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Erklären und verstehen

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Most professors think about teaching as something the teacher does rather than about what the students are supposed to learn. – Ken Bain

Auf der einen Seite die Lehrer/Professoren, die über ihren Stoff als etwas „Gegebenes“ denken, etwas das sie erklären, und das die Studenten verstehen müssen. Diese Lehrer glauben, ihr Job sei getan, wenn sie es erklärt haben, nicht wenn die Studenten es verstanden haben. „Verstehen“ als Aufgabe des Empfängers statt des Absenders.

Auf der anderen Seite die Lehrer/Professoren, die sich als „Mentoren“ verstehen; deren Job noch lange nicht zu Ende ist, wenn die Studenten den Stoff verstanden haben; die den Studenten nicht nur Verständnis, sondern Neugier, Skepsis, Begeisterung vermitteln wollen und dabei über die Ränder des Faches hinausgehen.

Im Matheunterricht hatten ein Mitschüler und ich verschiedene Lösungen für eine Statistikaufgabe gefunden. Wir verstanden nicht, warum, denn beide Lösungen schienen plausibel, obwohl die Ergebnisse nicht vereinbar waren. Unser Lehrer fand auch keinen Fehler. Das kann passieren. Was nicht passieren sollte: Unser Lehrer hatte keinen Ehrgeiz, die richtige Lösung zu finden. Das Buch habe recht – das sei ja auch plausibel – und folglich ich unrecht. Damit gaben wir uns nicht zufrieden. Mein Mitschüler und ich diskutierten außerhalb des Unterrichts stundenlang, entschlossen uns anschließend, die Aufgabe empirisch mit einem Computerprogramm zu simulieren und wussten dadurch, dass tatsächlich die Lösung im Buch korrekt war. Der Unterschied war jetzt jedoch: mit Hilfe des Computerprogramms konnten wir nun erklären, warum meine falsch war. Wir hatten etwas verstanden.

Es genügt auch für Vortragende nicht, sich zu rechtfertigen, dass man „das“ doch auf Folie 23, Unterpunkt 4 erklärt habe. Erklären ist nicht verstehen. „Verstehen“ ist Aufgabe des Absenders.

persoenlicheTreffen

Der Wert persönlicher Begegnungen

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Warum soll man sich überhaupt noch persönlich treffen?

Wir haben Team Chats, Online Realtime Collaboration, Videokonferenzen, Wikis, einfache Werkzeuge, um Berichte, Webseiten, interaktive Dokumente, Animationen, Slideuments, Sway-Dokumente usw. zu erstellen.

Warum also Meetings, bei denen man sich trifft?

1. Um den Aufmerksamkeitswettstreit zu gewinnen.

News-Webseiten, Kaffeepause, Fach-Zeitschriften, Twitter, Facebook, Groupchat, WhatsApp, YouTube. All diese Medien sind auf Neugier und/oder schnelle Belohnung optimiert. Dokumente, die Sie erstellen, damit sie jemand liest und versteht, konkurrieren mit allen anderen Inhalten, die der Leser in derselben Zeit konsumieren kann. Oft verlieren Sie und das Dokument wird zu spät, unaufmerksam oder gar nicht gelesen. Es ist im Wettstreit der anderen Kanäle nicht „spannend“ genug.

Wenn man sich in einem Raum trifft, schaltet man etliche der Aufmerksamkeitskonkurrenten aus. Man hat Zeit, miteinander zu kommunizieren, ohne dass permanent weitere Kanäle die Aufmerksamkeit der Gesprächspartner erfordern und mehrere Kommunikationsstränge parallel aktiv sind.

Das bedeutet nicht, dass man sich daher keine Mühe geben muss, spannend zu präsentieren oder auf den Punkt zu argumentieren. Aber es bedeutet auch, dass man nicht künstlich mit aufmerksamkeitsheischenden Methoden arbeiten muss, um überhaupt gehört zu werden. Dieser Aufmerksamkeitswettstreit beginnt übrigens nicht erst in großen Unternehmen.

2. Um zu diskutieren.

Viele Software-Werkzeuge bieten heute Kommentarfunktionen, Group-Chats wie Slack erlauben den schnellen Austausch von Gedanken, Echtzeitsynchronisation ermöglicht das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten. Viele kleine Diskussionen können so effizient und effektiv erledigt werden. Aber sobald die Gedanken komplizierter werden und nicht in wenige Zeilen Kommentarfeld passen, lohnt sich der Weg in den Meetingraum, um darüber zu sprechen. Man kann nicht alles mit Einzeilern diskutieren.

Wiederum kann man die Zeit im persönlichen Meeting gezielt nutzen, um über die wichtigen Dinge zu sprechen, weil die kleineren und kürzeren Diskussionen bereits auf anderem Weg erledigt worden sind. Die wichtigen Dinge, das sind die Diskussionen, die eben nicht in ein paar Zeilen passen. Jason Fried schreibt dazu: „All sorts of bad happens when a company begins thinking one-line-at-a-time most of the time.“

3. Um sich menschlich zu zeigen.

Meetings und Präsentationen sind Orte, an denen man sich gegenüber sitzt und in die Augen blickt. Dabei nimmt man Dinge wahr, die bei einer Skype-Konferenz verborgen bleiben. Wenn jemand auf mich zugeht, hat das eine andere Wirkung, als wenn nur sein Bild auf einem Monitor ein wenig größer wird. Wenn seine Stimme lauter wird, wenn sie zittert, dann bilden das Tonübertragungen selten genau so gut ab. Der Stift, den der eine dem anderen aus der Hand reißt, weil er ganz aufgeregt auf eine neue Idee gebracht wurde, die er an die Tafel schreibt. Das sind Energien und feine Schwingungen, die entstehen können, wenn Menschen sich in einem Raum befinden.

Wenn man die gemeinsame Zeit dafür nutzt – statt z.B. für langweilige Präsentationen, die man auch als Dokument hätte verschicken können – dann lohnt es sich, dass man die Zeit gemeinsam verbringt.

Meeting

Über Meetings

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„Warum tu ich mir das an? Schon wieder so ein langweiliges Meeting.“

Neulich bin ich in einem Interview gefragt worden, wie es eigentlich zu langweiligen Meetings kommt. Ich nutze die Gelegenheit, meine Gedanken dazu etwas ausführlicher zu formulieren.

Man empfindet ein Meeting als langweilig, wenn mindestens eine dieser drei Beobachtungen zutrifft:

  1. Das Meeting ist überflüssig.
  2. Ich selbst bin in dem Meeting überflüssig.
  3. Beiträge anderer sind in dem Meeting überflüssig.

1. Das Meeting ist überflüssig.

Ein Meeting ist dann überflüssig, wenn es aus meiner Perspektive keinen sinnvollen Grund dafür und/oder kein sinnvolles Ziel gibt. Das tut es bereits dann nicht, wenn ich den Grund oder das Ziel bloß nicht erkenne (unabhängig davon, ob andere es tun) oder wenn ich eines von beiden nicht konkret und in einfachen Worten benennen kann.

2. Ich selbst bin in dem Meeting überflüssig.

Nehmen wir an, das Meeting sei (aus meiner Sicht) nicht überflüssig, dass es also ein sinnvolles Ziel des Meetings gibt. Wenn ich keinen sinnvollen Beitrag dazu leisten kann, dieses Ziel zu erreichen, ist es sinnlos, dass ich an dem Meeting teilnehme. Dabei genügt es, wenn ich selbst glaube, dass ich keinen sinnvollen Beitrag leiste – z.B. weil ich finde, dass mein Beitrag nicht wertgeschätzt wird.

3. Beiträge anderer sind überflüssig.

Nehmen wir an, das Meeting sei (aus meiner Sicht) sinnvoll und nehmen wir weiter an, dass meine Beteiligung helfen kann, das Ziel des Meetings zu erreichen. Wenn das aber nicht für die Beiträge anderer gilt, ist es sinnlos, dass sie an dem Meeting teilnehmen. Es genügt, dass ich nicht erkenne, wie ein Beitrag anderer Teilnehmer hilft, das Ziel des Meetings zu erreichen, z.B. weil ich den Eindruck habe, dass er falsch, zu lang, unpräzise, abschweifend, ziellos, wirr usw. ist. Das schließt übrigens nicht aus, dass meine Beiträge in den Augen anderer ebenfalls überflüssig sind.

Allen drei Ursachen gemeinsam ist die persönliche Erkenntnis, dass in dem Meeting meine Zeit verschwendet wird, dass ich sie also sinnvoller mit anderen Aktivitäten verbringen könnte. Also tue ich es und erledige Dinge auf meinem Smartphone.

Die Lösung dafür ist nicht, die Smartphone-Nutzung zu verbieten, sondern dafür zu sorgen, dass jedem Teilnehmer klar ist:

  1. Warum treffen wir uns und was wollen wir erreichen?
  2. Warum soll gerade ich daran teilnehmen?
  3. Wie kann ich möglichst effektiv dabei helfen, das Ziel des Meetings zu erreichen?

Falls es daran irgendwelche Zweifel gibt: Verantwortlich dafür, dass den Teilnehmern die Antworten darauf klar sind, ist derjenige, der das Meeting einberuft.

paukenInDerSchule

Über das Pauken in der Schule

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„Wann endete der dreißigjährige Krieg?“, „Definiere ein Mol.“, „Was ist ein Tritonus?“. Ein wesentlicher Teil der Schulausbildung besteht darin, Wissen anzuhäufen. In kurzer Zeit wird ein Thema mehr oder weniger ausführlich behandelt und anschließend überprüft der Lehrer in einer Lernzielkontrolle, wie viel sich die Schüler davon gemerkt haben.

Inwiefern das sinnvoll ist oder nicht, ist eine Frage. Aber da es so ist wie es ist, lautet eine andere berechtigte Frage: Wann lernen die Kinder, wie man sich eine größere Menge an Informationen merkt?

Wie viele Erwachsene kennen die Hauptstädte der europäischen Staaten? Wie ist es mit anderen Fakten? Manche Erwachsene wissen möglicherweise deswegen wenig, weil sie nie gelernt haben, wie man sich Wissen bewusst einprägt, wenn es nicht von selbst hängen bleibt. Wie merkt sich z.B. ein Kind in der Grundschule, das nicht einmal ein Bild mit „Budapest“ verbinden kann, die Hauptstadt von Ungarn? Durch Pauken? Aber was genau ist das? Und wie macht man das effizient und effektiv?

In der Schule geht es (zumindest in den mir bekannten Fällen) meist nur darum, was man sich merken soll. Wie man sich Faktenwissen aber merken kann, und dann auch noch nachhaltig, das lehren nur wenige. Das ist ungefähr so, als ob ich einem Schreiner eine Säge in die Hand drücke und dann von ihm verlange, dass er sie auf Anhieb und ohne Anleitung präzise benutzen kann. In der Schule heißt das dann: Kinder, ihr habt ein Gedächtnis, benutzt es.

Warum ist es nicht selbstverständlicher Bestandteil der Schulausbildung, Methoden zu lernen, mit denen sich die Schüler schnell – und dauerhaft – Informationen merken können? Damit meine ich nicht die zahlreichen (und sinnvollen) Lehrmethoden, die die Lehrer einsetzen, um den Schülern ein Thema näher zu bringen. Natürlich ist es sinnvoll, wenn die Schüler Informationen gar nicht erst pauken müssen, weil sie sie nach einem guten Unterricht verstanden haben und herleiten können, ja gar so interessiert sind, dass sie mehr erfahren wollen. Ich meine Methoden, mit denen sich die Kinder selber Informationen einprägen, die sie wissen sollen, die aber nicht – oder nur sehr begrenzt – aus vorhandenem Wissen ableitbar sind, so wie z.B. die Hauptstädte der europäischen Staaten.

Warum also wird das, was als grundlegende Fähigkeit von allen Schülern verlangt wird, diesen gar nicht beigebracht? Lernen, im Sinne von sich etwas einprägen, müssen Schüler im Wesentlichen selber lernen. In aller Regel ist es den Schülern oder deren Eltern überlassen auszuprobieren, was funktioniert.

Diejenigen Kinder, deren Eltern mit ihnen üben, prägen sich vieles durch Wiederholung ein. Manche Kinder finden auch selbständig Methoden, mit denen sie sich bestimmte Informationen leichter merken können, Eselsbrücken zum Beispiel. Verständnis von Zusammenhängen hilft natürlich auch. Aber die Kinder, die diese Voraussetzungen nicht mitbringen? Insbesondere nicht die Unterstützung des Elternhauses? Was ist mit denen?

Es gibt Schulen, an denen mit Gedächtnismethoden – Mind Maps, Loci-Methode etc. – gearbeitet wird, aber nicht viele. Warum nicht?

Erst kürzlich musste sich meine Tochter für einen Sachkundetest wieder viel Faktenwissen einprägen. Es fiel ihr, die eine gute Schülerin ist, sichtlich schwer. Gar nicht schwer aber fiel ihr, die Fakten gedanklich assoziativ in unserem Haus zu platzieren, so dass sie sich jetzt mühelos an alle Fakten erinnert.

Es ist ja nicht so, als sei ein gutes Gedächtnis Hexenwerk oder Veranlagung. Selbst das, was Menschen bei Gedächtnismeisterschaften zu leisten imstande sind, entspringt keiner natürlichen Begabung, sondern der richtigen – und geübten – Methodik, wie die Teilnehmer immer wieder betonen. Wäre es nicht sinnvoll, in der Schule wenigstens einen kleinen Einblick in diese Methoden zu erhalten?

wowSchlechterRuf

Warum haben Stories in Präsentationen einen schlechten Ruf?

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„Das ist ja nur Marketing.“

Wenn es um Präsentationen mit Stories und großen Bildern geht, sind immer noch viele Menschen in Unternehmen, Behörden, Forschung und Entwicklung schnell mit diesem Urteil. Zu wenig Substanz, zu viel Gelaber, komm zum Punkt.

Wie kann das sein? Steht nicht in allen Präsentationsblogs, wie wichtig Storytelling ist und wie kraftvoll emotionale Bilder sind? Haben diese Meckerer es also einfach nicht verstanden? Leben sie noch im vorigen Jahrhundert, als man noch mit verkopften Präsentationen und überladenen Folien beeindrucken konnte? Werden schon sehen, wohin sie ihr Unternehmen mit dieser Präsentationskultur manövrieren, wenn links und rechts die Wettbewerber mit plakativeren Präsentationen an ihnen vorbei ziehen und die Menschen berühren.

Oder ist es gerade umgekehrt und wir Marketingleute haben nichts verstanden? Romantisieren über Emotionen, wo Wirtschaft und Wissenschaft von Zahlen und Fakten getrieben sind? Ist am Ende gar das, was vielleicht für Endkunden gilt, überhaupt nicht auf Kommunikation in und zwischen Unternehmen anwendbar? Business ist Business und da regiert der Kopf.

Ich glaube nicht. Aber ich glaube auch, dass der Ruf von Stories, Bildern, Zitaten, also allem, was dazu dient, die Präsentation „emotional aufzuladen“ zurecht so schlecht ist, wie er ist. Oft ist nämlich all das bloß aufgesetzt, über den Inhalt gestülpt als Deko, um „mehr Würze“ in eine Präsentation zu bringen, die sonst nicht schmecken würde.

Schon die Formulierung „emotional aufladen“ entsteht aber aus einem Missverständnis, genauso wie „Da muss noch mehr Würze rein“ oder „Wir brauchen noch einen Wow-Effekt“. Man kann nicht Würze zu einer Präsentation geben, wenn man mit Präsentieren bloß das Servieren meint, das Auftischen, nachdem die Suppe schon gekocht ist. Das Auge isst mit, ja, aber eine fade Suppe schmeckt trotzdem fad.

Wer mit seiner Präsentation Emotionen ansprechen möchte, der muss beim Kochen ansetzen. Der muss sich fragen, worin die Würze des Themas besteht.

Emotionalität entsteht, wenn ein Zuhörer erkennt, in welcher Weise er betroffen ist und warum gerade er gemeint ist. Ist er es nicht, hilft es auch nicht, dass es eine Story war, bei der er nicht gemeint war. Wenn ich eine schicke Illustration deswegen gestalte oder eine nette Anekdote deswegen erzähle, damit’s „nicht so langweilig“ wird, ist was faul.

Die Zuhörer sind zu recht sauer, wenn sie mir ihre Zeit schenken, weil sie mir Antworten zutrauen, die sie weiter bringen, und ich sie dann mit irgendeinem nett aussehenden Bild für dumm verkaufe. Als ob die das nicht durchschauen. Wer nur hübsch anrichtet, weil sonst auffällt, dass das Essen zu fad schmeckt, der wird von intelligenten Zuhörern durchschaut und hat ihr Misstrauen verdient.

Ich fahre immer besser, wenn ich das Publikum nicht für dämlich halte. Es ist respektlos zu glauben, man bräuchte nur ein bisschen Wow, um die Zuhörer im Sack zu haben. Substanz zählt tatsächlich. Gelaber nervt tatsächlich, auch wenn es in Stories und Bilder verpackt ist. Wenn sie Substanz haben und relevant sind, dann funktionieren Stories und Bilder. Sonst nicht.

Es geht gerade nicht darum, ein langweiliges Thema „emotional aufzuladen“. Es geht darum, sich ein emotionales Thema zu erarbeiten und dann akribisch herauszuschälen, worin genau die Emotionalität des Themas für die Zuhörer besteht. Warum glaube ich, dass die Zeit meiner Zuhörer gut investiert ist, wenn sie mir zuhören? Welches Aha-Erlebnis werden sie haben?

Wenn es um das Aha statt um das Wow geht, dann geht es automatisch um Geschichten. Dann ist die Präsentation die Story und die Zuhörer sind ihre Helden. Und sie werden nicht meckern, sondern die Story mögen, weil es ihre Story ist.

nurMalKurz

Nur mal schnell

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Es geht niemals bloß darum, nur mal schnell ein paar Daten zu präsentieren. Lesen können alle selber. Es geht immer darum, zu ordnen, zu filtern, zu pointieren. Warum so und nicht anders? Was ist bemerkenswert? Was irrelevant?

Wer informieren soll, der soll gerade nicht vorlesen, aufzählen, herunterbeten. Es ist seine Verantwortung, den Überblick zu wahren in dem ganzen Kuddelmuddel aus Daten und Fakten. Die richtigen Fragen zu stellen und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Den Blick für das Wesentliche zu haben. Zu verstehen. Orientierung zu bieten. Zusammenzufassen. Zu kritisieren. Aufmerksam zu machen. Nicht 100 Seiten Statistiken zu zeigen, sondern die eine Zahl, die alles auf den Punkt bringt.

Wer das gut macht, der spart seinen Zuhörern Zeit statt sie zu verschwenden wie der, der das „nur mal schnell“ macht.

transformation

Der Konflikt zwischen vorher und nachher

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Vor Ihrem Vortrag glaubt das Publikum etwas, danach etwas anderes. Erst wenn es einen fundamentalen Unterschied dazwischen gibt, dann gibt es auch einen Grund für Ihre Präsentation.

„Warum irren Sie mit Ihrer bisherigen Einschätzung der Lage?“

„Wieso ist mein Produkt anders als alles, was Sie bisher kennen?”

„Warum ist der Durchbruch, den wir mit dem neuen Algorithmus erreicht haben, bemerkenswert?”

„Was steckt wirklich hinter den Quartalszahlen?“

„Warum ist dieses Phänomen ein äußerst spannendes Forschungsthema?“

„Warum kommt es bei der Entscheidung für einen Zulieferer auf ganz andere Kriterien an, als Sie bisher dachten?“

„Warum müssen wir dringend die Strategie korrigieren, obwohl doch alle Kennzahlen blendend aussehen?“

Der Konflikt zwischen dem Vorher und dem Nachher ist die Basis für alles andere. Er bestimmt den Anfang und das Ende des Vortrags. Wo hole ich meine Zuhörer ab? Wohin muss ich sie bringen? Welche Hindernisse müssen wir dabei überwinden?

Ohne den Konflikt zwischen dem Vorher und dem Nachher gibt es keine Spannung, keine Dramaturgie, keine Emotionen. Warum sollten die Zuhörer zuhören, wenn alles so wäre, wie sie es vorher erwarten?

Erst wenn die Zuhörer nach dem Vortrag mehr wissen als vorher, lohnt die Zeit, die sie für’s Zuhören investieren.

Erst wenn die Zuhörer nach dem Vortrag verändert sind, lohnt sich die Zeit, die Sie in die Vorbereitung stecken.

Manchmal ist es bloß ein entscheidender Satz, der das Publikum ins Grübeln bringt. Aber die Veränderung muss stattfinden. Und sie gründet sich auf den Konflikt zwischen dem Vorher und dem Nachher.

ersterEindruck

Kommt es auf den ersten Eindruck an?

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Das wär doch was. Ich konzentriere mich in meiner Vorbereitung ganz besonders auf die ersten Sekunden: Wie betrete ich die Bühne? Wie begrüße ich das Publikum? Wo stehe ich? Was tue ich mit meinen Armen? Ein wohlplatzierter erster Satz. Und schon hab’ ich das Publikum im Sack, so weit, dass es fast schon egal ist, was ich danach noch erzähle.

Letztes Jahr schien eine Studie zur Wirkung von TED-Vorträgen diese Folklore über den ersten Eindruck endlich zu bestätigen. Vanessa Van Edwards hatte 760 Teilnehmer gebeten, TED-Vorträge u.a. nach dem ersten Eindruck zu bewerten. Ihre Schlussfolgerung war eindeutig:

Our research suggests that we decide if we like the TED talk in the first 7 seconds — and it has very little, if nothing to do with words.

Ist das also endlich die Bestätigung, dass der erste Eindruck – nur 7 Sekunden – entscheidet und es dabei sogar nur auf die Körpersprache ankommt?

Nein. Natürlich nicht. Diese Schlussfolgerung wäre mindestens sehr voreilig. Die Studie zeigt eben nicht, dass diese Interpretation gerechtfertigt wäre.

Was hat Van Edwards gemessen?

Van Edwards hat die Testpersonen in zwei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe sah nur 7-Sekunden-Ausschnitte der Vorträge, die andere Gruppe Vorträge in ihrer gesamten Länge. Anschließend sollten die Personen die Vorträge bewerten.

Das Ergebnis war eindeutig: Die Vorträge, die in der Gesamtlänge am besten bewertet wurden, wurden auch schon nach den ersten sieben Sekunden am besten bewertet, selbst dann, wenn der Ton ausgeschaltet war.

Folgt daraus, dass die ersten 7 Sekunden entscheiden?

Folgt daraus, dass die ersten sieben Sekunden entscheiden? Nein. Viel naheliegender ist nämlich, dass die Kausalität genau umgekehrt ist. Gute Vorträge sind normalerweise auch schon in den ersten 7 Sekunden gut und das Publikum ist in der Lage, das schnell zu erkennen. Anders ausgedrückt: Menschen, die tolle Vorträge halten, strahlen das auch schon in den ersten Sekunden durch ihre Körpersprache aus.

Vor zwanzig Jahren gab es ein ganz ähnliches Experiment zur Bewertung von Hochschulprofessoren (PDF). 1993 zeigten die Psychologen Nalini Ambady und Robert Rosenthal Studenten in mehreren Versuchsreihen kurze Videoausschnitte von Vorlesungen. Anschließend sollten die Studenten eine Bewertung der Professoren abgeben. Die Wissenschaftler wollten testen, wie kurz die Videoausschnitte sein dürfen, um immer noch dieselbe Einschätzung der Professoren zu erzeugen wie eine Studentenumfrage nach Abschluss des gesamten Semesters.

Ambady und Rosenthal fanden heraus, dass wenige Sekunden reichen, um gar ein ganzes Semester vorherzusagen. Auch diese Studie wurde damals häufig so interpretiert, dass Studenten in Bewertungen anscheinend nur auf Äußerlichkeiten achteten. Ambady und Rosenthal selbst sahen das in ihrer Schlussfolgerung allerdings so:

Not only do we possess the remarkable ability to form impressions of others … but, perhaps more remarkably, the impressions that we form can be quite accurate.

Wer gut vorbereitet ist, ist es normalerweise auch in den ersten Sekunden

Das klingt schon ganz anders. Ambady und Rosenthal vermuteten, dass der erste Eindruck deswegen so auffallend stark mit dem späteren Gesamteindruck übereinstimmt, weil wir – genauer gesagt: die Studenten damals – tatsächlich ziemlich gut darin sind, aus dem ersten Eindruck akkurate Rückschlüsse auf den Gesamteindruck zu ziehen.

Mit anderen Worten: Ja, der erste Eindruck zählt. Aber nicht in dem Sinn, dass das Publikum danach das Hirn ausschaltet und von diesem ersten Eindruck geblendet wäre. Der erste Eindruck zählt deswegen so stark, weil er eben normalerweise tatsächlich mit dem Gesamteindruck übereinstimmt. Wer gut vorbereitet ist, ist es auch in den ersten Sekunden – übrigens auch in anderen 7-Sekunden-Ausschnitten.

Daraus zu folgern, dass der erste Eindruck alles entscheidet, ist nicht zulässig. Kann man nach einem schlechten ersten Eindruck noch einen tollen Vortrag halten? Auf jeden Fall. Kann man einen schlechten Vortrag mit einem genialen ersten Eindruck retten? Eher nicht. Soll man sich Gedanken über den Einstieg machen? Natürlich. Ist das wichtiger als der Rest? Ziemlich sicher nicht.

Es gibt keine Abkürzung

Nicht, wer einen besonders guten Einstieg hat, punktet beim Publikum, sondern wer beim Publikum punktet, tut das normalerweise schon in den ersten Sekunden. Wer sich gut vorbereitet hat, ein tolles Produkt hat, an das er selbst glaubt, eine runde Story, mit der er sich wohlfühlt, der strahlt das normalerweise während seines gesamten Vortrags aus.

Auf der anderen Seite hat das Publikum anscheinend eine gute Antenne dafür, ob der Vortrag etwas taugt oder eine Pfeife vor ihm steht. Kann man es täuschen? Möglicherweise. Reicht dafür der erste Eindruck nachhaltig aus? Ich glaube nicht.

Es gibt daher noch immer keine Abkürzung. Wer einen tollen Eindruck hinterlassen will, muss wohl einen tollen Vortrag vorbereiten. Natürlich ist es sinnvoll, sich dabei Gedanken über den ersten Eindruck – Einstieg und Auftreten – zu machen. Alles andere wäre ein schlechter Rat. Schon alleine, weil es auch Ihnen selbst ein besseres Gefühl gibt, wenn schon der Anfang Ihres Auftritts souverän funktioniert. Aber genau so ein schlechter Rat wäre es, sich auf einen tollen ersten Eindruck zu verlassen.

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So mutig bin ich ja nicht

So mutig bin ich ja nicht

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„Cooles Kleid! Ich bin ja leider nicht so mutig.“

„…?“

Wieso mutig? Sie kam sich gar nicht mutig vor. Im Gegenteil. Sie dachte dasselbe über ihre Freundin. So coole Klamotten würde sie auch gerne tragen. Irgendwie landete sie aber doch immer wieder bei ihrem Stil.

Sich etwas zu trauen ist relativ. Es bezieht sich auf die Norm, genauer gesagt: Das, was man dafür hält. Die persönliche Norm also. Was für den einen „weit draußen“ erscheint, ist für den anderen völlig normal und umgekehrt. Wer immer Karokleider trägt, greift nicht leicht zum knallroten und umgekehrt. Wer immer Heavy Metal spielt, muss sich erst an Jazz gewöhnen und umgekehrt. Wer seine Wände immer weiß streicht, muss sich die Fototapete trauen und umgekehrt.

Dabei ist nichts davon „weit draußen“, sondern nur anders als gewohnt. Derjenige, der etwas anders macht als man selbst, ist deswegen also nicht automatisch mutiger, sondern vielleicht nur etwas anderes gewohnt.

Das ist beim Präsentieren genauso. Leichter ist erst einmal das, was man gewohnt ist, weil man es so gelernt und immer so gemacht hat – für die meisten also typisch voll getextete PowerPoint-Folien. Weil das der gefühlte Normalzustand ist, muss man sich die anderen, die pointiert visuellen Folien erst trauen.

Wer sich aber daran gewöhnt hat, empfindet sich gar nicht mehr als mutig. Im Gegenteil. Er findet es völlig normal. Und die alte Präsentationsgewohnheit schräg.

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PowerPoint „Ink to Shape“

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PowerPoint unterstützt jetzt in Windows 10 und auf dem iPad Zeichenstifte. Damit ist es möglich, Folien mit Apple Pencil & Co oder notfalls mit dem Finger zu skizzieren. PowerPoint wandelt dabei auf Wunsch die Skizzen in „ordentliche“ Formen wie Kreise, Rechtecke, Pfeile etc. um, die dann wie normale PowerPoint-Objekte weiterbearbeitet werden können, um z.B. Farbe, Form und Position zu ändern.

Ich halte das für eine der nützlichsten Erweiterungen in PowerPoint seit langem, insbesondere für die Entwurfsphase und für die Erstellung visueller Folien.

Schneller Folien entwerfen

Wir reden uns seit Jahren den Mund fusselig: Startet die Vortragsvorbereitung analog. Überlegt euch erst, welche Folien ihr braucht und wie sie aussehen müssen, bevor ihr PowerPoint startet. Erst wenn ihr wisst, was ihr gestalten sollt, kann das effektiv und effizient klappen.

Vielleicht müssen wir das bald gar nicht mehr sagen. Die Stiftunterstützung ermöglicht es nämlich, den Entwurfsschritt zwar digital in PowerPoint, aber gefühlt trotzdem analog durchzuführen.

Der größte Gewinn dabei ist wohlmöglich, dass die Hürde der komplizierten Office-Benutzeroberfläche aus dem Spiel genommen wird. Tastatur und Maus waren nie ideal, um visuelle Folien zu gestalten. Das ist ein Grund dafür, dass es in PowerPoint stets einfacher war, Folien mit Bullet-Points zu überfüllen, als übersichtliche Visualisierungen zu gestalten. Es war für viele Nutzer schlicht kompliziert(er) zu visualisieren.

Mit der Stifteingabe ändert sich das. Ich muss nicht mehr suchen, wo ich eine bestimmte Form finde. Ich muss nicht mit der Maus jonglieren, um einen Kreis an der richtigen Stelle zu zeichnen. Ich zeichne ihn einfach. Und wenn ich ihn zu klein gezeichnet habe, ziehe ich ihn mit den Fingern einfach größer. Sehr intuitiv.

Zwar ist das nicht analog, aber es fühlt sich, zumindest mit dem Apple Pencil auf dem iPad Pro, wie Skizzieren auf Papier an.

Einfacher visualieren

Weil PowerPoint die Skizzen sofort und zuverlässig in saubere PowerPoint-Objekte wie Kreise, Pfeile, Rechtecke, Rauten etc. umwandelt, entstehen dabei Visualisierungen, für die sich niemand mehr zu schämen braucht (nicht dass das früher nötig gewesen wäre, aber Tatsache ist auch, dass vielen ihre Zeichenfähigkeiten peinlich sind).

Damit wird es viel einfacher, visuelle Folien zu gestalten als früher. War es früher auf dem PC mit Tastatur und Maus einfacher, Folien mit Bullet Points zu gestalten, ist es inzwischen auf dem Tablet mit einem Stift genau umgekehrt. Plötzlich ist es einfacher, Visualisierungen zu gestalten als Text auf Folien zu schreiben.

Ein natürlicherer Prozess

Visuelle Folien werden zur „natürlichen“ Herangehensweise. Weil nach der Umwandlung alles bearbeitbar ist, muss es aber nicht bei den Skizzen bleiben. Bilder ersetzen, exakter positionieren, Visualisierungen ergänzen, Weitergeben an die Grafikabteilung zur Überarbeitung, alles das ist unverändert möglich. Weil ich die Skizzen aber schon in PowerPoint vorliegen habe, entfällt der Schritt, alles noch einmal neu anlegen zu müssen.

PowerPoint hat mit den beiden Neuerungen Morph und Ink to Shape in der Bedienerfreundlichkeit zwei große Schritte vorwärts gemacht. Folien auf dem Tablet zu gestalten ist inzwischen mindestens so einfach, wenn nicht einfacher als auf dem PC, dabei viel natürlicher und es unterstützt den Nutzer besser als zuvor darin, visuelle Folien zu gestalten, die den Vortrag unterstützen statt ihn zu ersetzen.