Finde ich aber schon

15.09.2014, Autor: Michael Gerharz

„Ich finde aber, dass die Schriftart nicht so gut passt.“
„Doch, finde ich schon.“

Tja, Sackgasse. Ende der Diskussion. Eine vernünftige Entscheidung ist hier nicht mehr möglich. Weil beide keine Ahnung haben, wovon sie reden. Weil sie sich fortan nur noch Bauchgefühle entgegenwerfen werden, bis einer nachgibt.

Es geht aber nicht um Nachgeben, sondern um die beste Lösung.

Warum passt die Schrift denn nicht? Ist sie zu fett oder zu dünn? Zu filigran oder zu plump? Zu schlecht lesbar? Zu verspielt? Zu kühl? Zu unausgewogen? Handwerklich zu schlecht? Zu modern oder zu traditionell?

Und überhaupt: Was bedeutet es eigentlich, dass eine Schrift modern ist? Lesbar? Verspielt?

Lernen Sie, das zu sehen. Indem Sie beobachten. Neugierig sind. Fragen stellen. Darüber reden.

Bei allem, was Ihnen wichtig ist. Streichen Sie „Das finde ich schon“ aus Ihrem Wortschatz. Warum gefällt Ihnen das Bild? Was ist eine gute Umsatzprognose? Was eine gute Begrüßung? Warum gefällt Ihnen der Handtuchhalter? Warum sind Sie mit dem Ergebnis des Meetings unzufrieden? Warum finden Sie, dass der Text zu trocken ist? Wodurch wirkt der andere Text lebendiger?

Damit Sie eine fundierte Meinung haben und nicht nur vage Bauchgefühle. Damit Sie fundiert entscheiden können, statt im Dunkeln zu tappen. Damit Sie nicht beleidigt sind, sondern verstehen, dass die Schrift wirklich gut passt.

Lernen Sie zu sehen.

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Tags:Erfahrung Kritik Meinung Sehen


Der Puddingbeweis – CreativeMornings mit Andreas Muxel

08.09.2014, Autor: Anne Pustina

CreativeMornings Cologne mit Andreas MuxelProbieren geht über Studieren? Das stimmt nicht nur beim Puddingkochen, sagt Andreas Muxel, Professor für Interface/Interaction Design an der Köln International School of Design. Am 29. August hat er bei unserem zweiten CreativeMorning Cologne im Barthonia Showroom über das Thema „Failure“ gesprochen.

Keine Angst vor Fehlern

Klar, wer etwas ausprobiert, läuft Risiko zu scheitern. Aber zum Thema Scheitern hat Muxel eine sehr klare Meinung. Es sei notwendig, um voranzukommen, findet er. Denn wer ausprobiert und dabei scheitert, kommt zu Ergebnissen und Ideen, die er sonst nie gehabt hätte.

„In unserer Gesellschaft wird erwartet, dass wir nicht scheitern,“ sagt Prof. Muxel. „Es wird von uns erwartet, keine Fehler zu machen und ein perfektes Ergebnis zu liefern. Doch in meiner Arbeit waren die Momente, in denen etwas schief ging, genau die, in denen es spannend wurde.“

Sein „Connect“-Projekt ist so ein Fall. 2008 arbeitete Muxel an einer mobilen Skulptur mit metallischen Kugeln, die an Schnüren von der Decke hingen und miteinander verbunden waren. Muxel wollte beobachten, wie sich die verschiedenen Elemente zueinander und miteinander verhielten. Um Verbindungen unkompliziert verändern zu können, hatte er die Verbindungsschnüre mit Magneten versehen. Eines Tages jedoch löste sich ein Magnet, sodass die Schnur wie ein Akrobat hin und her pendelte und die anderen Elemente nicht nur in Schwingung versetzte, sondern sie auch auf völlig willkürliche Weise miteinander verband und wieder losließ. Das fand Andreas so interessant, dass er das gesamte Projekt veränderte. Die Installation wurde ein großer Erfolg und mehrfach ausgezeichnet.

CreativeMornings Cologne: Andreas Muxel

Jedes Scheitern bringt uns ein bisschen näher an die Lösung

„Meistens denken wir zu viel und machen zu wenig,“ sagt Muxel. „Konzepte sind wichtig, aber man kann nicht erst ganz am Ende mit der Umsetzung anfangen. Man muss von Anfang an ausprobieren.“ Denn die Herausforderung bei einem neuen Projekt liege meist nicht darin, den Weg von A nach B zu finden. Viel schwieriger sei es, herauszufinden, was B überhaupt ist. Die Antwort liegt darin, keine Angst vor Experimenten zu haben und dabei auch mal zu scheitern, um eine neue Idee zu bekommen. Deshalb ist Prof. Muxel auch so ein großer Probieren-Fan. Zum Beispiel durch das Bauen von Prototypen. Wie der Staubsaugerbauer James Dyson, der tausende Prototypen bauen musste, bis sein Produkt perfekt war. Jedes Scheitern hat ihn ein kleines bisschen näher an die Lösung gebracht, ein kleines bisschen mehr in die richtige Richtung geschubst. Das beobachtet auch Muxel jeden Tag bei den Projekten seiner Studenten.

Oder um es mit Thomas Edison zu sagen: „I have not failed. I have just found 10.000 ways that won’t work.“

Sie haben unseren letzten CreativeMorning verpasst?

Kein Problem. Hier können Sie sich den kompletten Vortrag mit Andreas Muxel noch einmal ansehen. Unsere nächste Veranstaltung findet übrigens am 26. September in der Malzfabrik in Köln statt. Dann wird Nicolas Lecloux von truefruits unter dem Monatsthema „Color“ sprechen. Mehr Infos hier.


Tags:Andreas Muxel Angst Ausprobieren CreativeMornings Experimente Köln Mut Scheitern Veranstaltungen


75% computergeneriert

01.09.2014, Autor: Michael Gerharz

Echt oder nicht? 75% der Bilder in IKEA-Katalogen sind inzwischen computergeneriert.

Die Bilder in IKEAs Katalogen sind zu 75% computergeneriert. Als diese Meldung letzte Woche durch die Medien ging, haben viele erst einmal geschluckt. Alles sieht so echt aus. Aber alles nur fake?

Warum überrascht uns das eigentlich? Weil IKEAs computergenerierte Katalogbilder „echter“ aussehen, als die meisten „echten“ Katalogbilder in anderen Möbelkatalogen. IKEA achtet seit jeher mit größter Sorgfalt darauf, dass die Bilder so aussehen, als kämen sie aus einer „echten“ Wohnung, als würde jemand tatsächlich in diesem Zimmer wohnen, um damit ein Gefühl auszulösen: „So könnte ich auch wohnen. So möchte ich auch wohnen.“

IKEAs Bilder sind dabei nicht „kunstvoll“ mit Glamour-Effekten in Szene gesetzt. So etwas mag Aufmerksamkeit erregen. Doch darauf zielt IKEA mit seinen Bildern nicht. Sie haben einen anderen Job. Sie sollen sagen: „Das ist mir vertraut“, „Hier fühle ich mich wohl“, „So stell ich mir meine Wohnung vor“.

Und darauf kommt es an. Den Betrachtern die Möglichkeit zu geben, sich selbst in dieser Welt zu sehen. Es ihnen so leicht wie möglich zu machen, IKEAs Möbel in ihre eigene Welt zu projizieren.

Offenbar ist es für IKEA inzwischen billiger, dieses Gefühl computergeneriert zu erzeugen, als im Fotostudio zu rekonstruieren (was auch nicht billig ist).


Tags:Computer Fotos Grafik IKEA Werbung


Die Schere im Kopf

25.08.2014, Autor: Anne Pustina

Der innere Bedenkenträger ist das Kryptonit unserer Kreativität. „Ach nee, das ist ja doch nicht so gut…“ oder „Dafür belächeln mich die Kollegen bestimmt“ oder „Das hat doch noch nie jemand so gemacht…“  

Sicherlich, Selbstkritik ist gesund. Sie sorgt dafür, dass wir über unsere Ideen reflektieren und sie von allen Seiten beleuchten. Aber achten Sie darauf, dass der innere Kritiker nicht zur Schere im Kopf wird. Denn: Ohne Risiko keine Belohnung. Oder glauben Sie ein Steve Jobs hat sich von der Schere im Kopf einschränken lassen? Ein Michael Jackson? Ein Mark Zuckerberg?

„Never change a running system“ ist Unsinn. Denn wenn wir uns nie trauen etwas zu verändern, können wir uns auch nie verbessern. Wir bleiben auf ewig auf demselben Stand. Festgefahren. Eingefroren.

Beim Präsentieren geht es darum, Aufmerksamkeit zu schaffen und im Gedächtnis zu bleiben. Ihre Präsentation wird sich niemals abheben, wenn Sie einfach nur alle Punkte auf dem „Das macht man eben so“-Vordruck abhaken.

Vielleicht brauchen Sie für Ihren nächsten Vortrag gar keine Folien, sondern ein Modell. Vielleicht verbildlichen Piktogramme Ihre Idee viel besser als ein Powerpoint-Schaubild. Vielleicht ziehen Sie Ihr Publikum viel schneller in Ihren Bann, wenn Sie, im Gegensatz zu allen anderen, mit einer Heldengeschichte einsteigen.

Trauen Sie sich?

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Das macht man so

18.08.2014, Autor: Michael Gerharz

„Das macht man so“ ist ein anderer Ausdruck für „Ich habe keine Lust, nach der besten Lösung zu suchen.“

„Das macht man so“ mag oft nützlich sein. Zum Beispiel um Fehler zu vermeiden, die andere vor mir schon gemacht haben. Oder um meine Aufmerksamkeit fern von unwichtigen Details zu halten und auf die wichtigen Dinge zu lenken. Oder um Routineaufgaben effizient zu erledigen.

Doch eines ist „Das macht man so“ nicht: Die Garantie für eine gute Lösung, geschweige denn die beste Lösung. Denn dafür muss ich den Autopilot ausschalten.

Nein, diesmal kein PowerPoint, wir bringen ein Modell mit. Nein, diesmal kein gedrucktes Handout vorab. Ja, ich bin fest überzeugt, dass wir die Präsentation statt mit der Firmenhistorie mit der Geschichte über unser Dubai-Projekt beginnen sollten.

Und ja, der Gegenwind ist Ihnen sicher. Fehler werden passieren. Die Vorbereitung wird länger dauern. Die Umsetzung wird anstrengender sein.

Aber das ist halt so.

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