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Die Tage des Herrn Jürgens

By 18. November 2013Allgemein

Aufstehen, frühstücken, Kinder zur Schule bringen. Nicht gerade der Stoff für eine spannende Geschichte. Oder doch?

Als der Wecker klingelt, ist es 7 Uhr. Herr Jürgens steht auf und geht ins Bad. Wie jeden Morgen nimmt er erst einmal eine kühle Dusche. Danach: Frühstück. Die Kinder sitzen schon am Tisch und starten den Tag da, wo sie ihn am Vortag beendet hatten: „Papa, Johanna hat mich geärgert.“ So geht das jeden Morgen.

Um 7:45 Uhr sitzen alle im Auto und Herr Jürgens fährt seine beiden Kinder zur Schule. Im Büro steht heute nichts Wichtiges an. Er wird also pünktlich Feierabend machen und kann auf dem Heimweg noch einkaufen. Am Abend spielen sie „Mensch ärgere dich nicht“, bevor die Kinder um 20.00 Uhr ins Bett müssen. Um 22:30 Uhr ist auch für Herrn Jürgens Bettzeit.

Als der Wecker klingelt, ist es wieder 7 Uhr. Herr Jürgens steht auf und geht ins Bad. Erst duschen, danach Frühstück. Um 7:45 Uhr sitzen wieder alle im Auto und Herr Jürgens fährt seine beiden Kinder zur Schule.

Langweilig, oder?

Langweilig, oder? Kein Wunder, denn in dieser Geschichte, die eigentlich gar keine Geschichte ist, passiert nichts Spannendes. Wenn ein Ereignis dem anderen folgt, ohne dass die handelnden Personen erkennbar Ziele haben und deshalb vor einem Konflikt stehen, fehlt der Erzählung die Spannung. Und ohne Spannung schalten wir früher oder später ab. Deshalb ist Herrn Jürgens’ Leben bisher keine Geschichte.

Zur Geschichte wird es erst in dem Augenblick, als auf dem Weg zur Schule plötzlich ein Kind vor sein Auto läuft. Sofort tritt er mit voller Kraft auf die Bremse. Die Reifen quietschen. Keine 5 Zentimeter vor dem Kind bleibt das Auto stehen.

Aus dem Hintergrund hört er Toms Schreie: „Papa! Papa! Johanna! Papa! …“ Es dauert einen Moment, bis Herr Jürgens darauf reagiert. Erst dann blickt er sich um. Johanna liegt quer auf dem Rücksitz. Bewusstlos. Sie blutet. Sie war nicht angeschnallt.

Wie geht es weiter …

Jetzt wollen Sie wissen, wie es weiter geht. Was ist mit Johanna? Warum war sie nicht angeschnallt? Das wird sicher kein normaler Tag. Wie erklärt Herr Jürgens das seiner Frau? Seinen Freunden? Seinen Kollegen? Warum war sie nicht angeschnallt? Wann kommt endlich der Krankenwagen?

Wie geht es weiter? Das ist die entscheidende Frage, die eine Erzählung erst zu einer spannenden Geschichte macht. Und sie entsteht erst dann, wenn es einen Konflikt gibt. Wenn es einen „Helden“ gibt, der vor einer Herausforderung steht, die eben nicht alltäglich (für ihn) ist. Eine Herausforderung, deren Lösung nicht offensichtlich ist.

… in Ihrem Vortrag?

Wie wird aus Ihrem Vortrag eine spannende Geschichte? Wer steht in Ihrer Erzählung vor einem Konflikt? Was ist das Nicht-Alltägliche?

Wenn Sie wollen, dass Ihr Publikum nicht nach drei Minuten gelangweilt abschaltet, so wie Sie es schon fast nach den ersten drei Absätzen dieses Artikels tun wollten, sollten Sie Antworten auf diese Fragen suchen.

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