Werkstatt "Überzeugend Präsentieren"

Ab dem 22. September 2010 öffne ich meine Werkstatt, um mit Ihnen zusammen daran zu arbeiten, Ihre Präsentationen (noch) spannender zu machen. Die Teilnehmerzahl ist für jeden Termin auf genau vier Plätze begrenzt. Teilnahmebedingung ist der Wille, aktiv daran zu arbeiten, dass Sie am Ende der Werkstatt eine bessere Präsentation in den Händen halten. Wenn Sie mit mir zusammen die Ärmel hockrempeln wollen, finden Sie hier nähere Informationen.
Sie macht alles richtig und tut doch das Falsche

Natalie kommt frisch vom College und heuert als Jahrgangsbeste bei einer Beratungsfirma für Kündigungen an. Sie ist intelligent, eloquent und dabei mutig genug, ihrem neuen Chef, Craig, direkt am ersten Tag vorzurechnen, dass sein bisheriges Geschäftsmodell eine Sackgasse ist. Craig ist zunächst irritiert, dann begeistert und fordert Natalie auf, allen betroffenen Außendienstmitarbeitern ihre Vision zu erläutern. Das tut sie mit einer PowerPoint-Präsentation, die hervorragend gemacht ist – und dennoch nicht alle überzeugt.
Die Präsentation
Natalie beginnt: "Wenn Sie auch nur ein Wort aus meinem Vortrag mitnehmen, dann dieses:"
Nach einer Kunstpause, in der sie die
Überraschung über dieses Kunstwort wirken lässt, spricht sie es
deutlich aus: "GLOCAL – Aus global machen wir in Zukunft
lokal."

"Diese Firma schickt 23 Mitarbeiter in
den Außendienst, an mindestens 250 Tagen im Jahr. Das ist teuer und
ineffizient."


"Als ich vor drei Monaten Craig darauf
hingewiesen habe, antwortete er mit einem Zwinkern: 'Das ist nur
dann ein Problem, wenn Sie eine Lösung dafür haben.'
Nun, heute kann ich genau so eine Lösung
präsentieren."

Sie führt dann eine Software vor, mit
der die Außendienstmitarbeiter in Zukunft ihre Gespräche (das
Feuern von Angestellten!) per Video-Konferenz durchführen können,
anstatt persönlich zu den Kundenunternehmen zu fliegen.
Wie aus dem Lehrbuch
Natalies Chef ist von ihrem Vortrag begeistert und setzt ihre Ideen sofort in die Tat um. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Präsentation handwerklich absolut überzeugt. Die Folien sind sparsam und nicht überladen mit den üblichen Aufzählungsfluten. So kann sie die Aufmerksamkeit ganz auf sich und ihren spannenden roten Faden lenken. Ihre Visualisierungen sind treffend und sofort verständlich und unterstützen die wesentlichen Punkte sehr gut.Auch inhaltlich entwickelt sie die Präsentation lehrbuchmäßig, sie scheint die Empfehlungen aus dem Buch Made-To-Stick geradezu aufgesogen zu haben. Sie beginnt mit einem überraschenden Einstieg, dessen Wirkung sie sofort verstärkt, indem sie eine einleuchtende Erklärung für das Kunstwort "glocal" nachliefert. Schon desöfteren habe ich hierzu Robert Cialdini zitiert: "Ein Aha-Effekt ist umso befriedigender, wenn ihm ein Häh-Effekt vorausgeht."
Sie verwendet eine einfache Sprache und sagt nicht etwa "Wir müssen die Travel-Income-Ratio optimieren". Ihre Ausführungen sind sehr konkret. Sie spricht nicht über Visionen, sagt nicht "Wir müssten" oder "Man könnte", sondern erläutert ganz gezielt ein konkretes Problem, für das sie eine ganz konkrete Lösung in Form der Live-Vorführung präsentiert. Auch auf eine emotionale Ansprache legt sie Wert, indem sie mit ihrem Schlusswort an die Gefühle der Außendienstmitarbeiter appelliert, die in Zukunft Weihnachten endlich wieder zu Hause verbringen können.
Das Problem
So hat Natalie ihren Chef begeistert, aber ein wichtiges Ziel dennoch nicht erreicht: die Außendienstmitarbeiter, stellvertretend handelnd durch Hauptdarsteller George Clooney, zu überzeugen. Der wesentliche Grund: sie liefert zwar, wie vom Chef gefordert, eine Lösung, aber für ein Problem, dass es letztlich in dieser Form gar nicht gibt. Daher trifft sie mit ihrem emotionalen Appell an "Weihnachten zu Hause" auch daneben und verfehlt am Ende genau das, was sie als "blutige Anfängerin" am dringendsten braucht: Glaubwürdigkeit.Das weist Clooney ihr im Anschluss eindrucksvoll nach, indem er ihr zeigt, wie wenig sie tatsächlich von seiner Branche versteht. Letztlich hat sie eben genau eine der Made-To-Stick-Regeln nicht sorgfältig verinnerlicht – und das ist in ihrem Fall die wichtigste: Ideen überzeugen, wenn sie glaubwürdig sind. Glaubwürdigkeit muss Natalie als Anfängerin aber ganz besonders nachweisen. Eine nette Präsentation und eine einstudierte Software-Vorführung sind noch kein Beleg für Kompetenz.
Die radikale Idee wird dennoch umgesetzt und liefert den Hintergrund für einen wirklich spannenden Film, in dem das Leben der Hauptdarsteller gehörig durcheinandergewirbelt wird. Das möchte ich hier nicht alles vorwegnehmen. Manchmal muss man offenbar erst entschieden in die falsche Richtung gehen, bevor man den richtigen Weg erkennt oder zu schätzen lernt. Zur Umsetzung einer Problemlösung ist eine lehrbuchmäßige Präsentation, bei der man fast alles richtig macht, sicher hilfreich. Ob man damit allerdings das Richtige tut, beantwortet das Lehrbuch nicht.
Wer hat Lord Smithe ermordet?
(Es lohnt sich, das Video gesehen zu
haben, bevor Sie weiterlesen).
Wenn Sie die Veränderungen nicht bemerkt haben, dann sind Sie in
bester Gesellschaft, denn der Großteil Ihrer Mitmenschen kann das
ebensowenig. Die
Werbung von London-Transport nutzt eine menschliche Eigenschaft
aus, die man in der Wissenschaft Veränderungsblindheit
nennt: Wenn wir unsere Aufmerksamkeit gezielt auf einen bestimmten
Aspekt lenken, dann nehmen wir alle anderen Aspekte einer Szene nur
noch äußerst eingeschränkt war – und bemerken daher auch deren
Veränderung nicht.
Hintergrund: Die Sache mit der Tür
Einen eindrucksvollen wissenschaftlichen Nachweis für dieses Phänomen haben die beiden Forscher Daniel Simons und Daniel Levin von der University of Illionois erbracht. Sie testeten die Aufmerksamkeit von Passanten auf der Straße, indem sie einen Schauspieler baten, mit einer Karte in der Hand ahnungslose Passanten nach dem Weg zu fragen. Noch während der Erklärung kreuzten zwei Arbeiter, die eine Tür trugen, den Weg – genau zwischen Passant und Schauspieler. Der Clou: während die Tür dem Passanten die Sicht versperrte, wurde die erste Person nicht sichtbar für den Passanten ausgetauscht.Das interessante Ergebnis: Etwa 50% der
Teilnehmer bemerkten den Wechsel nicht; und zwar unabhängig davon,
ob die zweite Person anders gekleidet war. Selbst einen Wechsel des
Geschlechts bemerkten viele Teilnehmer nicht.
Wir sehen immer aktiv
Was wir wahrnehmen, hängt offenbar wesentlich davon ab, wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Obwohl wir vielleicht subjektiv den Eindruck haben, stets ein vollständiges Bild der Realität um uns herum passiv aufzunehmen, können wir in Wahrheit nur einen winzigen Ausschnitt bewusst wahrnehmen, eben denjenigen, auf den wir gerade aktiv unsere Aufmerksamkeit lenken.Übrigens nutzen das auch Magier immer wieder aus, um uns hereinzulegen. Sie lenken unsere Aufmerksamkeit z.B. mit Handbewegungen gezielt ab, so dass eine bestimmte Veränderung, die den eigentlichen Trick ausmacht, unserer Aufmerksamkeit verborgen bleibt.
Eine Präsentation ist keine Zauberei
Für Ihre Präsentation sollten Sie aber gerade den umgekehrten Schluss ziehen. Denn Ihre Aufgabe ist es in aller Regel nicht, die Aufmerksamkeit der Zuhörer abzulenken, sondern gezielt so zu lenken, dass Sie Ihre Ideen optimal verstehen. Überprüfen Sie vor Ihrer nächsten Präsentation vielleicht noch einmal, ob Ihre Folien (oder auch Ihre Ausführungen) Bestandteile enthalten, die Ihre Zuhörer ablenken. Unnötig komplizierte Diagramme, überflüssig lange Texte oder viel zu ausführliche Tabellen gehören auf den Prüfstand. Erwarten Sie auch nicht unbedingt, dass Ihre Zuhörer jede kleinste Detailinformation aktiv verinnerlicht haben, nur weil Sie sie in einem Nebensatz erwähnt oder in der Ecke einer Folie versteckt gezeigt haben.Eine Präsentation ist weder Zauberei noch Detektivarbeit. Sie hat nicht das Ziel zu verschleiern, sondern eine Idee so klar wie möglich in die Köpfe der Zuhörer zu bringen.
Heide Liebmann: Authentisch präsentieren mit dem Nasenfaktor
Heide Liebmann ist Positionierungs-Coach und Marketing-Expertin. Sie hilft Kunden, ihren Nasenfaktor durch authentisches Marketing zu stärken. In ihrem gleichnamigen Buch gibt sie dazu nützliche Tipps und auch ihr Blog dreht sich rund um das Thema authentisches Marketing.
Und weil bei ihr der Nasenfaktor einfach stimmt, habe ich sie gebeten, uns einige Tipps zu verraten, wie man die eigene Persönlichkeit für überzeugendere Präsentationen wirken lassen kann.
Authentisch präsentieren – Mit dem „Nasenfaktor“ müde Vorträge munter machen!
Gerne komme ich Michaels Anfrage nach und erzähle Ihnen in diesem Gastartikel, warum ich kein Fan von durchgestylten Präsentationen ohne Persönlichkeit bin.Die Kunst der Präsentation ist bekanntlich eine Schlüsselkompetenz für den persönlichen Erfolg. Gleichzeitig sorgen gelungene Vorträge für ein positives Unternehmensimage. Denn wer sich und sein Unternehmen nach außen selbstbewusst, kompetent und glaubwürdig präsentiert, wird feststellen, dass man damit sein Selbstmarketing hervorragend unterstützen kann.
Aber sind Authentizität und Image nicht ein Widerspruch?
Meiner persönlichen Erfahrung nach gehören Authentizität und Professionalität zusammen, um ein positives Image zu erzeugen. Indem man seine ganz individuellen Fähigkeiten erschließt und nutzt, gewinnen die Vorträge an Ausdruckskraft und Glaubwürdigkeit. Authentisches Präsentieren führt zu professioneller Ausstrahlung.Zu einem professionellen Vortrag gehört natürlich eine gute inhaltliche Vorbereitung, Wissen über Dramaturgie und Storytelling und eine saubere Gestaltung der Folien, wenn man mit Powerpoint präsentiert. Zu diesen Themen gibt es auf diesem Blog ja wirklich genug zu lesen.
Persönlichkeit geht vor Design
Aber ohne die persönliche Würze, die individuelle Ausstrahlung, wirken selbst professionell durchgestylte Vorträge eigenartig leblos und langweilig. Das passiert dann, wenn der Vortragende hinter den Inhalten verschwindet und der persönliche Kontakt zum Publikum verloren geht. Oder wenn ich als Zuschauer unbewusst merke: Der Mensch da vorn ist nicht echt, die Gesten und die Modulation sind antrainiert und passen eigentlich gar nicht zu dieser Person.Selbstverständlich kann man an seinem Auftritt immer noch dies und das optimieren. Ich weiß zum Beispiel von mir, dass ich leider immer noch zu viele „Ähs“ einbaue und plane schon länger, daran mal zu arbeiten. Aber ganz ehrlich: Meist stört mich das selbst mehr als meine Zuhörer. Denn viel wichtiger für den Erfolg eines Vortrags ist die persönliche Beziehung zu den Menschen im Publikum – ob das nur fünf oder mehrere tausend sind. Und die Überzeugung, mit der man seine Thesen und Themen vorträgt, zählt. Je identifizierter jemand inhaltlich mit seiner Präsentation ist, umso unwichtiger werden die äußeren Rahmenbedingungen. Wir sind nämlich nur zu gern bereit, das ein oder andere Manko zu verzeihen, wenn wir spüren, da ist jemand voll bei der Sache und total begeistert, und er spricht wirklich mit uns Zuhörern und nicht mit dem luftleeren Raum. Das erkennt man an einer authentischen und stimmigen Körpersprache und an der Art, wie jemand bewusst den Kontakt zum Publikum sucht und auch mit den Reaktionen umgeht. Genau darin zeigt sich die individuelle Persönlichkeit – der „Nasenfaktor“ eben.
Begeisterung und Beziehung als Erfolgsfaktoren
Deshalb möchte ich am liebsten jedem, der Vorträge auch als Instrument des Selbstmarketings begreift und sich öfter auf die Bühne wagen möchte, raten, sich erst einmal auf die eigenen Stärken zu besinnen und diese dann auch zu optimieren. Und zwar bevor man sich mit dem optischen Feinschliff beschäftigt. Ich sage meinen Kunden immer: Bleib bei dir, bleib authentisch und erkennbar du selbst, zeige deine Begeisterung und bau eine Beziehung zu deinem Publikum auf. Dann kannst du im Grunde wenig verkehrt machen.Merke: Perfektion bedeutet nicht unbedingt Professionalität!
Voraussetzung für so eine Art von authentischem Präsentieren ist natürlich, dass man sich darauf einlässt, den Drang nach Perfektion zugunsten der Authentizität zunächst mal hintenan zu stellen. Seinen eigenen Stärken auf die Spur zu kommen, ist ein zuweilen langwieriger Prozess, wie alle bestätigen können, die in dieser Mission unterwegs waren und sind. Es lohnt sich aber immer, darin zu investieren – und die Professionalisierung passiert dann meist von ganz alleine.Dr. Kerstin Hoffmann: Verständlich kommt von Verstand

Kerstin Hoffmann ist Kommunikationsberaterin und Text-Expertin und sorgt dafür, dass die Botschaften ihrer Kunden bei deren Kunden ankommen. Ihr Wissen teilt sie oft und gerne mit anderen und so finden sich auf ihrer Webseite u.a. ein Leitfaden für gute Werbetexte und das Handbuch Kundennutzen, wozu auch ich einen Artikel beigesteuert habe.
Ich habe die promovierte Germanistin und gelernte Journalistin gebeten, uns in verständlichen Worten zu erklären, wie man Anspruchsvolles in verständlichen Worten erklärt.
Verständlich kommt von Verstand: Wie Sie Anspruchsvolles lesbar verpacken
Es ist erstaunlich: Manche Menschen sprechen im Alltag flüssig, verständlich und fesselnd. Sie können mit einfachen Worten zusammenfassen, was sie tun. Sie überzeugen mit prägnanten Formulierungen und sympathischem Wortwitz. Doch sobald sie schriftlich werden, verfallen sie in Nominalstil und erzeugen Wort-Dickichte, die man mit der Machete kaum durchdringen könnte.Da werden „Umstellungen realisiert“ statt einfach etwas „umzustellen“. Da findet man einen "Antrag, die Bemessung der Absetzung für Abnutzung vorzunehmen" oder den "Zeitpunkt der Optionserklärung auf Berücksichtigung der fiktiven Anschaffungskosten".
Fast noch erstaunlicher sind jedoch die Begründungen für solche Texte. Schlage ich vor, sie zu vereinfachen und Satz-Bandwürmer in einfache Substantiv-Verb-Konstruktionen aufzulösen, höre ich oft: „Unsere Leser sind anspruchsvolle Fachleute. Die erwarten auch eine anspruchsvolle Sprache.“ Das aber ist schlicht falsch.
Kompliziert ist nicht anspruchsvoll
Was leicht zu lesen ist, braucht ja deswegen nicht inhaltlich schlicht zu sein. Kompliziert ist nicht anspruchsvoll. Auch intelligente, gebildete Fachleute haben nur ein begrenztes Maß an Zeit und Geduld, sich durch kompliziert Verschachteltes oder langweilig Aufgereihtes hindurchzuarbeiten. Der perfekte Text ist genau so fachlich, wie die Zielgruppe es verstehen kann – und so leicht zu lesen, dass keine Aufmerksamkeit verbraucht wird, um Bezüge und Zusammenhänge zu entschlüsseln.Natürlich hängen Textform und Sprache sehr stark von der Textgattung und vom Inhalt ab. Ein Werbetext kommt anders daher als eine Betriebsanleitung. Eine Doktorarbeit ist nicht geschrieben wie ein Kinderbuch. Mit allzu schlichten, kurzen Sätzen ist nicht jedem geholfen. Form, Inhalt und Vokabular sollten sich vor allem an den Lesern orientieren.
Texten wie am Mischpult
Schon in den 1970-er Jahren beschrieben Langer, Schulz von Thun und Tausch in ihrem Klassiker „Sich verständlich ausdrücken“, welche Faktoren für den Erfolg eines Textes beim Leser entscheiden. Ihr Modell ist auch heute noch überraschend modern und universell einsetzbar. Wie an einem Mischpult kann man nach diesem Modell die Parameter verschieben. So geht zum Beispiel eine allzu knappe Ausdrucksweise zu Lasten des Unterhaltungswert. Unter allzu viel abschweifendem Entertainment dagegen leiden die Prägnanz ebenso wie die Ordnung.Gute Texte
Folgende Merkmale guter Texte habe ich vor einiger Zeit definiert. Gute Texte sind …- interessant. Sie machen den Leser neugierig und halten ihn im Lesefluss – bis zum Schluss.
- nützlich. Der Leser erkennt seinen Nutzen auf den ersten Blick. (Das gilt auch für wissenschaftliche und rein informative Texte!)
- überraschend. Sie verzichten auf Floskeln und formulieren frisch und neu.
- verbal. Nominal-Konstruktionen wirken geschraubt und bleiben schlecht hängen.
- aktiv. Passiv-Sätze wirken ausweichend, Aktiv-Sätze wirken dynamisch.
- kurz und prägnant. Sie sagen mit wenigen Worten das Entscheidende, sind aber so ausführlich wie nötig.
Motivieren Sie Ihren Leser
Sie wollen, dass Ihr Text gelesen wird? Dann müssen Sie Ihren Leser motivieren. Mit sprachlichen und optischen Mitteln. Es gibt eine Reihe grundsätzlicher Merkmale, die darüber entscheiden, ob und wie aufmerksam ein Leser den Text weiterliest, wie positiv er dem Text gegenüber gestimmt ist und wie gut er die aufgenommenen Informationen behält, integriert und weiterverarbeitet.So sollte ein guter Text aussehen:
- flüssig geschrieben
- übersichtlich gegliedert
- inhaltlich dicht
- bis zuletzt interessant: Am Schluss sollte möglichst noch ein „Highlight“ stehen, das im Gedächtnis bleibt.
Sie werden häufig feststellen: Je interessanter der Leser für Sie ist - sprich: je erfolgreicher er ist - desto weniger Zeit hat er für Ihren Text. Jedes sprachliche Hindernis, jede Leerformel und jeder Satz, der nicht auf Anhieb verständlich ist, sind „Absprung-Schanzen“ für Ihren Leser. Sorgen Sie dafür, dass er Ihnen erhalten bleibt – bis zum Ende Ihrer Ausführungen.
Sonderfall: Identifikation durch gemeinsamen Code
Ehe Sie jetzt den nächsten Vortrag auf einem Mediziner-Kongress vollständig in Alltagssprache formulieren oder sämtliche Begriffe in einem Leitfaden für Ingenieure ins Deutsche übersetzen: Bedenken Sie bitte, dass das gemeinsame Vokabular einer bestimmten Fachgruppe auch identifikationsstiftend sein kann. Oft geht es darum sich abzugrenzen und als Gruppe zu definieren. Ganz gleich, wie Sie das persönlich bewerten: Es einfach zu missachten könnte für Sie selbst fatale Folgen haben und alles andere als zielführend sein.Hinzu kommt: Bestimmte Fachausdrücke sind dann sinnvoll, wenn die Beteiligten genau wissen, was gemeint ist. Es gibt Hardliner, die wollen alles ins Deutsche übersetzen, so dass es jeder versteht. Wozu, wenn es gar nicht für jeden gedacht ist?
Doch gemeinsamer Code hin, Fachvokabular her: Auch solche Texte können gut lesbar sein. Wortbandwürmer und „Substantivitis“ sind hier ebenfalls fehl am Platze. Grundsätzlich gelten alle Regeln, die auch sonst für verständliche Texte wahr sind.
Gitte Härter: Gut gelacht ist halb gewonnen

Seit vielen Jahren schreibt, spricht und coacht sie über die Themen Selbständigkeit, Persönlichkeit und Karriere, z.B. in ihren beiden letzten Büchern Nerv nicht! und Mit Persönlichkeit punkten – zeigen Sie Profil.
Und weil sie das stets auf so charmante Art mit einem Augenzwinkern tut, habe ich sie gebeten, uns einen Blick in ihre Trickkiste zu gewähren. Herausgekommen ist ein Erfahrungsbericht aus ihren Vorträgen, der prallvoll gefüllt ist mit praktischen Ratschlägen für unterhaltsame Vorträge.
Gut gelacht ist halb gewonnen
Die meisten Menschen sind locker drauf und lachen gerne. Bis sie einen Vortrag halten sollen. Dann treten sie – meist schon in der Vorbereitung, spätestens auf dem Weg zur „Bühne“ – durch einen unsichtbaren Korrektheitsvorhang.Das Publikum findet sich in seinem schlimmsten Alptraum wieder, denn jetzt sitzt es einem Perfektionszombie gegenüber. Und wir alle wissen, was Zombies ausmacht: Sie sind leblos. Und sie fressen Gehirne.
Wenn Sie schon einmal längere Zombie-Vorträge über sich ergehen lassen mussten, wissen Sie, wie es sich anfühlt, wenn das Hirn von Langeweile zerfressen wird.
Vielleicht haben Sie auch schon selbst den einen oder anderen Vortrag dieser Art gehalten. Das kommt vor! Immerhin möchten Sie Ihr Bestes geben und überall liest man, dass Vorträge rhetorisch oh so perfekt sein sollten.
Alles Quatsch! Seien Sie nicht perfekt, seien Sie erfrischend!
„Aber kratzt das nicht an meiner Kompetenz?“
Nö. Ganz im Gegenteil!
Waren Sie schonmal auf einem Konzert, bei dem die Musiker so richtig Spielfreude hatten? Das ist ein Unterschied zwischen Tag und Nacht, ob jemand ein gutes Konzert spielt oder richtig Spaß hat.
Genau darum geht es auch bei Vorträgen: Haben Sie Spaß daran, über Ihr Thema zu sprechen. Haben Sie Spaß daran, mit Ihrem Publikum zu interagieren. Und lassen Sie vor allen Dingen Ihre Zuhörer kräftig lachen. So wird Ihr Vortrag ein schönes Erlebnis, das sich in den Köpfen verhakt, Ihre Zuhörer bekommen einen richtig guten Zugang zu Ihrem Thema und Sie werden sehen: auch Nervosität ist durch das gute Band zum Publikum wie weggeblasen.
7 Tipps für einen humorvollen und lebendigen Vortrag
Hau wech, den Beamer.
Durchgehender Einsatz von Technik schneidet Sie von Ihrem Publikum ab: Das Zuhören fällt schwer, weil man gleichzeitig ständig irgendwas entziffern soll. Und zuschauen geht schon gleich gar nicht, weil alles abgedunkelt wird und man an die Wand starrt, statt auf Sie. Setzen Sie Technik nur punktuell ein, und auch das nur, wenn es unbedingt nötig ist. Positiver Nebeneffekt: Sie machen sich unabhängig von möglichen Technikpannen und können so auch viel relaxter in einen Vortrag gehen.
Schau mir in die Augen, Kleines!
Vergessen Sie Tipps wie „über die Köpfe der Leute hinwegsehen“: Sehen Sie Ihrem Publikum in die Augen – und halten Sie Blickkontakt. Sprechen Sie mit der Gruppe wie mit EINEM GEGENÜBER ist. Es ist nicht Alle-gegen-einen, Sie sitzen nicht auf einem Präsentierteller, sondern Sie führen ein Gespräch ... auch wenn Sie 500 Leuten gegenüberstehen. Das klingt vielleicht noch etwas abstrakt für Sie, aber ich versichere Ihnen, dass diese Vorstellung enorm hilft.
Improvisieren Sie!
Vielleicht ist das jetzt eine gute Nachricht für viele von Ihnen: Meine ersten Vorträge waren nicht besonders gut, weil ich übervorbereitet war. Ich dachte, man müsse alles genau vorbereiten. Ich dachte, man müsse alles auf nummerierte Moderationskarten schreiben. Ich dachte, man müsse perfekte Überleitungen machen. Aber weil ich selbst ein Improvisierer und kein Einstudierer bin, ging alle diese Vorbereitung bei mir nach hinten los. Wenn Sie also auch jemand sind, der spontan ist und sich durch all diese Vorbereitungen eher gefangen und verunsichert fühlt, dann lassen Sie es bleiben! Gehen Sie mit einigen Stichwörtern in den Vortrag und machen Sie Ihr Ding.
Wenn Sie sich wohl damit fühlen, alles gut strukturiert und geplant vorzubereiten, ist das ebenfalls wunderbar, aber lassen Sie auch dann bitte Raum für’s Improvisieren. Vorträge, die total durchgeplant sind, wo jeder Effekt und jede Pause geplant ist und solche, die schon mehrmals gehalten wurden, wirken oft sehr starr oder abgestanden.
Gehen Sie auf Tuchfühlung.
... und zwar in jeder Hinsicht: Gehen Sie nah an die Leute ran, verschanzen Sie sich bloß nicht hinter Rednerpulten oder dicken Schreibtischen, sondern räumen Sie jede Barriere weg. Verschaffen Sie sich Bewegungsspielraum. Müssen Sie mit Mikrofon sprechen, dann bitten Sie um ein Headset oder ein tragbares Mikro. Ein festes Mikro verkrampft und langweilt schnell ... erst recht, wenn das Publikum mehrere Vorträge über sich ergehen lassen muss.
Reden Sie nicht an Ihr Publikum hin, sondern sprechen Sie mit ihm ... und zwar im Plauderton. Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt:
Fragen Sie per Handzeichen ab: „Wie viele von Ihnen ...?“, „Jetzt aber mal ehrlich: Wer hat schonmal ...?“ oder Sie machen vorher ein Statement, erzählen eine Anekdote und lassen sich daraufhin praktisch durch Handzeichen bestätigen, was Sie eben gesagt haben. Das gibt nicht nur immer lustige Unruhe unter den Leuten, besonders wenn Sie es mit einem Späßchen verknüpfen, sondern Sie lassen Ihr Publikum mitmachen anstatt nur passiv konsumieren.
Bitten Sie um einen Freiwilligen: Das muss gar nicht mal etwas sein, bei dem der Freiwillige etwas tun oder gar auf die Bühne muss, sondern es sollte einfach jemand sein, der Ihnen behiflich ist, indem er beispielsweise ein kurzes Gespräch simuliert. Ich hatte mal einen Vortrag, bei dem es unter anderem darum ging, dass denn meisten Leuten Small Talk so schwer fällt. Daraufhin habe ich gefragt: „Wer von Ihnen macht mal eben etwas Small Talk mit mir? Ist gar nicht schlimm! Sie brauchen auch nicht groß denken, nur spontan auf das reagieren, was ich sage.“ – Freiwillige finden sich übrigens leichter, wenn Sie von vornherein sagen, worum es geht und nichts machen, das die Leute auf den Prüfstein stellt. Wichtigste Regel: Führen Sie nie-nie-nie einen Zuhörer vor. Da hört der Spaß gleich auf! Denn Späße auf Kosten anderer nimmt Ihr gesamtes Publikum zu Recht sofort übel.
Picken Sie einen Einzelnen raus für eine „einseitige Show-Einlage“: Fragen Sie erst gar nicht, sondern bestimmen Sie Leute als „Statisten“, die gar nichts tun müssen. Ich picke mir in Vorträge immer irgendwelche Leute aus der ersten Reihe raus, gehe ein paar Schritte auf sie zu und sage: „Der Herr Meier zum Beispiel ... (der Person zugewandt:) ... Sie sind jetzt mal mein Herr Meier (anlächel) ... also der Herr Meier ...“ – und dann konstruiere ich mein Beispiel um den Herrn Meier herum.
Sie können dann auch noch eine „Frau Huber“ dazu nehmen und wenn Sie es geschickt machen, später im Vortrag die beiden Beispiele auch noch verknüpfen. „Wenn der Herr Meier also mit Frau Huber in einem Büro arbeiten würde, na dann gute Nacht!“
Ihr Publikum wird es lieben, wenn Sie im Lauf des Vortrags auf solche Beispiele zurückkommen. Denn Sie haben einen gemeinsamen Insiderscherz.
Wenn es zu Ihnen und zum Thema passt, können Sie es auch noch weitertreiben. In manchen Vorträgen sage ich schonmal: „Angenommen, ich und ... (wie ist Ihr Vorname?) ... ah: Ralf ... also angenommen Ralf (anlächel) und ich sind verheiratet ... und jetzt lässt der Rahalf plötzlich überall seine Socken liegen! (empört schau ... an Ralf gewandt:) So hab ich mir die Ehe nicht vorgestellt! ... (zum Publikum gewandt) ... also in diesem Fall ... [und dann überleiten zum eigentlichen Punkt].“
Wichtig ist, dass solche Beispiele immer sinnvoll zu Ihrem Thema passen und nicht nur Show sind.
Erzählen Sie (echte) Anekdoten.
„Letzte Woche zum Beispiel stehe ich in der Schlange bei der Post ...“, „Sie werden es mir nicht glauben, aber auf der Fahrt hierher ...“ – zu fast jedem Thema gibt es Anekdoten: Wirkliche Geschichten aus dem Leben, die Ihnen selbst oder einem Freund passiert sind.
Jedes Publikum hört gerne solche echten Geschichten. Vergessen Sie abgenudelte Standardbeispiele und bringen Sie vor allen Dingen niemals irgendwelche Fakes à la „Susi Schlau geht einkaufen und ...“.
Vor allen Dingen ist Ihr Publikum begeistert, wenn Sie davon erzählen, dass Sie sich selbst ungeschickt angestellt haben: etwas verpatzt, aus der Fassung geraten, aus Sturheit wider besseren Wissens etwas durchgesetzt, obwohl Sie es schon hatten kommen sehen? Raus mit solchen Anekdoten! Das macht Sie als Mensch greifbar und als Fachmann noch viel sympathischer. Das führt uns schon zum nächsten wichtigen Punkt:
Seien Sie selbstironisch.
Selbstironie kommt immer gut an. Menschen, die über sich lachen können, sind äußerst souverän. Vor allen Dingen aber haben Sie hier die gesamte Klaviatur des Humors zur Verfügung: denn Sie selbst sind die Zielscheibe!
Sie können also ehrliche Anekdoten erzählen, über sich selbst die Augen rollen ... und Sie können vor allen Dingen während des Vortrags zeigen, wie cool Sie mit Hängern, Versprechern oder Fehlern umgehen.
Lachen Sie mit Ihrem Publikum gemeinsam über sich. Sie bringen damit nebenbei eine der wichtigsten Botschaften rüber: Die Dinge locker sehen können. Mit Missgeschicken gelassen umzugehen.
Entertainen Sie!
Keine Sorge: Sie brauchen kein Stand-up-Comedian werden! Aber: Achten Sie trotzdem mal drauf, wie gute Standup-Komiker sich verhalten: Da wird mal eine Augenbraue schiefgestellt, das Gesicht verzogen, mit Gesten gearbeitet – und immer wieder werden dabei Pausen gemacht.
Ihr Vortrag gewinnt, wenn Sie – natürlich so, dass es zu Ihnen passt – gut dosiert solche Akzente setzen.
Ich bin beispielsweise eher ein Zappelphilipp, raufe mir schonmal die Haare, falle auf die Knie, schüttle einem Zuhörer die Hand oder haue mir auf die Stirn. Je nachdem wie groß Ihr Publikum ist beziehungsweise wie weit weg Ihre Zuschauer sitzen, müssen Sie – wie im Theater – solche körpersprachlichen Gesten dann auch größer und etwas übertriebener machen als normal. Darum ist es wichtig, das wohldosiert zu tun. Sie wollen entertainen und kein Kasperl sein. Wobei ein kompetenter Kasperl auch nichts Schlechtes ist. ;-)















