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Michael Gerharz

Wie es zu einer Präsentation kommt – oder auch nicht

By | Allgemein

Bitte ankreuzen:

☐ Ich habe etwas zu sagen, will es sagen und darf es auch.

☐ Ich habe etwas zu sagen, will es sagen, darf aber nicht.

☐ Ich habe etwas zu sagen, will es zwar nicht, muss aber.

☐ Ich habe etwas zu sagen, tue es aber nicht.

☐ Ich habe nichts zu sagen, will aber und darf.

☐ Ich habe nichts zu sagen, will aber und darf nicht.

☐ Ich habe nichts zu sagen, will es auch nicht, muss aber.

☐ Ich habe nichts zu sagen und tue es auch nicht.

Was soll ich tun?

By | Allgemein

»Ok, Du hast mich überzeugt, aber was kann ich denn jetzt nach deinem Vortrag ganz konkret tun?«

Sonnenklar ist das nur Ihnen (ist es?). Für die Zuhörer aber ist alles neu. Sie haben sie vor den Kopf gestoßen, wach gerüttelt oder mitgerissen. Kopfnicken überall.

Aber sobald die Euphorie des Moments vorbei ist und jeder wieder in seinem Alltag gelandet ist, was dann? Wie setzen die Zuhörer jetzt um, was Sie in ihnen gepflanzt haben? Was können die Zuhörer ganz konkret als ersten Schritt tun? Welche eine Tat hat die größte Auswirkung? Gibt es vielleicht eine Checkliste?

  • Wenn du dich gesünder ernähren möchtest, dann ist der wichtigste Schritt …
  • Wenn du deine Qualitätsprobleme in den Griff bekommen möchtest, dann solltest du zuallererst …
  • Wenn Sie helfen wollen, dann spenden Sie hier …

Was nützt es, dass Sie Ihre Zuhörer überzeugt haben, wenn sie danach die neue Überzeugung nicht in die Tat umsetzen. Unterstützen Sie sie dabei. Geben Sie ihnen Handlungsempfehlungen mit auf den Weg. Sagen Sie ihnen, so konkret wie möglich, was sie jetzt tun sollen.

Maßstäbe für den Erfolg einer Präsentation

By | Allgemein

Woran messen Sie den Erfolg Ihrer Präsentation?

An der Dauer des Applauses?
Dass es keine Fragen gab?
Dass es viele Fragen gab?
Dass Sie nur 10 Minuten für die Vorbereitung verwendet haben und alles aus dem Ärmel geschüttelt haben?
Dass Sie alles erzählt haben, was Sie wissen?
Dass Ihr Chef Sie nach dem Vortrag lobt?
Dass jemand aus dem Publikum Sie nach dem Vortrag lobt?
Dass jemand aus dem Publikum Sie nach dem Vortrag beschimpft?
Dass niemand sein Smartphone rausgeholt hat?
Dass Ihr Vorschlag angenommen wurde?
Dass Sie für einen weiteren Vortrag eingeladen wurden?
Dass Ihr Publikum verstanden hat, was Sie meinen?
Dass Ihr Publikum verstanden hat, dass das, was Sie gesagt haben, relevant ist?
Dass Sie etwas bewegt haben?
Dass sich drei Wochen nach Ihrem Vortrag im Verhalten Ihrer Zuhörer spürbar etwas geändert hat?

Der Maßstab, nach dem Sie Ihre Präsentation bewerten, beeinflusst die Haltung gegenüber Ihrer Präsentation und gegenüber Ihren Zuhörern. Haben Sie den richtigen Maßstab?

Bücherliste 2016: „Werner Herzog: A Guide for the Perplexed“, Conversations with Paul Cronin

By | Buchempfehlung

I felt it would be better to make a film than go to film school.

Ich habe nicht einmal viele Filme von ihm gesehen. Dennoch zog mich Werner Herzogs Biographie „A Guide for the Perplexed“ im letzten Jahr magisch an. Ich wurde nicht enttäuscht.

In Form eines Interviews erzählt Herzog seinem Co-Autor Paul Cronin über sein Leben und seine Sicht der Dinge. Dass beides nicht gewöhnlich ist, ahnt man selbst dann, wenn man nur einen seiner Filme kennt.

Unerschrocken könnte man ihn nach der Lektüre nennen. Oder würde „besessen“ besser passen? Verrückt?

Mit einem gebrochenen Bein unter New Yorks Brücken hausen, nach Mexiko fliehen, dort beim Rodeo anheuern, ohne jemals auf einem Pferd gesessen zu haben. Sich beim Dreh im Dschungel von panischen Affen, die er vorher am Flughafen unter Vortäuschung einer falschen Identität in letzter Sekunde vor Tierdieben gerettet hat, in die Schulter beißen lassen ohne aufzuschreien, weil der Ton sonst ruiniert wäre. Eine Tausendschaft Ratten in den Straßen frei lassen und sich selbst dazwischenstellen, weil keiner der Schauspieler bereit dazu war.

Nein, normal ist Herzogs Leben und Schaffen wirklich nicht. Verrückt aber auch nicht. Besessen vielleicht. Fokussiert. Konsequent. Meinungsgetrieben.

I find the notion of happiness rather strange. […] I try to give meaning to my existence through my work. That’s a simplified answer but whether I’m happy or not really doesn’t count for much.

Für ihn ist Filmemacher kein Traumberuf. Es ist der einzige Beruf. Nur dieser Beruf kam für ihn Frage. Ob Traum oder nicht, spielte keine Rolle. Machen. Nicht um Erlaubnis fragen. Pragmatisch sein. Lieber klein anfangen, als gar nicht. Grenzen überschreiten. Die verfügbaren Mittel kreativ nutzen, um mehr herauszuholen, als andere sich überhaupt vorstellen können. Das sind Prinzipien, die sich in seinem Leben wiederholen:

The best advice I can offer to those heading into the world of film is not to wait for the system to finance your projects and for others to decide your fate. If you can’t afford to make a million-dollar film, raise $10,000 and produce it yourself. That’s all you need to make a feature film these days.

Und weiter:

Three things – a phone, computer and car – are all you need to produce films. Even today I still do most things myself. Although at times it would be good if I had more support, I would rather put the money up on the screen instead of adding people to the payroll.

Und dabei nicht so sehr auf andere schauen, sondern dem eigenen Urteil vertrauen. Eigene Maßstäbe anlegen. Die eigenen Geschichten erzählen, auf die eigene Weise. Von den anderen gibt es ja bereits genug:

I love cinema, but unlike other filmmakers who spend their lives watching other people’s films […] I don’t feel the necessity to see three films a day. Three good ones a year are enough for me. I average maybe one film a month, and that’s usually at a festival where I see all of them at once. […] I can’t imagine my work would be any better or worse if I crawled into a darkened room and spent days watching other people’s efforts.

Ein faszinierender Blick in ein ungewöhnliches Leben und ein Blick hinter die Kulissen ungewöhnlicher Werke.

Bücherliste 2016: „Formbewusstsein“ von Frank Berzbach

By | Buchempfehlung

Der Alltag scheint uns alltäglich und „alltäglich“ wird zum Synonym für „banal“. Der Alltag aber ist die Zeit, in der wir unser Leben verbringen.

Frank Berzbach möchte mit seinem wunderbaren Buch „Formbewusstsein“ unseren Blick genau auf dieses „alltägliche“ Leben lenken. Selten habe ich ein Buch mit so viel Freude gelesen, bei dem ich so oft innerlich widersprochen habe. Nicht im Großen und Ganzen, sondern in den Details.

Doch gerade deswegen mag ich Frank Berzbachs Formbewusstsein sehr. Gerade in der inneren Auseinandersetzung ist das Buch so wertvoll. Und ich glaube, dass gerade das auch in Franks Sinne ist.

Frank blickt mit der Lupe auf die „alltäglichen“ Bereiche des Lebens, die viele (ich auch) gar nicht (mehr) wahrnehmen. Bereiche, die man optimieren möchte, rationalisieren, delegieren. Dabei sind es in großem Maße und für die allermeisten von uns diese alltäglichen Dinge, die uns definieren, die uns zu der Person machen, die wir sind.

Wir kümmern uns oft sorgenvoll um die Zukunft und übersehen die Missstände der Gegenwart. Wir sorgen uns um Entferntes und sind sorglos mit dem Naheliegenden. Die Formgebung beginnt mit dem Aufräumen der Wohnung, der Wahl des Radiosenders, der Zubereitung des Frühstücks und dem morgendlichen Ankleiden. Das Herstellen heilsamer Ordnung beginnt zu Hause. Unsere Gedanken ordnen, den Körper angemessen behandeln und von dieser Grundlage aus den Aktionskreis ausdehnen.

Und weiter:

Während wir uns an den abstrakten Sinnfragen des Lebens abarbeiten, übersehen wir die überschaubare und gestaltbare Wirklichkeit. Die besteht immer aus der Zubereitung oder Beschaffung der nächsten Mahlzeit.

Indem Frank Beobachtungen der Alltäglichkeit präsentiert und in einen größeren, persönlichkeitsdefinierenden Kontext stellt, gelegentlich gefärbt durch Meinung, provoziert er Reflexion (des eigenen Lebens) und Erwiderung (in meinem Fall z.B. wenn es um den Musikkonsum geht). Er fordert auf, sich mit dem eigenen Leben zu beschäftigen und die eigenen Erfahrungen, den eigenen Alltag einerseits abzugleichen mit seinen Beobachtungen, andererseits aber überhaupt erst einmal zu hinterfragen und bewusst(er) wahrzunehmen.

Ich glaube sogar, dass das sein eigentliches Anliegen ist, diese Auseinandersetzung und dieses Reflektieren. Ich glaube, dass es ihm nicht um das Kopfnicken zu seinen Beobachtungen geht, sondern um das Stirnrunzeln über das eigene Leben. Deswegen ja auch der Titel: „Formbewusstsein“. Oder, wie es auf dem Cover gesetzt ist: „Form bewusst sein“.

Es geht ihm darum, sich bewusst zu werden über die eigene Form. Über die Form des eigenen Lebens. Über den eigenen Alltag also. Und so schließlich die eigene Form bewusst zu finden im Alltag. Das Konkrete im eigenen Leben anzupacken. Es nicht bloß geschehen zu lassen, sondern zu gestalten. Sich nicht nur den abstrakten, großen Problemen zu widmen, sondern auch – und zwar auf Basis des eigenen Lebens, dass man in den Griff bekommt, indem man bewusst Entscheidungen trifft. Es gestaltet. Ihm eine Form gibt. Und dann die Probleme der Welt von diesem „Heimathafen“ aus anpackt.

Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass die Form der Ernährung etwas Belangloses sei. Wir nehmen diese Form sogar in uns auf – wie könnte das folgenlos bleiben?

Frank richtet unseren Blick auf die Kleidung, die Medien, die Liebe, den Besitz und die Ernährung. Im Konkreten, in den Details komme ich sehr oft zu ganz anderen Schlüssen als er. Insbesondere, weil ich die Grenze zwischen Form und Norm, zwischen Formbewusstsein und Normabhängigkeit als fließend empfinde. Was für den einen noch formbewusst ist, ist für den anderen schon spießig normabhängig.

Aber ohne dieses Buch, wäre ich gar nicht erst zu diesen Schlüssen gekommen, weil ich mir die Fragen, die mich dazu führten, gar nicht gestellt hätte.

Und genau in diesem Sinne trägt das Buch dazu bei, das Leben entspannter zu nehmen:

Entspannung bedeutet, sich aktiv auf etwas anderes einlassen zu können. Es bedeutet nicht, sich zerstreuen zu lassen.

Bücherliste 2016: „The Anatomy of Story“ von John Truby

By | Buchempfehlung

Warum fesseln manche Geschichten und andere nicht? John Truby gibt in seinem Buch „The Anatomy of Story“ Antworten.

Nach der Lektüre des Buches schaut man Filme mit anderen Augen. Mit einer Art Röntgenbrille. Man sieht durch die Handlung durch und erkennt das Gerüst, auf dem der Film steht. Man erkennt, warum das Drehbuch so und nicht anders konstruiert ist, wie die Handlungsstränge so verwoben wurden, dass sie am Ende alle zusammen laufen, warum die Nebenrollen genau so und nicht anders gewählt wurden. Wie Held und Gegenspieler zwei Pole der selben Sache sind.

Für Truby ergibt sich all das aus der „Prämisse“ des Filmes. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um das Drehbuchäquivalent für das, was ich bei Präsentationen immer den Küchenzuruf nenne. Der eine Satz, der den ganzen Film auf den Punkt bringt. Aus dieser Prämisse leitet sich alles andere ab: Der Held, seine Schwächen, seine Gegner, die entscheidenden Handlungen, die Welt, in der die Handlung spielt usw.

Im Zentrum von Trubys Thesen steht das, was er „organische Geschichten“ nennt. Damit meint er Geschichten, die sich aus sich selbst heraus ergeben. Die zwar konstruiert sind, aber nicht konstruiert wirken, weil sich jede Entscheidung, die während der Konstruktion getroffen wird, aus der Prämisse und den vorherigen Entscheidungen ergibt. Weil z.B. nur dieser Held diese Herausforderung annehmen kann, oder dieser Held genau diesen Gegenspieler braucht, um sich seiner Schwächen bewusst zu werden und sie zu überwinden.

You construct a story from hundreds, even thousands, of elements using a vast array of techniques. Yet the story must feel organic to the audience; it must seem like a single thing that grows and builds to a climax. If you want to become a great storyteller, you have to master this technique to such a high degree that your characters seem to be acting on their own, as they must, even though you are the one making them act that way.

In this sense we storytellers are a lot like athletes. A great athlete makes everything look easy […] But in fact he has so mastered the techniques of his sport that his technique has simply disappeared from view, and the audience sees only beauty.

Um ein Drehbuch zu schreiben, das diesem Ziel gerecht wird, ist die wichtigste Entscheidung laut Truby gleich die allererste, die man überhaupt treffen muss. Und sie ist 1:1 übertragbar auf Präsentationen:

Step 1: Write Something That May Change Your Life

This is a very high standard, but it may be the most valuable piece of advice you’ll ever get as a writer. I’ve never seen a writer go wrong following it. Why? Because if a story is that important to you, it may be that important to a lot of people in the audience. And when you’re done writing the story, no matter what else happens, you’ve changed your life.

Besonders anschaulich sind die zahlreichen Beispiele, mit denen Truby seine Analysen an berühmten Filmen aufzeigt. Seine Empfehlungen sind durchaus konkret, aber doch allgemein genug, um nicht auf ein Genre oder gar auf Drehbücher beschränkt zu sein. Sie sind bestimmt, aber nicht dogmatisch.

Das Buch ist ein Arbeitsbuch. Die Zielgruppe sind Autoren. Für jemanden, der einen Leitfaden für seine nächste Präsentation sucht, ist es nicht zu empfehlen. Aber für diejenigen, die verstehen wollen, wie Spannung entsteht, wie ein befriedigender roter Faden gesponnen wird, für diejenigen, die über den Tellerrand ihres Faches blicken möchten und ein tieferes Verständnis für gute Geschichten suchen, für die liefert das Buch einen reichen, manchmal aber auch zähen, weil arbeitsreichen Schatz an Erkenntnissen.

Diese Erkenntnisse haben Vor- und Nachteile. Sie nehmen dem Vergnügen des Filmschauens ein wenig die Unbeschwertheit. Sie machen das Filmschauen bewusster. Sie nehmen den vermeintlich „unerwarteten“ Wendungen die Unschuld, weil man klar erkennt, wie sie konstruiert sind. Aber gleichzeitig machen sie die wahrlich schönen, spannenden, interessanten Filme noch faszinierender, weil man benennen kann, wie die Schönheit entsteht. Sie geben die Befriedigung, tiefer zu blicken und mehr in dem Film zu entdecken.

Stories don’t show the audience the “real world”; they show the story world. The story world isn’t a copy of life as it is. It’s life as human beings imagine it could be. It is human life condensed and heightened so that the audience can gain a better understanding of how life itself works.

Bücherliste 2016: „What the Best College Teachers Do“ von Ken Bain

By | Buchempfehlung

Seit ich begann, diesen Blog zu schreiben, habe ich mich an einige eiserne Regeln gehalten. Eine davon: keine Buch-Rezension, bevor ich das Buch zu Ende gelesen habe. Für Ken Bains „What the Best College Teachers Do“ breche ich sie.

Andernfalls könnte ich die Rezension erst in ferner Zukunft schreiben. Zu lange brauche ich, um das Buch zu Ende zu lesen. Nicht, weil es so dick wäre. Oder so schwer. Ist es nicht. Sondern weil es so inspirierend ist. Es ist eines dieser Bücher, bei dem ich kaum zwei Sätze schaffe, bevor mein Kopf abdriftet in Anregungen, Aha-Effekte und Ideen.

Das Buch basiert auf einer groß angelegten Studie über die Unterrichtsmethoden und -erfolge von Professoren an Hochschulen. Wie bereiten sie sich auf die Lehre vor? Wie behandeln sie ihre Studierenden? Was erwarten sie von ihnen? Wie bewerten sie sie? Wie ihren eigenen Erfolg in der Lehre? Und ganz wichtig: Was bedeutet für sie überhaupt „lehren“?

Es ist ein Buch, von dem man sich nur wünschen kann, dass es Pflichtlektüre sei für alle Professoren.

Simply put, the best teachers believe that learning involves both personal and intellectual development and that neither the ability to think nor the qualities of being a mature human are immutable.

Wie viele Professoren hatte ich selbst, die uns bloß Fachwissen überstülpen wollten. Die den Stoff vorgetragen haben und dann fertig waren. Hier gibt es Wissen, dort Studierende. Das eine muss ins andere. Das Wissen ist, wie es ist, die Studierenden auch. Also gibt es gute und schlechte Studierende, schnell und langsam Lernende. Einser-Kandidaten und Vierer-Kandidaten. Es ist, wie es ist.

Damit räumt Bain gründlich auf.

Erfolgreiche Professoren stellen mehr, aber deshalb nicht absurd hohe Anforderungen. Sie stellen diese Anforderungen an sich und an ihre Studierenden. Vor allem erwarten sie, dass man über den Tellerrand blickt. Sie betrachten ihre Studierenden als Menschen statt als Empfänger von (Fach-)Wissen. Sehen ihr Thema im Wandel statt fix im Wissensstand.

Schooling […] encourages many bright students to think of the enterprise as a competition to be won. […] The teachers we observed usually abstain from appeals to competition. They stress the beauty, utility, or intrigue of the question they try to answer with their students, and they pursue answers to those questions rather than simply the “learning of information“.

Lernen ist mehr als die Anhäufung von Wissen. Mehr, als die Ausbildung zum Fachidioten. Lernen bedeutet Auseinandersetzung. Mit dem Thema, mit mir selbst. Es bedeutet in viel größerem Umfang Fragen zu stellen, als Antworten zu erhalten.

Selten habe ich bei einem Buch so heftig und ausdauernd mit dem Kopf genickt. Es ist kein Buch, das Kochrezepte erhält. Aber es öffnet Augen, macht nachdenklich, gibt Anregungen. Es bringt einen dazu, Fragen zu stellen. Und das ist der wichtigste Schritt, um selbst Antworten zu finden.

Bücher lesen

By | Allgemein, Buchempfehlung

Ich habe noch nie besonders viele Bücher gelesen. Weil ich für viele Bücher sehr lange brauche, um sie zu lesen.

Das liegt nicht daran, dass ich langsam lese. Ich lese sogar recht schnell. Sondern daran, dass ich so schnell abschweife. Assoziiere. Vergleiche. Ein Satz bringt mich auf eine Idee, die verfolgt werden will. Ein anderer erinnert mich an eine ähnliche Situation. Auf einer Seite begreife ich etwas, auf einer anderen widerspreche ich vehement – und begreife auch dabei etwas. Das braucht alles Zeit. Und ich vermisse etwas, wenn das nicht passiert. Deshalb versuche ich, meine Bücher mit Bedacht auszuwählen. Ich versuche, solche Bücher zu lesen, über die sich das Nachdenken lohnt und tue das dann auch ausführlich.

Im letzten Jahr bin ich – auch aus diesem Grund – wieder zu gedruckten Büchern zurückgekehrt, nachdem ich in 2015 fast ausschließlich auf dem Kindle gelesen habe. E-books schienen mir erst sehr begehrenswert und vorteilhaft für meine Art des Lesens: Ich habe sie immer dabei (notfalls auf meinem iPhone). Markierte Stellen sind nachher elektronisch durchsuchbar und daher leicht wieder zu finden. Ich kann markierte Stellen effizient durchschauen, sie kopieren und weiterverarbeiten.

Allerdings hatte ich das nicht zu Ende gedacht. Wichtiger als das, was ich mit den markierten Stellen nachher mache, ist nämlich das, was ich im Augenblick des Lesens tue. Denn ich markiere in gedruckten Büchern nicht bloß. Ich unterstreiche, kreise ein, streiche durch, unterstreiche doppelt und dreifach, setze Ausrufezeichen, verbinde mit Pfeilen, schreibe am Rand usw.

Das intensiviert das Arbeiten und erleichtert gleichzeitig die Erinnerung. Ich erinnere mich an Stellen, weil ich sie so oder so markiert habe. Mein Gedächtnis hat dadurch mehr Kontext beim Erinnern. Es erinnert sich an die Haptik, das Aussehen, das Gewicht, die ungefähre Stelle im Buch, die Art der Markierung. Gedruckte Bücher unterstützen meine Art des Nachdenkens mit und über ein Buch anscheinend noch viel besser.

Möglicherweise sehe ich das irgendwann wieder anders. Im Augenblick aber lese ich lieber gedruckte Bücher.

In den folgenden Tagen möchte ich ein paar Bücher vorstellen, die mich in 2016 besonders beschäftigt haben.

Nur zwei Bücher aus der Liste stammen auch aus 2016. Neuheit war für mich noch nie ausschlaggebend für mein Interesse an einem Buch.

Nur ein Buch ist auf Deutsch. Ich habe zwar mehr gelesen, aber hängen geblieben ist nur eines. Das ist schade. Ich würde mir mehr wünschen (und freue mich über Empfehlungen).

10 Jahre iPhone-Präsentation

By | Allgemein

Gestern las ich eine Menge Lobpreisungen für Steve Jobs’ iPhone-Präsentation, die inzwischen als Paradebeispiel für gelungene Produktpräsentationen herhalten darf. Viel wurde dort gesagt über die technische Umsetzung, die Dramaturgie, die angemessene Visualisierung, die überzeugenden Demos, den Humor, und vieles davon kann man bejahen. Aber ich habe drei Aspekte vermisst, die leicht übersehen werden:

  1. Das iPhone wurde insbesondere deswegen zu einem grandiosen Erfolg, weil es ein großartiges Produkt war, das die Welt verändert hat. Großartige Präsentationen sind auch deswegen großartig, weil sie großartiges zu sagen haben.
  2. Steve Jobs platzte sichtlich vor Stolz, als er auf der Bühne stand. Er glaubte jede einzelne Silbe, die er dort oben sagte. Begeisternde Präsentationen begeistern auch deswegen, weil der Redner begeistert ist.
  3. Der Vorbereitungsaufwand für die Präsentation war gewaltig. Monate im Voraus begannen die ersten Vorbereitungen, 5 Tage lang stand Steve Jobs auf der Bühne, um den Vortrag zu üben. Perfekte Präsentationen sind auch deswegen perfekt, weil sie perfekt vorbereitet sind.

Der Verdammt-so-mach-ich-es-ja-auch-ich-fühl-mich-ertappt-Effekt

By | Allgemein

„Haha, ja genau. Wie bei mir neulich. Gutes Beispiel.“ Ziemlich lustiger Vortrag ist das.

Obwohl … auch ein bisschen unheimlich. Der kennt mich doch gar nicht. Und doch weiß er, wie ich ticke. Hat er mir etwa über die Schulter geschaut?

Lustig ist’s, ja, aber je länger der Vortrag dauert, desto unbequemer wird’s auch, weil ich erkenne:

„Verdammt, so mach ich es ja auch. Ich fühl mich ertappt!“

Und das ist gut so. Denn erst wenn es unbequem wird, ändern wir etwas.

Unbequem wird es aber erst, wenn ich erkenne, was das mit mir zu hat: „Der meint ja mich! Der hat echt verstanden, worauf es ankommt.“

Sie sind der Augenöffner für Ihre Zuhörer – je konkreter, je lebensnäher Ihre Beispiele, desto mehr. So konkret, dass die Zuhörer sagen: „Verdammt, so mach ich es auch. Ich fühl mich ertappt!“