben, dass sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit eine sichere Kiste ist; dass Irgendwas-sagen im Zweifel besser ist als vermeintlich Doof-dastehen. Überzeugend ist das jedoch nie.

Mut zur Lücke

Niemand kann alles wissen. Wer geradeheraus sagt, „Tut mir leid, das weiß ich nicht“ oder „Die Frage habe ich jetzt nicht verstanden, würden Sie sie noch einmal neu formulieren?“, bleibt authentisch und ehrlich. Wer um den heißen Brei herumredet, wirkt unglaubwürdig.

Natürlich sollten Sie Ihren Vortrag gut vorbereiten. Aber es kann immer die eine Frage geben, die Sie doch auf dem falschen Fuß erwischt. Wollen Sie trotzdem souverän auftreten und Ihr Publikum für sich gewinnen, ist es viel besser zuzugeben, dass Sie die Antwort nicht wissen, anstatt wild zu rudern.

Hier sind ein paar Ansätze, wie Sie sich verhalten können, wenn Sie eine Frage aus dem Publikum nicht beantworten können:

1. Antworten Sie erst, wenn Sie die Frage wirklich verstanden haben

Herr Neumann strauchelt u.a. deswegen, weil er gar nicht so genau verstanden hat, was Frau Karoli eigentlich meint. Anstatt sofort loszureden, hätte er also zuerst nachfragen sollen: „Die Frage habe ich nicht verstanden. Wie genau meinen Sie das?“ Dann hätte er erkannt, dass es eine Scherzfrage war.

Wer nicht einmal weiß, wozu er sich äußerst, kann ja nur Bullshit erzählen. Achten Sie also darauf, dass Sie die Frage richtig verstanden haben, formulieren Sie sie notfalls in Ihren eigenen Worten neu und stimmen Sie so mit dem Fragenden ab, dass Sie das gleiche meinen. Dadurch zeigen Sie Ihrem Publikum auch, dass Sie die Frage ernst nehmen. Nützlicher Nebeneffekt der Nachfrage: Sie erhalten mehr Zeit zum Nachdenken.

2. Geben Sie Fragen weiter

Halten Sie beispielsweise einen Vortrag vor Fachpublikum, spielen Sie Fragen zurück. Sagen Sie: „Mit diesem Aspekt habe ich mich bisher nicht detailliert beschäftigt, aber glücklicherweise sind wir in einem Raum voller Experten. Darf ich die Frage an das Publikum weitergeben? Wer von Ihnen kann etwas dazu sagen?“

3. Bleiben Sie dran

Manchmal kennen Sie vielleicht nicht die Antwort auf eine Frage, wissen aber, wie Sie sie bekommen können. Sagen Sie dann zum Beispiel: „Das kann ich gerade nicht beantworten. Aber das finde ich gerne für Sie heraus und komme auf Sie zurück.“ Oder: „Ich bringe Sie gerne in Kontakt mit meinem Kollegen XY, er ist ein Spezialist auf diesem Gebiet.“ Versäumen Sie dann nur auf keinen Fall, Ihr Versprechen auch tatsächlich zu halten.

4. Entwaffnen Sie Besserwisser

Lassen Sie sich nicht auf Spitzfindigkeiten und Klein-Klein-Diskussionen ein. Wenn sich ein Fragesteller daran festbeißt, dass Sie etwas nicht wissen, sagen Sie: „Leider haben wir im Moment keine Zeit, diese Frage im Detail zu diskutieren. Vielleicht können wir das gleich in der Kaffeepause weiter besprechen?“ Übrigens: Oft wird ein solcher Besserwisser gar kein Interesse mehr daran haben, das Thema weiter zu vertiefen, wenn niemand anderes zuhört.

5. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Antwort

Steve Jobs war bekannt dafür, vor einer Antwort lange nachzudenken. Je schwieriger die Frage, desto mehr Zeit nahm er sich. Er legte sich in Gedanken seine Antwort zurecht, bevor er zu sprechen begann – und nicht erst, nachdem er bereits die ersten Worte gesagt hatte. Machen Sie sich keine Sorge über die Stille, die entsteht, wenn Sie erst einmal ein paar Sekunden nach der richtigen Antwort suchen. Ihr Publikum wird es Ihnen danken, wenn die Antwort danach fundiert und wohl formuliert ist.

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Eine Bullshit-Checkliste

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Sagen Sie manchmal Sätze nur, weil Sie glauben, dass Ihr Publikum Sie hören möchte? Dann sind Sie vielleicht Bullshit-gefährdet.

Der Bullshit unterscheidet sich von der Lüge dadurch, dass er sich nicht um die Wahrheit schert. Wer lügt, der sagt absichtlich etwas falsches. Wer Bullshit redet, der verfolgt irgendein Ziel und möchte dafür einen bestimmten Anschein erwecken. Ob dieser Anschein der Wahrheit entspricht, ist ihm nicht so wichtig.

Bullshitter kennen Sie z.B. in Form des Verkäufers („Also ich kann Ihnen versichern, dass dieses Handy …“) oder des Bewerber („Meine größte Schwäche ist meine Ungeduld“) oder in der Gestalt des Politikers („Es wird mit uns keine Steuererhöhungen geben.“).

Tagesaktueller Bullshit

Bullshit wird im Augenblick auch über die PRISM-Ausspitzelung erzählt, z.B. von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, der uns am Wochenende beruhigen wollte:

Also dieser edle Zweck, Menschenleben in Deutschland zu retten, rechtfertigt zumindest, dass wir mit unseren amerikanischen Freunden und Partnern zusammenarbeiten, um zu vermeiden, dass Terroristen, dass Kriminelle in der Lage sind, unseren Bürgern zu schaden. Natürlich muss immer die Verhältnismäßigkeit eingehalten werden. Um diese Verhältnismäßigkeit geht es.

Ich habe das mit dem Justizminister erörtert. Selbstverständlich. Mit dem Justizminister erörtert. Äh und es war ganz klar: Es geht nicht um ein flächendeckendes Abscannen von, äh, Kommunikation, sondern um eine gezielte, äh, Durchsuchung von einer quantitätsmäßig begrenzten Anzahl, äh, von, äh, Kommunikations-, äh, -strömen. Darum geht es. Und äh, natürlich muss man immer über die Verhältnismäßigkeit reden. Muss immer diese, diese, diese Gewichtung vornehmen.

Ob Friedrich die Wahrheit sagt, können nur ganz wenige wirklich beurteilen. Auf Grundlage von Friedrichs Worten sollten Sie es aber nicht tun. Meint er wirklich „Freund“, wenn er von „unseren amerikanischen Freunden“ spricht? Hat er das wirklich „selbstverständlich mit dem Justizminister erörtert“ oder hat er selbstverständlich einmal der Form halber danach gefragt? Wer ist denn eigentlich „man“? Klar ist, dass er sehr bedächtig nach den Formulierungen sucht – achten Sie einmal darauf, an welchen Stellen die „ähs“ stehen – doch tut er das nicht um der Wahrheit willen, sondern um den „richtigen“ Anschein zu erwecken.

Bullshit-Checkliste

Reden Sie auch manchmal Bullshit? Hier eine kleine Checkliste:

  • Sagen Sie manchmal Sätze nur, weil Sie glauben, dass Ihr Publikum sie hören möchte, an die Sie aber selbst nicht glauben?
  • Sagen Sie oft „man“ statt „wir“ oder „ich“?
  • Sagen Sie oft bestärkende Wörter, z.B. „selbstverständlich“ oder „es ist klar“ oder „sicherlich“?
  • Erzählen Sie oft, wie Sie gerne wären, statt wie Sie tatsächlich sind? Sagen Sie z.B. „man muss“ oder gar „man müsste“?
  • Verwenden Sie gerne Floskeln? Sagen Sie z.B. „innovativ“, obwohl Sie es nicht sind?
  • Argumentieren Sie mit wissenschaftlichen Studien, die Sie gar nicht gelesen haben?
  • Glauben Sie, dass nur 7% der Wirkung eines Vortrags vom Inhalt abhängt?
  • Verwenden Sie Zitate, die Sie gar nicht selbst gelesen oder gehört haben und deren Quelle Sie nicht überprüft haben?
  • Tragen Sie nur die Argumente vor, die Ihren Standpunkt unterstützen, und lassen Sie bewusst Fakten weg, die bei Ihrem Publikum Zweifel aufkommen lassen könnten?
  • Sprechen Sie oft im Konjunktiv? Vielleicht damit Sie nachher sagen können, Sie hätten ja bewusst im Konjunktiv formuliert?
  • Versuchen Sie, Ihr Ergebnis beeindruckender zu machen, indem Sie Ihre Diagramme hübsch machen?
  • Finden Sie, das sei doch alles ok, weil es die anderen auch so machen?

Mindestens einmal „ja“ geantwortet? Denken Sie doch mal drüber nach.

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Bullshit
Diesmal kannst du mir wirklich glauben
Wohin fliegt die Lufthansa?

Wohin fliegt die Lufthansa?

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Die Ziele der Lufthansa für das angelaufene Geschäftsjahr. Was hat das mit Fliegen zu tun?

Die letzten Worte des Vortandsvorsitzenden Christoph Franz bei seiner Rede auf der Aktionärs-Hauptversammlung der Lufthansa vor zwei Wochen (Video-Link).

Wir haben unsere Ziele klar vorgegeben:

  1. die führende Marktposition der Lufthansa Group weiter auszubauen,

  2. den Wert Ihres Unternehmens nachhaltig zu steigern,

  3. die Kundenzufriedenheit weiter zu verbessern,

  4. ökonomisch und ökologisch nachhaltig zu wirtschaften und dabei verlässlicher Partner für Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre zu sein – und

  5. bis 2015 ein operatives Ergebnis von 2,3 Milliarden Euro für die gesamte Lufthansa Group zu erzielen!

Meine Damen und Herren Aktionäre, ich hoffe, dass Sie uns auch weiter auf unserem Weg begleiten. Bleiben Sie an Bord und helfen Sie uns, Lufthansa zu neuen Erfolgen und einem langen Steigflug zu führen.

Müssten nicht die Ziele eines Unternehmens, das sich über das Fliegen definiert, auch etwas mit Fliegen zu tun haben? Müssten nicht die Ziele eines Unternehmens überhaupt etwas mit dem Unternehmenszweck zu tun haben? Müsste man also nicht aus den Zielen herauslesen können, was das Unternehmen eigentlich macht?

Das was Herr Franz da als Ziele ausgerufen hat, würde zu jedem beliebigen Unternehmen passen. Wirklich jedem (bis auf die konkreten Zahlen natürlich). Ein hübsches Bild mit Flugzeugen rettet das auch nicht. Abstrakter geht es nicht mehr.