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Interessante Bücher, die ich in 2015 gelesen habe – V. Die Macht der Gewohnheit

Die Macht der Gewohnheit: Warum wir tun, was wir tun.

Von Charles Duhigg

Die fünfte und letzte Buchempfehlung in dieser Reihe. In „Die Macht der Gewohnheit“ (im amerikanischen Original „The Power of Habit“) erklärt Charles Duhigg warum wir so handeln wie wir handeln und warum es so schwer ist, unser gelerntes Verhalten zu ändern. Im Zentrum des Buches steht diese Erkenntnis:

When a habit emerges, the brain stops fully participating in decision making.

Sie ist Ausgangspunkt vieler Missverständnisse im Alltag. Multitasking zum Beispiel. Niemand kann zwei Dinge gleichzeitig aufmerksam tun. Und doch argumentieren manche, sie könnten Multitasking, z.B. kochen und sich gleichzeitig unterhalten. Was sie dabei nicht berücksichtigen: sie tun höchstens eine dieser Aktivitäten aufmerksam, bei der anderen läuft das Gehirn auf Autopilot. Wer oft Spaghetti mit Tomatensoße kocht, der muss bald nicht mehr bewusst darüber nachdenken, weil das Gehirn die gelernten Handgriffe automatisiert hat. Er kann sich also währenddessen aufmerksam unterhalten. Multitasking können wir dann, wenn eine der Aufgaben automatisch abläuft. Dass das möglich ist, dafür sorgen Gewohnheiten.

Doch wie entstehen Gewohnheiten? Jede Gewohnheit besteht laut Duhigg aus drei Phasen:

This process within our brains is a three-step loop. First, there is a cue, a trigger that tells your brain to go into automatic mode and which habit to use. Then there is the routine, which can be physical or mental or emotional. Finally, there is a reward, which helps your brain figure out if this particular loop is worth remembering for the future.

Auslöser, Routine und Belohnung, diese drei Phasen benötigt das Gehirn, um eine Gewohnheit zu etablieren. Das ist natürlich auch bei Ihrem Publikum so. Wenn es in den Vortragsraum kommt und Ihre Agendafolie sieht, ist das der Auslöser: Ah, PowerPoint-Vortrag. Also schaltet es in den Automatikmodus, die Routine, was immer es auch dann tut, z.B. Abschalten oder Facebook checken oder Mails beantworten. Und am Ende gibt es die Belohnung: Drei Mails weniger statt Zeit mit der langweiligen Präse vergeudet.

Oder Sie selbst. Sie müssen nächste Woche einen Vortrag halten (Auslöser). Also starten Sie PowerPoint, suchen sich Folien aus alten Vorträgen zusammen, sammeln Bullet Points auf ein paar neuen Folien und was nicht passt, wird passend gemacht (Routine). Die Belohnung: Rechtzeitig vor dem Vortrag 30 Folien geschafft.

Wie man da heraus kommt, erkennt man sofort, wenn man den Gewohnheitsmechanismus à la Duhigg verstanden hat. Fehlt z.B. der Trigger, startet auch der Automatikmodus gar nicht erst. Wenn Sie Ihren Vortrag überraschend anders beginnen, fällt das Publikum gar nicht erst in die schlechten PowerPoint-Zuhör-Gewohnheiten. Doch es gibt einen Haken:

The golden rule of habit change: You can’t extinguish a bad habit, you can only change it.

Mit anderen Worten: Wer sich einmal etwas angewöhnt hat, der wird es so schnell nicht mehr los. Das ist der Grund, warum Sie nicht von der Schokolade lassen können, warum Sie abends immer noch den Fernseher anschalten, obwohl Sie über das Programm schimpfen, und warum Sie doch immer wieder zuerst PowerPoint starten, obwohl Sie schon lange wissen, dass das für die Vortragsvorbereitung kontraproduktiv ist.

Ist der Trigger einmal gesetzt, möchte das Gehirn den Automatikmodus anschalten. Deswegen ist es so schwer, Verhalten zu ändern, selbst wenn Sie es wollen. Die alten Gewohnheiten sind da. Sie werden sie nicht mehr los. Sie können sie nur durch neue Gewohnheiten überdecken – Sie essen etwas anderes (leckereres) als Schokolade – oder verhindern, dass die Gewohnheit aktiviert wird – Sie kaufen erst gar keine Schokolade mehr (dazu müssen Sie allerdings erst einmal den gewohnheitsmäßigen Griff ins Schokoladenregal im Supermarkt überwinden).

Die Macht der Gewohnheit“ ist kein Ratgeber, sondern ein (populärwissenschaftliches) Sachbuch, unterhaltsam geschrieben, informativ und fundiert recherchiert. Danach sieht man vieles klarer. Nicht nur, wie man sich schlechte Gewohnheiten ab-, sondern auch, wie man sich nützliche Routinen angewöhnt.