Lohnt sich der Aufwand?

20.02.2012, Dr. Michael Gerharz

Lohnt sich eigentlich der Aufwand, eine Präsentation äußerst sorgfältig vorzubereiten? Nach allen Regeln der Kunst eine Story zu entwickeln? An der Gestaltung zu feilen, bis jedes Bild ein Treffer und die Präsentation wie aus einem Guss wirkt?

Bringt das was? Merkt das jemand? Wie ist das bei einer großen Keynote? Und erst recht in einer typischen Vertriebssituation, wenn man vielleicht sogar nur einem Zuschauer gegenübersitzt?

Apple glaubt: ja, das bringt was.

Ein Wahnsinnsaufwand

In der vergangenen Woche veröffentlichte Apple eine Vorschau auf seine neue Betriebssystemversion „OS X Mountain Lion“. Diesmal nutzten sie nicht eine ihrer legendären Keynotes, um die neuen Features zu erklären.

Stattdessen luden sie einige handverlesene Personen ein, die jeweils eine Einzelpräsentation von Apples Marketingchef, Phil Schiller, bekamen. John Gruber, Autor des Technologie-Blogs Daring Fireball, gehörte dazu. Und das war sein Eindruck der Präsentation:

Schiller has no notes. He is every bit as articulate, precise, and rehearsed as he is for major on-stage events. He knows the slide deck stone cold. It strikes me that I have spoken in front of a thousand people but I’ve never been as well-prepared for a presentation as Schiller is for this one-on-one meeting. (Note to self: I should be that rehearsed.)

This is an awful lot of effort and attention in order to brief what I’m guessing is a list of a dozen or two writers and journalists. It’s Phil Schiller, spending an entire week on the East Coast, repeating this presentation over and over to a series of audiences of one. There was no less effort put into the preparation of this presentation than there would have been if it had been the WWDC keynote address.

Es ist Ihre Entscheidung

Sie bestimmen immer selbst, welchen Eindruck Sie bei Ihrem Publikum hinterlassen wollen, ob es nun aus tausend oder nur einem Zuschauer besteht. Sie bestimmen, wie sorgfältig Sie dem Publikum Ihre Ideen erklären. Und Sie bestimmen, wieviel Mühe Sie sich selbst machen, damit Ihr Publikum keine Mühe hat, Ihre Ideen zu verstehen.

Zu den faszinierenden Dingen meines Jobs gehört, mit welcher Konsequenz meine Kunden diese Fragen für sich beantworten. Es macht einfach Spaß, wenn wir in Workshops die Zeit vergessen, auf der Suche nach immer einfacheren und immer überzeugenderen Erklärungs- und Darstellungsmöglichkeiten, wohlwissend, dass die Kunden meiner Kunden diesen Aufwand zu schätzen wissen.

Und vielleicht ist ja auch Grubers Fazit über die technischen Entwicklungen bei Mountain Lion ein Fazit, das meine Kunden für Ihre eigenen Präsentation schon lange gezogen haben:

The changes and additions in Mountain Lion are in a consistent vein: making things simpler and more obvious, closer to how things should be rather than simply how they always have been.

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Tags:Apple Aufwand John Gruber Phil Schiller Vorbereitung Workshop


PresentationLoad

13.02.2012, Dr. Michael Gerharz

Alexander Christmann, Head of Production von PresentationLoad, war nicht amüsiert über meinen Artikel Schlechte PowerPoint-Vorlagen. In der vergangenen Woche kommentierte er:

[…] Spaß beiseite. Sicherlich gibt es Präsentationen, die schöner, eleganter, einfacher, reduzierter, aussagekräftiger, fokussierter und stylischer sind, als dieses von Ihnen beliebig gewählte Beispiel von www.presentationload.de

Yep. (Übrigens unterscheidet sich dieses von mir beliebig gewählte Beispiel praktisch nur in den Fotos und der Farbpalette von den anderen Vorlagen.)

Wer jedoch diese Vorlagen stellvertretend für alle anderen Vorlagen bei www.presentationload.de per se als schlecht aburteilt, der hat schlichtweg den Sinn von PowerPoint Vorlagen nicht verstanden.

Ich dachte, der Sinn von PowerPoint-Vorlagen sei es, dass der Vortragende möglichst einfach überzeugende Präsentationen gestalterisch umsetzen kann. Die Frage ist doch: tun das die PresentationLoad-Vorlagen?

Wenn wir von guten PowerPoint Präsentationen sprechen, dann sprechen wir auch von zwei Welten. […] Die andere Welt hingegen skizziert sich in einem Abstraktum, nämlich in der Idee, den unterschiedlichsten, individuellen Ansprüchen und Anforderungen gerecht zu werden. […] Und genau hier ist Ihr Denkfehler. Diese Vorlagen verstehen sich nicht als Dogma für die perfekte Präsentationsgestaltung, sondern eher als Toolboxen, die möglichst viele Szenarien abdecken und möglichst vielen Kundenanforderungen gerecht werden sollen.

Das habe ich schon verstanden. Die Vorlagen werden aber nicht dadurch besser, dass sie everybody’s darling sein wollen. Denn das ändert ja nichts daran, dass sie zu text- und kopflastigen, also ineffektiven Präsentationen einladen – und zwar in der gleichen Weise, wie die Standard-PowerPoint-Vorlagen dazu einladen, Bullets Points einzutippen.

Und welchen Anforderungen werden denn diese Folien überhaupt gerecht? Prägnant? Na ja. Einprägsam? Eher nicht, denn dafür sind sie zu klischeehaft. Emotional? Mit Sicherheit nicht. Roter Faden? Den muss man schon selber haben. Schick? Vielleicht. Die Frage ist ja, ob bei den „möglichst vielen Szenarien“ für den Kunden die richtigen dabei sind.

Aber Christmann spielt den Ball ohnehin weiter:

Keiner in unserem Hause erwartet, dass diese vorformatierten Platzhalter und vorkonzipierten Grafiken in vollem Umfange mit konkreten Informationen befüllt werden.

Das klingt für mich zu einfach, nämlich übersetzt etwa so: Wenn am Ende die Präsentation nichts taugt, ist’s im Zweifel der Nutzer schuld. Er hätte ja die Platzhalter nicht nutzen müssen.

Der Punkt ist: Die Vorlage lädt dazu ein, die Platzhalter zu benutzen (wofür wären sie sonst da). Das bedeutet: weil die Vorlage textüberladen ist, gilt das wahrscheinlich auch für die fertige Präsentation.

Wir brauchen weder schick dekorierte Textwüsten noch Vorlagen, die der Nutzer erst von Platzhaltern befreien muss, damit sie erträglich werden. Wir brauchen Vorlagen, die dazu einladen, auf den Punkt zu kommen, statt umständlich drum herum zu schreiben; und Vorlagen, die dazu einladen, aus einer Präsentation eine spannende Story zu machen.


Tags:Corporate Design Design PowerPoint PresentationLoad schlechtes Beispiel Templates Vorlagen


Der Blick über den Tellerrand – Neuer Blog

06.02.2012, Dr. Michael Gerharz

Wie kommt man eigentlich auf Ideen? Das fragte ich vor drei Jahren Timo Off, Autor des Blogs Geistesblitz. In seinem Gastbeitrag schrieb er damals, man solle seinen Ideen ein guter Gastgeber sein. Und ein guter Gastgeber sei man u.a. dann, wenn man oft über den Tellerand blickt, sich frische Einblicke verschafft und „fremden“ Themen beschäftigt und täglich etwas Neues probiert.

Einen großen Teil meines Tages verbringe ich mit eben diesen Ratschlägen, lese viel und probiere viel aus. Ab sofort können Sie daran teilhaben. Denn am vergangenen Wochenende hat Timo den Geistesblitz-Blog an mich übergeben und seitdem blogge ich dort über Kreatives aus Kommunikation und Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft.

Als ich vor vier Monaten erfuhr, dass Timo seinen Blog einstellen wolle und nach einem Nachfolger suchte, zögerte ich keine Sekunde. Nach wenigen Mails waren wir uns einig: zum Februar sollte der Wechsel stattfinden. Wenn Sie mit mir gemeinsam über den Tellerrand blicken möchten, dann lade ich Sie ein, einen Blick auf meinen neuen Blog zu werfen.

Geistesblitz-Titelbild

Herzlichen Dank, Timo, für viele Jahre Inspiration und alles Gute bei deinen neuen Projekten.

Und Ihnen viel Freude bei Geistesblitz. Ich würde mich freuen, Sie auch dort zu sehen.


Tags:Blog Geistesblitz Kreativität Timo Off



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