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Plädoyer für mehr Unernsthaftigkeit – CreativeMornings mit Prof. Bruysten

By 21. Januar 2015Allgemein

Über das Spiel kann man Mechanismen freisetzen, die atemberaubend sind.

„Gamer sind pickelige Jungs, 13 bis 23 und blass, weil sie immer nur im Keller sind.“ Ein Vorurteil, dem Prof. Tim Bruysten häufig begegnet. Das aber kaum weiter an der Realität vorbei schießen könnte. Games sind mittlerweile ein gesellschaftsweites Phänomen. Und eine der größten Unterhaltungssparten. Doch Spiele können viel mehr als unterhalten. Sie sind die Stellschraube, die uns dabei helfen könnte, viel produktiver und schlauer zu werden, sagt Prof. Bruysten. Warum das so ist, hat er uns bei unserem CreativeMorning am 12. Dezember in DEINspeisesalon zum Thema Education in seinem “Plädoyer für mehr Unernsthaftigkeit” erklärt.

Prof. Bruysten lehrt Gamedesign an der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf und ist Inhaber der Beratungsagentur richtwert. Seinen Fachbereich, den er als zugleich zutiefst künstlerisches und technisches Feld beschreibt, gibt es zwar schon seit 10 Jahren, so richtig angekommen sind die Games im „echten Leben“ aber noch nicht.

Denn auch wenn Games in der Freizeit beliebt und verbreitet sind, in unserem Alltag, sprich im Job oder in der Schule, sind sie leider nach wie vor ein Mauerblümchen. „Ich frage das Publikum in meinen Vorträgen oft, was das Gegenteil von Spiel ist. Ein Zuhörer sagte mal, Erwachsen werden. Das fand ich traurig,“ erzählt Prof. Bruysten.

Dabei steckt im Spielen ein riesiges kreatives Potential, das nur darauf wartet, sich in unseren Büros oder Klassenräumen zu entfalten. Zum Beispiel sind wir im Spiel oft über Stunden hoch konzentriert. Wir haben auch einen stärkeren Teamgeist und wollen gemeinsam das beste Ergebnis erreichen. „Im Job wären wir nicht bereit, eine Aufgabe an einen Kollegen abzugeben, auch wenn wir wissen, dass er sie eigentlich besser erledigen kann. Beim Fußball hingegen ist es ganz normal, den Ball an einen Mitspieler abzugeben, damit der dann das Tor schießt,“ erklärt Tim. Wir halten uns außerdem an die Spielregeln (sonst dürfen wir nicht mehr mitspielen) und wollen uns stetig verbessern. Hört sich so ziemlich nach dem Traum jedes Managers an.

Spielen macht tatsächlich klug.

Einige Unternehmen haben das auch erkannt und setzen es schon um. SAP zum Beispiel hat mit einer Onlinegamingplattform den Umsatz seiner Vertriebler um 20% erhöhen können. Und ein italienisches Forscherteam hat es geschafft, mit Hilfe eines Games in wenigen Tagen ein biologisches Rätsel zu knacken, an dem sie zuvor seit Jahren vergeblich mit herkömmlichen Methoden tüftelten.

Wir leben in einer Welt, die sich zunehmend digitalisiert. Unser Weg hin zu einer digitalisierten Gesellschaft ist aus Tims Perspektive sogar „der umfassendste soziokulturelle Wandel, den eine Gesellschaft jemals in der Geschichte der Menschheit erlebt hat.“ Wir brauchen Werkzeuge, um damit umzugehen, sagt er, damit wir als Menschen das alles überhaupt noch verstehen. Die Gamification sei dabei eine ideale Methode, eine menschliche Komponente in diesen Wandel einzubauen, ohne die Technologie zu verlangsamen.

CreativeMornings sind inspirierende Frühstücksveranstaltungen, die wir mit einem Team aus kreativen Kölnern einmal im Monat organisieren. Haben Sie Lust, beim nächsten Vortrag am Freitag, 23.1. persönlich dabei zu sein, wenn Andreas Donat und Guiseppe Gennaro in den MMCStudios einen Blick hinter die Kulissen des TV geben. Dann registrieren Sie sich kostenlos. Hier geht’s entlang zur Anmeldung.