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Schwerpunkt Kreativität: Kreativ ANDERS

By 17. Februar 2009Allgemein

Kreativ zu sein, bedeutet auch, einfach einmal anders über ein Problem nachzudenken, nicht immer die gleichen bekannten Wege zu gehen, sondern neue Wege zu gehen, die man selbst (und vielleicht auch andere) sich bislang nicht so recht zu gehen wagte. Neue Erfahrungen sammelt man dabei immer; vielleicht aber findet man auf diesen Wegen auch eine tolle Lösung, an die man vorher gar nicht gedacht hat.

Porträt von Hannes Treichl

Hannes Treichl ist Spezialist für solche neuen Wege. Mit seinem Blog ANDERS|denken füllt er eine reiche Fundgrube an Beispielen, in denen irgendjemand irgendetwas einfach einmal ganz anders gemacht hat. Und dieses Wissen nutzt er, um als Managementberater Unternehmen auf der ganzen Welt zu helfen, innovativere Produkte zu entwerfen und besseres Marketing zu machen, indem er ihnen zeigt, wo sie neue Wege finden.

Für den Schwerpunkt Kreativität habe ich Hannes gebeten, uns mit Hilfe einiger markanter Beispiele ein paar Denkanstöße für neue Wege zu liefern. Herausgekommen ist ein schöner Ansporn, selbst auch einmal neue Wege zu gehen – und wir lernen, dass häufig „anders denken“ viel nahe liegender und (insbesondere im Nachhinein) gar nicht so abwegig ist, wie man vielleicht vorher gedacht hat.

Kreativ ANDERS

von Hannes Treichl

Ich verbrachte früher (viel zu viel) Zeit in Business & Executive Lounges auf Flughäfen in aller Welt. Eines gleicht aber bei allen: die vielen Menschen in den selben dunklen Anzügen, die geschäftig telefonieren, Updates an Angestellte durchgeben und sich kaum um den Erfahrungsaustausch mit anderen kümmern. Mein meist gebuchter Zubringerflug war die Strecke Innsbruck–Frankfurt. Montag morgens saßen in der Tyrolean-Maschine kaum Menschen, sondern vor allem Zeitungen – und auch diese waren die selben.

Kopfstand im Freizeitlook zwischen gleichförmigen Geschäftsleuten

Inzwischen hat sich all das ein wenig geändert und die Konformität ist einer stärkeren Individualität gewichen, denn irgendwie haben wir doch alle genug von der grauen Mitte, oder?! Auch in unseren Berufen fordern unsere Chefs plötzlich Kreativität. Warum? Weil unscheinbare Produkte und Leistungen austauschbar sind und schon längst keine Chance mehr auf den großen Durchbruch haben – und das ist gut so!

Meistens hilft schon eine (gut strukturierte) Kreativ-Session weiter.

Das hat sich auch das 2007 mit dem Innovationspreis des Landes Salzburg ausgezeichnete Unternehmen Skidata gedacht. „Warum müssen Menschen an Skiliften immer vor geschlossenen Schranken stehen, obwohl sie gültige Karten haben?“ So dürfte die Frage gelautet haben, auf die das Unternehmen mit einer revolutionären Idee antwortete: Dem Freemotion-Open-Gate-System.

Anstatt Snowboarder und Skifahrer mit verschlossenen Drehkreuzen vom Zugang zu Skiliften auszusperren, lädt ein ständig offenes Drehkreuz auf freundliche Art zum Durchfahren ein. Wer keine gültige Karte besitzt bleibt draussen – in dem Fall schließt sich ein Dreharm und verwehrt den Zutritt. Angenehmer “Nebeneffekt”: Da es wesentlich mehr Gäste mit berechtigten Karten gibt als welche mit gar keinen oder ungültigen, ermöglicht das Freemotion-Open-Gate-System ein höheres Tempo bei der Abfertigung von Wintersportlern.

Hilfe beim Nachdenken über mögliche Innovationspotenziale (und denken Sie beim Wort Innovation bitte nicht immer nur an Technologien!) bietet die Osborn Checkliste. Sie eignet sich dank einiger weniger einfacher Fragen, um Denkblockaden zu überwinden, und kann auch für „einsame“ Kreativsessions mit sich selbst eingesetzt werden. Ein Beispiel dafür lesen Sie am besten selbst im Blog des Unternehmensberater Kai-Jürgen Lietz nach.

Skispringer im V-Stil

Keine Osborn Checkliste und keinen Kreativworkshop hat ein Mann namens Jan Boklöv gebraucht, um von der grauen, bedeutungslosen Mitte auszubrechen. Sie erinnern sich? Jan Boklöv, das war jener „bunte Hund“, der sich Mitte der 80er Jahre von Sprungschanzen warf, dabei seine Skier spreizte und eine ganze Sportart revolutionierte. Boklöv gewann so mehrere Weltcupspringen und den Gesamtweltcup.

Auch die Zuschauer liebten den waghalsigen Sprungstil des Schweden. Schon bald war er der unumstrittene Show-Star des gesamten Springerfeldes. Trotz (oder vor allem wegen?) seines Erfolges blies ihm allerdings ein eisiger Wind entgegen. Hochrangige FIS-Funktionäre sahen gar die Ästhetik des Skispringens gefährdet. Und trotzdem: Seine „Erfindung“ setzte sich durch und ist heute aus dem Sport nicht mehr wegzudenken.

Auch die österreichische Wirtin Barbara Schreiner stieß auf Widerstand, als sie sich vor einigen Jahren entschied, ihre Gäste selbst den Preis des Essens festsetzen zu lassen. Von Kollegen und Freunden, mit denen sie die Idee teilte, wurde sie belächelt; heute lacht sie, denn ihre Idee des „Überraschungsmenüs“ hat ihr nicht nur neue Gäste beschert, sondern vor allem auch viel Aufmerksamkeit von Presse und der Internetwelt. Ihr „

Kreativ war auch Traude Daniel aus Klagenfurt. Weil in wirtschaftlich harten Zeiten niemand jenen Preis zahlen wollte, den sie sich erhoffte, entschloss sie sich kurzerhand, ihr Haus zu verlosen. Die Folge: Ein Aufschrei von Juristen und Immobilienmaklern, die die Spielregeln einer gesamten Branche gefährdet sahen. Gleichzeitig gab es aber auch tausende Menschen, die sich begeistert von der Idee und den Möglichkeiten an der Verlosung beteiligten. Traude Daniel übertraf innerhalb kürzester Zeit ihre geheimsten Erwartungen und erzielte einen weit höheren Erlös, als ihr das ein „gewöhnlicher“ Verkauf (oder gar eine Versteigerung) ermöglicht hätten.

Was zeigen uns diese Beispiele? Wer die Bausteine Kreativität, Mut sich über Branchenregeln hinwegzusetzen und Perfektion in der Umsetzung in seine Strategie integriert (oder noch besser: zu seiner Philosophie macht), wird sehr viel mehr Erfolg und Freude im Leben haben – und darf in wirtschaftlich schweren Zeiten mit einem Lächeln durch die Welt gehen.