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Die Weltenerschaffer-Krankheit

By 28. Juli 2014Allgemein

Autoren erschaffen in Büchern ganze Welten. Doch manche leiden unter der Weltenerschaffer-Krankheit …

Haben Sie geweint, als Elliott sich von E.T. verabschieden musste?

Offenbar hat Steven Spielberg mit E.T. etwas erreicht, was jeder Autor anstrebt: Das sich völlige Hingeben in eine Story. Die Nähe zu ihren Hauptdarstellern, als wären sie reale Personen, die uns  tatsächlich nahe stünden, ganz so als wären sie mehr als das Hirngespinst eines Autors.

Sci-Fi-Autorin Ansen Dibell beschreibt das in ihrem Autorenratgeber »Plot« so:

Although a story is of course nothing from first to last but an author’s idea anyway, we forget that, while we’re reading. We treat the story as real, the characters as people we care and are concerned about. We imagine our way into it and don’t want to be reminded it’s an elaborate lie, a made thing, a puppet show in which some author is yanking the strings.

Das Hirngespinst eines Autors, das uns emotional so mitnimmt, wie es z.B. E.T. getan hat, ist in Wirklichkeit eine Menge Arbeit. Eine gute Geschichte ist deswegen so gut, weil der Autor eine ganze Welt gedanklich aufgebaut hat, weil er die Charaktere mit ihren Wünschen und Zielen sorgfältig entwickelt hat. Ein guter Autor ist eigentlich ein Weltenbauer; zuerst in seinem Kopf, danach – über die Geschichte – in unserem Kopf. Je stimmiger die Welt gebaut ist, desto überzeugender wirkt sie.

Doch es gibt auch eine Schattenseite dieser sorgfältigen Weltenerschaffung. Dann nämlich, wenn der Autor sich zu sehr in seine Welt verliebt. Wenn er so verliebt ist, dass er alles bis ins kleinste Detail erklären möchte, wird es langweilig.

Oder können Sie sich vorstellen, E.T. überhaupt länger als 10 Minuten geschaut zu haben, wenn Spielberg zuerst in aller Ausführlichkeit die Anatomie des Außerirdischen erklärt hätte, danach die technologische Entwicklung ihrer Raumschiffe und anschließend die parlamentarischen Diskussionen, die zur Erlaubnis der Landung auf der Erde geführt haben? Sicher nicht.

Ansen Dibell nennt das die World Builder’s Disease. Das ist die Krankheit, die Autoren befällt, wenn sie zu verliebt in ihre eigenen Welten sind und ihre Leser mit nicht enden wollenden Beschreibungen ihrer erdachten Welt nerven:

To the degree that we’re conscious of the puppeteer, that awareness keeps us from holding on to our conviction that words on a page can be worth our tears, our laughter, or our love.

Wie verliebt sind sie in die Welt, die Sie mit Ihrem Produkt oder Ihrer Idee erschaffen haben?

Berühren Sie uns mit der Faszination Ihrer Welt. Entführen Sie uns in diese Welt. Aber zeigen Sie von dem Gerüst, den langweiligen Details, nur das, was wir für diese Faszination wirklich wissen müssen. Wenn wir fasziniert sind, dann wollen wir ohnehin mehr wissen. Und fragen von selbst nach den Details. Und hören sie dann gerne.