Wenn die Ideen sprudeln

Sie starten also mit der Vortragsvorbereitung. Natürlich beginnen Sie nicht sofort in PowerPoint, sondern überlegen sich erst einmal auf dem Papier, was Sie alles sagen könnten. Sie sammeln also. Irgendwo haben Sie gelernt, dass das mit einer Mindmap ganz gut funktioniert.

Schnell wird die Mindmap größer, denn Ihre Ideen sprudeln. Eine Idee ergibt die nächste. Das Beispiel Ihres Kollegen wäre nützlich. Ja, und gestern haben Sie noch in der Zeitung über diese neue Studie gelesen. Am besten erzählen Sie auch noch etwas über die Umwelteigenschaften. Ach ja, das hat ja auch Auswirkungen auf … Und immer so weiter.

Ideen sprudeln unkontrolliert
Ihre Mindmap wächst und wächst … und wächst und … und auf einmal fragen Sie sich, wohin eigentlich. Gehören die Nutzerprofile jetzt auch noch in den Vortrag oder ist das eher unwichtig? Wie weit sollen Sie denn bei der chemischen Stoffzusammensetzung ins Detail gehen? Sollen Sie die Ideen zum Product Placement auch noch weiter ausbreiten?

Und dann schauen Sie sich Ihre Mindmap noch einmal an und stellen fest, dass Sie kreuz und quer und mindestens dreimal im Kreis gegangen sind; dass Sie eigentlich gar nicht so genau wissen, wo Ihr Ziel ist, welche Wege Sie gehen müssen und welche nicht.

Kann es vielleicht sein, dass Sie Ihr Thema noch nicht richtig auf den Punkt gebracht haben? Solange Sie einfach vage über "Ihr Thema" sprechen, laufen Sie Gefahr, sich zu verlaufen, vom Hölzchen auf's Stöckchen zu kommen, höchstens zufällig genau die richtigen Informationen zu liefern. Wenn Sie sich aber überlegen, für wen Sie Ihren Vortrag halten, und was die Zuhörer eigentlich erfahren wollen, können Sie ihnen genau die Informationen geben, die sie brauchen.

Irgendwann in der letzten Woche klingelte mein Telefon wegen genau dieses Problems. Jemand wollte einen Vortrag zum Thema "Energieverbrauch" halten. Er konnte sein Thema einfach nicht eingrenzen, glitt in immer weitere Abzweigungen und Feinheiten ab. Erst als er sein Thema für seine Zielgruppe auf den Punkt gebracht hatte – "Ökologisch Renovieren – 10 Tipps zum Wohlfühlen und Sparen" – sprudelte er kontrolliert und sprintete in die richtige Richtung. Das Thema war konkret und greifbar geworden.

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Florian Erschbamer: PowerPoint und das multimediale Lernen

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PowerPoint ist in gewisser Weise wie Fußball. Jeder "kann Bundestrainer" – und jeder kennt die Grundregeln einer vorschriftsmäßigen Präsentation. Dumm nur, dass viele dieser "Jeder kann's"-Regeln im besten Fall auf Halbwissen beruhen und im schlimmsten Fall schlicht Unsinn sind.

Da kann es nicht schaden, ab und an mal einen Blick in die Wissenschaft zu werfen. Was kann man eigentlich gesichert über die Wirksamkeit von PowerPoint-Präsentationen sagen? Das ist leider noch immer überraschend wenig. Aber vor einiger Zeit hatte ich das Vergnüngen, von Florian Erschbamer konkaktiert zu werden, der in diese Lücke vorstößt.

Florian Erschbamer promoviert an der Universität Innsbruck über PowerPoint und hat in seiner Diplomarbeit wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirksamkeit von PowerPoint zusammengetragen. Praktische Erfahrung sammelt er als EDV-Trainer bei dem Weiterbildungsunternehmen EGOS.

Ich habe ihn gebeten, in einem Gastbeitrag die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammenzufassen und Ihnen ein paar Tipps mit auf den Weg zu geben, um die größten Stolperfallen zu vermeiden (beruhigend: wer hier regelmäßig mitliest, macht wahrscheinlich schon so manches richtig).

PowerPoint und das multimediale Lernen

PowerPoint ist allgegenwärtig: An der Uni, im Geschäftsleben oder in der Schule. PowerPoint ist Standard. Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Auch über einen der bekanntesten PowerPoint-Kritiker, Edward Tufte, müssen nicht viele Worte verloren werden: PowerPoint is evil. Auch das wissen wir. Selten jedoch wird über wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema PowerPoint gesprochen. Meist lesen wir nur über gewisse Power-Point-Dogmen (z.B. 10 goldenen PowerPoint-Regeln...), ohne, dass es dafür wissenschaftliche Belege gibt. Demgegenüber soll dieser Beitrag stehen: Es werden einige Richtlinien vorgestellt, zu welchen tatsächlich wissenschaftliche Studien durchgeführt wurden und die einfach ins tägliche Präsentieren übertragen werden können.

Was bedeutet eigentlich „Multimedia"?

Richard E. Mayer, Professor für Psychologie an der University of California in Santa Barbara, forscht zum Thema Multimediales Lernen und gilt als Pionier auf diesem Gebiet. Unter Multimedia versteht er die Darstellung von Informationen mit Wörtern und Bildern. Unter Wörtern versteht er geschriebenen oder gesprochenen Text, unter Bildern, die bildhafte Darstellung von Informationen.

Diese Definition ist sehr weit gefasst: Ein Film auf einem TV-Gerät kann unter Multimedia fallen, da Bilder (egal ob bewegt oder unbewegt) gezeigt werden und dazu gesprochen wird. Es braucht dazu keine modernen Geräte; bereits eine Tafel oder ein Tageslichtprojektor reichen aus, um die Kriterien einer Multimedia-Vorstellung zu erfüllen. Sogar ein gewöhnliches Buch fällt in den Bereich Multimedia, sofern es neben Text auch Bilder enthält – man denke z.B. an die Bücher der Medizinstudenten; kaum vorzustellen, dass es möglich wäre, die Anatomie des Menschen zu lernen, würde diese nur durch Text beschrieben, ohne bildhafte Darstellung. Und auch PowerPoint kann diese Kriterien erfüllen, es kann Bilder (Graphen, Charts, Fotos, Filme) zeigen und auch Text projizieren. Wenn aber fast alle klassischen Medien, die wir größtenteils schon aus unserer Schulzeit kennen, in den Bereich Multimedia fallen, warum wird dann ausgerechnet PowerPoint das Ziel vieler Angriffe?

Der Grund dafür liegt nicht an den häufig kritisierten, endlosen Aufzählungen (obwohl diese natürlich reichlich Angriffsfläche bieten), sondern viel mehr an der erhöhten kognitiven Belastung, welche durch PowerPoint erzeugt wird und schnell zur kognitiven Überlastung führen kann. Selbstverständlich haben es schon unsere Mathematik-Lehrer zu Schulzeiten mit der gewöhnlichen Tafel und Kreide fertiggebracht, uns an die Grenzen der kognitiven Leistungsfähigkeit zu bringen, jedoch kann man dies mit PowerPoint auf eine völlig neue Ebene heben.

Wie reagiert unser Gehirn auf Multimedia?

Die Basis für die Idee der kognitiven Überlastung bildet Richard E. Mayers Cognitive Theory of Multimedia Learning. Diese geht davon aus, dass der Mensch über zwei Kanäle zur Informationsverarbeitung verfügt.

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Ein Kanal ist für das visuelle Material zuständig, der andere hingegen für das Auditive. Die Hypothese bezüglich Multimedia-Präsentationen lautet, dass erst über die Darstellung von Wörtern und Bildern die volle Kapazität des Gehirns ausgenützt wird. Das hieße, wenn nur mit Sprache präsentiert würde, könnte die Kapazität des zweiten Kanals ignoriert bzw. nicht ausgenutzt werden. Besser wäre es demnach, eine Präsentation so zu gestalten, dass es gelingt, zwischen dem Gesprochenen und dem bildhaft Dargestellten Verbindungen herzustellen - also den Zusammenhang zwischen dem Text und den Bildern zu verstehen. Als eines der ersten Bücher, welche zur Erklärung des gedruckten Textes auch noch Bilder zu Hilfe nahmen, gilt Jan Amos Comenius’ Buch Orbis Sensualium Pictus („Die sichtbare Welt“), das 1658 zum ersten Mal in Nürnberg gedruckt wurde:

Eine weitere Annahme ist, dass der Mensch über ein so genanntes Arbeitsgedächtnis verfügt, in dem alle momentanen Gedanken gespeichert sind. Alle anderen kognitiven Funktionen bleiben so lange versteckt, bis sie ins Arbeitsgedächtnis geholt werden. Dabei geht man des Weiteren von einer beschränkten Kapazität dieses Arbeitsgedächtnisses aus; es kann sich im Durchschnitt fünf unabhängige Wörter merken. Erst nachdem die Daten aus dem Arbeitsgedächtnis verarbeitet wurden, wird es im Langzeitgedächtnis gespeichert.

Kognitive Überlastungen

Wie kann man nun aber bessere (wissenschaftskonforme) Präsentationen erstellen? An der Komplexität des zu präsentierenden Sachverhaltes kann man in der Regel nichts ändern, Integralgleichungen sind eben Integralgleichungen, da kann auch unser Mathematik-Lehrer nichts dafür. Was der Lehrende/Vortragende aber kann, ist die kognitiven Belastungen, die nicht vom eigentlichen Inhalt der Präsentation ausgehen, so niedrig wie möglich zu halten. Nicht umsonst wird in der Schule und in Hörsälen zur Ruhe angemahnt, um sich besser konzentrieren zu können.

Eine Art der kognitiven Überlastung, welche am häufigsten bei PowerPoint anzutreffen ist, wird in der Literatur der redundancy effect genannt: Dabei werden Text und Bilder auf einer Folie projiziert, während der Präsentierende dazu spricht. Der Zuhörende muss den gelesenen Text mit dem gehörten Text abstimmen – was, je nach Komplexität des Themas mit einem dementsprechenden kognitiven Aufwand geschieht. Anders als z.B. bei einem Film mit Untertiteln kann man sich ja nicht darauf verlassen, dass das gleiche gesagt wird, wie auf der Folie geschrieben steht. Jedoch kennen die meisten Leser wahrscheinlich die Situation, in der man zunächst versucht, der Folie Sinn zu entnehmen, bevor man auf die Worte des Vortragenden achtet. Ähnlich verhält es sich mit anderen Elementen auf der Folie, wie z.B. Firmenlogos, Schriftzüge, Name des Vortragenden, Datum, aber auch Diagrammen etc.

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Ist Clipart denn jemals "appropriate"?

Ein weiterer Grund, weshalb PowerPoint öfter zur kognitiven Überlastung führen kann als andere Medien, ist die Geschwindigkeit mit der man präsentieren kann. Stellen Sie sich vor, der Mathematik-Lehrer würde seine Formeln nicht mit der Kreide auf eine Tafel schreiben, sondern mittels PowerPoint präsentieren – es würde kein Denkprozess stattfinden, sondern nur ein Ergebnis präsentiert.

Geben Sie sich einen Ruck!

Wenn Sie genauer darüber nachdenken, ertappen Sie sich möglicherweise selbst, dass Sie gegen das eine oder andere beschriebene Prinzip verstoßen haben oder, auf der anderen Seite des Laptops, eben doch mehr die Folie betrachtet haben, ohne auf die Worte des Vortragenden zu hören: Warum ist er dann eigentlich da?

Unterstützen Sie Ihren Vortrag mit Bildern und beschreiben Sie diese verbal anstatt mit geschriebenem Text. Machen Sie bei komplexen Themen auch mal eine Pause und orientieren Sie sich am Publikum, ob es überfordert wirkt oder nicht. Denken Sie daran, dass das Arbeitsgedächtnis wie ein Trichter ist und nur ein bestimmtest Maß an neuen Informationen auf einmal aufnehmen kann. Nehmen Sie sich ein Herz, und räumen Sie Ihre Folien ein wenig auf: Schaffen Sie Platz für wirklich relevante Informationen und entfernen Sie unnötigen PowerPointPhluff, – oje – an Tufte scheint doch kein Weg vorbeizuführen...

Literaturhinweise
Richard E. Mayer: Multimedia Learning
John Sweller et al.: Efficiency in Learning
Bernt Schnettler, Hubert Knoblauch: Powerpoint-Präsentationen - Neue Formen der gesellschaftlichen Kommunikation von Wissen
Andrew Abela: Advanced Presentation by Design

Weitere Gastbeiträge
Lukas Pustina: Keine Idee mehr verlieren mit dem Überallgedächtnis
Heide Liebmann: Authentisch präsentieren mit dem Nasenfaktor
Dr. Kerstin Hoffmann: Verständlich kommt von Verstand
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Wachrütteln ohne zu schocken

"Fast Sterben hat noch nie etwas verändert … Nur der Tod ändert alles." Dieses Zitat von Dr. House aus der gleichnamigen TV-Serie bringt das Dilemma all derjenigen auf den Punkt, die Leben verändern möchten, ihr eigenes oder das anderer Menschen. House sagt es zu seiner Assistentin, die seit Kurzem weiß, dass sie genetisch bedingt an der tödlichen Huntington-Krankheit sterben wird. Er sagt es, um ihr zu erklären, was sie nicht verstehen kann: wieso eine ihrer Patientinnen zurück in ihre (bedeutungslose) Rolle als Assistentin schlüpft, anstatt selbst nach einer Führungsposition zu streben, wofür sie sich eigentlich im Angesicht ihres (anschließend verhinderten) Todes bereits entschieden hatte.

Es ist das gleiche Dilemma, in dem Verkehrssicherheits-, Antiraucher- und ganz allgemein Gesundheitskampagnen stecken. Wie überzeugt man jemanden, der eigentlich schon alle guten Gründen gegen sein Verhalten kennt, davon, sein Leben endlich doch zu ändern? Oft setzen entsprechende Kampagnen auf drastische Motive, nicht selten verpackt in einen emotionalen oder satirischen Kontext.

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Einen anderen Ansatz wählt die britische Grafschaft Sussex. Wachrütteln ohne zu Schocken lautet das Motto der grandiosen Embrace-Life-Kampagne:


Wirkungsvoll wird die Kampagne gerade durch das, was man nicht sieht. Sie betont – im Gegensatz zu vielen, vielen anderen Kampagnen – ausrücklich das Positive ("Embrace Life") und eben nicht das Negative. Sie sagt nicht: "Wenn du das nicht lässt, dann wirst du krank/tot/einsam sein." sondern rät: "Tu' es für (d)ein schönes Leben."

Der konkrete Erfolg solcher Kampagnen ist schwer messbar und sicher funktioniert nicht jede Kampagne für jede Zielgruppe gleich gut. Die Brüder Dan und Chip Heath fassen in ihrem Buch Was bleibt ein paar Empfehlungen zusammen, wie emotionale Botschaften bei der Überzeugungsarbeit helfen, von denen sich viele Tipps in der Embrace-Life-Kampagne wiederfinden: "Wie bringen wir andere dazu, dass sie sich von unseren Ideen angesprochen fühlen? Wir zwingen sie, ihre analytische Haltung abzulegen ["Helft Rasern. Spendet Hirn"-Plakat]. Wir schaffen Empathie für bestimmte Personen ["Runter vom Gas"-Plakat]. Wir zeigen, dass unsere Ideen mit etwas verknüpft sind, das den Menschen bereits am Herzen liegt. Wir sprechen ihr Eigeninteresse, aber auch ihre Identität an – und zwar nicht nur die Menschen, die sie gerade sind, sondern auch die, die sie gerne wären ["Raser sind so cool"-Plakat]."

Vielleicht der beeindruckendste Vortrag, den ich bisher zum Thema Motivation gesehen habe, stammt von Alan Sim, Sicherheitsbeauftragter bei Woodside, Australiens größter Ölgesellschaft. Sie können ihn entweder hier oder hier herunterladen (leider nicht auf YouTube verfügbar). Wenn Sie die 12 Minuten nicht investieren, verpassen Sie einen der eindringlichsten und emotionalsten Apelle an das Gewissen, den ich kenne. Sie werden anschließend (hoffentlich) nie mehr versuchen, jemanden mit Hilfe einer PowerPoint-BulletPoint-Regelliste zu überzeugen, Vorschriften einzuhalten.

[via Before&After Design Talk und Slides that Stick]

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Ein kleiner Zeichenkurs - Teil 1

Ich habe mich geärgert. Es gibt mittlerweile viele Bücher, die zeigen, wie man mit Hilfe von (einfachen) Zeichnungen komplexe Zusammenhänge häufig besser verstehen und erklären kann, allen voran Dan Roams Bestseller Auf der Serviette erklärt. All' diese Bücher ködern auf die gleiche Weise:

Zeichnen ist ganz einfach. Wenn Sie Striche und Kreise malen können, besitzen Sie bereits alles, was Sie brauchen.

Das stimmt auch – im Prinzip. Und doch steckt der Teufel, wie so oft, im Detail. Die ersten Versuche wirken doch irgendwie unbeholfen. Es fehlen anfangs die Ideen, um die Zeichnungen auf den Punkt zu bringen. Nicht selten lautet schnell das erste Fazit: "Ich bin eben doch kein visueller Typ."

Darüber habe ich mich geärgert. Denn nur wenige Bücher geben anschauliche Tipps, wie man aus den Kreisen und Strichen denn nun wirklich einfach brauchbare Zeichnungen macht (gelungene Ausnahme: Menschen grafisch visualisieren). Das möchte ich ändern. In unregelmäßigen Abständen wird es daher an dieser Stelle Tipps geben, um mit einfachen Strichen und Kreisen aussagekräftige Zeichnungen zu erstellen.

Menschen zeichnen

Meine jüngste Tochter ist jetzt acht Wochen alt und kann seit wenigen Wochen lächeln. Das tut sie immer dann, wenn sich jemand über sie beugt. Genauer gesagt tut sie es immer dann, wenn sich etwas halbwegs rundes oder ovales über sie beugt, also so etwas wie ein Kopf oder auch ein Luftballon. Offenbar ist das wichtigste menschliche Erkennungsmerkmal für meine Tochter die runde Kopfform.

Los geht's. Vier Köpfe, also halbwegs runde oder ovale Dinge, kann nun wirklich jeder zeichnen.

Vier Kreise repräsentieren vier Köpfe

Schreiben Sie Namen daran, und schon haben Sie Ihr Projekt-Team visualisiert.

Die Augen

Seit kurzem erkennt meine Tochter auch Augen. Wenn ich zwei Punkte auf den Luftballon male, dann lächelt meine Tochter den Luftballon an.

Und wenn Sie zwei Augen in die vier Köpfe malen, dann erwachen die Köpfe plötzlich zum Leben. Lassen Sie die Köpfe z.B. nach oben, nach unten oder zur Seite blicken:

Ein Paar Augen lassen die Köpfe in verschiedene Richtungen blicken

Die Körperhaltung

Interessant wird es, wenn Sie Ihren Köpfen einen Körper spendieren. Dazu reicht oft schon ein einziger Strich. Und schon beugt sich die zweite Figur nach hinten, um ganz weit nach oben zu blicken – z.B. um die Größe des höchsten Turmes der Welt oder den Effizienzvorteil eines neuen Produktionsverfahrens zu veranschaulichen. Die dritte Figure ist dagegen mit gebeugter Haltung offensichtlich deprimiert, vielleicht weil sie die Quartalsziele nicht erreicht hat oder weil Deutschland das Halbfinale der WM verloren hat. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf.

Die Körperhaltung kann oft durch einen einzigen Strich verdeutlicht werden

Arme und Beine

Wenn Sie jetzt noch acht Striche ergänzen, bekommen Ihre Menschen Arme und Beine und können sich beliebig bewegen. Sie können z.B. die Arme in die Hüfte stemmen oder zielstrebig auf etwas zugehen. Sie könnten genauso laufen oder springen, auf etwas zeigen oder die Arme jubelnd in die Höhe strecken.

Versuchen Sie doch einfach selbst einmal ein paar Variationen. Denken Sie dabei daran, dass Ellbogen und Kniegelenke nicht beliebig dehnbar sind. Beobachten Sie, wie Sie selbst Ihre Gelenke halten, wenn Sie sich bewegen. Und zeichnen Sie die Augen immer so, dass sie die Bewegung unterstützen. Lassen Sie z.B. Ihre Menschen nach rechts blicken, wenn sie nach rechts gehen und nach links blicken, wenn sie nach links zeigen.

Mit wenigen Strichen ergänzt man Gliedmaße, so dass sich die Figuren bewegen können

Sie sind dran

Tatsächlich reichen offensichtlich wenige Striche, um Figuren zum Leben zu erwecken. Und tatsächlich bin ich mir sicher, dass Sie die Figuren, die ich oben gezeichnet habe, auch selbst zeichnen können – und noch viel mehr. Sie müssen nur einen Stift in die Hand nehmen (am besten jetzt gleich) und anfangen. Und dann natürlich immer mal wieder ein bisschen üben, z.B. wenn Sie in einem langweiligen Meeting sitzen oder am Telefon mal wieder in der Warteschleife hängen. Fünf Minuten am Tag finden Sie doch bestimmt, oder?

Überzeugend Präsentieren gibt's jetzt auch auf Facebook

Bevor Sie jetzt aber mit dem Üben anfangen, werfen Sie doch noch einen kurzen Blick auf die neue Facebook-Seite von Überzeugend Präsentieren. Und wenn Sie Ihnen gefällt, dann klicken Sie doch einfach auf den Knopf.


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Lukas Pustina: Keine Idee mehr verlieren mit dem Überallgedächtnis

Porträt Lukas Pustina – Autor des Überallbüro-Blogs
Immer wieder werde ich in Seminaren und Vorträgen gefragt, wie man gute Geschichten und Beispiele findet. Neben den zahlreichen Kreativitätstechniken hilft dabei vor allem eines: Mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.

Doch wie behält man all die interessanten Dinge, die man tagein, tagaus findet, im Gedächtnis? Man schreibt Sie auf. Und damit man seine Notizen immer und überall wiederfindet, tut man das am besten digital.

Ich habe Lukas Pustina gebeten, uns seine Methode des Überall-Gedächtnisses in einem Gastbeitrag zu erläutern. Lukas Pustina ist IT-Consultant und Autor des Produktivitätsblogs Überallbüro. Dort gibt er Tipps und Anregungen für zeitgemäßes Arbeiten und zeigt konkret und praktisch auf, wie man motiviert und produktiv seine Arbeit unabhängig von Ort und Zeit erledigen kann. Seine zentrale These lautet: Sei kreativ, wann und wo du es am besten bist.

Keine Idee mehr verlieren mit dem Überallgedächtnis

Im Vorfeld eines Vortrags wissen wir meist über was wir sprechen wollen, jedoch wie wir unsere Inhalte überzeugend präsentieren ist noch nicht klar. Es sind aber gerade die Storys, die unseren Inhalt zu unseren Zuhörern transportieren.

Ideenentdeckung

Aus diesem Grund beginnen meine Vortragsvorbereitungen viel früher als die tatsächliche Ausarbeitung des Vortrags. Denn im Gegensatz zum eigentlichen Inhalt wird mir erst mit der Zeit klar, wie ich diesen Inhalt für meine Zuhörer aufbereiten werde.

Inspiration für Ideen zu Storys, passenden Bildern und Fakten finde ich bei gezielter Recherche, beim täglichen Surfen im Internet, im Gespräch mit Kollegen oder bei Spaziergängen. Mal bringt mich ein Artikel aus einer Zeitschrift auf eine Idee oder ich entdecke eine Geschichte in einem Buch.

Ideen

Wann genau mir die passende Idee in Sinn kommt, ist jedoch nicht vorhersagbar, denn unser Gehirn kennt zwei Betriebsarten. Es arbeitet sowohl linear, auf den Moment konzentriert, als auch parallel im Hintergrund. Gerade diese Hintergrundaktivität ist für Assoziationen und damit neue Ideen zuständig. In diesem Modus werden Erinnerungen, Erfahrungen, Erlerntes und Erlebtes zu einem bestimmten Thema durchsucht und zu neuen Ideen kombiniert. Dies geschieht relativ unabhängig von unserer vordergründigen Aktivität – jeder, der eine Melodie im Radio hört, aber erst Minuten später auf den Titel kommt, erlebt gerade den assoziativen Teil unseres Gehirns in Aktion. Dieser kreative Prozess braucht Zeit.

Ideensammlung

Während der Vorlaufzeit zur Vortragsvorbereitung komme ich so immer wieder auf neue Ideen. Dabei ist es wichtig, diese Ideen festzuhalten und zu sammeln. Das Festhalten muss dabei so leicht wie möglich geschehen, ohne all zuviel abzulenken.

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Zum Sammeln meiner Ideen benutze ich daher die Software Evernote. Sie speichert Notizen und Dokumente aller Art und synchronisiert diese automatisch zwischen meinem Büro- und Home-Computer sowie meinem Smartphone. Auf diese Weise kann ich überall und jederzeit auf meine Notizen bzw. Ideen zugreifen.

Evernote ist mit wenig Mühe zu bedienen und integrierst sich so leicht in die persönliche Arbeitsweise. Über die eingebaute Volltextsuche, die man per Tastenkombination jederzeit auch aus anderen Programmen heraus aufrufen kann, lassen sich Notizen schnell und komfortabel wieder auffinden. Evernote erkennt und versteht sogar Text in Bildern und Fotos und fügt diesen zur Volltextsuche hinzu.

Digital-Ideen

Viel Inspiration bekomme ich beim täglichen Surfen im Internet, egal ob bei der gezielten Recherche oder doch zufällig. Es kann ein einzelner Absatz oder eine ganze Webseite sein. Mit Hilfe von Evernote kann ich beides mit nur einem Knopfdruck (Bild links) speichern und mit den passenden Tags meinem aktuellen Projekt hinzufügen (Bild rechts). Den Browserknopf gibt es für Safari, Firefox und Internet Explorer.

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Ebenso leicht lassen sich Screenshots festhalten. Dokumente aller Art können per Drag-n-Drop abgelegt werden.

Analog-Ideen

Natürlich findet man seine Ideen nicht nur in der digitalen, sondern auch in der realen Welt. In diesem Fall kann man mit der Handykamera schnell ein Foto vom Schaufenster, der Zeitschriftenseite oder der Abbildung im Buch machen und direkt an Evernote übertragen – manchmal sagt ein Bild eben mehr als Tausend Worte. Mit Hilfe der eingebauten Texterkennung kann man auch solche Notizen leicht wieder finden.

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So entstammt die Idee zur Erläuterung der Arbeitsweise unseres Gehirns dem Buch "Pragmatic Thinking and Learning". Um sie nicht zu vergessen, habe ich schnell ein Foto der Buchseite mit der Smartphone-Software von Evernote gemacht.

Hat man Papierdokumente mit mehreren Seiten oder möchte man eine bessere Auflösung, so lässt sich Evernote mit geeigneten Scannern direkt verbinden, so das neue Scans direkt in Evernote abgelegt werden.

Ideenbox

Alle Notizen können über Tags markiert und so zu einem Projekt bzw. Vortrag zusammengefasst und wiedergefunden werden. Über die praktische Funktion "Zusammenführen" können einzelne Notizen zu einer neuen zusammengefügt werden, so dass man am Ende eine einzelne Box für alle Ideen, Gedanken, Inspirationen und Quellen zum Vortrag hat. Aus Ideen in dieser Ideenbox kann man sich später bei der eigentlichen Ausarbeitung des Vortrags die Storys, Bilder und Fakten heraussuchen, die am besten passen.

Versuchen Sie es selbst

Vorträge bestehen nicht nur aus nacktem Inhalt. Gerade die Verpackung einer Aussage hilft den Zuhörern, zu verstehen, was man sagen möchte. Dafür braucht es gute Storys, aussagekräftige Bilder und Beispiele sowie fundierte Fakten. Nur so kann man wirklich mit seinem Vortrag überzeugen. Die Entwicklung eines Vortrags benötigt deswegen Zeit. Jedoch können Kreativität und damit neue Ideen nicht immer auf Kommando abgerufen werden. Deswegen ist es umso wichtiger seine Ideen schnellstmöglich mit geringem Aufwand festzuhalten.

Ich setze dafür seit langem Evernote erfolgreich ein und verliere so keine Idee oder Anregung mehr. Versuchen sie es selbst. Diesen Gastbeitrag habe ich Schritt für Schritt von der Idee, über Brainstorming bis zum endgültigen, ausformulierten Text in Evernote entwickelt. Mit der Zeit kamen Bilder und Fotos dazu.

Evernote ist in der Basis-Version kostenlos und voll funktionsfähig. Die Premium-Version bietet verschlüsselte Datenübertragung, mehr Übertragungsvolumen und die Unterstützung für beliebige Dateiformate. Evernote gibt es für Mac OS X und Windows. Zur Zeit werden die Smartphones iPhone, Android, Blackberry, Windows Mobile und Plam Pre unterstützt.

Viel Erfolg beim Sammeln wünscht Ihnen,
Lukas Pustina

Weitere Gastbeiträge
Heide Liebmann – Authentisch präsentieren mit dem Nasenfaktor
Dr. Kerstin Hoffmann – Verständlich kommt von Verstand
Gitte Härter – Gut gelacht ist halb gewonnen
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Wissen nützt auch nicht (immer)

In meiner Schulzeit hatte ich einen Klassenkameraden, der sich mit äußerster Sorgfalt auf jede Klausur vorbereitete und dafür ganze Bücherberge wälzte. Ich kann mich an eine Klausur in Sozialwissenschaften erinnern, für die er nicht weniger als 10 Fachbücher zum Thema gelesen hatte. Wir Mitschüler staunten teils befremdet, teils ehrfürchtig. Es gab wohl nichts, was er zu diesem Thema nicht gewusst hätte.

Dartpfeile gehen am Ziel vorbei
Das Ergebnis seiner Klausur: mangelhaft, weil Thema verfehlt. Seine Bestürzung sehe ich noch heute vor Augen, doch der Lehrer erklärte ihm in aller Ruhe, warum es keine angemessene Bearbeitung der gestellten Aufgabe sei, einfach alles aufzuschreiben, was man über ein Thema wisse.

Mein Mitschüler hatte es versäumt, die Aufgabenstellung sorgfältig zu lesen und aus seinem gesammelten Wissen die relevanten Informationen herauszufiltern, auf die konkrete Fragestellung anzuwenden und nachvollziehbar aufzuschreiben. Irgendwo in seinen Ausführungen war sicher die richtige Antwort verborgen, doch es war nicht Aufgabe des Lehrers, sie zu suchen, sondern Aufgabe des Schülers, zu zeigen, dass er abstraktes Wissen in einem konkreten Kontext anwenden kann.

Auf gleiche Weise ist es nicht die Aufgabe Ihrer Zuhörer, in Ihrer Präsentation eine Botschaft oder eine Kernaussage zu suchen. Es ist im Gegenteil gerade Ihre wichtigste Aufgabe, Ihr gesammeltes Expertenwissen so einfach und verständlich wie möglich, und damit auch so knapp wie möglich, aufzubereiten, damit Ihre Botschaft glasklar hervortritt.
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